mini|PdA-Fahnen an der Grève pour l’avenir in Genf am 21. Mai 2021 Die Partei der Arbeit der Schweiz (PdA, französisch Parti suisse du Travail, PST, italienisch Partito Operaio e Popolare, POP, , PSdL) ist eine politische Kleinpartei in der Schweiz. In den Kantonen Jura, Neuenburg, Waadt und Wallis trägt sie den Namen Parti Ouvrier Populaire (POP). Die Partei ist in verschiedenen Kantons-, Stadt- und Gemeindeparlamenten vertreten. Ideologisch positioniert sie sich am linken Rand des politischen Spektrums, grenzt sich heute aber vordergründig von den früheren realsozialistischen Diktaturen Osteuropas ab.Artikel über das Parlamentarier-Rating, erschienen in der Neuen Zürcher Zeitung vom 14. Oktober 2007.

Ziele Die Partei der Arbeit bezeichnet sich selbst als kommunistisch. Eines ihrer deklarierten Ziele ist es, «auf die Schaffung einer breiten Mehrheit zur Überwindung des Kapitalismus und auf die Entwicklung der schweizerischen Gesellschaft zum Sozialismus hinzuwirken». Die PdA bezeichnet sich selbst als solidarisch mit den sozial Schwachen und setzt sich für Umverteilung und gegen Privatisierungen ein.

Geschichte Die PdA wurde 1944 als Nachfolgeorganisation der zwischen 1939 und 1941 verbotenen Kommunistischen Partei der Schweiz (KPS) und der Fédération socialiste suisse (FSS) gegründet. 1947 erreichte sie einen Wähleranteil von 5,1 Prozent auf Bundesebene und war in 18 Kantonen aktiv. Sie erhielt – wie nach der vorübergehenden Öffnung russischer Archive nach 1991 nachgewiesen wurde – massive finanzielle Unterstützung aus dem Ostblock.Jan Foitzik: Aus der Buchhaltung der Weltrevolution. Finanzhilfen der ‘regierenden kommunistischen Parteien’ für den internationalen Kommunismus 1950–1958. In: Jahrbuch für historische Kommunismusforschung 1994, 145 f.Erwin Bischof: Honeckers Handschlag. Beziehungen Schweiz ↔ DDR 1960–1990. Demokratie oder Diktatur, Bern, interforum, 2010, 73–75. Bis in die 1950er-Jahre war die PdA auch in den deutschschweizerischen Kantonen vertreten. Dort geriet sie aber wegen ihrer Nähe zur Sowjetunion im Kalten Krieg in die Isolation und wurde zu einer Splittergruppe.Partei der Arbeit (PdA), auf Geschichte der Sozialen Sicherheit, Bundesamt für Sozialversicherungen Einzig im Kanton Basel-Stadt hielt sie etwas mehr als fünf Prozent. Ab den späten 1960er-Jahren entstanden im linksradikalen Umfeld andere Parteien, die sich von der PdA abspalteten oder parallel dazu bildeten, wie beispielsweise die POCH, die maoistische Kommunistische Partei der Schweiz/Marxisten-Leninisten oder die 1969 gegründete trotzkistische Revolutionäre Marxistische Liga, die sich 1980 in Sozialistische Arbeiterpartei umbenannte. Manche gingen dann in den 1990er-Jahren mit der PdA Bündnisse ein, um Wählerstimmen zu bündeln (z. B. das Wahlbündnis Alliance de Gauche in Genf). Anders als bei verschiedenen Kommunistischen Parteien Westeuropas spielte der moskaukritische Eurokommunismus ab den 1970er-Jahren bei der PdA kaum eine Rolle. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks fiel die PdA auch in Basel in eine Krise, nachdem sie nach einer Baisse in den 1960er-Jahren in den 1970er-Jahren wieder aktiver geworden war.Vgl. Stefan Hess: Partei der Arbeit Riehen. In: Gemeinde Lexikon Riehen. Es kam zur Spaltung und zum Ausschluss des einen Basler Flügels. Neu- bzw. Wiedergründungen von Parteisektionen erfolgten 2003 in St. Gallen und Bern, womit 8 Kanontalsektionen bestanden. Ende 2019 hatte die Partei im Kanton Waadt insgesamt 30 Gemeinderäte und 3 Stadträte, davon allein 15 Gemeinderäte und 2 Stadträte im Vorort Renens westlich von Lausanne. In Lausanne selbst waren es im selben Jahr vier Gemeinderäte und ein Stadtrat. Am bedeutendsten ist sie in den industriell geprägten Regionen der französischsprachigen Romandie, wo sie auch in einzelnen Städten Regierungsmitglieder stellt. Die PdA kandidierte 2023 in fünf Kantonen für den Schweizer Nationalrat, ihr einziger Vertreter im Parlament, Denis de la Reussille, wurde nicht wiedergewählt.

