mini|Schema eines Laufwasserkraftwerkes mini|Das Laufwasserkraftwerk Hengstey zwischen Herdecke und Hagen
Ein Laufwasserkraftwerk ist ein Wasserkraftwerk, bei dem der Zufluss oberhalb des zugehörigen Stauwehrs und der Abfluss unterhalb des Kraftwerks im Regelbetrieb stets gleich sind, also kein Wasser zur ökonomischeren Nutzung bei Verbrauchs- und Zuflussschwankungen gespeichert wird. Andere Namen sind Laufkraftwerk oder auch Flusskraftwerk.
Geschichte Im Jahre 1767 stellte der englische Bauingenieur John Smeaton das erste Wasserrad aus Gusseisen her. 1853 wurde an den Niagarafällen im kleinen Maßstab elektrische Energie erzeugt. Ende 1895 wurde an den Fällen das Edward-Dean-Adams-Kraftwerk, weltweit das erste öffentliche Großkraftwerk für die Erzeugung von Wechselstrom, in Betrieb genommen. Im Jahr 1880 ging das erste private Kleinwasserkraftwerk im Besitz des britischen Industriellen William George Armstrong für die elektrische Beleuchtung in seinem Landhaus Cragside in Betrieb. 1886 entstand in der Schweiz das Kraftwerk Thorenberg, welches Wechselstrom produzierte und als Beginn der öffentlichen Elektrifikation in der Schweiz gilt.
In Österreich entstand unter dem Erfinder Friedrich Wilhelm Schindler bereits 1884 ein kleines Wasserkraftwerk, aus dem sich später die Vorarlberger Kraftwerke entwickelten.
Die Elektricitäts-Werke Reichenhall waren Deutschlands erstes Laufwasserkraftwerk und wurden am 15. Mai 1890 in Bad Reichenhall in Betrieb genommen. Es war auch das erste Wechselstrom-Kraftwerk („für öffentliche Beleuchtung“) in Deutschland und das erste E-Werk in Bayern.Toni Schmidberger: Das erste Wechselstrom-Kraftwerk in Deutschland, 1984, S. 9–33 Als durch den Bau der Staumauer 1912 für das Saalachkraftwerk zahlreiche Mühlbäche in der Stadt trockenfielen, wurde in der Folge das alte Kraftwerk aufgegeben und abgerissen. Als Ersatz wurde aus dem Saalachkraftwerk auch Strom an die Stadt geliefert. Dies erklärt, warum im Saalachkraftwerk bis heute sowohl Bahnstrom mit 16,7 Hz als auch Netzstrom mit 50 Hz erzeugt wird.
Die Internationale Elektrotechnische Ausstellung, die vom 16. Mai bis zum 19. Oktober 1891 stattfand, wurde der Durchbruch für die erste Drehstromübertragung. Das Flusskraftwerk in Lauffen am Neckar erzeugte den ersten Drehstrom.
mini|Wasserkraftwerk bei Schöngeising Bayerns zweitältestes Laufwasserkraftwerk in Schöngeising ist seit dem Jahr 1892 in Betrieb. Es entstand nach den Plänen von Oskar von Miller in zweijähriger Bauzeit. Es wurde an der Stelle einer zum Verkauf angebotenen Mühle an der Amper errichtet. Mit dem Strom aus anfänglich zwei Knop-Turbinen wurde in der nahegelegenen Kreisstadt Fürstenfeldbruck die elektrische Straßenbeleuchtung über eine 7 Kilometer langen Zuleitung eingeführt. Mit inzwischen drei Francis-Turbinen aus den Jahren 1911/22/27 und zwei Generatoren (1922/27) liefert das Kraftwerk der Stadtwerke Fürstenfeldbruck seit über 130 Jahren im Dauerbetrieb – abhängig vom Wasserstand der Amper – Energie für den Landkreis. Das durchschnittliche, jährliche Regelarbeitsvermögen beträgt 2 Millionen kWh und versorgt 650 Haushalte. Das historische Amperkraftwerk steht unter Denkmalschutz und kann im Rahmen einer Führung besichtigt werden.
Das Flusskraftwerk Stallegg liegt in der Wutachschlucht unterhalb von Göschweiler und ist durch den Schluchtensteig erreichbar. Es wurde 1895 in Betrieb genommen. Es ist noch vor dem inzwischen abgebrochenen Kraftwerk Rheinfelden das drittälteste Flusskraftwerk Deutschlands und steht unter Denkmalschutz.
In der Schweiz gab es 1895 bereits 88 Elektrizitätswerke. Ein 1895 geplantes Wasser- und Elektrizitätswerk, dessen Girardturbinen von einem Seitenkanal der Wutach angetrieben wurden, ging im Januar 1896 in Wunderklingen in Betrieb.Roland Cadario, Das Wasser und Elektrizitätswerk von Hallau WEH in: Geschichte von Hallau, Gemeinde Hallau (Hrsg.), S. 216 ff. Es wurde 1971 durch ein modernes Werk ersetzt.
