Dies ist eine Teilliste von Luftfahrt-Zwischenfällen der Jahre 1990 bis 1999 beim Betrieb von Verkehrsluftfahrzeugen. Für übrige Zeitspannen siehe Listen von Luftfahrt-Zwischenfällen.
Für militärische Flugunfälle siehe Liste von Zwischenfällen (Militärluftfahrt) ab 1981.
Für Zwischenfälle von Luftfahrzeugen der Allgemeinen Luftfahrt siehe Liste von Zwischenfällen (Allgemeine Luftfahrt).
In diese Liste sollen nur Unfälle eingetragen werden, die den Relevanzkriterien für Zwischenfälle genügen.
Einträge mit eigenem Artikel in Wikipedia sind mit (A) gekennzeichnet.
Auflistung nach Jahr 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999
Liste 1990 13. Januar – In einer Tupolew Tu-134A der sowjetischen Aeroflot (Luftfahrzeugkennzeichen CCCP-65951) fielen auf dem Weg von Tjumen nach Ufa durch einen Brand in einem Frachtabteil Triebwerke und Elektrik aus. Bei der folgenden Notlandung nahe Perwouralsk (Russland) verloren 27 der 71 Insassen ihr Leben.
(A) 15. Januar – Eine CASA C-212-200 der costa-ricanischen Sansa Regional Airline (SANSA) (TI-SAB) wurde im Steigflug nach dem Start vom Flughafen San José 16 km entfernt davon in einen wolkenverhüllten Berg geflogen. Alle 23 Insassen (3 Besatzungsmitglieder und 20 Passagiere) wurden bei diesem CFIT (Controlled flight into terrain) während eines Sichtfluges getötet (siehe auch SANSA-Flug 32).
25. Januar – Eine Hawker Siddeley HS 748-207 der Airfast Indonesia (PK-OBW) musste wegen schlechten Wetters am Zielflughafen Selaparang ausweichen. Dabei flog sie in den 42 Kilometer ostnordöstlich davon gelegenen Vulkan Rinjani (Indonesien). Bei diesem CFIT (Controlled flight into terrain) wurden alle 19 Insassen getötet, drei Besatzungsmitglieder und 16 Passagiere.
25. Januar – Einer Boeing 707 der kolumbianischen Luftfahrtgesellschaft Avianca (HK-2016) ging nach stundenlangen Warteschleifen beim Anflug auf den John F. Kennedy International Airport (New York, USA) der Treibstoff aus. Nach einem Fehlanflug infolge schlechten Wetters stürzte die Maschine mit leeren Tanks ab. Von den 158 Menschen an Bord starben 73, während 85 überlebten.
10. Februar – Eine Fairchild Swearingen Metro II der kanadischen Perimeter Airlines (C-FGEP) kehrte aufgrund mehrerer Warnanzeigen zum Flughafen Winnipeg, Kanada, zurück. Ein Triebwerk wurde abgestellt. Beim Ausfahren des Fahrwerks fiel ein größerer Teil des linken Hauptfahrwerks zu Boden. Daraufhin kam es beim Aufsetzen zur Bruchlandung mit Totalschaden. Alle elf Passagiere und die beiden Piloten überlebten.
(A) 12. Februar – Eine Fokker F-27-200 der brasilianischen Transportes Aéreos Regionais (PT-LCG) befand sich im Anflug auf den Flughafen Bauru. Ein Flugkapitän in Ausbildung hatte den Sinkflug zu spät eingeleitet. Der auf dem Flug mitfliegende Ausbilder verlangte, dass der Anflug trotz der zu großen Flughöhe und der zu hohen Fluggeschwindigkeit fortgesetzt werden solle. Als der auszubildende Flugkapitän verunsichert war, übernahm der Ausbilder das Steuer. Die Maschine setzte zu schnell auf der Landebahn auf. Beim anschließenden Durchstarten wurden die Triebwerke zu abrupt beschleunigt, woraufhin es zu mangelnder Leistung kam, die Fokker 600 Meter hinter dem Flughafen wieder zu Boden ging und mit einem Pkw kollidierte. Zwei Insassen des Pkw und ein Pilot wurden getötet, während 40 Insassen der Maschine den Unfall überlebten (siehe auch Flugunfall der TAM Linhas Aéreas in Bauru 1990).
