mini|hochkant=1.2|Heinz Haber, links im Bild, im Gespräch mit Wernher von Braun, 1954 Heinz Haber (* 15. Mai 1913 in Mannheim; † 13. Februar 1990 in Hamburg) war ein deutscher Physiker, Schriftsteller, Kolumnist und Fernsehmoderator.
Leben mini|Elternhaus der Weltraumpioniere Fritz und Heinz Haber in Mannheim, Bassermannstraße 55, am Unteren Luisenpark gelegen, Foto aus dem Jahr 2010
Heinz Habers Vater war der Fabrikdirektor Karl Haber, Süddeutsche Zucker AG (heute: Südzucker). Sein älterer Bruder war der Raumfahrtingenieur Fritz Haber. Ihr Elternhaus steht am Unteren Luisenpark Mannheim.
Heinz Haber studierte ab 1932 an der Universität Leipzig, der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und an Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Berlin. Im Jahr 1933 wurde er Mitglied im Fliegersturm der SS.
Im Jahr 1934 machte er eine Studienpause und leistete freiwilligen Wehrdienst bei der Luftwaffe, den er als Leutnant der Reserve abschloss.Lebenslauf Habers in Haber, Heinz: Über den Energieaustausch zwischen Translation und Rotation durch Stöße. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde. Sonderdruck aus: Physikalische Zeitschrift 40/17 (1939). Es folgten mehrere freiwillige Einsätze bei der Luftwaffe, sodass er unter anderem an der Besetzung des Sudetenlandes teilnahm. Er setzte sein Studium fort und promovierte 1939 in Physik.
Im Zweiten Weltkrieg diente Haber in der Luftwaffe als Beobachter in der 2. Staffel der (Nah-)Aufklärungsgruppe 41, welche beim Überfall auf Polen Aufklärungseinsätze in Mittelpolen, später an der Ostfront flog, und stieg im Juni 1942 zum Hauptmann der Reserve auf, kurz darauf im Winter kehrte er aber 1942 nach einem Abschuss und Verwundung an das Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische und ElektrochemieRichard E. Schneider: Ein (Wieder-)Aufbau unter ungewissen Vorzeichen: Die Gründungsgeschichte der Max-Planck-Gesellschaft, Beitrag vom 15. August 2011 auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung (das heutige Fritz-Haber-Institut) zurück. 1942 wurde er Leiter der Abteilung für Spektroskopie. 1944 habilitierte er an der Friedrich-Wilhelms-Universität mit einer Arbeit über das Torusgitter, ein Optisches Gitter.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden mit der Operation Overcast deutsche Wissenschaftler und Techniker rekrutiert. Heinz Haber arbeitete bis 1952 an der Schule für Luftfahrtmedizin auf der Randolph Air Force Base, Texas. Unter der Leitung von Hubertus Strughold wurde hier 1948 die Flug- und Raumfahrtmedizin begründet, unter Beteiligung weiterer deutscher Wissenschaftler, darunter auch sein Bruder Fritz. Sie arbeiteten als Berater für Litton Industries, die im Auftrag der US-Luftwaffe eine Unterdruckkammer zur Simulation von Weltraumbedingungen und den ersten Weltraumanzug entwickelte. Die Idee des Parabelflugs zur Simulation von Schwerelosigkeit stammt ebenfalls aus ihrer Feder. Heinz Haber war hier zuletzt Assistant Professor für Astrophysik.Landeskundliches Informationssystem Baden-Württemberg: Biographie Heinz Haber, abgerufen am 2. April 2026
mini|hochkant|Grabstätte auf dem Friedhof Blankenese
Heinz Haber wechselte 1952 als assoziierter Physikprofessor zur University of California, Los Angeles (UCLA) an das Institute of Transportation and Traffic Engineering und 1955 als „Chief Science Consultant“ zu Walt Disney. Haber moderierte den Fernseh-Dokumentarfilm Our friend the atom (Unser Freund das Atom), der 1956 auf Wunsch der US-Regierung von Disney produziert und in der Fernsehreihe Disneyland ausgestrahlt wurde, um das Image der Atomenergie zu verbessern. Er schrieb auch das gleichnamige Buch zum Film, das mit Disney-Bildern illustriert wurde. Habers anschauliche Darstellung des Verlaufs einer nuklearen Kettenreaktion mit Hilfe von Mausefallen und Tischtennisbällen wurde zu einem häufig nachgeahmten „Klassiker“.
Auf einer Geschäftsreise nach Deutschland lernte er Ende der 1950er Jahre seine zweite Ehefrau Irmgard Koch kennen. Kurz danach ließ er sich in Seefeld in Tirol nieder.Mondgestein in der Hosentasche , wissenschaft.de vom 18. Juni 2013, abgerufen am 22. Juli 2013.
