Der SV Stuttgarter Kickers (offiziell Sportverein Stuttgarter Kickers e. V.) ist ein Sportverein aus dem Stuttgarter Stadtteil Degerloch. Gegründet wurde der Verein am 21. September 1899 als FC Stuttgarter Kickers. Zwar gibt es eine einzige Quelle, die besagt, dass der damalige Name FC Stuttgarter Cickers lautete, jedoch taucht bereits in einem Schriftstück vom ersten Spiel der Vereinsgeschichte am 8. Oktober 1899 die Schreibweise Kickers auf. Es ist daher fraglich, ob der Verein jemals die Schreibweise Cickers im Namen trug. Seit 1950 trägt der Verein seinen jetzigen Namen. Bekannt wurde der Verein vor allem durch seine Fußball-Abteilung, deren erste Mannschaft in den Saisons 1988/89 sowie 1991/92 der 1. Bundesliga angehörte und insgesamt 23 Jahre in der 2. Bundesliga spielte. Die größten Erfolge der Fußballabteilung waren der Vizetitel in der Deutschen Fußballmeisterschaft 1907/08 sowie das Erreichen des Finales im DFB-Pokal 1986/87.
Der Verein hat 3430 Mitglieder (Stand: 1. Januar 2026). Sportler der Leichtathletikabteilung gewannen Medaillen auf nationaler und internationaler Ebene und gehörten teilweise zum deutschen Kader bei Olympischen Sommerspielen. Außerdem unterhält der Verein Abteilungen für Tischtennis, Schiedsrichter, Handball sowie die Fanabteilung der Stuttgarter Kickers (FAdSKi). Die Hockeyspieler des Vereins wurden in den neu gegründeten Verein HTC Stuttgarter Kickers ausgegliedert; die Handballer gehörten von 2004 bis 2012 dem HV Stuttgarter Kickers an. Eine Gesangsabteilung wurde in den 1960er Jahren wegen Nachwuchsproblemen aufgelöst.
Die erste Fußballmannschaft bestreitet ihre Heimspiele im städtischen Gazi-Stadion auf der Waldau, dem ältesten Stadion Deutschlands, das früher Waldau-Stadion bzw. Kickers-Platz hieß. Es befindet sich unterhalb des Fernsehturms. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch das nach dem langjährigen Präsidenten Axel Dünnwald-Metzler benannte Vereinsgelände.
Geschichte der Fußballabteilung 1899 bis 1933: Von der Gründung zur Spitzenmannschaft
Saisondaten 1901 bis 1933 Spielzeit Liga Platz ⌀ Zuschauer 1901/02 A-Klasse Schwaben 1. 1902/03 A-Klasse Schwaben 1. 1903/04 A-Klasse Schwaben 1. 1904/05 A-Klasse Schwaben 1. 1905/06 A-Klasse Schwaben 1. 1906/07 A-Klasse Schwaben 1. 1907/08 A-Klasse Schwaben 1. 1908/09 Südkreis A-Klasse 2. 1909/10 Südkreis A-Klasse 3. 1910/11 Südkreis A-Klasse 2. 1911/12 Südkreis A-Klasse 4. 1912/13 Südkreisliga 1. 1913/14 Südkreisliga 1. 1914/15 Kein Spielbetrieb – 1915/16 Bezirksliga Schwaben 1. 1916/17 Bezirksliga Schwaben 1. 1917/18 Kein Spielbetrieb – 1918/19 Kein fester Spielbetrieb – 1919/20 Kreisliga Württemberg 2. 1920/21 Kreisliga Württemberg 1. 1921/22 Kreisliga Württemberg 1. 1922/23 Kreisliga Württemberg 1. 1923/24 Bezirksliga Württ./Baden 1. 1924/25 Bezirksliga Württ./Baden 1. 1925/26 Bezirksliga Württ./Baden 4. 1926/27 Bezirksliga Württ./Baden 3. 1927/28 Bezirksliga Württ./Baden 1. 1928/29 Bezirksliga Württ./Baden 2. 1929/30 Bezirksliga Württ./Baden 6. 1930/31 Bezirksliga Württ./Baden 3. 1931/32 Bezirksliga Württ./Baden 7. 1932/33 Bezirksliga Württ./Baden 1.
