mini|Christuskirche Schlangenbad im Januar 2023 mini|hochkant=1.5|Abb. 1: Hauptfront der Christuskirche in Schlangenbad (Zeichnung des Architekten) Die evangelische Christuskirche in Schlangenbad ist ein Hauptwerk des Architekten Ludwig Hofmann (1862–1933).

Vorbereitung des Baus Der Bau der Christuskirche in Schlangenbad fällt in die Zeit der zahlungskräftigen Kurgäste vor dem Ersten Weltkrieg. Bauleiter des Projekts war Hofmanns bewährter Techniker Theodor Lenz, der auch 1912 Pfarrer Höfer zum Wettbewerbsverfahren für die Ausmalung der Kirche beriet.Inzwischen war Lenz nach Münster verzogen und nicht mehr Mitarbeiter in Hofmanns Büro.

Wie bei jedem Projekt legte Hofmann auch zum Schlangenbader Kirchenneubau mehrere Entwurfsvarianten vor. Der 1904 von Regierungs- und Baurat Richard Saran bei der Bezirksregierung in Wiesbaden und von Oskar Hossfeld beim preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin geprüfte und 1907 in Langenschwalbach genehmigte Entwurf wurde ausgeführt.

Umgebung Die Lage und Ausrichtung des Gebäudes wird von den problematischen Bedingungen des rechteckigen Bauplatzes40 m lang, 30 m tief im steil abfallenden Osthang zwischen der Straße nach Bad Schwalbach und dem bergseits bestehenden Wald (mit einem durchlaufenden öffentlichen Weg) bestimmt. Die Kirche muss sich an den Berg schmiegen, d. h., die Längsachse konnte nur in Nord-Süd-Richtung verlaufen. Den Grundstückszugang plante Hofmann anfangs direkt von der Straße aus und, wegen des großen Geländeunterschieds zwischen Straße und Kirchenschiff, mit einer dreiläufigen Treppenanlage. Der steile und beschwerliche Aufgang scheint unbefriedigend gewesen zu sein, denn die weitere Planentwicklung beinhaltet nur noch den Zugang vom Süden her, der so auch ausgeführt wurde. Schauseite blieb aber die straßenseitige Hangfassade der Kirche. Sie liegt frei und ist von Weitem sichtbar. Hofmann gestaltet sie reich aus und bezeichnet sie auch als die Hauptfront.

Baubeschreibung Die Längsachse der Kirche ist im Prinzip eine Symmetrieachse. Der Grundriss (Abb. 5) zeigt ein Schiff mit quadratischem Mittelraumlichtes Innenmaß: 8,26 m × 8,26 m und einer rechteckigen Erweiterunglichtes Innenmaß 8,52 m × 5,61 m, äußere Breite – wie die breite des Eingangsvorbaues – 9,80 m an der Nordseite, diese wiederum mit einer 2,50 m tiefen Konche. Die Rechteckfläche wird von Hofmann teils als Schiffverlängerung und teils – in Verbindung mit der Konche – als Altarraum (um 3 Stufen erhöht) definiert. Im Süden steht der Vorbau des HaupteingangesAußenmaße 9,80 m × 5,15 m mit Windfang und dem von außen zugänglichen Treppenaufgangauch als sicherer Rettungsweg von der Orgelempore zur Orgelempore. Die Querschiffe erweitern den quadratischen Mittelraum um 2,00 m. Liegt der öffentliche „Wegaufgang“ im Plansatz von 1904 noch außerhalb (westlich) der Kirche, so ist er später in die überbaute Durchfahrt zwischen dem westlichen Querschiff und dem Berghang gelegt. Diese offene Durchfahrt dient auch als Schutz gegen die HangfeuchtigkeitDas Problem mit der Feuchtigkeit wurde ca. 1960 nochmals angegangen (s. Failing, S. 50), blieb aber offensichtlich an manchen Stellen ungelöst. und der Überbau (mit Orgelempore) als Stabilisierung des Gebäudes im HangFailing berichtet von starker Rissebildung im Mauerwerk, verursacht durch die Sprengung im nahen Steinbruch, durch Feuchtigkeit oder durch Verkehrserschütterungen. Gewölbe und Pfeilerstützen mussten stabilisiert werden; S. 51. Seitlich des Schiffrechtecks (und in gleicher Tiefe des Querschiffs) liegt bergseits ein Nebeneingang mit Toilette und hangseits die Sakristei mit eigenem Zugang und vorgelagerter Terrasse. In der Emporenebene sind über dem Eingangsvorbau Bänke mit 45 Sitzplätzen eingebaut. Die Bankreihen sind so gestaffelt, dass von jedem Sitzplatz aus Kanzel und Altar gut zu sehen sind (Abb. 6). Im Anbaulichte Tiefe 5,64 m lichte Breite 7,74 m über der Durchfahrt des öffentlichen Weges (und im Travée des quadratischen Mittelraumes und der Querschiffe) liegt die Orgelempore.