Seit 1958 arbeitete Haber als Wissenschaftspublizist für die ARD und produzierte mehr als 350 Fernsehbeiträge. Für das deutsche Fernsehen produzierte er verschiedene populärwissenschaftliche Fernsehreihen, darunter Professor Haber experimentiert, Das Mathematische Kabinett, Unser blauer Planet, Stirbt unser blauer Planet?, Professor Haber berichtet, Was sucht der Mensch im Weltraum (13 Folgen, 1968), Brüder im All (10 Folgen, 1970) und Was ist was mit Professor Haber. Neben seiner Tätigkeit als „Fernseh-Professor“ verfasste Haber 30 Sachbücher zu naturwissenschaftlichen Themen, davon etliche Bestseller. Er war Mitbegründer und Herausgeber der Zeitschrift Bild der Wissenschaft und Herausgeber der Wissenschaftszeitschrift X-Magazin. Zudem hatte er mit Eine Frage, Herr Professor eine regelmäßige Kolumne in der Fernsehzeitschrift Hörzu, in der er in angemessener Kürze eine spezielle wissenschaftliche Frage behandelte.
Aus Heinz Habers erster Ehe gingen zwei Kinder hervor, aus der zweiten Ehe ein Sohn. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Friedhof Blankenese im Hamburger Stadtteil Sülldorf.
Sein Archiv vererbte er dem Stadtarchiv Mannheim.
Auszeichnungen und Ehrungen 1939: Eisernes Kreuz zweiter Klasse 1940: Eisernes Kreuz erster Klasse 1962: Preis der Thomas-Alva-Edison-Foundation 1965: Adolf-Grimme-Preis mit Bronze 1965: Goldene Kamera 1967: Besondere Ehrung beim Adolf-Grimme-Preis 1972: Bloomaulorden 2007: Mannheim benannte eine Straße nach ihm.
Fernsehsendungen
Anfänge Haber hatte eine 13-teilige Sendereihe mit dem Titel Was sucht der Mensch im Weltraum? moderiert. Sie wurde erstmals im Jahre 1968 im ARD-Abendprogramm ausgestrahlt und vermittelte einem breiten Publikum auf einfache Art und Weise die Grundlagen der Weltraumwissenschaften. In den letzten Folgen der Reihe wurde die Frage nach dem Sinn und Nutzen der Weltraumfahrt aufgegriffen. Die letzte Folge gab schließlich einen Ausblick auf die Zukunft der Weltraumforschung.
Die Sendung zeichnete sich besonders durch eine didaktische Herangehensweise an das Thema aus. Komplexe Sachverhalte wurden anhand von Modellversuchen und Trickaufnahmen anschaulich erklärt. Filmaufnahmen von Habers Besuchen in den Raumfahrtzentren und Forschungseinrichtungen der NASA ergänzten die Sendereihe.
Folgende Themen wurden behandelt (jeweils Nummer und die Titel der Folge):
Die alte und die neue Astronomie Topographie des Raumflugs Die Natur führt Regie Vehikel der Weltraumfahrt Planet Erde Im Strahlungsfeld der Sonne Kosmos und Sterne Unsere Nachbarn im All Die Erforschung des Mondes Medizinische Probleme Menschen ohne Gewicht Aufwand und Nutzen Künstliches Wetter und Klima
Die Sendereihe wird seit einigen Jahren regelmäßig im Rahmen der Sendung Space Night im BR-Fernsehen und ARD-alpha wiederholt.
Professor Haber berichtet 1979 startete Heinz Haber die primär an junge Zuschauer gerichtete neue Sendereihe Professor Haber berichtet. Im Gegensatz zu seinen bisherigen themenbezogenen Reihen (beispielsweise über die Entwicklungsgeschichte der Erde, den Mond, die Weltraumfahrt usw.) wollte er diesmal – geleitet von der Zuschauerpost – „in jeder Folge ein ganz bestimmtes Thema herausgreifen, das in der Öffentlichkeit auch von […] jungen Leuten oft diskutiert wird“. In zwölf Folgen wollte er vor allem Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen Themen wie Vulkanismus, Astronomie oder die Eigenschaften des Lichtes näherbringen.
Aufklärung über globale Erwärmung In der ersten Folge griff er die öfter an ihn gerichtete Frage auf: „Wenn man bedenkt, was es doch für verregnete Sommer gegeben hat, und diese schneereichen Winter, da fragen viele sich ernsthaft: gibt es vielleicht eine neue Eiszeit?“ Ausgehend vom Grundsatz, man solle sich „niemals auf das eigene Gedächtnis verlassen – eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, analysierte er die bereits in den 1970er Jahren unter Klimatologen anerkannten Fakten.
