mini|Gruibingen 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch Gruibingen [] ist eine Gemeinde im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg.

Geographie Geographische Lage Gruibingen liegt zwischen Stuttgart und Ulm vor der Hochfläche der Schwäbischen Alb in einem Seitental der Fils. Die Bundesautobahn 8 führt zwischen Aichelberg und Mühlhausen im Täle östlich der Ortschaft vorbei.

Gemeindegliederung Zu Gruibingen gehören das Dorf Gruibingen und das Gehöft Kaltenwanghof sowie die abgegangenen Ortschaften Chaldenwank (Kaltenwanghof als Relikt) und Ulrichstetten (?).Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 348–350

Das ehemalige Haus Exenmühle befindet sich auf Gemarkung der Gemeinde Mühlhausen im Täle. Die restlichen Gebäudeteile wurden 1962 abgerissen, dort befindet sich nun das Industriedenkmal Sägewerk Rothfuß, welches seit 1917 dort existiert.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2023.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Gruibingen.

Geschichte

Mittelalter und frühe Neuzeit Archäologische Grabungen in der St. Martinskirche belegen, dass die Besiedlung des Gruibinger Tals bis ins Frühmittelalter zurückreicht. Grabfunde belegen die Anwesenheit reicher Personen vor Ort: Unter anderem wurde ein goldener Ohrring gefunden, der auf ein ehemals sehr reich ausgestattetes Adelsgrab hinweist. Daneben gibt es Hinweise auf die Bestattung eines Klerikers, dessen Grabausstattung Bezüge in den romanischen, vielleicht burgundischen Raum verrät. Siedlungsspuren aus der Merowinger- und Karolingerzeit finden sich direkt nördlich der Martinskirche sowie am nördlichen Ortsausgang, was auf eine ursprünglich polyzentrische Siedlungsstruktur verweist.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Gruibingen im Jahr 861 im Stiftungsbrief zur Gründung von Kloster Wiesensteig. Darin wurde das Kloster als in griubingaro marco liegend bezeichnet. Verschiedene Hinweise in Zusammenhang mit der Klosterstiftung deuten darauf hin, dass Gruibingen damals immer noch ein wichtiger Herrschaftspunkt war und die Klosterstiftung möglicherweise von Gruibingen ausgegangen sein könnte.

Dennoch gelang es keiner dieser Grundherrschaften, eine Ortsherrschaft aufzubauen. Gruibingen verfügte weiterhin über die Blutgerichtsbarkeit, ein eigenes Maß und ein uraltes Marktrecht. Im 15. Jahrhundert wurde es sogar als Freidorf bezeichnet, was die Bedeutung nochmals unterstreicht.

Erst zwischen 1418 und 1533 wurde Gruibingen der Status eines Freidorfes von der Grafschaft Württemberg aberkannt und es wurden die alten Freiheiten und Rechte eingeschränkt. Während der Reformation wurde der Ort als Teil Württembergs evangelisch. Von nun an lag Gruibingen nicht nur an der Herrschaftsgrenze zwischen dem Herzogtum Württemberg und der Grafschaft Helfenstein, sondern auch an einer Glaubensgrenze zwischen der evangelischen und der katholischen Konfession, was die weitere Entwicklung beeinflussen sollte.

Der Ort gehörte bis 1485 zum württembergischen Amt Kirchheim, danach zum Amt Göppingen.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) gab es Not und Elend; es starben durch Kriegseinwirkungen, Seuchen und Krankheiten 131 Männer. Gegen Ende des Krieges 1647 wurde das Dorf geplündert und in Brand gesteckt. 130 Häuser und Scheunen brannten nieder. Bereits 21 Jahre später gab es eine weitere Brandkatastrophe, die durch einen Dorfschmied ausgelöst wurde und welcher der ganze Ort, mit Ausnahme von Kirche, Pfarrhaus, Fruchtkasten, Zehntscheuer und einem einzigen Bauernhaus zum Opfer fiel. Sieben Menschen kamen in den Flammen um.

Der Ort konnte nicht wieder zu seiner ursprünglichen Größe heranwachsen und 1712 heißt es sogar, dass „durch den Flecken keine Strass durchgehet“. Die wirtschaftlichen Verhältnisse beschränkten sich weitgehend auf eine kleinbäuerliche Landwirtschaft und wenige Handwerker.

19. und 20. Jahrhundert Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg wurde Gruibingen zunächst von 1808 bis 1810 kurzzeitig dem Oberamt Wiesensteig unterstellt, kam jedoch schon 1810 wieder zum Oberamt Göppingen.

Gruibingen war von der Industrialisierung im 19. Jahrhundert weitestgehend abgeschnitten. Die Bewohner lebten weiterhin von der Landwirtschaft und kleinen Nebengewerben.

Erst im 20. Jahrhundert boten sich Erwerbsmöglichkeiten auch außerhalb der Landwirtschaft.

Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Gruibingen 1938 zum neu umrissenen Landkreis Göppingen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

In der Nachkriegszeit entwickelte sich Gruibingen zu einem stattlichen Dorf mit guter Infrastruktur, mehreren Handwerksbetrieben und mittelständischen Unternehmen.

