mini|Winckelmann-Museum Das Winckelmann-Museum ist ein Museum in Stendal, das sich mit dem Begründer der Klassischen Archäologie als kunsthistorischer Wissenschaft und bedeutendem Vertreter des Klassizismus, Johann Joachim Winckelmann (1717–1768), befasst.
Geschichte mini|Trojanisches Pferd im Innenhof des Museums Das Winckelmann-Museum befindet sich an der Stelle des Geburtshauses Winckelmanns, in der 1844 nach ihm benannten Straße. Durch die bauliche Geschichte des Gebäudes ist nicht mehr ganz klar, welche Teile des Hauses der Familie Winckelmann gehört hatten. Es wurde am 31. Januar 1955 eröffnet und ist bis heute das einzige Museum, das sich der Person Winckelmanns widmet. Zunächst standen die fünf Räume im Untergeschoss zur Verfügung; hier wurde die Dauerausstellung eingerichtet. 1971 bekam das Museum zudem das Obergeschoss, das für Sonderausstellungen genutzt wird. Bei einer umfassenden Rekonstruktion zwischen 1979 und 1985 konnte der Raum erneut erweitert werden. Der Innenhof wurde 1986 neu gestaltet. Neben dem Innenhof liegt ein Garten, in dem seit 2003 auf Initiative unter anderem von Hans-Jürgen Kaschade eine Nachbildung des Trojanischen Pferdes steht. Es soll an Winckelmanns Vorliebe für den Dichter Homer erinnern. Die Exponate wurden vor allem von der 1940 gegründeten Winckelmann-Gesellschaft zusammengetragen, die seit 2000 auch Trägerin des Museums ist. Seit 1990 wird es von Stephanie-Gerrit Bruer geleitet, die Max Kunze nachfolgte, der 1971 dort Museumsdirektor geworden war. Das Museum war zunächst städtisch und ist nun über die Winckelmann-Gesellschaft Mitglied im Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute. 2001 wurde das Museum in das Blaubuch der Bundesregierung aufgenommen und gehört zu den 20 „kulturellen Gedächtnisorten in den Neuen Ländern“.
Im Dezember 2018 wurde das Museum nach einem fast zweieinhalbjährigen Umbau wieder eröffnet. Die Kosten von ursprünglich geplanten 3,3 Millionen € hatten sich dabei um eine Million € erhöht. Eine Million € waren für den Ausbau der Ausstellung vorgesehen. Wegen der massiv gestiegenen Kosten, von denen bei einer Selbstbeteiligung des Trägers von einer Viertelmillion € 90 % vom Land und 10 % von der Stadt getragen wurden, gab es vor allem von Seiten des Stendaler Stadtrat massive Kritik, auf die vom Präsidenten der Winckelmann-Gesellschaft, Max Kunze, mit Häme reagiert wurde.
Dauerausstellung und Kindermuseum mini|Tatortinstallation Triest im Winkelmannmuseum mini|Griechische Vasen im Winkelmannmuseum
Die ersten vier Räume skizzieren in chronologischer Form Winckelmanns Leben. Im ersten Ausstellungsraum wurde eine Schuhmacherwerkstatt nachgebildet, wie sie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts typisch für die Altmark war. Es finden sich ein Arbeitsplatz wie der, an dem Winckelmanns Vater gearbeitet hatte, samt Utensilien für das Schusterhandwerk, ein Familientisch sowie ein Alkoven mit Schlafplätzen. Zudem werden mehrere Dokumente gezeigt, die über Kindheit und Jugend Winckelmanns informieren. Der zweite Raum veranschaulicht die Ausbildung am Gymnasium in Berlin bei Christian Tobias Damm und an der Universität Halle. So werden beispielsweise Bilder von wichtigen Professoren Winckelmanns gezeigt. Zudem wird die Münzsammlung Johann Heinrich Schulzes in vergleichbaren Münzen gezeigt. Raum drei widmet sich den Jahren von 1743 bis 1755. Gezeigt wird beispielsweise die Seehausener Schulchronik, wo Winckelmann Konrektor war. Eine Ansicht von Schloss Nöthnitz und ein Band des Bibliothekskatalogs der Bibliothek von Heinrich von Bünau stehen stellvertretend für die Zeit als Bibliothekar auf Schloss Nöthnitz. Bilder von Christian Ludwig von Hagedorn und Adam Friedrich Oeser stehen für die Dresdner Künstlerkreise, in denen Winckelmann dann verkehrte, ein Porträt des päpstlichen Gesandten steht für den Religionswechsel. Zentrales Ausstellungsstück in diesem Raum ist allerdings eine Kopie der Kleinen Herkulanerin aus der Dresdner Skulpturensammlung, die Winckelmann zu seiner ersten wichtigen Studie „Gedanken über die Nachahmung“ veranlasste. Der vierte Raum repräsentiert die Jahre 1755 bis 1768, die er weitestgehend in Rom verbrachte. Einen Eindruck von der „ewigen Stadt“ zur Zeit Winckelmanns geben zwölf Radierungen von Giuseppe Vasi wieder. Es werden Ansichten von seinen Wohn- und Arbeitsstätten gezeigt, zudem Bilder von Gelehrten und Künstlern, mit denen er verkehrte. Dokumente zur Ermordung, Gedenkschriften- und Medaillen und Entwürfe für ein Grabmal verweisen auf Winckelmanns tragisches Ende in Triest.
