Die Kunst in den Vereinigten Staaten löste sich im 20. Jahrhundert von den Vorbildern der Alten Welt. Die unterschiedlichen kulturellen Disziplinen wurden in neue Richtungen erweitert – mit eindrucksvollen und innovativen Ergebnissen.

Musik, Film, Theater, Tanz und Architektur, ebenso wie andere Arten künstlerischen Ausdrucks wurden angereichert und verändert. Zur zeitgenössischen Kunst- und Unterhaltungsszene in den USA gehörten die Verjüngung der Musik, Neuentwicklungen im Modernen Tanz, die Verwendung ureigener amerikanischer Themen im Theater, die studiounabhängige Filmproduktion in ihrer ganzen Bandbreite und die Globalisierung der Bildenden Künste.

Architektur mini|Das Wohnhaus Fallingwater wurde in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre nach Plänen von Frank Lloyd Wright errichtet und ist heute ein Museum. mini|Ieoh Ming Peis Rock and Roll Hall of Fame wurde 1995 in Cleveland eröffnet. Amerikanische Architektur ist ungewöhnlich komplex, sowohl im Hinblick auf die unterschiedlichen Traditionen, die ihren Einfluss hatten, als auch in der Verschiedenheit der Baustile. Als die ersten europäischen Siedler ins Land kamen, hatten die Ureinwohner ihre eigenen architektonischen Strukturen entwickelt, zum Beispiel das Pueblo, der Hogan, das Langhaus und das Tipi.

Im 18. Jahrhundert war die Architektur vor allem pragmatisch. Verschiedene Stile entwickelten sich, beeinflusst von den Traditionen, die die Einwanderer mitbrachten, und regionalen Gegebenheiten.

Das 19. Jahrhundert erlebte eine außergewöhnliche Urbanisierungsrate. Obwohl es keine öffentlichen Bauvorschriften gab, entwickelten sich deutlich abgrenzbare Stadtviertel mit eleganten Reihenhäusern, Mehrfamilienhäusern und Mietwohnungen. Mitte des 19. Jahrhunderts zeigte sich der romantische Geist in der Wiederbelebung verschiedener Baustile, zum Beispiel dem Neogriechischen Stil mit symmetrischen Säulen und der Neogotik mit spitzen, krummen und asymmetrischen Formen. Das Aussehen der Geschäftsviertel änderte sich durch die Erfindung des Wolkenkratzers. Seit den 1880er Jahren experimentierten Architekten und Ingenieure in Chicago und New York mit neuen Bauweisen, um immer größere Höhen zu erreichen. Der Wolkenkratzer ist der unverwechselbarste Beitrag der USA zur Architektur. Der erste Wolkenkratzer der Welt war das Home Insurance Building, das von 1884 bis 1885 in Chicago errichtet wurde. Die elegantesten der frühen Wolkenkratzer stammen von Louis Sullivan, dem ersten großen modernen Architekten Amerikas und dem Lehrer von Frank Lloyd Wright.

In den 1930er Jahren beeinflussten europäische Architekten, die vor dem Zweiten Weltkrieg in die USA emigrierten, die Entwicklung eines strengen, funktionalen Ansatzes, der als anonym und frei von lokalen Traditionen galt und der unter der Bezeichnung Internationaler Stil bekannt wurde. Zu den einflussreichsten gehörten Ludwig Mies van der Rohe und Walter Gropius, beide ehemalige Direktoren der berühmten deutschen Designerschule, dem Bauhaus. Die geometrischen Gebäude fanden sowohl Lob als auch Kritik.

In der Nachkriegszeit wurde die Vielfalt der Architektur noch deutlicher als zuvor. Die Wolkenkratzer erreichten neue Höhen und zeigten zugleich eine außergewöhnliche Vielfalt an Farben und dekorativen Motiven. Die Umnutzung historischer Gebäude wurde zur gängigen Praxis. Eine neue Generation von Architekten nimmt sich heute die Freiheit, alte und neue Elemente in ihre Bauwerke einfließen zu lassen.

Bildende Kunst mini|Albert Bierstadt: Lake Tahoe (1868) mini|Winslow Homer: Breezing Up (1870er) Die an der National Mall in Washington, D.C. gelegenen Museen und Denkmäler beherbergen eine enorme Sammlung von Kunstwerken und Gegenständen, die Vergangenheit und Gegenwart der amerikanischen Kunstszene und Gesellschaft dokumentieren. Der National Gallery of Art Sculpture Garden, die neueste Attraktion an der National Mall, ist ein Ort zum Ausruhen mit schattigen Bäumen, Wasserläufen und modernen Kunstwerken.