Die Jugendorganisation der PdA war ursprünglich die Freie Jugend. Von 1964 bis 1969 bestand in Konkurrenz dazu in Zürich die Junge Sektion der PdA, die aufgrund ihres Nonkonformismus, der auch auf eine innerparteiliche Demokratisierung und Distanz zur Sowjetunion abzielte, innerparteilich aneckte und sich schliesslich auflöste und in der Neuen Linken aufging. Heute gilt die Kommunistische Jugend Schweiz als offizielle Jugendorganisation der PdA. Diese ist Mitglied im Weltbund der demokratischen Jugend.Hineingewachsen in die PdA, Vorwärts, 29. Juni 2016

Tabellarischer Überblick 1918 (6. Oktober): Gründung der ersten kommunistischen Partei der Schweiz (sog. Altkommunisten) unter der Führung von Jakob Herzog (1892—1931) 1921 (6. März): Nachdem die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) in einer Urabstimmung den Beitritt zur Dritten Internationale (Komintern) abgelehnt hatte, verliess die Sozialistische Linke um Jules Humbert-Droz die Partei und fusionierte mit den Altkommunisten zur neu gegründeten Kommunistischen Partei der Schweiz (KPS) 1930: Abspaltung der Kommunistischen Partei-Opposition um Walther Bringolf, die die Sozialfaschismusthese der Komintern ablehnt, für eine antifaschistische Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratie eintritt, im Kanton Schaffhausen die KPS als stärkste linke Partei verdrängt und deren Organ «Arbeiterzeitung» übernimmt 1937: Verbot der KPS in den Kantonen Neuenburg und Genf 1939 (3. Dezember): Gründung der Fédération socialiste suisse (FSS), nach Ausschluss der Anhänger Léon Nicoles aus der SP wegen dessen Begrüssung des Hitler-Stalin-Pakts 1939 (28. Dezember): Verbot der Tageszeitung der KPS, «Freiheit» 1940 (26. November): Verbot der KPS durch den Bundesrat 1941 (27. Mai): Verbot der FSS und Ausschluss der FSS-Nationalräte aus dem Parlament 1944 (21. Mai): Gründung der Partei der Arbeit der Schweiz in Basel, Zentralsekretär ist der ehemalige Komintern-Funktionär Karl Hofmaier (1897–1988), Präsident ist Léon Nicole 1945: PdA hat offiziell 19'000 Mitglieder, 18 Kantonalparteien und 229 Sektionen; Gründung der Parteizeitung «Vorwärts», deren Produktion zunächst vom Industriellen Hans Schauwecker finanziert wird («Schauwecker-Million»); Erfolge bei kantonalen Wahlen in Genf (36 %, stärkste Partei), Waadt (19 %) und Neuenburg (13 %) 1946: PdA übernimmt auf ihrem dritten Parteitag die zentralistischen Strukturen der früheren KPS; Erfolg bei städtischen Wahlen in Zürich (15 %, ein Sitz in der Exekutive) 1947: Bei den Nationalratswahlen kommt die PdA auf 5,1 % der Stimmen und gewinnt sieben Sitze; bei kantonalen Wahlen in Basel-Stadt Stimmenanteil von über 23 %; Parteiausschluss von Hofmaier wegen finanziellem Kollaps des «Vorwärts»; PdA begrüßt Verurteilung und Hinrichtung führender bürgerlicher Politiker in Bulgarien und Rumänien 1948: «Siegesfeier» der PdA in Basel nach dem Februarumsturz in der Tschechoslowakei und Glückwunschtelegramm an Parteichef Klement Gottwald 1949: Verurteilung und Amtsenthebung des Zürcher PdA-Stadtrats und ehemaligen Komintern-Funktionärs Edgar Woog wegen Veruntreuung von Geldern eines Hilfswerks 1951: Parteiausschluss des Spanienkämpfers Otto Brunner; starke Verluste bei Nationalratswahlen 1952: Parteiausschluss des Gründungspräsidenten Léon Nicole 1953: PdA-Delegation am Begräbnis Stalins 1956: Massenaustritte aus der PdA nach deren Befürwortung des sowjetischen Einmarsches in Ungarn 1961: PdA-Presse begrüsst den Bau der Berliner Mauer 1969: Auflösung der 1964 entstandenen «Jungen Sektion» der PdA, die sich gegen die gewaltsame Niederschlagung des Prager Frühlings durch den Warschauer Pakt gewandt und eine innerparteiliche Demokratisierung der PdA sowie den Abbruch der Beziehungen der PdA zur Kommunistischen Partei der Sowjetunion gefordert hatte 1971: Einführung des Frauenwahlrechts, Nelly Wicky wird erste PdA-Nationalrätin 1988: Ausschluss der orthodox-kommunistischen Partei der Arbeit Basel 2002: Abspaltung der Gruppierung Les Communistes in Genf 2003: Sektionsgründungen in den Kantonen Bern und St. Gallen 2007: Umbenennung der Tessiner Sektion Partito del Lavoro (PdL) in Partito Comunista (PC) 2011: Verlust der Vertretung im Nationalrat 2015: Ausschluss der Tessiner PC und Gründung des Partito Operaio e Popolare (POP) als neuer Tessiner Sektion; Rückgewinn eines Nationalratssitzes 2019: Gründung der PdA Wallis und der «Partei der Arbeit der Schweiz Sektion Basel» 2022: Gründung der PdA Aargau 2023: Verlust der Vertretung im Nationalrat 2026: Neue Kooperationen mit den ausgeschlossenen orthodox-kommunistischen Gruppen «Partei der Arbeit Basel» und «Partito Comunista»