Unter dem östlichen Querschiff (in der Hauptfront) liegt eine repräsentative Halle mit Zugang zum Turmaufgang und zum Heizungsraum (unter der Sakristei; Abb. 1). Der Turmaufgang mit einer zweiflügeligen Türe ist der zweite Eingang zur Kirche; er dient gleichzeitig auch als vorgeschriebener zweiter Rettungsweg. Im Winkel zwischen Haupteingang und östlichem Querschiff steht der wuchtige achteckige Turm. Als Eckturm ist er ein Kontrapunkt sowohl in der Hauptfront, als auch in der Westfassade mit dem Haupteingang. Er markiert den Abschluss der Kirche zum Tal. Sein rundes Treppenhaus im Innern verbindet den unteren, zweiten Eingang mit allen darüber liegenden Ebenen bis zum Glockengeschoss. Zur äußeren Gestaltung der Kirche sagt Hofmann:

Der Querhausgiebel der Hauptfront ist über der Halle reich gestaltet: In gestaffelten Blendarkaden stehen die 4 Fenster, im Giebeldreieck darüber ein Rundfenster; die ca. 1,50 m hohe Christusfigur steht auf dem Kapitell (mit Schmetterlingsrelief) einer Halbsäule (Abb. 8), und zwar vor der Fassade; ein Ornamentfries schließt den Dreiecksgiebel ab. Die Durchdringung des Längsschiffs mit dem Querschiff hatte an der Hauptfront, d. h. an der Ostseite die Entstehung eines Giebelmotives zur Folge, welches hier fast als unentbehrlich gelten musste. Dieser Ostgiebel kann in Verbindung mit dem flankierenden Turm als das architektonische Hauptmotiv der ganzen Bauanlage bezeichnet werden, welches sich von Südosten (Abb. 9) gesehen mit dem südlichen Portalgiebel und nach Nordosten zu mit dem Sakristeiausbau und mit der nördlichen Chorapside zu einer gefälligen Gesamtgruppe von monumentaler Wirkung vereinigt.

Dieses Architekturbild hat durch die Anordnung einer offenen Halle im Untergeschoss des Ostgiebels eine nicht unwesentliche Steigerung erfahren. Hofmann plante die Halle im Untergeschoss als Arkadengang mit drei runden Bögen mit Bogenfries, die auf wuchtigen Pfeilern mit Basis und angedeuteten frühionischen Kapitellen liegen. In seiner Zeichnung war nur die mittlere, 3,00 m hohe Öffnung mit Differenzstufen als Durchgang vorgesehen. Ausgeführt wurden aber drei gleiche, nur 2,50 m niedrige Öffnungen, deren Bögen auf angedeuteten Kapitellen, bestehend aus zwei Platten (Abb. 10), aufliegen, was sich nachteilig auf die Proportionen der Hauptfront auswirkt. Eine weitere Hauptfassade ist die Giebelfassade des Zugangs mit Vorhalle, seitlichem Aufgang zur Orgelempore und Hauptportal. Der große romanische Bogen des Zugangs mit darüber stehendem Ziergiebel wird von Blendpfeilern getragen. In Hofmanns Plan ist im Ziergiebel eine Engelfigur als Flachrelief angedeutet. Ausgeführt wurden auf der linken Seite (auf der Seite des Grundsteins) die Darstellung Austreibung aus dem Paradies (Abb. 11), rechts (als Pendant) die Rückkehr des verlorenen Sohnes (Abb. 12), und im Giebel der gute Hirte (Abb. 13). Steinmetz war Max Bachmann aus Wiesbaden.Hinweis von Marianne und Dr. Michael Streubel am 13. Juni 2007 Bekrönt wird der Giebel mit dem Pelikan. In dem Girlandenband über dem Zugang eingewoben sind die Abbildungen eines Frucht pickenden Wiedehopfs (Abb. 14), einer Schnecke, einer Schlange, einer Taube, einer Eule, der Kopf eines Kindes und eines alten Mannes.Siehe Failing S. 53 Die Fassade des Hauptgiebels ist – wie auch die der östlichen Hauptfront – mit gestaffelten Scheinarkaden und Fenstern gegliedert. Auf der Bergseite liegt die überbaute öffentliche Durchfahrt; die Hangseite schließt der achteckige, 35 m hohe Turm ab. Er hat insgesamt 6 Ebenen: Die untere Eingangsebene der Kirche, das Hauptgeschoss, die Emporenebene, ein Zwischengeschoss, in der fünften steht das Uhrwerk und die Glocken hängen in der sechsten Ebene. Auf der Höhe des Uhrengeschosses wird die Fassade mit romanischen Scheinarkaden geschmückt. Die Außenwände des Glockengeschosses sind auf 8 Eckpfeiler reduziert; dazwischen stehen je zwei gekuppelten Fenster mit romanischen Überfangbögen. Auf den Kapitellen der Mittelsäulen sitzen Tierfiguren. Abschluss des Turmschaftes ist ein Gesims mit Rundbogen- und Zickzackfries. Der achteckige Helm ist massiv gemauert und wird von einem Abschlussstein,in Hofmanns Detailplan sind die Oberflächen des Knaufabschlusses bossiert und für Bildhauerarbeit vorgesehen. in dem das Eisenkreuz (Höhe 1,11 m) mit Ring steckt, gekrönt. Das Sichtmauerwerk des Helms ist gleichzeitig die Dachhaut.

