Vellahn ist eine Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie wird vom Amt Zarrentin mit Sitz in der Stadt Zarrentin am Schaalsee verwaltet.

Geografie Vellahn ist die südlichste und flächenmäßig größte Gemeinde des Amtsbereiches. Die Bundesstraße 5 führt durch die Gemeinde. Durch das Gemeindegebiet fließen die Schaale und die in sie mündende Schilde in südwestlicher Richtung.

Umgeben wird Vellahn von den Nachbargemeinden Kogel im Norden, Wittendörp im Nordosten, Wittenburg und Toddin im Osten, Pritzier und Lübtheen im Südosten, Brahlstorf im Süden, Dersenow und Tessin b. Boizenburg im Südwesten, Bengerstorf im Westen sowie Gallin im Nordwesten.

Zur Gemeinde Vellahn gehören die Ortsteile Banzin, Bennin (mit den Orten Bennin, Schildfeld und Tüschow), Camin (mit den Orten Camin, Kützin und Wulfskuhl), Kloddram, Melkof (mit den Orten Melkof und Jesow) und Rodenwalde (mit den Orten Albertinenhof, Goldenbow, Marsow und Rodenwalde).§ 1 der Hauptsatzung (PDF; 51 kB) der Gemeinde mini|ohne|hochkant=2.3|Panoramablick auf Vellahn

Geschichte Vellahn Um 1170 entstand im damals sogenannten Vilan eine romanische Feldsteinkirche. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1194 im Isfriedschen Teilungsvertrag. 1230 gehörten der Kirche nach der Aufstellung des Ratzeburger Zehntregisters 14 Dörfer an. Die Wassermühle in Vellahn war 1279 in Besitz des Klosters Zarrentin, ging jedoch 1358 an die Grafen von Schwerin. Die Kirche verfiel und wurde nach 1386 ohne Turm wieder aufgebaut. Ab 1701 gehörte Vellahn zum Herzogtum Mecklenburg-Schwerin. Von 1883 bis 1885 wurde die Kirche von Theodor Krüger zusammen mit Hermann Schlosser umgebaut.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts lebten in Vellahn 146 Einwohner. Diese Zahl steigerte sich bis 1700 auf etwa 200 und bis 1905 auf 644 Einwohner. Zu dieser Zeit gab es im Dorf eine Dreiklassenschule, einen Arzt, eine Apotheke, fünf Krüge, Läden und Handwerksbetriebe.

2012 wurde der Innenraum der Kirche in eine Winterkirche und ein Gemeindezentrum umgebaut.

Am 13. Juni 2004 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Banzin, Bennin, Camin, Kloddram, Melkof und Rodenwalde in die Gemeinde Vellahn eingegliedert.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004

Banzin Banzin wurde erstmals 1194 im Isfriedschen Teilungsvertrag erwähnt und zählt auch zu den im Ratzeburger Zehntregister um 1170 angeführten Dörfern. Der Name Banzin kommt aus dem Polabischen („Ort des Bąča“)Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. MJB Bd. 46 (1881) , S. 3–168, hier S. 39. und änderte im Verlauf der Geschichte seine Schreibweise. So hieß der Ort 1194 Bansin und 1348 Bantzin.Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. MJB Bd. 46 (1881) , S. 3–168, hier S. 39. Ursprünglich wurde Banzin als sogenanntes Sackplatzdorf angelegt, einer für den hochmittelalterlichen Landesausbau in der Germania Slavica typischen Siedlungsform, die sich in der Gegend häufig findet und auf eine damit einhergehende Neuordnung der Ackerflächen hinweist.

1230 bestand der Ort aus 17 Hufen und gehörte zum Kirchspiel Vellahn. Das Gut befand sich seit 1371 im Besitz der Lützow. 1652 übernahm es der schwedische Obrist Markwart Ernst von Pentz. Im Kirchenvisitationsprotokoll von 1653 wurde noch eine kleine Fachwerkkapelle mit kleiner Glocke am Bretterverschlag erwähnt.Friedrich Schlie: Das Gut und Filial-Kirchdorf Banzin. 1899 S. 93. 1765 ging Banzin an Hermann Theobald von Kurtzrock. 1796 kaufte Georg Heinrich von Döring das Gut, der den Kaufvertrag sofort an Gotthard Wilhelm von Laffert auf Dammerez cedierte. Ab 1800 wechselte das Gut in den Besitz von Ernst August von Laffert, dem zu dieser Zeit auch das Gut Dammereez gehörte.

