mini|Psion Serie 5 mx pro mit EPOC Release 5
Das britische Unternehmen Psion Plc. [] war in den 1990er-Jahren einer der führenden Hersteller von Electronic Organizern und zählt zu den Miterfindern dieser Geräteklasse. Modelle nachfolgend dem Modell Psion Organiser II wurden im Handel nicht mehr als Organizer, sondern als Psion PDA vermarktet.
Bis 2012 bot das Unternehmen mit Sitz in London, England, unter dem Namen Psion PDAs, Smartphone und Electronic Organizer mit dem Betriebssystem Windows CE und Funknetze für industrielle Anwendungen an.
Am 15. Juni 2012 übernahm Motorola Solutions das Unternehmen für 200 Millionen US-Dollar. Im Jahr 2014 veräußerte Motorola den Bereich Enterprise Solutions einschließlich Symbol Technologies und Psion an Zebra Technologies. Zum Stand April 2015 werden von Zebra unter diesen Marken keine Produkte mehr angeboten, sodass käuflich erwerbbare Psion-Geräte aus Restbeständen stammen.
Geschichte mini|Historisches Logo
Das Unternehmen Psion wurde 1980 von David E. Potter (* 1943 in Südafrika; † 2026) gegründet. Das Akronym steht für „Potter Scientific Instruments Or Nothing“.
Das Logo besteht aus den fünf einzeln gestellten Buchstaben, wobei die weißen Zeichen darüber den jeweiligen Buchstaben zerlegt in die einzelnen typografischen Elemente zeigen.
Psion befasste sich zunächst mit Computerspielen für Heimcomputer wie zum Beispiel den Sinclair ZX Spectrum (am bekanntesten war Psion Chess) und den Officeprogrammen für den Sinclair QL (Textverarbeitung Quill, Tabellenkalkulation Abacus, Datenbank Archive, Geschäftsgrafik Easel), das später unter dem Namen PC-4 auch in einer Version für MS-DOS angeboten wurde und eine für damalige Verhältnisse erstaunlich gute Bedienbarkeit und Stabilität besaß.
1984 erschien mit dem Organiser I der erste tragbare Rechner bzw. Electronic Organizer mit Tastatur und langer Batterielebensdauer von Psion. Die späteren Geräte Series 3 (ab 1991) und Series 5 (ab 1997) setzten Maßstäbe hinsichtlich der Zuverlässigkeit und Bedienerfreundlichkeit. Insbesondere die gute Benutzbarkeit der Tastatur in einem derart kleinen Gerät ist erwähnenswert. Dennoch verlor Psion zunehmend Marktanteile gegenüber tastaturlosen PDAs (insbesondere von Palm, jetzt PalmOne) und stellte die Produktion von Electronic Organizern als Consumer-Produkt im Jahr 2002 ein.
Für seine Electronic Organizer entwickelte Psion eigene Betriebssysteme namens SIBO und EPOC. Die Weiterentwicklung des Betriebssystems EPOC32 wurde 1998 in das Unternehmen Symbian Ltd. ausgegliedert, an dem neben Psion auch Ericsson, Motorola und Nokia beteiligt waren. 2004 verkaufte Psion seine Anteile an Symbian, welche dann Marktführer bei Smartphone-Betriebssystemen war.
Nach der Ausgliederung der Betriebssystemsparte und der Einstellung der Organizer-Produktion verbleibt das im Jahr 2002 gekaufte kanadische Unternehmen Teklogix als einziger produzierender Betriebsteil. Unter dem Namen Psion Teklogix werden PDAs, Smartphone und Electronic Organizer mit dem Betriebssystem Windows CE und Funknetze für industrielle Anwendungen hergestellt. Nach der Einstellung von netpad und netBook pro mit 1. Juli 2006 wegen der EU-Bestimmung RoHS „zu bleifreien Loten“ bleibt der Workabout MX (mit SIBO-Betriebssystem) als einziges echtes Psion-Gerät im Angebot.
