Nottuln (plattdeutsch Notteln) ist eine Gemeinde im Kreis Coesfeld in Nordrhein-Westfalen.

Geographie Lage und Nachbarorte Nottuln liegt etwa 20 Kilometer Luftlinie westlich von Münster und 15 Kilometer östlich von Coesfeld am Südwestrand der Baumberge. Nottuln grenzt an Billerbeck, Havixbeck, Senden, Dülmen und Coesfeld. Es hat eine gleichnamige Anschlussstelle 5 Kilometer südöstlich von Nottuln zur Bundesautobahn 43, die das Ruhrgebiet und Münster verbindet.

Gemeindegliederung mini|Ortsteile von Nottuln Nottuln besteht aus den Ortsteilen: Appelhülsen (4.778 Einwohner; Stand: 31. Dezember 2024) Darup (2.182 Einwohner; Stand: 31. Dezember 2024) Nottuln (12.245 Einwohner; Stand: 31. Dezember 2024) Schapdetten (1.273 Einwohner; Stand: 31. Dezember 2024)

Zu Nottuln gehören u. a. die folgenden Bauerschaften: Baumberg Buxtrup Draum Gladbeck Hastehausen Heller, hier steht die denkmalgeschützte Hofanlage Villa Alstede Horst Hövel Limbergen Stevern Stockum Uphoven

Geschichte mini|hochkant|Die Pfarrkirche von Nottuln mini|Der von Schlaun geplante Ortskern mini|Stiftskurie Nottuln Die Siedlungsspuren im Raum Nottuln reichen bis etwa 4000 v. Chr. zurück.repositorium.uni-muenster.de Im 9. Jahrhundert, wahrscheinlich in der Zeit des ersten münsterischen Bischofs Liudger, entstand in Nottuln eine Pfarrkirche, möglich ist aufgrund des Martins-Patroziniums sogar eine noch frühere Gründung. Der ursprüngliche Name „Nutlon“ bedeutet vermutlich Nusswald oder Nussgehölz. Im 11. Jahrhundert, nach den Fälschungen des Kaplans Albert Wilkens bereits im 9. Jahrhundert, entstand in Nottuln ein Damenstift, in dem Heriburg von Nottuln als Heilige verehrt wurde. Ihr Sarg und ihre Gebeine sind in der katholischen Kirche in Nottuln ausgestellt. Bei dem Damenstift handelte es sich um einen lockeren Zusammenschluss von Frauen, die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Vita communis nach den Regeln des heiligen Augustinus lebten. Dieses „gemeinsame Leben“ wurde 1524 aufgehoben und in ein freiweltlich-adeliges Damenstift umgewandelt. Da die Damen des Klosters sehr wohlhabend waren, führte dies dazu, dass die Gebäude trotz weltlicher Nutzung sehr aufwändig gebaut und mit teils eindrucksvollen Portalen versehen wurden.Infotafel "Barocke Stiftskurien Nottuln" im Ortskern von Nottuln (29. Juni 2024)

In Nottuln befindet sich der „Stiftsbezirk“ in direkter Nachbarschaft zur Pfarrkirche St. Martinus und auf dem Gelände des ehemaligen Damenstiftes. Nach den Zerstörungen durch einen Brand 1748 wurde der Bezirk mit der Ascheberger, der Kettelerschen und der Reckschen Kurie unter der Leitung des barocken Architekten Johann Conrad Schlaun wieder aufgebaut, wobei als Baumaterial an herausragenden Stellen der Baumberger Sandstein zum Einsatz kam. Auch wenn Schlauns Pläne nicht vollständig umgesetzt werden konnten, stellt sich der Stiftsbezirk immer noch als ein Ensemble barocker Bauten dar. Auch die Pfarrkirche wurde nach dem Brand instand gesetzt und erhielt dabei eine barocke Haube in Form eines Zwiebelturmes. Noch heute findet rund um den Martinstag am 11. November im Nottulner Ortskern der traditionelle Martinimarkt, eine Kirmes mit Krammarkt, statt.

Die Pfarrkirche St. Bonifatius im Ortsteil Schapdetten ist eines der ältesten Bonifatius-Patrozinien im Bistum Münster. Sie wurde als Eigenkirche des Klosters Fulda etwa 1122 gegründet, ist jedoch erst 1313 nachweisbar.

Der Ortsteil Darup, der aus einer bäuerlichen Siedlung entstand, wurde 1188 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort liegt mitten im Münsterland (etwa 25 Kilometer von Münster entfernt) am Rande der Baumberge.

mini|Uphoven, Kruzifix In der Nähe des Ortes liegt die Wallfahrtskapelle „Zum Heiligen Kreuz“ (1753/54), in deren Innern sich ein lebensgroßes Kruzifix aus Sandstein an einem Baumkreuz (1718) befindet. Bis heute ist dieses Kreuz eine Wallfahrtsstätte für Pilgergruppen aus der näheren Umgebung. Die Geschichte Darups und seiner Kirchengemeinde reicht bis etwa ins Jahr 1000 zurück.