Von 1840 bis 1850 wurde das ehemalige Gutshaus („Schloß“) neu aufgebaut. Es entstand ein schlichter zweigeschossiger Bau von elf Achsen, wobei der Mittelrisalit mit einem flachen Dreiecksgiebel betont wurde. Baumeister Ludwig August Johann Gottlieb Bartning aus Schwerin entwarf den Bau, die Ziegel kamen aus der eigenen Ziegelei. Bei der Gestaltung des Parks half 1840 Hofgärtner Theodor Klett, der einzelne Baumgruppen aus Ulmen und Linden anlegte. 1861 wurde das Herrenhaus im Stil eines englischen Landhauses modernisiert und erhielt am rechten Flügel einen viereckigen Turm. Im Sommer 1862 entstand dann das Glashaus, das nur ein Jahr später in der Zeitschrift für Bauhandwerker ausführlich beschrieben und in Plänen dargestellt wurde. Als Planzeichner wird der Maurerschüler A. Herr aus Wittenburg genannt. Ein massiv gemauerter, zugleich als Balkon dienender Anbau, zum Garten hin mit drei hohen Rundbogenfenstern gegliedert, verband das Wohnhaus mit dem eigentlichen, sechzehnachsigen Glashaus. Im Innern des Glashauses gab es einen Bereich für Warmhaus- und einen für Kalthauspflanzen. Der Anbau diente als Blumenzimmer und zugleich als Heizraum.Katja Pawlak, Marcus Köhler: Orangerien und historische Glashäuser in Mecklenburg-Vorpommern. 2009 S. 231. 1897 ging das Gut in das Eigentum des Lübecker Bürgermeisters Johann Hermann Eschenburg über. Das Gut wurde 1931 für 45 Siedler aufgesiedelt. Heute steht das Herrenhaus leer und verfällt. Der Park ist verwildert.

Bennin Bennin wurde als Benin erstmals 1158 urkundlich erwähnt hinsichtlich der anfänglichen Ausstattung des Bistums Ratzeburg.MUB I. (1863) Nr. 65 online Es gehört im Ratzeburger Zehntregister zu den ältesten Dörfern des Landes Boizenburg.

Die 1503 vom Bischof Johannes von Parkentin am Dorfrand erbaute Kirche wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört.Friedrich Schlie: Das Filialdorf Bennin. 1899 S. 136–137. Der heutige, rechteckige Fachwerkbau mit achteckigem Chorschluss wurde 1682 errichtet und dem Heiligen Dionysius geweiht. Den niedrigen, hölzernen Turm mit einer spitzen Pyramidenhaube hatte man 1868 vor die Westwand gesetzt. Die kleine Bronzeglocke hat eine Inschrift von 1660. Der Innenraum ist mit einer flachen Holzbalkendecke geschlossen. Ein spätgotischer Schnitzaltar im Chor stellt die Marienkrönung dar, darunter befinden sich Heilige und auf den Flügelgemälden sind Johannes der Täufer und Mose. Zur schlichten einfachen Ausstattung gehört die Holzkanzel und Reste eines Patronatsstuhls von 1744.

Im Juni 1964 wurde ein bronzezeitliches Hügelgrab in der Nähe des Ortes im Auftrag des Museums für Ur- und Frühgeschichte Schwerin archäologisch untersucht und dokumentiert.Heimat DDR. Erlebnisse. Betrachtungen. Erkenntnisse. Dokumente, darin Siegfried Spantig: „Kulturland Deutsche Demokratische Republik“, Hrsg. Horst Jäkel, GNN-Verlag Schkeuditz 2015, S. 221ff., ISBN 978-3-89819-416-7

Ab 1987 wurde das Kirchendach erneuert und mit Biberschwanzdachziegeln neu eingedeckt. Nach der 1991 erfolgten Innenrestaurierung wurde 1997 der Holzturm saniert und mit Kugel und Wetterfahne versehen.

Camin mini|Feldsteinkirche Camin Camin wurde 1194 im Isfriedschen Teilungsvertrag erstmals urkundlich erwähnt.MUB I. (1863) Nr. 154. Die Kirche in Camin bildete nach den Angaben im Ratzeburger Zehntregister von 1230 eine eigene Parochie, zu der die Dörfer Goldenbow, Vietow, Kogel und Dodow sowie die eingegangenen Dörfer Doddin und Holthusen gehörten. Der Name ist vom wendischen Wort kamy, kameni Stein abgeleitet und heißt Steinort. 1246 vertauschte Ludolf, Bischof von Ratzeburg, an den Ritter Bernhardus de Camin den Zehnten von vier Hufen in Molzahn gegen dieselben in Camin.MUB I. (1863) Nr. 574. Sein Nachfolger, der Ratzeburger Bischof Friedrich, bestätigte 1257 diesen Tausch und die Überlassung weiterer Dörfer an das Dom-Capitel.MUB II. (1864) Nr. 800.

