Der Lehnsmann (Lehnsnehmer, Lehensträger; Pl. Lehnsleute, auch: Lehnmann) war im Lehnsrecht der Empfänger eines Lehens. Er war ein Freier oder selbst Adliger bzw. Ministerialer, der sich einem adeligen Lehnsherrn (Lehnsgeber) gegen Dienst, Ehrschatz und Treue verpflichtete. Im Gegenzug dafür erhielt er von seinem Lehnsherrn zur Sicherung seines Lebensunterhalts ein dingliches Besitz- und Nutzungsrecht an einer Sache des Lehnsherrn (Lehen). Die Unterstellung unter den Schutz des Lehnsherren erfolgte meist durch einen symbolischen Akt.

In bestimmten Fällen konnten auch Frauen Lehensnehmerinnen sein (Kunkellehen).

Die Beziehung war durch ein wechselseitiges, vorzugsweise kriegerisches Treueverhältnis geprägt. Während die personale Bindung zwischen Vasall und Schutzherr mit dem Tode eines der beiden Partner endete, wurde das Lehen im Verlauf des Mittelalters in der Regel erblich.

Lebenssituation Die wirtschaftliche Situation der Lehnsleute unterlag starken Schwankungen. Das Leben eines Lehnsmanns zu Anfang des 16. Jahrhunderts schildert Ulrich von Hutten (1488–1523) in einem Brief an Willibald Pirckheimer (1470–1530):

Von Ulrich von Hutten stammen nicht nur Beschreibungen des Lehnswesens, sondern auch zahlreiche Kritiken am mittelalterlichen Adel, dem Klerus und der Wissenschaft.

Ende des Lehnswesens Das Lehnswesen existierte bis zum Ende des Alten Reiches. Die persönlichen Bindungen zwischen Lehnsherr und Lehnsmann unterliefen zwar einer Transformation, blieben aber im Wesentlichen Grundlage des frühneuzeitlichen Personenverbandsstaates. Grundlegend änderte sich jedoch die Situation für den Reichsritterstand im sogenannten Ritterkrieg mit der Erhebung des unzufriedenen Ritterstands. Die Erhebung des unzufriedenen Ritterstands fand unter Franz von Sickingen (1481–1523) und Ulrich von Hutten statt. Franz von Sickingen und Ulrich von Hutten unterstützten Martin Luther. Franz von Sickingen wurde beim Kampf gegen das Erzbistum Trier tödlich verwundet. Hutten starb ein Jahr später in der Schweiz. Der schleichende Bedeutungsverlust des Reichsritterstandes fand damit seinen Höhepunkt.

Literatur

Jürgen Dendorfer; Roman Deutinger (Hrsg.): Das Lehnswesen im Hochmittelalter: Forschungskonstrukte - Quellenbefunde - Deutungsrelevanz. Ostfildern 2010 (https://doi.org/10.11588/diglit.34751) François Louis Ganshof: Was ist das Lehnswesen? 7., gegenüber der 6. unveränderten deutschen Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989. Steffen Patzold: Das Lehnswesen. C. H. Beck, München 2012. Karl-Heinz Spieß: Das Lehnswesen in Deutschland im hohen und späten Mittelalter. Franz Steiner, Idstein 2009.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Lehnswesen

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