mini|250px|Statisten eines Zombie-Films während des Drehs von Meat Market 3 (2006)

Der Zombiefilm ist ein Subgenre des Horrorfilms. Die Auseinandersetzung mit dem Tod und Zerfall des menschlichen Körpers und die damit verbundene Angst, der Verstorbene würde in den Kreis der Lebenden zurückkehren, übt seit Anbeginn der Kulturgeschichte des Menschen eine besondere Faszination aus, die im Zombiefilm angepasst an aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse immer wieder neu aufgenommen und verarbeitet wurde. Lebende bzw. wiederbelebte Tote bzw. Untote werden praktisch seit Beginn der Filmgeschichte porträtiert und mittlerweile in verschiedenen Interpretationen dargestellt.

Stellung innerhalb des Horrorfilms Ausrichtungen des Horrorfilms Die Essenz des Horrorfilms ist die explizit dargestellte Bedrohung menschlicher Existenz durch totale Vernichtung und hat zwei fundamentale Ausrichtungen:

der Horror endet mit dem biologischen Tod der Bedrohung: Zu dieser Richtung gehören die Horrorfilme, die eher realitätsnah angesiedelt sind und mit Genres wie Krimi oder Tierfilm überlappen, wie z. B. Serienmörder- oder Tierhorrorfilme (Psycho, Der weiße Hai). der Horror beginnt mit dem biologischen Tod einer Bedrohung: Zu dieser Richtung gehören vorwiegend Horrorfilme, die eher metaphysisch angesiedelt sind, wie die Geister- und/oder Fluchfilme (z. B. Die Mumie, Poltergeist, Der Fluch – The Grudge).

Sonderfall Untotenfilm Die Untotenfilme, zu denen außer dem Zombiefilm etwa noch der Mumienfilm gehört, bilden einen Sonderfall. Die frühen Filmemacher legten den Zombiefilm in die Tradition des Geisterspuks und Voodoos und wiesen ihm damit zunächst einen Platz in der zweiten Ausrichtung zu. In neuerer Zeit definierten die Filmemacher den Untoten neu und nahmen biologische Themen wie Infektionen mit Krankheiten als Grund einer bedrohlichen Transformation an und erschufen den Infiziertenfilm. Damit spalteten sie den Untotenfilm selbst in zwei Ausrichtungen, denn der Zombiefilm steht streng genommen aber nach wie vor in der unteren Ausrichtung, die Variante des Infiziertenfilms aber in der oberen und überlappt so mit anderen Genres wie dem des Krankheitsfilms (z. B. Outbreak – Lautlose Killer) und des Mutantenfilms wie The Hills Have Eyes. Dazu analog findet sich übrigens auch unter Vampirfilmen, die in das Untotengenre fallen (Twilight – Biss zum Morgengrauen ist wohl nicht einmal überhaupt ein Horrorfilm), immer häufiger die Infizierten- oder Mutantenvariante (z. B. Daybreakers oder Underworld).

Ästhetik Von allen Variationen des Untotenfilms gehört der Zombiefilm zusammen mit dem Mumienfilm zu denjenigen, die in der filmischen Bildsprache in der Darstellung die größte visuelle Bandbreite zulassen, da keine der anderen Untotenfilmarten so eine Menge an schockierenden optischen Effekten am menschlichen Körper möglich macht wie dieses Subgenre. Die verschiedenen Grade der Verwesung geben den Filmemachern die Möglichkeit, mit dem Entsetzen und Ekel der Zuschauer angesichts des schonungslos offengelegten Verfalls des menschlichen Körpers zu spielen. Sowohl der Vampirfilm als auch der Infiziertenfilm stoßen in der visuellen Umsetzung körperlichen Verfalls als handlungslosem Selbstzweck an ihre Grenzen. Zwar kommen in vielen Produktionen ebenfalls Gore-Effekte vor, aber der Grusel ist in diesen Subgenres immer an einer aktiven Handlung der Protagonisten ausgerichtet und nicht auf den passiven Zerfall an sich als ängstigendes Alleinstellungsmerkmal, das streng genommen eine Handlung überflüssig macht. Allein der Geisterfilm kann sich mit der Freiheit der Darstellung visueller Effekte noch mit dem Zombiefilm messen. Da aber Geisterfilme stets in das Metaphysische ragen, verlangt es von den Filmemachern in der Regel inhaltlich mehr, um nicht ins Märchenhafte zu driften. So wird in Geisterfilmen trotz allen darstellbaren Grusels die visuelle Erscheinung des Geistes ebenfalls dem Horror seiner Handlung und Ziele untergeordnet. Im speziellen Fall des Mumienfilms ist die Zombiethematik an einen eigenen, meist historisierenden Subtext gebunden und konnte sich, anders als der klassische Zombiefilm, nicht aus seinem metaphysischen Kontext herauslösen. Der Mumienfilm hat sich als Horrorfilm daher nicht so durchsetzen können wie der klassische Zombiefilm und hat sich auch seit seinen Anfängen thematisch und visuell kaum weiterentwickelt. Stattdessen driftete er in gegenwärtigen Interpretationen des Themas, wie in dem Film Die Mumie aus dem Jahr 1999, eher in den Bereich des Abenteuer-, wenn nicht gar Comedyfilms ab, in welchen die eigenen Klischees eher als ironisches Zitat perpetuiert werden, denn als echtes Horrorelement benutzt. Der Literaturkritiker Denis Scheck interpretiert den amerikanischen Zombiefilm als „schärfste Form der Kapitalismuskritik“, indem die Zombies, die in Supermärkten auftauchen, als Metapher für den „willenlosen Konsumenten“ stünden.Druckfrisch. TV-Literatursendung, 13. September 2020, 30 Min. Regie: Andreas Ammer, Moderation: Denis Scheck, der während des Interviews mit Autorin Lola Randl diese Interpretation ausspricht. Eine Produktion des WDR Fernsehen