Die erste bekannte amerikanische Schule der Malerei, die Hudson River School, entstand 1820. Wie auch bei Musik und Literatur verzögerte sich eine eigenständige Entwicklung der amerikanischen Bildenden Künste, bis die Künstler erkannten, dass die Neue Welt ihre ureigenen Themen bot. Die Direktheit und Einfachheit der Sichtweise der Hudson River Maler beeinflusste spätere Künstler wie z. B. Winslow Homer, der die ländliche USA in seinen Bildern festhielt. In Thomas Eakins fand das mittelständische Stadtleben seinen Maler, einen kompromisslosen Realisten, dessen unbeirrbare Aufrichtigkeit die Vorliebe der Noblesse für romantischen Sentimentalismus unterlief. Bald wurden kontroverse Elemente zum Stil der amerikanischen Künstler. Schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist die amerikanische Malerei und Bildhauerei eine einzige Revolte gegen die Tradition. , verkündete Robert Henri. Er war führend in der von Kritikern als (Mülleimer) bezeichneten Schule, so betitelt nach den Abbildungen der abstoßenden Aspekte des Stadtlebens, der Ashcan School. Ein Künstler des amerikanischen Realismus, dessen Bilder nachhaltigen Einfluss nicht nur in der Malerei, sondern darüber hinaus in Fotografie und Film ausübten, war Edward Hopper.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bildete eine Gruppe junger New Yorker Künstler die erste wahrhaft amerikanische Bewegung, die auch großen Einfluss auf ausländische Künstler haben sollte: den abstrakten Expressionismus. Zu den führenden Kräften der Bewegung zählten Jackson Pollock, Willem de Kooning und Mark Rothko. Die nächste Künstlergeneration bevorzugte eine völlig andere Form der Abstraktion: Arbeiten aus Medienmix. Zu dieser Generation gehörten Robert Rauschenberg und Jasper Johns, die für ihre Kompositionen Fotos, Zeitungsausschnitte und Abfall-Objekte verwendeten. Pop-Künstler wie Andy Warhol, Larry Rivers und Roy Lichtenstein reproduzierten mit satirischer Genauigkeit Alltagsgegenstände und Bilder der amerikanischen Popkultur wie Coca-Cola Flaschen, Suppendosen oder Comics. Eine Art spielerischer Ironie ist wohl der maßgeblichste Beitrag der USA des 20. Jahrhunderts zur Weltkunst, denn neue Werke entstehen hauptsächlich als Beitrag zur fortlaufenden Diskussion über die Definition von Kunst. siehe auch: New York School, Lyrische Abstraktion, Black Paintings.

Die zeitgenössischen amerikanischen Künstler wollen sich nicht auf Schulen, Stile oder ein einziges Medium festlegen. Amerikanische Kunst ist nicht mehr einfach durch Geografie, Herkunft oder einen Standpunkt bestimmt. Die Globalisierung der Märkte, die Leichtigkeit weltweiter Kommunikation und das nomadische Umherziehen von Künstler von Land zu Land haben stattdessen zu einer Kunstlandschaft ohne feste nationale Identitäten beigetragen.

Es ist nicht mehr möglich, die moderne amerikanische Kunst als eine Serie formaler Entwicklungen, oder eine aufeinanderfolgende Reihe von Kunststilen zu beschreiben. Die Kunst bietet stattdessen eine Möglichkeit, die mannigfaltigen und widersprüchlichen Informationen zu filtern, die uns von überall her bombardieren. Die moderne Kunst bedient sich dabei jeder Disziplin, jeder Kunsttradition und Präsentationsweise und wird dadurch genauso komplex, provokativ und intellektuell herausfordernd wie die Welt, in der sie entsteht.

Musik Jeder Staat hat in den Vereinigten Staaten Staatslieder.

Klassische Musik

Die Entwicklungsgeschichte der Künste in den USA wird durch zwei starke Inspirationsquellen und die daraus entstehende Spannung gekennzeichnet: europäische Kultiviertheit und einheimische Originalität. Bis Ende des 19. Jahrhunderts existierte in den USA keine im eigentlichen Sinne eigenständige klassische Musik, das heißt Sinfonie, Oper, Kammermusik, Sonaten etc. Noch im Jahre 1895 fordert der Komponist Antonín Dvořák seine amerikanischen Kollegen auf, einheimische Quellen als Inspiration und Material zu nutzen. Als Beispiel des Machbaren bot er seine 9. Sinfonie ('Aus der Neuen Welt') an, die von geistlicher Musik und indianischen Rhythmen inspiriert ist.