mini|Gipsabguss der Laokoon-Gruppe im Winckelmann-Museum Es folgen drei Räume, in denen die wichtigsten Werke Winckelmanns gezeigt werden. Der erste dieser Räume ist den Schriften zu den Ausgrabungen in Pompeji und Herkulaneum gewidmet. Hier werden unter anderem auch römische Alltagsgegenstände aus der Originalsammlung des Museums gezeigt. Hinzu kommen Aquarelle nach pompejanischen Wandmalereien. Im folgenden Raum werden die Schriften zur Architektur, den Gemmen und den Vasen behandelt. Zu sehen sind etwa die Gemmensammlung von Philipp Daniel Lippert und die Gemmenabdrucksammlung von Baron Philipp von Stosch, die beide von Winckelmann publiziert wurden. Weiters sind mehrere Vasen zu sehen und ein Band der Publikation der Vasensammlung von Sir William Hamilton, in deren Publikation ebenfalls Forschungen Winckelmanns aufgingen. Die Forschungen zur Architektur repräsentieren unter anderen Winckelmanns Exzerpthefte sowie Radierungen von Giovanni Battista Piranesi. Der letzte Raum ist der „Geschichte der Kunst des Altertums“ gewidmet. Hier werden Winckelmanns Theorien anhand von Gipsabgüssen mehrerer bekannter Werke verdeutlicht, so der Büste des Apoll von Belvedere und der Laokoon-Gruppe.
Daneben gibt es ein zugehöriges Kindermuseum, in dem Kinder eine beim Ausbruch des Vesuvs verschüttete römische Villa erkunden können, das Trojanische Pferd besteigen, sich wie Griechen oder Römer kleiden und ein Labyrinth erkunden können. Daneben gibt es Angebote zum Basteln und Malen und es können antike Kinderspiele gespielt werden. Im Museumsgarten kann zudem in einem „Archäologen-Camp“ die Arbeitsweise von Archäologen erkundet werden.
Sonderausstellungen Das Museum führt seit der Übernahme in die Trägerschaft der Winckelmann-Gesellschaft vergleichsweise viele Sonderausstellungen unterschiedlicher Größe durch. Diese widmen sich unterschiedlichen Themen, so der Archäologie, der Kunstgeschichte, der Literatur oder Winckelmann und seiner Zeit, zur Geschichte Stendals, aber besonders häufig auch der Antikenrezeption. Gezeigt wurden unter anderem:
1985: Alfred T. Mörstedt. Zeichnungen, Collagen, Druckgraphik, Gouachen. Ausstellung anlässlich des 60. Geburtstages des Künstlers 1986: Ausstellung zur Archäologischen Forschung im 17. Jahrhundert in Italien 1987: Gorch Wenske, Berlin. Bildhauer, Restaurator 1989: Friedrich B. Henkel, italienische Reisen : Reiseskizzen, Zeichnungen, Collagen, Skulpturen, Reliefs, Skizzen und Entwürfe zur „Winckelmann-Ehrung“ Stendal 1990: Von Pompeji bis Troja. Archäologische Entdeckungen von Winckelmann bis Schliemann 1991: Antikerezeption in der Kunst der DDR. Rückblicke 1998: Antiken auf die Schippe genommen. Bilder und Motive aus der Alten Welt in der Karikatur 1998: Römische Antikensammlungen im 18. Jahrhundert 1999: Wiedergeburt griechischer Götter und Helden. Homer in der Kunst der Goethezeit 2000: Alexander der Große : König der Welt. Eine neuentdeckte Bronzestatue 2001: Zwischen Antike, Klassizismus und Romantik. Die Künstlerfamilie Riepenhausen 2001: Suche nach dem Unendlichen. Aquarelle und Zeichnungen der deutschen und österreichischen Romantik aus dem Kupferstichkabinett der Akademie der Bildenden Künste Wien 2001: Johann Schmied, kleine italienische Reise 2001: Livia. Gemahlin des römischen Kaisers Augustus. Ein unbekanntes Porträt aus San Francisco 2002: Vom Sonnenkönig zur Französischen Revolution. Buchillustration im 18. Jahrhundert 2002: Griechische Vasen aus der Sammlung von Fritz Lichtenhahn, Hamburg, Arosa 2003: „Unterwegs in Rom“. Veduten der Winckelmann- und der Goethezeit (Giuseppe Vasi, Giovanni Battista Piranesi, Luigi Rossini) 2003: Meeresgott und Seepferd. Ein neuentdecktes