Psion-Geräte mini|Psion Siena mini|hochkant|Psion Workabout Psion Organiser I Psion Organiser II CM/XP/LZ/LZ64 Psion HC 100/110/120/150 Psion MC 200/400/600 Psion Serie 3 Psion Serie 3a Psion Siena Psion Serie 3c Psion Serie 5 Psion Workabout Psion Serie 3mx Psion Serie 5mx Psion Serie 5mx pro (Ericsson MC218 Communicator) Psion Workabout mx Psion Revo Psion Revo plus (in den USA als Diamond Mako verkauft) Psion 618c (Chinesische Version des Psion Revo) Psion Series 7 Psion netBook Psion netpad Psion Revo Conan (Prototyp eines um Bluetooth und Hintergrundbeleuchtung erweiterten Revo plus mit Symbian OS 6, nie in den Handel gekommen) Psion LX (Prototyp eines netBook pro mit eigener Linux-Distribution. Kurz vor Fertigstellung eingestellt)
Kompatible Geräte mit SIBO-Betriebssystem Acorn Pocketbook (entspricht Serie 3) Acorn Pocketbook II (entspricht Serie 3a) Xemplar Pocketbook III (entspricht Serie 3mx)
Kompatible Geräte mit EPOC-Betriebssystem Geofox One (Lizenzprodukt mit erweiterter Hardware gegenüber Serie 5 classic, EPOC ER3) Oregon Scientific Osaris (EPOC ER4, kleinerer Bildschirm als 5mx) Ericsson MC 218 (entspricht Serie 5 mx) Philips Ilium Accent (Prototyp) Ericsson R380 (eigene, nicht erweiterbare EPOC-Version ER5u mit spezieller Oberfläche) Psion MBook (entspricht weitgehend dem netBook, wurde aber speziell für ein Schulprojekt in Malaysia entwickelt, deshalb die Abkürzung M)
Psion Organiser mini|hochkant|Psion Organiser II (ohne Schutzdeckel) 1984
Der Organiser hat ein charakteristisches Hartplastikgehäuse mit verschiebbarem Schutzdeckel, welcher eine alphanumerische 6x6 Tastatur freigibt. Der erste Organiser (1984) hatte ein einzeiliges LC-Display und verfügte in der Grundausstattung über eine einfache Datenbank, Rechner und Uhr. Der Psion Organiser II (1986) wurde mit einem etwas größeren Display und mehr Applikationen (Wecker, Terminplaner,…) versehen und war vor allem sehr einfach programmier- und erweiterbar. Hardware-Zusätze wie serielle bzw. parallele Schnittstelle, Drucker, Barcode- und Magnetkartenleser sowie eine breite Palette an Software machten ihn zu einem universellen Werkzeug, was sehr zu seinem kommerziellen Erfolg beitrug – Schätzungen belaufen sich auf 750.000 bis über 1 Million verkaufte Einheiten.
Der erste Organiser hatte nur 2 kB Arbeitsspeicher, Daten wurden in einem austauschbaren Modul, dem DATAPAK, auf einem EPROM gespeichert. Die Methode ließ sich Psion patentieren, weswegen diese – für die damalige Zeit revolutionäre – Technologie anderen Firmen nicht zur Verfügung stand.
Der Organiser II – anfangs mit 8 kB RAM und 2×16-Zeichen-Display (Modell CM) – wurde stetig weiterentwickelt: zunächst das Modell XP mit 16, später 32 kB, dann der LZ mit 4×20-Zeichen-Display und zuletzt der LZ64 mit 64 kB RAM. Spezielle Point-Of-Sale Modelle hatten zum Teil andere Tastatur-Layouts und bis zu 96 kB RAM. Als Datenspeicher dienten neben dem internen Speicher weiterhin PAKs, als DATAPAK (EPROM), RAMPAK (batteriegepuffertes RAM) und FlashPAK (EEPROM) mit bis zu 256 kB.
Der Organiser hat zwei Slots für PAKs (Speichermedien) und einen Erweiterungsport. Die Programmiersprache ist bereits Open Programming Language (OPL), damals „Organiser Programming Language“, die erste Implementierung der OPL.
Durch das stabile Gehäuse ist der Organiser beinahe unverwüstlich, die Batteriestandzeit liegt bei Monaten (!), wohl deshalb – und obwohl die Uhr am Jahr-2000-Problem leidet (ausg. Modell LZ) – sind immer noch erstaunlich viele Exemplare des „grandfather of all handhelds“ in der mobilen Datenerfassung im Einsatz.
Psion MC 200/400/600 1989 bewies Psion mit dem MC 400 seine Innovationskraft. Das Gerät war seiner Zeit weit voraus – und trotzdem ein kommerzieller Fehlschlag, der Psion beinahe in den Ruin getrieben hätte.
Das A4-große, formschöne Notebook hatte einen exzellenten 640 × 400 Pixel LCD und – zu einer Zeit, in der Windows noch bei Version 2.11 (ohne Fenstermanagement, Multitasking) lag – eine grafische Benutzeroberfläche mit Multitasking. Anstelle einer Maus gab es erstmals ein Touchpad – eine Technologie, die erst Jahre später wieder aufgegriffen werden sollte. Das neu entwickelte SIBO Betriebssystem erlaubte Hot-Swapping der Flash-Speicherkarten in den 4 Speicherslots, und mit den beiden Hardware-Erweiterungsschächten schien das Gerät für alle zukünftigen Entwicklungen vorbereitet zu sein.