Wahlresultate Nationalrat

Jahr Wähleranteil Sitze 19475,1 %7 19512,7 %5 19552,6 %4 19592,7 %3 19632,2 %4 19672,9 %5 19712,6 %5 19752,4 %4 19792,1 %3 1983 0,9 %1 19870,8 %1 19910,8 %2 1995 1,2 %3 19991,0 %2 2003 0,7 %2 2007 0,7 %1 2011 0,5 %0 2015 0,4 %1 2019 0,6 %1 2023 0,72 %0

Kantonale und kommunale Wahlen Die PdA ist derzeit in den Kantonen Neuenburg (7,6 %, 8 Mandate), Waadt (3 Mandate) und Jura (1 Mandat) in den Parlamenten vertreten. Im Kanton Genf verlor sie 2023 erstmals sämtliche Mandate. In den Kantonen Wallis, Tessin, Basel-Stadt, Bern und Zürich trat sie zuletzt mit Stimmenanteilen unter einem Prozent erfolglos zu Wahlen an. In den Kantonen Genf und Waadt tritt sie seit 2011 manchmal im Wahlbündnis Ensemble à Gauche (EAG) mit anderen linken Gruppierungen an (u. a. SolidaritéS). Im Kanton Jura gibt es ein Bündnis mit der Gruppe Combat socialiste (CS).

Auf kommunaler Ebene hat die PdA ihre Hochburgen in den Uhrenstädten Le Locle (12 von 41 Generalräten, 1 von 5 Stadträten) und La Chaux-de-Fonds (8 von 41 Generalräten, 1 von 5 Stadträten). Bei den Nationalratswahlen 2023 erreichte die PdA 23,6 % in Le Locle und 19,2 % in La Chaux-de-Fonds.

Kommunistische Jugend Schweiz Die Kommunistische Jugend Schweiz (KJS, Jeunes POP auf Französisch) ist der Jugendverband der Partei der Arbeit der Schweiz. Sie ist Mitglied im Weltbund der Demokratischen Jugend. Die Organisation ist nach dem leninistischen Prinzip des "Demokratischen Zentralismus" organisiert.

Ziel der KJS ist es nach eigener Darstellung, junge Menschen in der Schweiz durch politische Bildung, Aktionen und soziale Projekte zu sensibilisieren, zu mobilisieren und zu organisieren. Die KJS orientiert sich in ihrer Tätigkeit an den Lehren von Marx, Engels, Lenin und anderen revolutionären Denkern. Die KJS setzt sich nach eigener Angabe für die Rechte von Lehrlingen, Arbeitslosen, Auszubildenden, Studierenden und Arbeitnehmern ein. Sie setzt sich ein für eine freie, qualitativ hochwertige und für alle zugängliche Bildung und einen kostenlosen und qualitativ hochwertigen öffentlichen Dienst, für eine natur- und umweltschonende Gesellschaft ohne Ausbeutung, für eine für alle kostenlos zugängliche Gesundheitsvorsorge sowie für die Förderung der Kultur und des Sports. Die Kommunistische Jugend der Schweiz engagiert sich gegen Nationalismus, Rassismus, Rechtsextremismus und Diskriminierung aufgrund von Nationalität und Volkszugehörigkeit. Die Organisation verurteilt Sexismus, Homophobie, Transphobie und alle anderen Formen der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und der sexuellen Identität. Für die Gleichstellung der Geschlechter und die sexuelle Identität. Die Organisation setzt sich ein für Frieden, gegen Krieg und Imperialismus, für offene Grenzen, für internationale Solidarität zwischen den Völkern. Sie will den Umsturz des Kapitalismus und die Errichtung des Kommunismus durch den Sozialismus.

Literatur Jan Foitzik: Aus der Buchhaltung der Weltrevolution. Finanzhilfen der ‘regierenden kommunistischen Parteien’ für den internationalen Kommunismus 1950–1958. In: Jahrbuch für historische Kommunismusforschung 1994, 140–147. Pierre Jeanneret: Popistes, Histoire du Parti ouvrier et populaire vaudois (1943–2001). Lausanne 2002, ISBN 2-8290-0272-5.