(A) 14. Februar – Ein Airbus A320 der Indian Airlines (VT-EPN) wurde beim Landeanflug ca. 700 Meter vor der Landebahn des Flughafens HAL Bangalore auf einen Golfplatz geflogen. Die Maschine war durch eine Verwechslung der Bedienelemente viel zu schnell gesunken. Von den 146 Menschen an Bord starben 92, während 54 überlebten. Etliche Passagiere hatten schon vorher ihre Anschnallgurte geöffnet, wodurch sie auf den Boden geschleudert wurden.K. Shivashankar Bhat: Report on the Accident to Indian Airlines Airbus A320 Aircraft VT-EPN. 1990, S. 30 u. 72 (Seiten im PDF). Die ersten Rettungskräfte des Flughafens waren zwar innerhalb von zwei Minuten am Pistenende, konnten jedoch den Unfallort nicht erreichen, da sie keinen Schlüssel hatten, um ein Ausfalltor in der Flughafenumzäunung zu öffnen. Noch rund 15 Minuten nach dem Unfall war das Tor verschlossen.K. Shivashankar Bhat: Report on the Accident to Indian Airlines Airbus A320 Aircraft VT-EPN. 1990, S. 130–132 (Seiten im PDF). Später eintreffendes Personal sägte das Schloss schließlich auf. Zwei Löschfahrzeuge erreichten dann von innerhalb des Geländes den Brandherd mit ihrem Löschmitteleinsatz nur unzulänglich und hatten auch keine Möglichkeit, die eigenen Tanks in der Nähe wieder aufzufüllen.K. Shivashankar Bhat: Report on the Accident to Indian Airlines Airbus A320 Aircraft VT-EPN. 1990, S. 121–132 (Seiten im PDF). Die ersten Retter erreichten das Flugzeug zu Fuß, als noch Hilferufe aus dem Rumpfteil hinter der linken Tragfläche drangen. Drei oder vier Personen wurden dort gerettet (siehe auch Indian-Airlines-Flug 605).Unfallbericht A320 VT-EPN, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 27. Januar 2019.
18. Februar – Eine Douglas DC-9-32 der spanischen Aviaco (Luftfahrzeugkennzeichen EC-BIQ) schlug beim Versuch des Durchstartens auf dem Flughafen Menorca (Spanien) mit + 3,56 g extrem hart auf der Landebahn auf. Die Piloten kehrten nach Palma de Mallorca zurück, wo eine sichere Landung durchgeführt werden konnte. Allerdings war das Flugzeug irreparabel beschädigt. Alle 89 Insassen, sieben Besatzungsmitglieder und 82 Passagiere, überlebten den Unfall.
24. Februar – An Bord einer Fokker F-27-600 der deutschen FTG (D-AELB) kam es zu einem beidseitigen Triebwerksausfall und Abriss des rechten Motors von der Tragfläche. Die Besatzung hatte im Rahmen eines Übungsflugs zuvor den Strömungsabriss in Landekonfiguration geprobt, worauf die Motoren mit Überhitzung und Vibrationen reagierten. Die anschließende Notlandung auf einem Feld in der Nähe von Bergisch Gladbach, etwa 12 Kilometer nördlich des Startflughafens Köln/Bonn, glückte und die zweiköpfige Besatzung konnte sich in Sicherheit bringen, die Maschine jedoch brannte aus und musste abgeschrieben werden.
(A) 18. März – Eine aus Guanaja kommende und zum Weiterflug nach San Pedro Sula vorgesehene Douglas DC-3/C-47A-75-DL der honduranischen SAHSA (HR-SAZ) kam bei der Zwischenlandung auf dem Flughafen Roatán wegen starker Seitenwinde von der Landebahn ab und rollte ins Karibische Meer. Bei dem Unfall starben sieben der 32 Insassen an Bord (siehe auch Flugunfall einer Douglas DC-3 der SAHSA 1990).
22. März – Eine Hawker Siddeley Trident 2E der Air China (B-2208) wurde für die Landung auf dem Flughafen Guilin Qifengling (China) zu hoch angeflogen und setzte erst sehr spät auf der Landebahn auf. Sie überrollte das Ende der sehr nassen Landebahn, geriet in weichen Boden und wurde irreparabel beschädigt. Alle 107 Insassen, fünf Besatzungsmitglieder und 102 Passagiere, überlebten den Unfall.
1. April – Die Piloten einer Armstrong Whitworth Argosy 222 der neuseeländischen SAFE Air – Straits Air Freight Express (ZK-SAF) brachen den Anflug auf ihr Ziel ab, den Flughafen Wellington, weil das linke Hauptfahrwerk beim Ausfahren nicht verriegelte. Sie beschlossen, zum Flughafen Blenheim-Woodbourne (Neuseeland) auszuweichen, da dort die Technikabteilung der Firma angesiedelt war. Beim Ausrollen während der dortigen Landung brach das linke Hauptfahrwerk zusammen; das Flugzeug kam nach links von der Landebahn 25 ab und wurde irreparabel beschädigt. Die Gründe für das Versagen lagen in mehreren Wartungsfehlern. Beide Piloten, die einzigen Insassen auf dem Frachtflug, überlebten den Unfall. Es war der letzte Totalverlust einer Argosy.