Entwicklung des Zombiefilms Die ersten Auseinandersetzungen mit wiederbelebten Toten waren in den frühen Horrorfilmen von literarischen Vorlagen geprägt, da die Thematik seit Jahrhunderten ein Thema der menschlichen Urangst ist und sich die frühen Filmemacher zunächst an klassische Vorgaben hielten.

Wiederbelebte Tote im Film

Als ein Vorläufer des filmischen Zombies gilt der von Conrad Veidt dargestellte Somnambule Cesare in Robert Wienes Stummfilm Das Cabinet des Dr. Caligari von 1920. Die willenlose, von Caligari kontrollierte Figur weist bereits das für frühe Zombiefilme charakteristische Herr-Knecht-Verhältnis auf, ist jedoch weder ein Untoter noch in einem Voodoo-Kontext verortet.

Im Rahmen der amerikanischen Besatzung Haitis, zwischen 1915 und 1934, erhielt die westliche Welt anhand subjektiver Berichte der Besatzer Kenntnis über die örtliche Kultur, zu der eben auch der Zombie-Mythos gehört. In frühen Filmen wurde zudem die Manipulation des Menschen durch unkontrollierte Wissenschaft thematisiert. So standen die frühen Untoten-Filme auch in einem großen Themen-Kontext zusammen mit Filmen wie Metropolis von 1927. Metropolis hat ebenfalls einen größenwahnsinnigen Wissenschaftler als Thema, der einen künstlichen Menschen schafft und dadurch versucht, ein versklavtes Menschenheer zu manipulieren, das durch Arbeit und Maschinen unterdrückt wird. Fritz Langs Film zitiert stark aus der Untoten-Thematik, da er den Wissenschaftler seine „Maria“ als lebendes Abbild einer Verstorbenen erschaffen lässt, interpretiert sie aber als Roboter, der eine nicht näher definierte Menschenhülle trägt. Er rückte die Figur dadurch inhaltlich weg vom reinen Zombie, legte aber damit den Grundstein für Science-Fiction-Filme, in welchen menschliche Körper von fremden Mächten in Besitz genommen oder nachgeahmt werden, um zu manipulieren und Terror auszuüben, wie in der Terminator-Reihe oder den Verfilmungen von Jack Finneys Roman Die Körperfresser kommen. Dieses Subgenre der Science-Fiction weist auch durch seine ästhetischen Möglichkeiten und Interpretationen starke Schnittmengen zum Zombiefilm auf. All diese frühen Filme prägten später ihre eigenen Genres und Subgenres, hier aber liegt ihre gemeinsame Wurzel. Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens von 1922 stand als metaphysischer Untotenfilm erst einmal alleine da. Hier wird aber auch schon die spätere Spaltung in realitätsnahe und phantastische Ausrichtung des Untotenfilms ersichtlich.

Der erste klassische Zombie Die ersten Zombies im Film, die dem klassischen Bild am nächsten waren, waren vor allem vom Klischee des Voodoo-Kults geprägt. So waren die Zombies verwandelte Menschen, aber auch Tote, die unter dem Einfluss eines Zauberers standen. Sie bewegten sich meist schwerfällig und wurden dazu benutzt, niedrige Arbeiten zu verrichten. Das Motiv des Zauberers war meist Rache. Prägend war hier vor allem die Darstellung der Zombies im Film White Zombie (1932).

