Abhinavagupta (Sanskrit: अभिनवगुप्त) (* um 950; † 1020)Triadic Heart of Shiva, Paul E. Muller-Ortega, Seite 12Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, Seite 27 war einer der größten indischen Philosophen, Mystiker und Ästheten. Er war auch ein bedeutender Musiker und Dichter, Dramatiker, Exeget, Theologe und Logiker und Universalgelehrter,Re-accessing Abhinavagupta, Navjivan Rastogi, Seite 4Key to the Vedas, Nathalia Mikhailova, S. 169 der starken Einfluss auf die indische Kultur ausübte.The Pratyabhijñā Philosophy, Ganesh Vasudeo Tagare, S. 12Companion to Tantra, S.C. Banerji, S. 89 Abhinavagupta wurde im Tal von Kaschmir in einer Familie von Gelehrten und Mystikern geborenDoctrine of Divine Recognition, K. C. Pandey, S. V und studierte alle Schulen der Philosophie und Kunst seiner Zeit unter Anleitung von über 15 Lehrern und Gurus.Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, Seite 35 Während seines langen Lebens schrieb er über 35 Werke, das größte und bekannteste ist das Tantraloka, eine enzyklopädische Abhandlung der philosophischen und praktischen Aspekte des Trika und des Kaula, das heute als Kaschmir-Shivaismus bekannt ist.

Ein anderer bedeutender Beitrag im Bereich der Philosophie der Ästhetik war sein berühmter Abhinavabharati-Kommentar zum Natyashastra des Bharata Muni.Luce dei Tantra, Tantrāloka, Abhinavagupta, Raniero Gnoli, S. LXXVII

Es wurde berichtet, dass „Abhinavagupta“ nicht sein wirklicher Name war, sondern ein von seinem Meister verliehener Titel, mit der Bedeutung von „Kompetenz und Autorität“.Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, Seite 20The Krama Tantricism of Kashmir; Navjivan Rastogi, Seite 157 In seiner Analyse eröffnet Jayaratha (1150–1200),Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 92 der Abhinavaguptas bedeutendster Kommentator war, weitere drei Bedeutungen: „immer wachsam“, „überall gegenwärtig“ and „geschützt von Lob“. Raniero Gnoli, der das Tantraloka in eine europäische Sprache übersetzte, erwähnt, dass „Abhinavagupta“ auch „neu“ bedeutet.Luce dei Tantra, Tantrāloka, Abhinavagupta, Raniero Gnoli, 1999, Seite 3 als Bezug zur immer neuen kreativen Kraft seiner mystischen Erfahrung.

Jayaratha beschrieb, dass Abhinavagupta im Besitz all der sechs Qualitäten war, die für die Empfänger des hohen Grades von Shaktipat(Göttliche Gnade – anugraha) notwendig sind, wie in den heiligen Texten beschrieben (Śrīpūrvaśāstra)Abhinavagupta, Ganesh Tryambak Deshpande, S. 19: ein unbeirrbarer Glaube an Gott, Verwirklichung von Mantras, Kontrolle über objektive Prinzipien (bezüglich der 36 Tattvas), erfolgreicher Abschluss aller angefangenen Aktivitäten, dichterische Kreativität und spontanes Wissen aller Disziplinen.Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 21

Abhinavaguptas Werk ist ausgewogen zwischen den Zweigen der Triade (Trika) und des Willens(Icchā) – des Wissens(Jnana) – des Handelns(Kriya) und nicht zuletzt devotionaler Lieder und akademisch-philosophischer Werke und Werke über rituelle Yogapraktiken.Re-accessing Abhinavagupta, Navjivan Rastogi, S. 8

Als Autor wird er als ein Systematisierer philosophischen Gedankengutes angesehen. Er rekonstruierte, rationalisierte und instrumentierte das philosophische Wissen in eine kohärentere Form,Re-accessing Abhinavagupta, Navjivan Rastogi, S. 10 unter Hinzuziehung aller verfügbaren Quellen seiner Zeit, ähnlich einem modernen wissenschaftlich arbeitenden Indologen.

Verschiedene zeitgenössische Gelehrte charakterisierten Abhinavagupta als einen „brillanten Gelehrten und Heiligen“,Īśvara Pratyabhijñā Kārikā of Utpaladeva, Verse über die Wahrnehmung Gottes; B. N. Pandit, S. XXXIII als „den Gipfel der Entwicklung im Kaschmir-Shivaismus“ und „im Besitz von yogischer Selbstverwirklichung“.