(A) 5. April – Eine Lockheed L-1049/C-121C Super Constellation der dominikanischen Aerolineas Mundo (AMSA) (HI-515CT) stürzte in der Nähe von Levittown (Puerto Rico) in Strandnähe ins Meer. Der Kapitän war ohne Genehmigung für einen Überführungsflug mit dem stillgelegten Triebwerk Nr. 3 (rechts innen) vom Flughafen San Juan (Puerto Rico) gestartet. Im Steigflug fing Triebwerk Nr. 2 (links innen) Feuer, gefolgt vom Ausfall von Triebwerk Nr. 1 (links außen). Beide Triebwerke waren schon vor dem Start als unzuverlässig bekannt gewesen. Von den 3 Besatzungsmitglieder, den einzigen Insassen auf dem Frachtflug, wurde eines getötet (siehe auch Flugunfall einer Lockheed Super Constellation bei San Juan 1990).
7. April – Eine Martin 4-0-4 der bolivianischen Transportes Aéreos Samuel Selum - TASS (CP-1738) verunglückte bei einer Notlandung auf dem Flugplatz Camiare bei Santa Ana del Yacuma (Bolivien). Dort war die Maschine auch für einen Frachtflug nach La Paz gestartet, als das Triebwerk Nr. 2 (rechts) nach 7 Minuten starke Vibrationen entwickelte. Bei der Notlandung mit Rückenwind brach das rechte Hauptfahrwerk zusammen. Das Flugzeug wurde irreparabel beschädigt. Alle drei Besatzungsmitglieder überlebten den Unfall. Dies war der letzte Totalverlust einer Martin 4-0-4.
(A) 12. April – Eine de Havilland DHC-6-300 Twin Otter der norwegischen Widerøe (LN-BNS) wurde auf ihrem Flug von Værøy nach Bodø (beide in Norwegen) kurz nach dem Start von extremen Turbulenzen erfasst. Dabei brach das Höhenleitwerk oder das Höhenruder ab, und die unkontrollierbare Maschine stürzte ab. Alle fünf Personen an Bord kamen ums Leben. Aufgrund anderer ähnlicher Zwischenfälle am Flughafen von Værøy wurde dieser geschlossen und durch einen Heliport ersetzt (siehe auch Widerøe-Flug 839).
18. April – An einer de Havilland Canada DHC-6-200 Twin Otter der panamaischen Aeroperlas (N187SA) fiel kurz nach dem Abheben vom Flughafen Contadora (Panama) das Triebwerk Nr. 2 (rechts) aus. Das Flugzeug geriet in eine Sinkflugkurve, die es bis zum Aufschlag im Meer beibehielt. Von den 22 Insassen kamen 20 ums Leben, die drei Besatzungsmitglieder und 17 Passagiere.
30. April – An einer Douglas DC-4/C-54P der US-amerikanischen Aero Union (N67109) brach bei der Landung auf dem Chico Municipal Airport (Kalifornien, USA) das Bugfahrwerk zusammen. In der auf einem Trainingsflug befindlichen Maschine brach ein Feuer aus, und das Flugzeug wurde irreparabel beschädigt. Die beiden Besatzungsmitglieder, einzige Insassen auf dem Flug, überlebten den Unfall.
(A) 5. Mai – Eine Frachtmaschine des Typs Douglas DC-6BF der US-amerikanischen Aerial Transit Company (N84BL) stürzte kurz nach dem Start vom Flughafen Guatemala-Stadt in ein Wohngebiet. Außer den drei Besatzungsmitgliedern kamen 24 Menschen am Boden ums Leben. Die Maschine war auf dem Weg nach Miami, als Triebwerksprobleme entstanden.
7. Mai – Nach der harten Landung auf dem Flughafen Neu-Delhi brach ein Triebwerk einer Boeing 747-200 der Air India (VT-EBO) teilweise aus der Aufhängung, ausgelöst durch einen Wartungsfehler. Dadurch entstand ein Feuer, das auf die gesamte Tragfläche übergriff und die 747 zerstörte. Alle 215 Insassen überlebten.Unfallbericht B-747-200 VT-EBO, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 5. Juli 2024.
(A) 11. Mai – Vor dem Start auf dem Flughafen Manila explodierte der mittlere Tank einer Boeing 737-300 der Philippine Airlines (EI-BZG). Die Maschine brannte aus, noch bevor sie vollständig geräumt werden konnte. Von den 120 Personen an Bord kamen 8 ums Leben (siehe auch Philippine-Airlines-Flug 143).
19. Mai – Eine Douglas DC-3A der US-amerikanischen K&K Aircraft (N1FN) kollidierte auf einem Agrarflug mit Stromleitungen. Das Flugzeug stieg steil nach oben und stürzte nach einem Strömungsabriss aus 1200 Fuß (365 Meter) Höhe bei Capon Bridge ab, 38 Kilometer südwestlich vom Startflughafen Martinsburg (West Virginia, USA). Beide Piloten, die einzigen Insassen, wurden getötet.