Eine weitere Art von Zombiefilmen entstand durch die angeblichen UFO-Sichtungen in den USA und die Entstehung des Science-Fiction-Films. Hier waren die Zombies von Außerirdischen gesteuerte Marionetten, die die Erde auf eine Invasion vorbereiten sollten. Prägend war die 12-teilige Miniserie Zombies of the Stratosphere. Ob diese Invasionsfilme zur Zombiefilm-Chronologie zu zählen sind, ist in der Fachpresse umstritten.

Wenn möglich ist der deutsche Titel angegeben. Wenn der Film im deutschsprachigen Raum nicht veröffentlicht wurde, so wird der Titel kursiv angegeben.

Diese frühen Zombiefilme begründeten jedoch noch kein eigenes Subgenre.

Filmtitel Land Jahr Regisseur Anmerkung The White Zombie USA 1932 Victor Halperin mittlerweile als Public Domain erhältlichWhite Zombie im Internet Archive The Scotland Yard Mystery Vereinigtes Königreich 1934 Thomas Bentley US-Titel: „The Living Dead“ Ouanga USA 1936 George Terwilliger Alternativtitel: „The Love Wanga“ Revolt of the Zombies USA 1936 Victor Halperin mittlerweile als Public Domain erhältlichRevolt of the Zombies im Internet Archive Die Rache des Toten USA 1936 Michael Curtiz Originaltitel: „The Walking Dead“ Das zweite Leben des Dr. X USA 1939 Vincent Sherman The Ghost Breakers USA 1940 George Marshall Komödie, bei der Zombies eine Nebenrolle spielen Herr der Zombies – Insel der lebenden Toten USA 1941 Jean Yarbrough Erste Zombie-Komödie, mittlerweile als Public Domain erhältlichHerr der Zombies im Internet Archive Alternativtitel: „Herr der Zombies – Das Land der lebenden Toten“ und „King Of The Zombies“ The Living Ghost USA 1942 William Beaudine Bowery at Midnight USA 1943 Wallace Fox umstritten, mittlerweile als Public Domain erhältlichBowery at Midnight im Internet Archive Ich folgte einem Zombie USA 1943 Jacques Tourneur Revenge of the Zombies USA 1943 Steve Sekely The Mad Ghoul USA 1943 James Hogan Voodoo Man USA 1944 William Beaudine Zombies on Broadway USA 1945 Gordon Douglas Zombies of the Stratosphere USA 1952 Fred C. Brannon 12-teilige Miniserie, unter dem Filmtitel Des Satans Satellit wurde ein 78-minütiger Spielfilm aus der Serie zusammengeschnitten Starr vor Angst USA 1953 George Marshall Remake von The Ghost Breakers Voodoo Island USA 1957 Reginald Le Borg Zombies of Mora Tau USA 1957 Edward L. Cahn Voodoo Woman USA 1957 Edward L. Cahn Das Grab des Dr. Caligari Mexiko 1958 Miguel M. Delgado Spanisches Remake des Films von 1920 I Bury the Living USA 1958 Albert Band The Brain Eaters USA 1958 Bruno VeSota Die vier Schädel des Jonathan Drake USA 1959 Edward L. Cahn Invisible Invaders USA 1959 Edward L. Cahn Night of the Ghouls USA 1959 Ed Wood Plan 9 aus dem Weltall USA 1959 Ed Wood Teenage Zombies USA 1959 Jerry Warren mittlerweile als Public Domain erhältlichTeenage Zombies im Internet Archive Stadt der Toten Vereinigtes Königreich 1960 John Llewellyn Moxey Alternativtitel: „Horror Hotel“ The Cape Canaveral Monsters USA 1960 Phil Tucker Muñecos Infernales Mexiko 1961 Benito Alazraki Santo Contra los Zombis Mexiko 1961 Benito Alazraki The Dead One USA 1961 Barry Mahon À meia-noite levarei sua alma Brasilien 1963 José Majica Marins Roma contro Roma Italien 1963 Giuseppe Vari Englische Titel: „War of the Zombies“, „The Zombie Legion“ und „Night Star, Goddess of Electra“ The Incredibly Strange Creatures Who Stopped Living and Became Mixed-Up Zombies USA 1964 Ray Dennis Steckler Ich bin Legende USA 1964 Ubaldo Ragona,Sidney Salkow Die erste Verfilmung des Roman I am Legend von Richard Matheson gilt als stilistisches Vorbild für George A. Romeros Genreklassiker Night of the Living Dead Planet der Vampire Italien,Spanien 1965 Mario Bava Astronauten infizieren sich 5 tombe per un medium Italien 1965 Massimo Pupillo Nächte des Grauens Vereinigtes Königreich 1966 John Gilling

1968 bis 1977