Die Kirche Ss. Fabian und Sebastian birgt in ihrem Innern ein Kleinod mittelalterlicher Malerei: den Daruper Altar (etwa 1420). Heute ist Darup ein Ortsteil Nottulns mit rund 2.100 Einwohnern.

Mit der Gebietsreform von 1975 wurde die vormals selbständige Gemeinde Limbergen räumlich aufgeteilt und teils der Stadt Dülmen, teils der Gemeinde Nottuln eingegliedert, die zugleich Rechtsnachfolgerin der Gemeinde Limbergen ist.

Limbergen mit seinen Bauerschaften Hövel und Gladbeck hat noch einen bäuerlichen Siedlungscharakter mit zahlreichen Gehöften, von denen einige unter Denkmalschutz stehen. Limbergen verfügte rund 200 Jahre lang über eine eigene Volksschule in Hövel und darüber hinaus über eine Freiwillige Feuerwehr mit eigenem Feuerwehrhaus, dessen Turm weithin sichtbar ist. Seit der Auflösung der Schule in Hövel in den 1960er-Jahren besuchen die Kinder die St.-Sebastian-Grundschule in Darup. Die Nachfolge der Freiwilligen Feuerwehr Limbergen trat die Freiwillige Feuerwehr Darup an, wobei das Feuerwehrhaus in Limbergen veräußert wurde.

Verwaltungszugehörigkeit bis 1802 Hochstift Münster 1802–1807 preuß. Erbfürstentum Münster 1807–1811 Großherzogtum Berg ~1812 Kaiserreich Frankreich 1813–1815 Generalgouvernement zwischen Weser und Rhein 1815–1946 preußische Provinz Westfalen, Landkreis Münster 1946–1969 Nordrhein-Westfalen, Landkreis Münster 1969–1974 Nordrhein-Westfalen, Kreis Münster ab 1975 Nordrhein-Westfalen, Kreis Coesfeld

Kirchengemeinden Das Gebiet der politischen Gemeinde Nottuln ist identisch mit dem Gebiet der katholischen Pfarrgemeinde St. Martin. Die Pfarrgemeinde wurde im Herbst 2009 aus den folgenden ehemals selbständigen vier Pfarrgemeinden gebildet:

St. Martinus, Nottuln St. Mariä Himmelfahrt, Appelhülsen St. Fabian und Sebastian, Darup und St. Bonifatius, Schapdetten.

Pfarrkirche der neu gebildeten Gemeinde ist St. Martinus im Ortsteil Nottuln. Die übrigen drei Kirchen sind Filialkirchen. Außerdem wird die Krankenhauskapelle des St.-Gerburgis-Krankenhauses als Gottesdienststätte genutzt.

Die evangelische Friedens-Kirchengemeinde umfasst das gesamte Gebiet der politischen Gemeinde Nottuln und unterhält zwei Gottesdienststätten: die Kirche „Unter dem Kreuz“ in Nottuln und das „Friedenshaus“ in Appelhülsen.

Eingemeindungen Im Rahmen der kommunalen Neugliederung, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, entstand die Gemeinde Nottuln aus den vormals selbständigen Gemeinden Appelhülsen, Darup (großenteils), Limbergen (teilweise), Nottuln und Schapdetten. Rechtsnachfolgerin des Amtes Nottuln ist die Gemeinde Nottuln. Vorher gehörte Nottuln mit Appelhülsen und Schapdetten zum Kreis Münster. Die Gemeinden Darup und Limbergen gehörten bis dahin zum Amt Rorup und zum Kreis Coesfeld. Rechtsnachfolgerin des Amtes Rorup ist die Stadt Dülmen.

Einwohnerentwicklung Seit den 1980er-Jahren wurden mehrere neue Wohngebiete vor allem im Südwesten des Ortsteils Nottuln erschlossen (Lerchenhain, Fasanenfeld I, Olympiastraße bis Niederstockumer Weg, „Am Hangenfeld“, Fasanenfeld II und zuletzt Nottuln-Süd), und die Einwohnerzahl stieg stark an. Seit Ende der 1990er-Jahre wurde auch in Appelhülsen unter anderem wegen der Verkehrsinfrastruktur (Bahnhof und Autobahn) und der damit verbundenen besseren Wohnbauförderung die weitere Wohnbauentwicklung vorangetrieben. Hier wurde seit 2010 ein weiteres Baugebiet (Hellerweg) erschlossen, in denen bislang nahezu alle Grundstücke bebaut worden sind. Im Ortsteil Darup kam es ebenfalls seit den 1980er-Jahren mit dem Ausbau und der Entwicklung weiterer Baugebiete (Nieresch II, Sonnenstiege, Pfarrer-Kroos-Straße, Schwester-Helma-Straße und von-Bönninghausen-Straße) zu einem Zuwachs der Einwohner. Neubauten wurden in Darup außerdem in einem kleinen privaten Baugebiet (Feldstiege) und im Baugebiet „Schoppmanns Wiese“ errichtet. In einem Grundsatzbeschluss entschied der Rat der Gemeinde Nottuln im Jahr 2006, „die weitere bauliche Entwicklung in allen Ortsteilen der Gemeinde zu fördern, um die […] vorhandene Infrastruktur auch künftig für die […] Bürgerinnen und Bürger zu erhalten und ein maßvolles Wachstum der Ortsteile zu ermöglichen“ (vgl. Ratsprotokoll vom 12. Dezember 2006).