Im Mittelalter stand am Zusammenfluss der Bäche Motel und Schilde die Oll Borg derer von Züle. 1291 wurde ein Volrad von Züle erwähnt. Sie waren damals Raubritter und ihre Burg wurde 1349 von Lübeckern zerstört. 1591 gehörte Camin den von Halberstadt. 1615 verkauften sie das Gut an Hartwig von Pentz auf Toddin. Auch Camin wurde im Dreißigjährigen Krieg verwüstet und die von Pentz konnten das Gut nicht mehr halten. 1664 ging es endgültig an Berend Joachim von Bülow über. Wann das erste Herrenhaus erbaut wurde, ist nicht bekannt. Sicher bestand ein solches schon zur Zeit des Hartwig von Pentz. Das Haus wurde mehrfach umgebaut, letztlich mit den roten Ziegelsteinen verblendet. Der Stufengiebel ist verschwunden und zusätzlich kam ein Geschoss hinzu. Über der Eingangstür befindet sich noch das Allianz-Wappen derer von Bülow von 1786.Hugo von Pentz: Album mecklenburgischer Güter im ehemaligen ritterschaftlichen Amt Wittenburg. 2005 S. 26.

Auf der Anhöhe im Dorf stand eine mittelalterliche Kirche, die dem heiligen Georg geweiht war, wie das Visitationsprotokoll von 1653 berichtet. Diese Kirche erhielt 1789 eine kleine Orgel mit sechs Registern ohne Pedal aus der Lambertikirche in Lüneburg.Jan von Busch: Die Barockorgeln in Dreilützow und Bedheim in ihrer Funktion als Votivorgeln, in: Ars Organi. 72. Jg., Heft 2, 2024, S. 83–94. 1852 entschied man sich für einen Neubau der Feldsteinkirche im Stil der englischen Tudorgotik. Die Orgel gelangte nach dem Abbruch der Kirche 1853 in die Dorfkirche Dreilützow, wo sie heute noch steht. 1855 wurde die neue Kirche eingeweiht.Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Camin. 1899 S. 95. Die Pfarre war damals reich und stiftete sogar ein Armenhaus. Der eingezogene Backsteinturm vor dem Westgiebel weist im Kern noch mittelalterliche Reste auf. Er wurde nach einem Brand 1920 verändert. Der kreuzförmige Grundriss im zweijochigen Langhaus mit zwei einfachen Sterngewölben schließt mit einem achteckigen Chor ab. Auffallend die unterschiedlichen Fensterformen, so im Chor aus gefastem Werkstein mit Schulterbogenschluss, am Langhaus als spitzbogige Zweiergruppe und im Turm mit gusseisernem Maßwerk. In den Chorfenstern sind Heiligendarstellungen, das Kreuzigungsfenster wurde 1901 von Küster Adolf Burgdorf gestiftet. Fehlstellen sind durch Vandalismus und großflächige Verluste durch eingreifende Reparaturen entstanden.Reinhard Kuhl: Glasmalereien des 19. Jahrhunderts, Mecklenburg-Vorpommern. Leipzig 2001, S. 60.

1934 erfolgte dann die Aufsiedlung und 1937 kaufte der Kammerherr von Bülow das Restgut. 1945 wurde Camin enteignet und das Herrenhaus von der Roten Armee ausgeräumt. Später wurde das Haus an die evangelische Kirche verpachtet, die dort ein Altersheim einrichtete und es Helenenheim nannte. Helene von Bülow wurde am 14. Januar 1816 als drittes von zwölf Kindern von Bernhard von Bülow auf Camin und Elise, geb. von der Lühe in Camin geboren und am 18. Januar 1816 unter der Nr. 923 in das Kloster Dobbertin eingeschrieben. Sie gründete als Diakonisse 1847 in Kleinow, heute Ludwigslust das Stift Bethlehem, das sie vierzig Jahre lang als Oberin leitete.Axel Attula: Netzwerke der Barmherzigkeit. Mecklenburgs Diakonissen. Ribnitz-Damgarten 2013, S. 6–9.

Goldenbow Gut Goldenbow gehörte zu den Besitzungen des Geschlechts Lützow. Es war Sitz des Hauses Goldenbow, eines im späten 17. Jahrhundert mit Ludolf Konrad von Lützow († 1708) wieder katholisch gewordenen Teils der Familie. Im 19. Jahrhundert gehörte das Gut zunächst der Familie von Schilden, bevor es 1852 als Familienfideikommiss an Jaspar von Bülow und seine Nachkommen gelangte. Das Herrenhaus Goldenbow, ein stattlicher wirkender Renaissance-Bau von zwei Geschossen wurde 1696, wohl als Wasserschloss, errichtet und nach 1852 umgebaut. Zur Gutsanlage gehörte der noch vorhandene runde Wasserturm.

Jesow Am 1. Juli 1950 wurde die Gemeinde Jesow nach Melkof eingemeindet.

Marsow mini|hochkant|Feldsteinkirche Marsow mini|hochkant|Grabkapelle