Religionen mini|Martinskirche und PfarrhausSeit der Reformation ist Gruibingen evangelisch geprägt. Die heutige evangelische Kirchengemeinde GruibingenWebsite der Kirchengemeinde Gruibingen gehörte zunächst zum Kirchenbezirk Göppingen. Mit Wirkung vom 1. Januar 1972 wurde sie zusammen mit der Kirchengemeinde Auendorf in den Kirchenbezirk Geislingen an der SteigeWebsite des Evangelischen Kirchenbezirks Geislingen an der Steige der Evangelischen Landeskirche in Württemberg umgegliedert. Die Katholiken bilden mit der benachbarten Gemeinde Mühlhausen im Täle eine eigene Kirchengemeinde, welche wiederum zusammen mit den Kirchengemeinden Hohenstadt und Wiesensteig zur Seelsorgeeinheit Oberes Filstal im Dekanat Göppingen-Geislingen gehören. Der in der Hauptgemeinde Wiesensteig sesshafte Priester versorgt alle vier Gemeinden.

Einwohnerentwicklung Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg für die Daten ab 1970

Datum Einwohner 1837 933 1907 926 17. Mai 1939 945 13. September 1950 1248 27. Mai 1970 1467 31. Dezember 1983 1709 25. Mai 1987 1836 31. Dezember 1991 2317 31. Dezember 1995 2351 31. Dezember 2005 2204 31. Dezember 2010 2067 31. Dezember 2015 2200 31. Dezember 2020 2213

Politik

Verwaltungsverband Gruibingen hat sich mit Drackenstein, Hohenstadt, Mühlhausen im Täle und Wiesensteig zum Gemeindeverwaltungsverband Oberes Filstal zusammengeschlossen.

Bürgermeister Der parteilose Roland Schweikert wurde am 27. September 2020 für eine vierte Amtszeit wiedergewählt.https://www.staatsanzeiger.de/staatsanzeiger/wahlen/buergermeisterwahlen/gruibingen/ Gemeinderat Der Gemeinderat in Gruibingen besteht aus den zehn gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014 %2009 Sitze2009Freie Unabhängige Wählervereinigung33,02342,33469,6677,28Frauenliste25,15227,753 - -22,82Alternative für Gruibingen - -29,92330,44 - -Zukunft für Gruibingen25,653 - - - - - -Bürgerliche Wählervereinigung16,182 - - - - - - Gesamt10010100101001010010 Wahlbeteiligung in %64,9958,8457,659,4

Wappen Die Blasonierung des Gemeindewappens von Gruibingen lautet: In Grün ein silbernes Widderhorn in Form einer linken Unterschnecke.

Das Widderhorn, eine Figur des einstigen Ortsadels, ist seit 1930 im Dienstsiegel der Gemeinde vorhanden. Auf Anregung der Archivdirektion in Stuttgart wurde das Widderhorn 1958 nach dem Vorbild eines von Albrecht von Gruibingen geführten Siegels gestaltet. Die Flagge des Ortes ist weiß-grün. Wappen und Flagge wurden am 18. Februar 1959 vom Innenministerium verliehen.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|„Reichsautobahn am Steilhang der Alb“ von Michael Zeno Diemer mit Gruibingen (Bildmitte) Verkehr Gruibingen ist durch die Bundesautobahn 8 an das überregionale Straßennetz angeschlossen. Ein in Gruibingen beheimatetes Busunternehmen verbindet den Ort mit der Kreisstadt Göppingen.

mini|Bundesautobahn 8: Autobahntunnel Gruibingen (in Richtung Stuttgart fotografiert)

Im ÖPNV wird Gruibingen durch die VVS-Buslinie 981 Göppingen ZOB – Gruibingen – Wiesensteig bedient.

Westlich verläuft die Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm im Boßlertunnel.

Fluggelände Gruibingen-Nortel Schon vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich auf Gruibinger Gemarkung das Segelfluggelände Gruibingen-Nortel, das heutzutage dem AeroClub Göppingen-Salach als Heimat dient. Im Jahr 2014 erfolgte die Erweiterung zu einem Sonderlandeplatz und damit eine Aufwertung, insbesondere für motorgetriebene Flugzeuge.

Unternehmen In Gruibingen befinden sich hauptsächlich kleinere und mittlere Betriebe, davon viele aus dem Handwerksbereich. Zu den größten Unternehmen zählen moll Funktionsmöbel GmbH, ein Hersteller von mitwachsenden Home office und Kindermöbeln, welcher seine Produkte in über 50 Länder exportiert, und die Moll, Tief und Straßenbau GmbH & Co mit über 100 Mitarbeitern. An der Grenze zu Mühlhausen gab es von 1970 bis 2003 ein Werk von Kodak, in dem bis zu 900 Personen arbeiteten. Obwohl das Werk direkt am Ortsrand von Mühlhausen lag, befand sich der größte Teil auf Gruibinger Gemarkung, nur ein kleiner Teil in Mühlhausen. Heute haben sich in den Gebäuden mehrere Unternehmen aus dem Automotive-Bereich angesiedelt.

Bildungseinrichtungen In Gruibingen gibt es lediglich eine Grundschule. Weiterführende Schulen müssen in den Nachbarorten besucht werden. Für die Kleinsten gibt es einen gemeindeeigenen Kindergarten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Die Martinskirche mit unterem Dorf Evangelische Martinskirche