Konfessionsstatistik Mit Stand 31. Dezember 2025 waren die Bekenntnisse der 20.286 Einwohnern: römisch-katholisch 51,0 % (10.353), evangelisch 13,3 % (2.701) und verschiedene 35,7 %Nottuln Einwohnerstatistik, abgerufen am 14. Mai 2026Nur noch jeder zweite Nottulner ist katholisch, abgerufen am 24. Januar 2026 Fünf Jahren vorher waren die Bekenntnisse der 20.227 Einwohnern: katholisch 57,6 %, evangelisch 15,2 % und verschiedene 27,2 %Nottuln Einwohnerstatistik, abgerufen am 10. April 2021

Politik Gemeinderat + Sitzverteilung nach der Kommunalwahl 2025 CDU SPD UBG1 GRÜNE FDP Gesamt 16 6 4 6 2 34 1 Unabhängige Bürgergemeinschaft Nottuln

Ergebnisse der Kommunalwahlen ab 1975 In der ListeVerzeichnisse der Kommunalwahlergebnisse des Landes Nordrhein-Westfalen (LDS NRW) von 1975 bis 2009 (PDF; 5,6 MB) (PDF; 6,7 MB) (PDF; 3,3 MB) werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens 1,95 Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.

Jahr Wahlbeteiligung CDU SPD UBG GRÜNE1 FDP Klimaliste Linke DZP 1975 n. a 63,2 25,7 4,4 6,7 1979 74,3 50,1 25,3 20,8 3,8 1984 69,3 54,9 28,7 16,4 1989 71,3 48,6 29,0 10,6 6,9 5,0 1994 84,7 51,0 27,3 9,7 9,4 2,7 1999 62,9 51,1 22,4 15,3 7,0 4,1 2004 62,2 44,2 19,5 17,9 11,0 6,4 2009 60,8 39,7 20,0 19,7 12,5 8,2 2014 60,0 42,5 20,4 18,0 10,6 5,3 3,2 2020 64,5 46,9 12,9 10,3 19,5 5,7 4,2 2025 63,8 47,0 16,9 11,0 17,1 6,6 1 1989: Grüne, ab 1994: B’90/Grüne

Bürgermeister Bei der Wahl am 13. September 2020 wurde Dietmar Thönnes mit 76,4 % der Stimmen als Nachfolger von Manuela Mahnke zum Bürgermeister gewählt. Als überparteilichen Kandidaten unterstützten ihn CDU, Grüne und FDP. Bei der Kommunalwahl 2025 wurde Thönnes mit 63,8 % der Stimmen im Amt bestätigt.

Die früheren Bürgermeister von Nottuln waren: 1999–2004: Heinz Fliß (CDU) 2004–2015: Peter Amadeus Schneider (SPD) 2015–2020: Manuela Mahnke (SPD) seit 2020 : Dietmar Thönnes (parteilos)

Wappen Das Recht zum Führen eines Wappens wurde der Gemeinde Nottuln bereits 1937 vom damaligen Oberpräsidenten der Provinz Westfalen verliehen. Das Wappen wurde im Februar 1983 durch das Regierungspräsidium Münster genehmigt.

Blasonierung: „In Rot ein silberner heiliger Martin zu Pferd mit Bettler, darüber im goldenen Schildhaupt drei grüne gestielte, balkenweise gestellte Haselnüsse.“

Die Verehrung dieses Heiligen hat hier eine lange Tradition. Sie wird unter anderem dokumentiert durch sein Patrozinium über die Stifts- und Pfarrkirche, durch die Existenz der St.-Martini-Bruderschaft (gegründet 1383) und durch den jährlichen Martinimarkt im November (dokumentiert seit 1622). Überlegungen, das Wappen der heutigen Gemeinde Nottuln völlig neu zu gestalten und alle vier Ortsteile besonders darzustellen, wurden schon nach Vorlage der ersten Entwürfe fallengelassen. Der Rat war einstimmig der Meinung, dass St. Martin auch den Bürgern der neuen Gemeinde Symbol des gegenseitigen Verstehens, der Rücksichtnahme und des Vertrauens sein werde.

Die Haselnüsse im Schildhaupt des Wappens weisen auf den Namen der Gemeinde hin. Dieser geht auf die Bezeichnungen „Nuitlon“ oder „Nutlon“ zurück, die als „Nusswald“ oder „Nussgehölz“ ausgelegt werden.

Städtepartnerschaften Die Gemeinde Nottuln unterhält Partnerschaften mit der französischen Stadt Saint-Amand-Montrond (im Departement Cher) (seit 1984) und der polnischen Stadt Chodzież (deutsch Kolmar) (seit 1992).

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Straßenverkehr