Meisterwerk griechischer Bronzekunst aus Jerusalem 2003: Die sieben Weltwunder der Antike. Wege der Wiedergewinnung aus sechs Jahrhunderten 2003: Die Wiederentdeckung der ägyptischen Kunst im 18. Jahrhundert. Winckelmann und Ägypten 2004: Gebrannt – Verbrannt – Zurückgebrannt. – Die Vasensammlung des Magdeburger Kulturhistorischen Museums 2004: Ost-westlicher Ikarus. Ein Mythos im geteilten Deutschland 2005: Franz Caucig – Ein Wiener Künstler der Goethezeit in Italien 2005: Augen unterwegs. Reisebilder – Aquarelle und Zeichnungen von Georg Dehio 2005: Die Statue eines Dionysos. Ein unbekannt gebliebener Torso aus den Beständen der Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste Wien. Eine Ausstellung „in progress“ 2005: Kunst und Aufklärung im 18. Jahrhundert. Kunstausbildung der Akademien. Kunstvermittlung der Fürsten. Kunstsammlung der Universität 2005: Metamorphose und Mythos/Hans Schulze – ein deutsches Malerschicksal im 20. Jahrhundert 2005: Zeichnen, Malen, Bilden, Denken. Kunstakademie und Aufklärung im 18. Jahrhundert 2005: Floris Neusüss: Vor Troja – Antikenfotogramme 2005: Die Geburt der Archäologie: Pompeji – Griechenland – Ägypten in Buch und Bild 2006: Auf zum Olymp – Antike in Kinderbüchern aus sechs Jahrhunderten 2006: Antiken für Winckelmann. Die Antikensammlung des Winckelmann-Museums 2006: Satyr, Maske, Festspiel. Aus der Welt des antiken Theaters 2007: Römische Gärten der Winckelmann-Zeit. Geregelte Form – ungezügelte Natur 2007: Die Türen von San Miguel del Allende, Mexiko 2007: Der Pfälzer Apoll. Kurfürst Carl Theodor und die Antike an Rhein und Neckar 2007: Buch-Geschichten. 500 Jahre Drucker, Verleger und Bibliotheken in Stendal 2007: Weihnachtsausstellung 2008: „...denn lebensgroß gezeichnet und vermessen stehst Du im Künstlerbuch.“ Das Porträtalbum deutschsprachiger Künstler – ein Zeugnis des Künstlerlebens in Rom zur Zeit der Romantik 2008: Daktyliotheken. Antike Gemmen in Abdrucksammlungen des 18. und 19. Jahrhunderts 2008: Frauenbilder. Antike Bildwelten und weibliche Lebenswelten im 18. Jahrhundert 2008: Griechenland 1891/1892 und 1910 in Messbildern 2008: Antike Kunstwerke aus einer norddeutschen Privatsammlung 2009: Hightech in der Archäologie 2009: Maecenas. Urbild und Förderer der Kunst 2009: Antik wird Mode. Antike im bürgerlichen Alltag des 18. und 19. Jahrhunderts 2009: Die Etrusker. Die Entdeckung ihrer Kunst seit Winckelmann (19. September bis 29. November) 2010: Begegnung mit dem Fremden. Frühe Orientbilder im 17.-19. Jahrhundert 2010: Anny Schröder – Griechische Visionen. Auf der Suche nach kultureller Identität zwischen Naziterror und Wirtschaftswunder 2010: Erinnerung Ägypten. Frühe Photographien, Lithographien, Stiche und Karten aus der Sammlung Dan Kyram, Jerusalem 2010: Götzen, Götter und Idole 2010: Die Griechen und das Meer. Griechische Fischteller aus der Sammlung Florence Gottet 2011: Antike Stätten und Landschaften. Aquarelle, Gouachen und Ölbilder von Gerhard Ausborn 2011: Klassizismus in Deutschland und Italien. Die Sammlung Wolfgang von Wangenheim 2011: Bilder der Wüste. Malerei von Sabine Kahane, Fotografien von Arie Bar Lev Israel 2011: Die Artemis von Pompeji. Zur Entdeckung der Farbigkeit griechischer Skulpturen 2011: „Wer Lebenslust fühlet“ Bertel Thorvaldsen – Der Bildhauer als Zeichner 2012: Schön. Geheimnisse der Schönheit damals und heute 2012: Ägypten, Nubien und die Cyrenaika. Die imaginäre Reise des Norbert Bittner (1786–1851) 2012: Wo wahre Freiheit wohnt. Winckelmanns Rom 2012: Albrecht Dürer kreativ/interaktiv 2016: Heiliger Nikolaus. Leben und Wirken des Nikolaos von Myra 2016: Forum Romanum – Zeitreise durch 3000 Jahre Geschichte