mini|Esther Lederberg, Gunther Stent, Sydney Brenner und Joshua Lederberg, 1965
Sydney Brenner CH (* 13. Januar 1927 in Germiston, Südafrikanische Union; † 5. April 2019 in Singapur) war ein britischer Biologe.
Er war vor allem als Entwicklungsbiologe tätig und erhielt 2002 zusammen mit H. Robert Horvitz und John E. Sulston den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Geehrt wurden die Forscher für ihre Arbeit auf dem Gebiet der „genetischen Regulation der Organentwicklung und des programmierten Zelltods“. Brenner etablierte den Fadenwurm Caenorhabditis elegans als Modellorganismus.
1961 war er Mitentdecker der messenger RNA (mRNA).
Leben Sydney Brenner wurde als Sohn jüdischer Emigranten in Germiston geboren. Sein Vater war 1910 aus Litauen (damals Russisches Kaiserreich) und seine Mutter war 1922 aus Lettland nach Südafrika emigriert. Der Vater, der nicht lesen und schreiben konnte, aber im Laufe seines Lebens fünf Sprachen gelernt hatte (Jiddisch, Russisch, Englisch, Afrikaans und isiZulu), betrieb eine kleine Schusterwerkstatt. Eine Kundin wurde auf seinen Sohn Sydney aufmerksam und überredete den Vater, ihn in ihren Kindergarten zu schicken, wo er sich bald als begabt erwies und später sehr gute schulische Leistungen zeigte, so dass er mehrere Schulklassen überspringen konnte. Im Alter von nur 15 Jahren schloss er im Dezember 1941 die High School in Germiston ab. In der dortigen Bibliothek hatte er sein Interesse an den Naturwissenschaften entdeckt und er begann – ausgestattet mit einem Stipendium des Stadtrats von Germiston – 1942 ein Studium der Medizin und der Naturwissenschaften an der Universität Witwatersrand in Johannesburg. 1951 schloss er das Studium mit einem Bachelor of Medicine, Bachelor of Surgery (MB BCh) ab. Er hatte inzwischen den Entschluss gefasst, Forscher und nicht praktischer Arzt werden zu wollen, und bewarb sich auf Anraten seiner akademischen Mentoren bei Cyril Norman Hinshelwood, dem Professor für Physikalische Chemie an der Universität Oxford, der Interesse an der Anwendung physikalisch-chemischer Prinzipien im Feld der sich entwickelnden Zellbiologie hatte. Hinshelwood akzeptierte Brenner als Doktoranden und dieser wurde 1954 in Großbritannien am Exeter College der Universität Oxford promoviert.
Nach einer kurzen Zeit in einem chemischen Laboratorium wechselte er 1956 an das Laboratory of Molecular Biology des MRC in Cambridge/England. Dort widmete er sich der Molekularbiologie und ab 1957 vor allem der Erforschung der Erbsubstanz (DNA)Gisela Baumgart: Brenner, Sydney. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 208. und wurde im Jahre 1979 auch Leiter der entsprechenden Abteilung. Sieben Jahre später wurde er Direktor der molekulargenetischen Abteilung des Instituts, dessen Leitung er bis 1991 innehatte. Von 1996 bis 2000 forschte er als Präsident und Wissenschaftsdirektor am Salk Institute La Jolla und am von ihm gegründeten Molecular Sciences Institute in Berkeley, Kalifornien.
1975 gehörte er zu den Organisatoren der Asilomar Conference on Recombinant DNA, eine internationale wissenschaftliche Tagung, um über die potenziellen biologischen Gefahren der Gentechnik und über deren Regulierung zu diskutieren.
Von 2005 bis 2011 war er Präsident der „Promotion Corporation“ des japanischen Okinawa Institute of Science and Technology (OIST); bei der Gründung des OIST, einer Graduiertenuniversität, spielte er eine wichtige Rolle.
Bis zu seinem Tod war er am Salk Institute, am Janelia Research Campus und am Howard Hughes Medical Institute tätig.
Brenner etablierte den Fadenwurm Caenorhabditis elegans als Modellorganismus und studierte dessen Organentwicklung und die Entwicklung des Nervensystems. Mit Hilfe von C. elegans wurden auch die ersten Gene, die bei der Apoptose eine wichtige Rolle spielen, beschrieben. Bereits in den 1960er Jahren hatte er zur Aufklärung des genetischen Codes beigetragen, als er zusammen mit Kollegen die Frameshift-Mutationen entdeckte.
Brenner initiierte die erste Gensequenzierung eines Kopffüßers (Octopus bimaculoides), die 2015 abgeschlossen wurde.
Auszeichnungen und Mitgliedschaften 1966: Mitglied der American Academy of Arts and Sciences 1970: Gregor-Mendel-Medaille der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina 1970: Mendel Medal der Genetics Society 1971: Albert Lasker Award for Basic Medical Research 1974: Royal Medal der Royal Society 1975: Prix Charles-Léopold Mayer 1975: Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, seit 2008 Nationale Akademie der Wissenschaften 1977: Mitglied der National Academy of Sciences 1978: Gairdner Foundation International Award 1979: Mitglied der American Philosophical Society 1986: Order of the Companions of Honour 1987: Genetics Society of America Medal 1988: Auswärtiges Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft 1989: Mitglied der Academia Europaea 1990: Kyoto-Preis 1991: Gairdner Foundation International Award 1994: Max-Delbrück-Medaille 2000: Albert Lasker Special Achievement Award 2002: March of Dimes Prize in Developmental Biology 2002: Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2007: Ehrenmitglied der Japanischen Akademie der Wissenschaften.Deceased Honorary Members (Alphabetical Order), Internetseite der Japanischen Akademie der Wissenschaften (engl.) 2009: Großkreuz des Ordens des Infanten Dom Henrique 2017: Großer Orden der Aufgehenden Sonne am Band (Japan)2017 Spring Conferment of Decoration on Foreign Nationals, Internetseite des japanischen Außenministeriums (englisch)
Publikationen (Auswahl) BRENNER S, JACOB F, MESELSON M.: An unstable intermediate carrying information from genes to ribosomes for protein synthesis. Nature. 1961 May 13;190:576-581. doi:10.1038/190576a0.
Literatur
Jonathan Hodgkin: Sydney Brenner (1927–2019). In: Current Biology. Band 29, Nr. 10, 2019, PR344-R346, doi:10.1016/j.cub.2019.04.030
Weblinks
Nobelpreisträger eröffnet Laboretagen des Cologne Center for Genomics CCG Seite über Brenner am Salk Institute (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Genetiker Kategorie:Entwicklungsbiologe Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin Kategorie:Kyoto-Preisträger Kategorie:Absolvent der University of Cambridge Kategorie:Hochschullehrer (University of Cambridge) Kategorie:Mitglied der Royal Society Kategorie:Mitglied der Académie des sciences Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der Academia Europaea Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Mitglied der American Philosophical Society Kategorie:Mitglied des Order of the Companions of Honour Kategorie:Träger der Copley-Medaille Kategorie:Träger des Albert Lasker Award for Basic Medical Research Kategorie:Träger des Canada Gairdner International Award Kategorie:Träger des Dan-David-Preises Kategorie:Träger des Ordens des Infanten Dom Henrique (Großkreuz) Kategorie:Träger des Ordens der Aufgehenden Sonne (Großkreuz) Kategorie:Ehrendoktor der Universität Porto Kategorie:Ehrenbürger von Singapur Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1927 Kategorie:Gestorben 2019 Kategorie:Mann