mini|links|Die Gründungsmannschaft im Jahr 1899
Der Verein wurde am 21. September 1899 von 21 Männern gegründet, von denen sich die meisten vom Cannstatter Fußball-Club trennten, weil der CFC die Erlaubnis verlor, auf dem Cannstatter Wasen zu spielen,Philipp Heineken: Erinnerungen an den Cannstatter Fussball-Club. Verlag Hermann Meister, Heidelberg 1930. S. 59 f.Philipp Heineken, H. F. Thomas (Hrsg.): I. Deutsches Fussball-Jahrbuch 1904–05. Deutscher Fußball-Bund, Berlin 1905. S. 196. womit er sich schließlich zum Cannstatter Tennisclub entwickelte.Philipp Heineken: Erinnerungen an den Cannstatter Fussball-Club. Verlag Hermann Meister, Heidelberg 1930. S. 86. Unter ausdrücklichem Ausschluss des Rugby Footballs, der als ursprüngliche Fußball-Sportart von den meisten Fußballvereinen praktiziert wurde, sollte sich der neu gegründete Fußballclub Stuttgarter Kickers ausschließlich auf den Assoziationsfußball und die Leichtathletik konzentrieren. Anstatt des traditionellen Rot sollten die künftigen Vereinsfarben Blau und Weiß sein. Das Vereinsemblem wurde von einem Professor für den angeblichen Preis von 300 Goldmark erworben. Die drei im Logo um das Kickers-K gruppierten Sterne sollen dabei für Könner, Kämpfer und Kameraden stehen.
Als die Anhänger des Rugbysports trotz des ablehnenden Beschlusses der Gründungsversammlung eine Einführung der Sportart bei den Kickers erzwingen wollten, verließen diese 1902 nach einer erneuten Ablehnung durch die Vollversammlung den Verein und traten geschlossen zum FV 1893 Stuttgart über, aus dem später der heutige VfB Stuttgart entstand. Hier liegt die Wurzel für die noch heute besondere Rivalität der beiden großen Stuttgarter Fußballvereine.
Im Fußball konnten sich die Stuttgarter Kickers, die am 8. Juli 1900 als erster Stuttgarter Verein dem Verband Süddeutscher Fußball-Vereine beitraten und bis 1905 am Stöckachplatz in Stuttgart-Ost beheimatet waren, rasch als eine der besten Mannschaften Württembergs etablieren, so dass sie bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 ohne Unterbrechung Württembergischer Meister wurden und insgesamt 24 Württembergische Meisterschaften errangen.
Ab der Saison 1903/04 organisierte der Süddeutsche Fußballverband den Punktspielbetrieb in seinem in Kreise eingeteilten Verbandsgebiet. Die Kickers gehörten dem dem Südkreis zugeordneten Gau Schwaben an, in dem die Vereine aus Stuttgart und der weiteren Umgebung spielten. Hier wurden sie der A-Klasse als höchster Spielklasse zugeordnet. Im Jahre 1907 übernahm Ulrich Herzog von Württemberg (1877–1944) die Schirmherrschaft über den Verein und führte ihn somit auch in gesellschaftlicher Hinsicht in die vorderen Reihen Stuttgarts. Durch die Novemberrevolution 1917 musste er seine Schirmherrschaft niederlegen. Nachdem man bereits in den vorhergehenden Jahren überlegen die Meisterschaft der A-Klasse Schwaben gewonnen hatte, gelang in der Saison 1907/08 mit dem Gewinn der süddeutschen Meisterschaft und der Teilnahme an der Endrunde um den deutschen Titel der erste über die Grenzen Württembergs hinausgehende Erfolg. In den Spielen um die süddeutsche Meisterschaft setzten sich die Kickers gegen den 1. FC Nürnberg, den FC Hanau 93 und den FC Pfalz Ludwigshafen durch. Hierbei gewannen sie bei einem Torverhältnis von 29:7 sämtliche Spiele. Durch die erstmals gewonnene süddeutsche Meisterschaft qualifizierte man sich für die Endrunde zur deutschen Meisterschaft. Hier verloren die Stuttgarter Kickers zunächst im Viertelfinale gegen den Vorjahresmeister Freiburger FC mit 0:1. Das Spiel wurde vom DFB jedoch annulliert und neu angesetzt, da die Freiburger Spieler nach einem Protest der Kickers wegen einer fehlerhaften Schiedsrichterentscheidung das Spielfeld vorzeitig verlassen wollten. Nachdem die Kickers das Wiederholungsspiel gegen Freiburg mit 5:2 und das Halbfinale gegen den Duisburger SpV mit 5:1 gewonnen hatten, stand man im Endspiel um die deutsche Meisterschaft 1908. Das Finale fand am 7. Juni 1908 auf dem Germania-Platz in Berlin-Tempelhof statt. Vor 4.000 Zuschauern traten die Kickers gegen den amtierenden deutschen Vizemeister BFC Viktoria 1889 an. Die Berliner gewannen gegen die ersatzgeschwächt angetretenen Stuttgarter Kickers mit 3:1.
mini|links|Stuttgarter Kickers (1913) Zur Saison 1908/09 wurden die drei Staffeln der A-Klasse Südkreis zu einer einzigen zusammengelegt. Die Kickers bekamen in der Liga nun Konkurrenz aus Mittelbaden und dem Oberrheingau. Nachdem in den ersten Jahren der gemeinsamen Südkreisliga zunächst die Karlsruher Mannschaften dominiert hatten, beendeten die Stuttgarter Kickers die Meisterschaft 1912/13 punktgleich mit dem 1. FC Pforzheim auf dem ersten Platz. Das daraufhin erforderliche Entscheidungsspiel um die Südkreismeisterschaft gewannen die Kickers mit 2:0 und qualifizierten sich damit zur Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft. Dort setzte man sich gegen den Frankfurter FV, den VfR Mannheim und die SpVgg Fürth durch und wurde zum zweiten Mal Süddeutscher Meister. Bei der Endrunde zur deutschen Meisterschaft 1913 schieden die Kickers jedoch bereits im Viertelfinale nach einem 1:2 gegen den Duisburger SpV aus.