Die übrigen Dachflächen der Kirche sind altdeutsch in Schiefer eingedeckt. Das aufgehende Mauerwerk der Kirche besteht aus der äußeren Werksteinverblendung und einer Hintermauerung mit Ziegelsteinen. Die Innenflächen sind verputzt. Die Kellerdecke wurde als Betondecke mit I-Trägern ausgeführt. Die Gewölbe über dem Mittelquadrat und dem Rechteck des Schiffs sind als Kreuzgewölbe (mit Graten) und in den Querschiffen und der Südempore als Tonnengewölbe ausgeführt. Pfeiler mit Halbsäulenvorlagen und Würfelkapitellen (mit Akanthus- und Tierfiguren) tragen die Gurtbögen und die Gewölbe (Abb. 15) Die Radien der Gurtbögen und Tonnen entsprechen jeweils der Hälfte der Öffnungsbreite; ihr Mittelpunkt liegt auf der Höhe der Oberkante der Kapitelle. Die Innenausstattung der Kirche mit Altar, Kanzel, Orgelempore, den Bänken, dem Bodenbelag, dem Radleuchter, den farbigen Chorfenstern (Abb. 16)Gestiftet von Mme. u. Jonkh. Lampsins van den Velden aus Utrecht. und den anderen bleiverglasten Fenstern sind noch ursprünglich erhalten. Der Orgelprospekt wurde leider – vermutlich beim Einbau des neuen Werkes – zu seinem Nachteil verändert: Die Seitenteile des Bogens wurden gekappt (Abb. 17).Siehe auch Plan Nr. 8 AGW 054-008 und AKg Plan Nr. 7.

Die massive Ausführung von Kanzel in ZylinderformDie Kanzel war in den Vorentwürfen 8-eckig und ihr Standort links des Altars vorgesehen; sie wurde aber – der besseren Sichtverbindung von der Orgelseite aus und wegen der Nähe zur Sakristei – im Ausführungsplan von 1907 auf die rechte Seite verlegt und in Zylinderform gefertigt. und Altar aus Sandstein und ihre Gestaltung sind bereits in Hofmanns Plansatz M 1:50 aus dem Jahre 1906 dargestellt. Altar und Kanzel (Abb. 18 und 19) sind massiv in grauem Sandstein ausgeführt und zu dem einfachen würdigen Innenraum in monumentaler Weise zusammengestimmt. In gleichem Sinne wurde das Orgelgehäuse architektonisch ausgebildet. Die Glasmalereien der Chorfenster stellte W. Franke (Naumburg a. d. S.) her. Der Taufstein aus neuer Zeit ist eine romanisierende Ergänzung des Architekten Wilfrid Franzen (Wiesbaden).

Die Ausmalung wurde erst vier Jahre nach der Einweihung der Kirche in Angriff genommen.Bereits vor der Ausmalung stellte Kirchenmaler Johann Rauland aus Koblenz-Ehrenbreitstein eine Rechnung für die Lieferung von Schablonen; Hinweis von Marianne und Dr. Michael Streubel. Bauführer Theodor Lenz stellte in seinem Brief vom 20. Januar 1912 an Pfarrer HöferKopie von Marianne und Dr. Michael Streubel am 17. Mai 2007 erhalten. die Bedingungen zur Durchführung eines Wettbewerbs zusammen, einschließlich der Empfehlung, Hofmann als Erbauer der Kirche in das Preisgericht zu berufen. Der Hauptsponsor des Kirchenbaues war Freiherr von Krauskopf (sein Ehrenplatz wird heute noch mit dem Messingschild vom 16. August 1908 markiert),er hatte bereits 40.000 Mark gestiftet; Failing S. 34. spendete nochmals 3.000 Mark für die Ausmalung der Kirche.Pfr. Höfer am 13. Januar 1913, Tgb. Nr. 18; ZAeKHN 1/2784. Er schlug die Beteiligung des Architekten Georg Heinsius von Mayenburg und des Malers Haussmann (beide aus Dresden) vor.Brief vom 3. Februar 1912 an Pfr. Höfer; Kopie von Marianne und Dr. Michael Streubel am 17. Mai 2007 erhalten. Haussmann führte dann auch 1913 die Ausmalung unter der Leitung von Hofmann durch.Pfr. Höfer am 4. Oktober 1913; ZAeKHN 1/2784. Vermutlich wurde kein Wettbewerb ausgeschrieben.