Mornshausen (bis zur Eingemeindung Mornshausen an der Salzböde, kurz Mornshausen a. S., mundartlich Mornshause) ist ein Dorf im Südosten des Hessischen Hinterlandes und als solches ein Ortsteil der Stadtgemeinde Gladenbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geographie Mornshausen grenzt südöstlich an die Kernstadt Gladenbach, baulich mit ihr nahezu zusammengewachsen. Der Stadtteil liegt am nördlichen linken Ufer der Salzböde im Gladenbacher Bergland und damit im Naturpark Lahn-Dill-Bergland. Von der Gemarkungsfläche sind 239 Hektar bewaldet (Stand: 1961). Die höchste Erhebung ist im Süden der 448 Meter hohe bewaldete Dreisberg. links|mini|hochkant=3|Panorama von Südwest (ganz links Gladenbach)

Geschichte Ortsname Vor der Eingemeindung in die Stadt Gladenbach hieß Mornshausen amtlich Mornshausen an der Salzböde oder kurz Mornshausen a. S. zur Unterscheidung von dem im selben Kreisgebiet gelegenen Mornshausen a. D. Neben der amtlichen existierten einige weitere Schreibweisen, wie Mornshausen/Salzböde oder Mornshausen (Salzböde). Die Schreibweisen mit Namenszusatz sind heute noch gelegentlich gebräuchlich.

Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Mornshausen erfolgte unter dem Namen Moroldeshusin im Jahr 1275.„Zwischen Dreisberg und Hoor, 750 Jahre Mornshausen an der Salzböde 1275“ – 2025; Hrsg. Festausschuss 750 Jahre Mornshausen, Belz GmbH Bad Langensalza 2025; Die frühesten urkundlichen Erwähnungen; Siegfried Becker, Seiten 2 bis 11 Im Mittelalter wurde in der Gemarkung Silberbergbau betrieben, es entstand auch eine Schmelzhütte. Es sind bis heute noch mehrere Mühlen nachweisbar bzw. erhalten. Im Jahr 1924 wurde der bestehende Steinbruch erweitert.

In der Nähe von Mornshausen fand 1822 der Postraub in der Subach statt, der durch die Verfilmung Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach bekannt wurde.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Mornshausen:

Mornshausen als Ortsteil von Gladenbach Zum 1. Juli 1974 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz der Zusammenschluss der Stadt Gladenbach mit den Gemeinden Bellnhausen, Diedenshausen, Erdhausen, Friebertshausen, Frohnhausen b. Gladenbach, Kehlnbach, Mornshausen a. S., Rachelshausen, Römershausen, Rüchenbach, Sinkershausen, Weidenhausen und Weitershausen zu heutigen Stadt Gladenbach. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden und die Kernstadt Gladenbach wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

In Mornshausen gab es bis 2001 eine Haltestelle der Aar-Salzböde-Bahn. Seit 2006 wurden die Gleisanlagen demontiert.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Mornshausen angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Blankenstein, Untergericht Gladenbach ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Blankenstein, Untergericht GladenbachDie Zugehörigkeit des Amtes Blankenstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Blankenstein ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Blankenstein, Untergericht Gladenbach ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Blankenstein, Land- und Rügengericht ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Blankenstein ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GladenbachTrennung von Justiz (Landgericht Gladenbach) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs., Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (übergangsweise Hinterlandkreis) ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Biedenkopf ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Biedenkopf ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde GladenbachAm 1. Juli 1974 als Ortsbezirk zur Gemeinde Gladenbach. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Gladenbach

Gerichte seit 1821 Die Rechtsprechung gibt 1821 im Rahmen der Trennung von Justiz und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte über. „Landgericht Gladenbach“ war daher von 1821 bis zur Abtretung an Preußen 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Gladenbach. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Nach der Abtretung des Kreises Biedenkopf an Preußen infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde der Landgerichtsbezirk Gladenbach preußisch.Art. 14 des Friedensvertrages zwischen dem Großherzogthum Hessen und dem Königreiche Preußen vom 3. September 1866 () Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103) Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden.Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte ()

Vom 1. Oktober 1944Erlaß zur Änderung von Oberlandesgerichtsbezirken vom 20. Juli 1944 (RGBl. I S. 163) bis 1. Januar 1949 gehörte das Amtsgericht Gladenbach zum Landgerichtsbezirk Limburg, danach aber wieder zum Landgerichtsbezirk Marburg. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Aufhebung des Amtsgerichts Gladenbach, welches fortan nur noch als Zweigstelle des Amtsgerichts Biedenkopf fungierte. Am 1. November 2003 wurde diese Zweigstelle schließlich aufgelöst.bezieht sich auf

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Mornshausen 1356 Einwohner. Darunter waren 66 (= 4,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 210 Einwohner unter 18 Jahren, 452 zwischen 18 und 49, 300 zwischen 50 und 64 und 294 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 567 Haushalten. Davon waren 147 Singlehaushalte, 165 Paare ohne Kinder und 180 Paare mit Kindern, sowie 57 Alleinerziehende und 15 Wohngemeinschaften. In 18 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 72 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1502: 15 Männer • 1577: 35 Hausgesesse • 1630: 34 Hausgesesse (9 zweispännige, 9 einspännige Ackerleute, 14 Einläuftige) • 1742: 78 Haushalte • 1791: 307 Einwohner • 1800: 313 Einwohner • 1806: 335 Einwohner, 56 Häuser • 1829: 415 Einwohner, 68 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1829: 415 evangelische Einwohner • 1885: 489 evangelische, ein katholischer und ein anderer Christ • 1961: 1077 evangelische (= 86,51 %), 163 römisch-katholische (= 13,09 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 141 Land- und Forstwirtschaft, 321 produzierendes Gewerbe, 70 Handel und Verkehr, 60 Dienstleistungen und sonstiges.

Politik Wappen und Flagge

Am 25. Mai 1964 genehmigte der Hessische Minister des Innern das Wappen mit folgender Beschreibung:

Die nichtamtliche Dorfflagge ist zweigeteilt in Gold und Schwarz; das Wappen ist in der Mitte aufgelegt.

Infrastruktur Wanderweg In Mornshausen beginnt ein Wanderweg entlang der historischen Postkutschenroute.

Bildung In Mornshausen gibt es eine Grundschule, ein Bürgerhaus und einen evangelischen Kindergarten.

Verkehr Die Landesstraße L 3048 führt im Salzbödetal von der Kernstadt durch Mornshausen weiter nach Lohra. In der Ortsmitte zweigt die Kreisstraße K 115 von der L 3048 nach Norden ab und führt nach Rüchenbach. Die RMV-Buslinie 383 verbindet Mornshausen mit Marburg und Bad Endbach.

Literatur „Zwischen Dreisberg und Hoor, 750 Jahre Mornshausen an der Salzböde 1275 – 2025“; Hrsg. Festausschuss 750 Jahre Mornshausen, Belz GmbH Bad Langensalza 2025

Weblinks

Unsere Stadtteile im Kurzportrait! In: Webauftritt der Stadt Gladenbach.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise Einwohnerzahlen aus Webarchiv: 2004, 2006, 2010–2012, ab 2014

Kategorie:Ortsbezirk von Gladenbach Kategorie:Ort im Landkreis Marburg-Biedenkopf Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Marburg-Biedenkopf) Kategorie:Gemeindeauflösung 1974