Aber es kam anders. Zum einen war der Preis mit 845 Pfund recht hoch, auch die Speicherkarten waren extrem kostspielig. Zum anderen war die Software zur Markteinführung noch nicht ausgereift: Die Textverarbeitung enttäuschte, die Programmiersprache OPL wurde beinahe unverändert vom Organiser II übernommen und unterstützte die Grafikfähigkeiten des Geräts nicht, außerdem mussten professionelle Entwickler über ein Jahr auf das SDK warten. Das angekündigte Sprachkomprimierungsmodul wurde nie fertiggestellt, und abgesehen von einem Parallel-Port gab es auch keine Hardware-Erweiterungen. Zudem warf die Presse dem Gerät mangelnde Kompatibilität zum PC vor.
Die Verkaufszahlen waren alles andere als berauschend, und daran änderte auch die 1990 als Gratis-Update herausgebrachte SIBO Version 2 nichts mehr, obwohl diese mit einer WORD-ähnlichen Textverarbeitung und einer wesentlich verbesserten OPL-Version aufwartete. Noch schlechter verkaufte sich die abgespeckte Version MC 200 mit einem blau-weißen, halb so hohen Bildschirm und 128 kB RAM (statt 256 kB).
Ebenso überstürzt wurde der MC 600 auf den Markt geworfen. Dieser verwendete – wohl als Reaktion auf die Pressekritik – MS-DOS als Betriebssystem und hatte 768 kB RAM und eine 1 MB Ramdisk, was den Preis noch einmal in die Höhe trieb. Das Touchpad wurde zugunsten einer Funktionstastenleiste fallen gelassen, und die Bildschirmauflösung betrug nur 640×200 Pixel nach dem CGA-Standard. Das Gerät war von Anfang an ein Flop.
Psion Serie 3 mini|Psion Serie 3; rechts in zugeklapptem Zustand
Im September 1991 erfolgte die offizielle Vorstellung des bis dato erfolgreichsten PSION-Produkts – der Serie 3. Der einzigartige Klappmechanismus – das Clam-Shell-Design, welches Bildschirm, Anwendungstasten und Tastatur schützt, das weiterentwickelte SIBO mit der Integration von Word und der Agenda. Der Kaufpreis betrug 199 £ (600 DM / 300 €) für das Modell mit 128 kB RAM und 249 £ (700 DM / 350 €) für 256 kB RAM.
Weitere Ausstattungsmerkmale: monochromes LCD, 240 × 80 Pixel Abmessungen: 165 mm × 85 22 mm Gewicht: 300 g inklusive Batterien erweiterbar durch 2×SSD-Einschub 128 oder 256 kB RAM RS-232 Schnittstelle
Allein die Anlaufzeit nach der Vorstellung bis zur vollen Verfügbarkeit am Markt (1992) war etwas lang. Dann jedoch wurde die Serie 3 ein voller Erfolg, der sich in mehr als 100.000 verkauften Geräten niederschlug.
Es benötigte auch hier beinahe ein Jahr, bis das SDK bereitstand, allerdings war mit OPL/G, der grafischen Ausbaustufe der eingebauten Programmiersprache, der Startschuss für eine Flut von Shareware und Freeware gegeben, was nicht zuletzt den Erfolg des Gerätes und aller seiner Nachfolger bewirkte.
Psion Serie 3a mini|Psion Serie 3a: Bedienungsoberfläche
Wenn auch die nur minimal veränderte Bezeichnung 3a anderes vermuten ließ, war doch der Fortschritt, den der Serie 3a mit sich brachte, gewaltig. Der in beide Richtungen verdoppelte Bildschirm mit nun 480 × 160 Pixel, der doppelt so schnelle NEC V30H Prozessor mit 7,68 MHz, um Tabelle und digitalen Sound erweitertes ROM, hätte bei vielen anderen Firmen eine andere Namensgebung bewirkt. Vielleicht ist dies aber auch nur Ausdruck des britischen Understatements gewesen.
Trotz des anfangs recht hohen Preises von 329 £ (900 DM / 450 €) für die Version mit 512 kB RAM (neben der 256 kB Einsteigerversion) war der Serie 3a von Anfang an ein mächtiger Verkaufserfolg, der drei Jahre anhalten sollte. Nach den etwas grobpixeligen Grafiken des Serie 3 explodierte der Shareware-Markt förmlich, mit 1.500 Applikationen, darunter auch zahlreichen Spielen. Ein Wert, den zuvor kein anderer Computer erreicht hatte.
In den nächsten fünf Jahren kamen nur kleinere Modellmodifikationen hinzu, ohne das Gesamtpaket wesentlich zu verändern. Eine 1-MB- und eine 2-MB-Version stellten das Maximum des S3a dar.
Psion Serie 3c mini|Psion 3c Der 1996 folgende Versionssprung zum Serie 3c brachte erstmals einen Infrarot-Port (der aber nicht IrDA-kompatibel ausgelegt war), einen dreimal so schnellen seriellen Port (mit 57 kBit/s) und an neuer Software die Notizen (Jotter), den Dateimanager (File) sowie die Terminübersicht. Der Kaufpreis betrug 450 £ (1200 DM / 600 €).