Funktionsweise Einfache Laufwasserkraftwerke nutzen primär die kinetische Energie des Wassers, um sie in nutzbare Formen von Energie umzuwandeln: Entweder in mechanische Energie oder in elektrische Energie (durch Kombination von geeigneten mechanischen Vorrichtungen mit einem elektrischen Generator). Mit den Strömungskraftwerken gibt es auch Konzepte zur Gewinnung von elektrischer Energie, um die kinetische Energie des Flusses ohne Aufstauen zu nutzen, deren Leistungsvermögen aber deutlich niedriger ist.
Traditionelle Laufkraftwasserkraftwerke hingegen nutzen die potentielle Energie des Wassers durch Aufstauen des Flusses, damit die Ausbeute des Laufwasserkraftwerks gesteigert werden kann. Das Aufstauen des Flusswassers erfordert umfangreiche bauliche Maßnahmen, welche die ganze Breite des betroffenen fließenden Gewässers einnehmen müssen, um die maximal mögliche Wassermenge zu nutzen. Neben der fixen Stauanlage sind auch Vorrichtungen zur Regelung der Stauhöhe und Durchflussmenge (mittels beweglicher Wehranlagen), Hochwasservorrichtungen, Schleusen für den Bootsverkehr, Fischtreppen, Neugestaltung des Ufers (aufgrund des höheren Wasserspiegels) und als wichtigster Teil sind eine oder mehrere Wasserturbinen erforderlich, durch die der Hauptteil des aufgestauten Flusswassers geleitet werden soll. Höhere Fallhöhen des Laufwasserkraftwerks erzielen höhere nutzbare Energie, die dafür notwendige stärkere Aufstauung erhöhen aber auch den baulichen und betrieblichen Aufwand (stärkerer Eingriff in die Natur, höheres Risiko bei Hochwasser, sensiblere Regelung notwendig und genauere Beobachtung des Wetters und des Pegels der Zuflüsse). Die Wasserturbine wandelt die potentielle Energie des Wassers in eine mechanische Drehbewegung. Diese Drehbewegung treibt einen Generator an für die Gewinnung elektrischer Energie.
Bei traditionellen Laufkraftwasserkraftwerken wird der Wasserstand im entstehenden Rückstauraum während des Betriebs konstant gehalten. Die Fallhöhe als Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterwasser sowie die Ausbauwassermenge bestimmen die installierte Leistung und das Arbeitsvermögen des Kraftwerkes. Ein Diffusor am Austritt der Wasserturbine vergrößert den Wirkungsgrad bei gegebenem Höhenunterschied, verstärkt aber auch aufgrund seiner Vakuumbildung die Gefahr von Turbinenschäden durch Kavitation. Für den Antrieb des Generators werden gewöhnlich Kaplan- und Francis-Turbinen verwendet. Das Drehmoment der Turbine wird direkt oder über ein Getriebe an die Welle eines Generators weitergeleitet. Der Generator wandelt die mechanische Energie in elektrischen Strom um.
Weitere Bauteile sind abhängig von Größe und Bauart des Kraftwerkes.
Typen
mini|Zulauf des Laufwasserkraftwerkes Mühltal, Schäftlarn
Da die Fallhöhe meist gering ist, handelt es sich in der Regel um Niederdruckkraftwerke, die ihre Leistung hauptsächlich durch große Durchflussmengen erzielen. In den Gebirgen sind aber auch Mittel- und Hochdruckkraftwerke zu finden, die als Laufwasserkraftwerke betrieben werden. Kriterium zur Bezeichnung als Laufwasserkraftwerk ist das fehlende Vermögen, nennenswerte Wassermengen über längere Zeiten zu speichern, sodass sie in der Regel im Dauerbetrieb laufen. Beispiel für ein Hochdruck-Laufwasserkraftwerk ist das Kraftwerk Amsteg der SBB.
Kraftwerk in Blockbauweise
Die Blockbauweise ist die häufigste Bauform bei Laufwasserkraftwerken. Die Turbinen und Generatoren sind in einem Maschinenhaus zusammengefasst, das am Flussufer angeordnet ist. In der Verlängerung des Maschinenhauses ist das Wehr angeordnet. Die Bauform hat den Vorteil, dass das Maschinenhaus vom Ufer aus gut zugänglich ist. Bei mäandrierenden Flüssen wird es bei einer Flusskrümmung meist an der Außenseite angeordnet, weil dort weniger Geschiebe vorhanden ist.
Bei Kraftwerken mit mehreren parallel durchflossenen Turbinen kann je nach Wasserangebot oder aber je nach Produktionsbedarf die Anzahl der zugleich betriebenen Turbinen variiert werden. Ziel ist, die laufenden Turbinen etwa beim Nenndurchfluss zu betreiben, da hier der Wirkungsgrad am höchsten liegt.