Anfang des 20. Jahrhunderts begannen amerikanische Komponisten eine beachtliche Vielfalt ausgeprägt amerikanischer Klassik zu kreieren. Inspiriert wurden sie unter anderem vom Wunsch der Einwanderer nach Assimilierung, politischem Isolationismus, von den aufregenden Rhythmen des Jazz und von einer „can-do“-Mentalität. Komponisten wie George Gershwin und Aaron Copland verbanden Melodien und Rhythmen der Neuen Welt mit europäischen Musikformen. Charakteristika der Komposition im größeren Teil des 20. Jahrhunderts, und besonders für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, sind Experimentierfreude und die fortwährende Suche nach neuen Systemen wie Musik geschrieben werden kann, nach neuen Formen und neuen Stilen. Charles Ives (1874–1954) gilt vielen als „erster“ genuin amerikanischer Komponist.

Die Aufführung des Stückes „Leonora“ von William Henry Fry 1845 gilt als die erste bekannte Aufführung einer Oper eines amerikanischen Komponisten. Viele der frühen amerikanischen Opern verwendeten klassische europäische Inhalte, aber Ende des 19. Jahrhunderts wendeten sich Komponisten zunehmend amerikanischen Themen zu. Heute gedeiht die – alte wie neue – Oper; aber da die Inszenierungen sehr kostenintensiv sind, sind die Opernhäuser auf Mäzene (Privatleute oder Unternehmer) angewiesen.

Seit Charles Ives setzten extrem neue und experimentelle Stile ein. Einige Komponisten, wie Edgar Varèse, lehnten traditionelle Melodien und Harmonie vollständig ab, während andere, wie beispielsweise John Cage, mit elektronischer Musik und Naturklängen experimentierten. Harry Partch baute sein eigenes Instrumentarium und experimentierte in seiner von asiatischen Kulturen geprägten Multimediamusik mit neuartigen Stimmungen und Henry Cowell war neben seiner kompositorischen Experimente eines der wichtigsten Theoretiker der musikalischen Avantgarde. Sowohl Varese als auch Cage als auch die Vertreter der Minimal Music übten großen Einfluss auf zeitgenössische Komponisten aus, nicht nur im Bereich der Klassik, sondern auch im Hinblick auf andere Genres. Einige Orchesterdirigenten schaffen es, das traditionsbewusste Publikum bei Laune zu halten und ihm dabei gleichzeitig neue Musikrichtungen nahezubringen. Statt neue Stücke gesondert zu spielen, setzen sie diese neben traditionelleren Stücken aufs Programm.

Blues und Jazz Blues ist eine ursprünglich amerikanische Musikart. Sie entstand aus einer Mischung europäischer und afrikanischer musikalischer Traditionen. Den Sklaven war das Musizieren häufig verboten. Einige Sklaven erlernten jedoch europäische Instrumente. Sie übertrugen ihre traditionelle Art des Musizierens auf die europäischen Lieder. Auch in der Kirche war es ihnen gestattet zu singen. Oft nutzten sie religiöse und andere Metaphern, um von ihrem extremen Leid und ihrer Sehnsucht nach Freiheit zu berichten. Der Blues wurde überwiegend im Süden gesungen. Erst in den 1930er und 1940er Jahren verbreitete er sich nach Norden, als viele Schwarze aus dem Süden in den industrialisierten Norden wanderten. In den 1920er Jahren wurde der Blues zunehmend von Jazz-Instrumentalisten verwendet.

Der Jazz gilt als erste genuin amerikanische Musikform. Er hat seine Wurzeln im New Orleans Jazz des frühen 20. Jahrhunderts. Damals bestand er aus einer Mischung von Ragtime, Sklavenliedern und Blasmusik. Kennzeichnend für den Jazz waren insbesondere seine Variationsmöglichkeiten, denn bei Liveauftritten spielten die Musiker einen Song fast nie zweimal gleich, sondern improvisierten mit Veränderungen an Melodie und Text. Jazz blieb von den 1920er bis in die 1940er Jahre die herausragende Richtung der modernen amerikanischen Musik. In den 1930er und 1940er Jahren war die populärste Jazzform der „Big Band Swing“, benannt nach den großen Ensembles, wie sie von Glenn Miller, Benny Goodman oder William „Count“ Basie geleitet wurden.