Herkunft Mit dem Ausdruck „magische Geburt“ beschreibt Abhinavagupta selbst seinen Ursprung als „yoginībhū“ – von einer Yogini geboren. Im Kaschmir-Shivaismus und besonders im Kaula besteht der Glaube, dass ein Abkömmling von Eltern, die fest in der göttlichen Essenz von Bhairava stehen,Re-accessing Abhinavagupta, Navjivan Rastogi, S. 2 mit außergewöhnlichem spirituellem und intellektuellem Können ausgestattet ist. Von solch einem Kind wird angenommen, dass es ein „Depot von Wissen“ ist, das schon im Mutterleib die Form von Shiva hat, um nur ein paar Attribute aufzuzählen.

Eltern Abhinagavupta wurde in einer Brahmanen-Familie geboren, die für ihre tiefe Gottergebenheit mit Neigungen zu intellektuellem Streben bekannt war.

Seine Mutter Vimalā (Vimalakalā) starb als Abhinavagupta 2 Jahre alt war.Luce dei Tantra, Tantrāloka, Abhinavagupta, Raniero Gnoli, S. 4Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 31 Aufgrund des Verlustes seiner Mutter, von dem er sehr betroffen war,Abhinavagupta, Ganesh Tryambak Deshpande, Seite 19 wuchs er in größerer Distanz zur Welt auf und konzentrierte sich mehr auf spirituelle Bestrebungen.

Narasimhagupta, sein Vater, schlug nach dem Tode seiner Frau einen asketischen Lebensstil ein, während er seine drei Kinder aufzog. Er hatte nach Abhinavaguptas eigenen Worten Verstand und Herz kultiviert und eine außergewöhnliche Hingabe an Maheshvara (Shiva). Er war Abhinavaguptas erster Lehrer, der ihn ins Sanskrit, die indische Logik und die Sanskrit-Literatur einführte.Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 30

Familie Abhinavagupta hatte einen Bruder und eine Schwester. Der Bruder Manoratha war ein sehr beschlagener Verehrer Shivas.Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 22 Seine Schwester Ambā (wahrscheinlicher Name nach Navjivan Rastorgi) ergab sich der Anbetung nach dem Tode ihres Gatten.

Sein Vetter Karna demonstrierte schon in seiner Jugend, dass er die Essenz des Shivaismus begriff und war von der Welt abgehoben. Seine Frau war vermutlich Abhinavaguptas ältere Schwester Ambā,Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 24 die mit Verehrung zu ihrem erhabenen Bruder aufschaute. Ambā und Karna hatten einen Sohn, Yogeshvaridatta, der ein frühzeitiges Talent im Yoga auswiesIntroduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 23 (yogeshvara bedeutet „Gott des Yoga“).

Abhinavagupta erwähnt auch seinen Schüler Rāmadeva als dem Studium der Schriften hingegebenen getreuen Diener seines Meisters. Ein anderer Vetter war Ksema, möglicherweise identisch mit Abhinavaguptas Schüler Ksemarāja. Mandra, ein Kindheitsfreund von Karna, war ihr Gastgeber in einer vorstädtischen Residenz. Er war nicht nur reich und in Besitz einer angenehmen Persönlichkeit, sondern auch genauso gebildet.Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 25 Und nicht zuletzt Vatasikā, Mandras Tante, wurde besonders von Abhinavagupta erwähnt, da sie ihn mit außerordentlicher Hingabe und Fürsorge umsorgte. Um seine Dankbarkeit auszudrücken, erklärte Abhinavagupta, dass Vatasikā die Verdienste für die erfolgreiche Fertigstellung seiner Arbeit verdiente.Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 26

Das sich hier ergebende Bild ist, dass Abhinavagupta in einer pflegenden und geschützten Umgebung lebte, wo seine kreativen Energien alle erforderliche Unterstützung hatten. Jedermann um ihn herum war mit spiritueller Inbrunst erfüllt und hatte Abhinavagupta als spirituellen Meister erwählt. Solch eine unterstützende Gruppe von Familie und Freunden war ebenso notwendig wie die persönlichen Qualitäten des Genius, um ein Werk von der Größe des Tantraloka zu vollenden.

Nach Abhinavaguptas eigener Darstellung war sein entferntester Ahn Atrigupta, der in Madhyadeśa (wahrscheinlich heute der Ort Kannauj) in Indien geboren war und auf Wunsch von König Lalitāditya nach Kaschmir gezogen warIntroduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 28 um das Jahr 740.Triadic Mysticism, Paul E. Murphy, S. 12

Meister Abhinavagupta ist berühmt für seinen unstillbaren Durst nach Wissen. Er hatte daher mindestens 15 Lehrer,Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 33 sowohl mystische Philosophen als auch Gelehrte aus dem Vishnuismus, Buddhismus, Shaiva Siddhanta und die Trika-Gelehrten.