Heinz Haber erklärte, dass CO2 prozentual zwar nur einen geringen Anteil an der Erdatmosphäre ausmacht, jedoch eine ganz entscheidende Rolle im Wärmehaushalt der Erde spielt – und zwar aufgrund einer Eigenschaft, von der er selbst nicht weiß, „ob ich sie wunderbar, oder ob ich sie teuflisch nennen soll“: Da CO2 in der Lage ist, die von der Erde abgestrahlte langwellige Wärmestrahlung zu absorbieren, kommt es zu einer Erderwärmung, wenn sich der Anteil dieses Gases erhöht. Genau dies ist aber seit Beginn der industriellen Revolution durch Verbrennung großer Mengen von Kohle, Erdöl und Erdgas eingetreten. In einer Grafik veranschaulichte er diese auf menschliche Aktivitäten zurückzuführende Zunahme des Kohlendioxids seit dem Jahr 1900; es lassen sich insbesondere folgende Werte herauslesen:Die Zahlen sind aus der Grafik so genau wie möglich herausgelesen.
Jahr CO2-Anteil zum Vergleich: CO2-Anteil gemessen lt. Keeling-Kurve 1900 290 ppm 1950 300 ppm 2000 380 ppm ca. 369 ppmTrend Januar 2000 2010 410 ppm ca. 388 ppmTrend Januar 2010 2020 440 ppm ca. 411 ppmTrend Mai 2019 2030 480 ppm
Haber ging davon aus, dass die künftige Energieversorgung sogar verstärkt auf fossile Energieträger setzen werde, was sich nach seiner Einschätzung nicht zuletzt Kernkraftgegner wünschen. Die sich hieraus für die Jahresmitteltemperatur ergebenden Konsequenzen sei eine Zunahme der weltweiten Durchschnittstemperatur bis 2050 um 6,0 °C. Dies verdeutlichte er anhand einer weiteren Grafik, der sich folgende Werte entnehmen lassen:Die Grafik zeigt einen zwischen 1975 und 2050 linearen Verlauf, der der Funktion entspricht (hierbei ist ein Jahr zwischen 1975 und 2050 und die in der Grafik angegebene zugehörige Temperatur).
Jahr Veränderung Jahresmitteltemperatur zum Vergleich: Veränderung gemessen 1975 0,0 °C −0,01 °C 2000 2,0 °C 0,53 °C 2010 2,8 °C 0,65 °C 2020 3,6 °C 0,9 °Cvorläufiger Wert anhand des Jahres 2017 2050 6,0 °C
Heinz Haber betonte, unter Klimatologen bestehe Ende der 1970er Jahre auf der ganzen Welt Einigkeit darüber, dass eine Erderwärmung bei Zunahme der CO2-Emissionen unausweichlich sei. Die hieraus resultierende Klimaänderung mit einer Einengung der gemäßigten Zone könne sich von selbst erst im Verlauf von Jahrhunderten wieder zurückbilden, und infolge eines Rückgangs der landwirtschaftlichen Produktion sei es fraglich, wie eine wachsende Erdbevölkerung ernährt werden könne. Außerdem werde bis zum Jahr 2060 die gesamte Eismasse der Nordhalbkugel verschwunden sein.
Er schloss die Sendung mit einer Prophezeiung, in der er sich zum zweiten Mal als Anhänger der Kernenergie zu erkennen gibt: „In den nächsten 10 bis 15 Jahren werden unsere Kinder und Enkel davon reden – das wird das Hauptthema sein. Und sie werden sich zurücksehnen nach den Sorgen, die wir uns heute über die möglichen Wirkungen der Anwendung der Kernenergie machen.“
Geschichten aus der Zukunft Von 1979 bis 1980 strahlte das ZDF die Serie Geschichten aus der Zukunft aus. Die Serie geht auf Ideen von Heinz und Irmgard Haber sowie Dieter Seelmann zurück.
Beteiligung am Nationalsozialismus Heinz Haber ging freiwillig für zwei Jahre von 1934 bis 1936 zur Luftwaffe und kam im Zweiten Weltkrieg von 1938 bis 1942 u. a. beim Überfall auf Polen und an der Ostfront zum Einsatz. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter und erster Klasse für seine Leistungen als Soldat ausgezeichnet. Zu Beginn des Krieges sei Haber begeistert von Hitlers Politik gewesen, später ernüchtert, gaben Zeitzeugen zu Protokoll.