Der im Jahr 1914 ausbrechende Erste Weltkrieg brachte das Vereinsleben aufgrund der zahlreichen Einberufungen von Spielern und Verantwortlichen fast zum Erliegen. Der Verband schaffte die Pflichtspielrunde ab und führte den Wettbewerb von Kriegsgemeinschaften um den Eisernen Fußball ein. Die Kickers bildeten hierfür gemeinsam mit anderen Vereinen in Stuttgart den FV Die Blaue Elf. Im nächsten Jahr wurde der reguläre Spielbetrieb wieder aufgenommen, und auch die Stuttgarter Kickers stellten wieder eine eigene Mannschaft.
1917 wurde man erneut Süddeutscher Meister. Aufgrund des Krieges wurde jedoch keine Endrunde um die deutsche Meisterschaft ausgetragen. In der darauffolgenden Spielzeit konnten die Kickers im Frühjahr keine Mannschaft mehr stellen, so dass man die Spiele kampflos verlor. Nachdem durch die Novemberrevolution in Deutschland auch 1918/19 kein geregelter Spielbetrieb möglich gewesen war, wurde im darauf folgenden Jahr der Ligabetrieb in der Kreisliga Württemberg wieder aufgenommen. Erstmals seit Vereinsgründung verpasste der 1920 in den heutigen Namen SV Stuttgarter Kickers umbenannte Verein in der Spielzeit 1919/20 die Württembergische Meisterschaft. In der Abschlusstabelle lag der SC 1900 Stuttgart mit 32:4 Punkten drei Zähler vor den zweitplatzierten Kickers.
Über die nächsten Jahre dominierten erneut die Stuttgarter Kickers den Fußball in Württemberg. In den Anfangs-1920er Jahren war der prominente Österreicher Heinrich Körner Trainer bei den Kickers. Die Nationalspieler Georg Wunderlich, vormals SpVgg Fürth, und Hellmut Maneval spielten den Großteil der Dekade beim Verein. Zu Beginn des Jahrzehntes gelangen mit einem 1:1 gegen MTK Budapest und einem 2:1 gegen den SK Rapid Wien hervorragende Ergebnisse gegen zwei Vereine des seinerzeitigen kontinentaleuropäischen Fußballadels.Die Reise Wackers. Sport-Tagblatt, Wien, 10. August 1923, S. 3. Ab Mitte der 1920er Jahre machte neben Klubs wie den Sportfreunden Stuttgart vor allem der zukünftige Dauerrivale VfB Stuttgart dem Verein die Vormachtstellung streitig.
1933 bis 1945: Die Kickers unterm Hakenkreuz Saisondaten 1933 bis 1945 Spielzeit Liga Platz ⌀ Zuschauer 1933/34 Gauliga Württemberg 2. 1934/35 Gauliga Württemberg 3. 1935/36 Gauliga Württemberg 1. 1936/37 Gauliga Württemberg 5. 1937/38 Gauliga Württemberg 2. 1938/39 Gauliga Württemberg 1. 1939/40 Gauliga Württemberg 1. 1940/41 Gauliga Württemberg 1. 1941/42 Gauliga Württemberg 1. 1942/43 Gauliga Württemberg 3. 1943/44 Gauliga Württemberg 2. 1944/45 Gauliga Württemberg 3.
Mit Beginn des Nationalsozialismus schlossen sich auch die Stuttgarter Kickers den neuen Machthabern an. Bereits kurze Zeit nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten unterzeichnen die süddeutschen Spitzenvereine am 9. April 1933 eine Erklärung, wonach sie sich zum Ausschluss von Juden und Marxisten verpflichten. Die Kickers schlossen ihre jüdischen Mitglieder daraufhin offiziell aus dem Verein aus. Kurze Zeit später übernahm man die allen Vereinen verordnete Einheitssatzung und wurde gleichgeschaltet.
Auch der Spielbetrieb im Deutschen Reich wurde ab 1933 grundlegend neu geordnet. Die traditionsreichen Regionalverbände, die zuvor die Fußballmeisterschaft in zahlreichen regionalen Staffeln ausgetragen hatten, wurden aufgelöst. An ihre Stelle trat das dem Reichsbund für Leibesübungen zugeordnete Fachamt Reichsfußball. Die Fußballmeisterschaft wurde in 16 sich an den Reichsgauen orientierenden Gauligen als höchster Spielklasse ausgetragen, deren Sieger in einer Endrunde den deutschen Meister ermittelten.