Schwellbetrieb
Bei Laufkraftwerken mit Schwellbetrieb wird das Wasser über einige Stunden im Stauraum gesammelt und nur zu bestimmten Stunden über die Turbine abgelassen. Damit kann – auch bei einem Kraftwerk mit nur einer Turbine – erreicht werden, dass die Turbine(n) mit Nenndurchfluss laufen, um einen hohen Wirkungsgrad zu erzielen.
Weiters gibt es dadurch die Möglichkeit, Strom vorrangig dann zu erzeugen, wenn er auch benötigt wird. Da der Schwellbetrieb während der Anstauphase das Unterwasser trockenfallen lässt und damit erhebliche ökologische Probleme hervorrufen kann, ist er heute in Deutschland nur noch mit einem unterhalb gelegenen Ausgleichsbecken genehmigungsfähig.
mini|Staumauer der Lechstaustufe 13 – Dornstetten bei Landsberg am Lech
Ausleitungskraftwerke
Bei einer Ausleitungsanlage wird das durch die Wehranlage aufgestaute Wasser über einen Kanal oder Stollen zum Krafthaus geleitet, welches nicht direkt bei der Wehranlage steht. Durch die Ausleitung wird der Flusslauf oft stark verkürzt, um mehr Fallhöhe zu gewinnen. So wird für das Innkraftwerk bei Imst durch einen 12,3 km langen Druckstollen oberhalb Landeck die Schleife des Inn umgangen und damit eine Fallhöhe von 143,5 m erzielt.
Eine Besonderheit stellt das Wasserleitungskraftwerk Gaming in Gaming (Niederösterreich) dar. Das Wasser der II. Wiener Hochquellenwasserleitung überwindet zwischen Lunz am See und Gaming ein Gefälle von 220 m. Über eine 600 m lange Rohrleitung wird das Wasser zur Stromerzeugung genutzt und setzt danach seinen Weg nach Wien fort.
Trinkwasserkraftwerk
Diesen Typ bezeichnet man auch als Entspannungsturbine, der häufig im Trinkwassersystem eingesetzt wird. Hierbei wird der Druckunterschied im Rohrleitungssystem zwischen Hochbehälter und Verteilsystem genutzt. Auf den Einsatz von Druckminderern kann verzichtet und ein Teil der für das Pumpen des Wassers in den Hochbehälter benötigten Energie wieder zurückgewonnen werden.
Frühe, quellennahe Trinkwasserkraftwerke gibt es in Österreich bei der Wiener Hochquellenwasserleitung und bei der Wasserversorgung der Stadtwerke Köflach.
Die Harzwasserwerke haben bereits 1980 damit begonnen, in ihr Trinkwasserverteilsystem, welches vom Westharz bis nach Bremen, Wolfsburg und Göttingen reicht, Laufwasserkraftwerke einzubauen. Heute sind im Leitungssystem sieben kleine Kraftwerke mit einer Generatorleistung zwischen 104 und 700 kW eingebaut. Insgesamt sind im System 1971 kW Generatorleistung in 13 Turbinen installiert. Die mittlere jährliche Stromerzeugung beträgt 11.100.000 kWh.Wasser mit Energie - Strom aus Wasserkraft, Broschüre der Harzwasserwerke GmbH, Hildesheim, Oktober 2008, Seite 11
Die Österreichischen Bundesforste betreiben seit 2018 ein neues Trinkwasserkraftwerk mit 68 kW Leistung in Hallstatt, das baulich in das Kleinwasserkraftwerk (KWK) Hallstatt (4,7 MW Leistung) integriert wurde.Untertauern : Neues Kraftwerk an der Taurach eröffnet salzburg24.at, 15. Juli 2019, abgerufen am 1. Februar 2020.Kleinwasserkraftwerk Hallstatt bundesforste.at, abgerufen am 1. Februar 2020.
Am 30. Juli 2018 ging das Trinkwasserkraftwerk Pfunds der Gemeinde Pfunds, Tirol, A in Betrieb. Die Länge der Druckleitungen vom „Alten Koat“ bis zum Kraftwerk beträgt 6.100 Meter, die Fallhöhe 930 Meter. Die Jahresausbeute beträgt 1,3–1,5 Gigawattstunden elektrische Energie.870.000 Euro investiert : Trinkwasserkraftwerk der Gemeinde Pfunds gesegnet – mit VIDEO meinbezirk.at, 7. September 2020, abgerufen am 31. Januar 2024. 2020 ging ein Trinkwasserkraftwerk in Ernen, Wallis, Schweiz in Betrieb, das pro Jahr 900 MWh elektrische Energie liefern soll. Mitsamt neuem Trinkwasserreservoir kostete die Errichtung 3 Mio. SFr, mit dem Bund wurde 2019 die Zahlung einer Einspeisevergütung vereinbart.Walliser Bote, 3. September 2020.
Erdölpipeline