Zu den prominentesten Lehrern zählen Vāmanātha, der ihn in den dualistischen Shivaismus einwies,Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 54 und Bhūtirāja, der ihn in die dualistisch-nichtdualistische Schule einwies. Neben seiner Lehrertätigkeit für Abhinavagupta war Bhūtirāja auch der Vater zweier bekannter Gelehrter:Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 34

Laksmasnagupta, ein direkter Schüler von Somānanda, in der Linie von Trayambaka, war bei Abhinavagupta hoch angesehen und lehrte ihn alle Schulen des monotheistischen Gedankens: Krama, Trika und Pratyabhijña (ohne das Kula).

Śambhunātha lehrte ihn die vierte Schule (Ardha-trayambaka). Diese Schule ist Kaula, und es stammte von Trayambakas Tochter.

Für Abhinavagupta war Śambhunātha der am meisten bewunderte Guru. In seiner Beschreibung der Größe des Lehrers verglich Abhinavagupta Śambhunātha mit der Sonne, wegen seiner Macht die Unwissenheit aus dem Herzen zu vertreiben, und an anderer Stelle, mit „dem Mond der über dem Ozean des Trika-Wissens scheint“.

Abhinavagupta erlangte die Kaula-Einweihung durch die Frau von Śambhunātha, die als dūtī oder Kanal wirkte. Die Einweihung wird durch einen bestimmten tantrischen Sexualakt übertragen, wobei die ganze Energie umgewandelt und sublimiert wird, zuerst ins Herz und schließlich in das Bewusstsein. Solch eine Methode ist schwierig aber sehr schnell und ist reserviert für Schüler die ihre geistigen Begrenzungen abgeworfen haben und ebenso rein sind.

Es war Śambhunātha der ihn bat das Tantrāloka zu schreiben. Als Guru hatte er einen tiefen Einfluss auf die Struktur des TantrālokaThe Triadic Heart of Śiva, Kaula Tantrismus von Abhinavagupta im nichtdualen Shaivaismus von Kashmir; Paul Eduardo Muller-Ortega, S. 1 und im Leben seines Schöpfers Abhinavagupta.Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 44–54

Es werden 12 seiner Hauptlehrer namentlich aber ohne Details aufgezählt. Es wird angenommen, dass Abhinavagupta weitere Lehrer hatte. Insbesondere sammelte er eine große Zahl von Texten, die er in seinem großen Werk zitiert, in seinem Verlangen ein synthetisches, alles einschließendes Werk zu schaffen, wo die Unterschiede verschiedener Schriften durch Aufgehen in eine höhere Sichtweise aufgelöst werden können.

Lebensstil Abhinavagupta blieb sein ganzes Leben unverheiratet,Introduction to the Tantrāloka, Navjivan Rastogi, S. 32 obwohl er Adept des Kaula und als solcher nicht völlig sexuell abstinent war.

Er studierte eifrig wenigstens bis zum Alter von 30 oder 35, und reiste dabei zumeist innerhalb von Kaschmir herum.

Nach seiner eigenen Darstellung erlangte er spirituelle Befreiung durch seine Kaula-Praxis, die auf tantrischer Sexualität basiert, unter der Leitung seines verehrten Meisters Śambhunātha.

Er lebte in seinem Haus, das als Ashram diente, mit den Mitgliedern seiner Familie und seinen SchülernĪśvara Pratyabhijñā Kārikā of Utpaladeva, Verse über die Wahrnehmung Gottes; B. N. Pandit, S. 34 und er wurde kein wandernder Mönch noch übte er die regulären Aufgaben der Brahmanenkaste aus.

So lebte Abhinavagupta ein Leben als Schreiber und Lehrer. Seine Persönlichkeit war eine lebende Verwirklichung seiner Vision. Auf einer zeitgenössischen Bleistiftzeichnung wird Abhinavagupta als in Virasana dargestellt, umgeben von ergebenen Schülern und Familie, die eine Art Trancemusik auf der Vina ausführen während des Diktates der Verse des Tantrāloka an einen Beisitzer – hinter ihm zwei auf ihn wartende dūtī (weibliche Yogis).

Eine Legende über den Moment seines Todes (ca. 1015 bis 1025) sagt, dass er mit 1200 Schülern zu einer Höhle wanderte, der noch heute bekannten Bhairava-Höhle, und sein Gedicht Bhairava-stava rezitierte. Dann wurden sie nicht mehr gesehen, vermutlich wegen des Hinüberschreitens in die spirituelle Welt.Triadic Mysticism, Paul E. Murphy, Seite 13

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