Thurnau (oberfränkisch: Darnah)E. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach, S. 201. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „daʳnā“. ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Kulmbach in Bayern.

Lage Der Markt liegt am nördlichen Rand der Fränkischen Schweiz, von Kulmbach etwa 10 und von Bayreuth 15 km entfernt. Die Autobahn A 70 durchquert das Gemeindegebiet von Ost nach West.

Der nördliche 50. Breitengrad verläuft entlang der südlichen Gemeindeteile Felkendorf, Kröglitzen und Leesau quer durch das Gemeindegebiet.

Gemeindegliederung mini|Ortsansicht von Thurnau (Oberer Markt)

Es gibt 44 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Die Einöden Buchhaus, Leimenhaus, Mühlberg, Unterwolfsknock und Weiherhaus sind ehemalige Gemeindeteile, die mittlerweile abgebrochen wurden.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Alladorf, Berndorf, Felkendorf, Hutschdorf, Limmersdorf I, Limmersdorf II, Limmersdorf III, Limmersdorfer Forst (Gemarkungsteil 1), Tannfeld und Thurnau. Die Gemarkung Thurnau hat eine Fläche von 6,576 km². Sie ist in 1626 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 4045 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Eckersdorf, Fallmeisterei, Neidsmühle, Oberschorrmühle, Oberwolfsknock, Todtenhaus und Unterschorrmühle.

Geschichte mini|Schloss Thurnau Bis zur Gemeindegründung Der Ort wurde 1137 als „Durnowa“ erstmals urkundlich erwähnt. Grundwort ist ouwe (mhd. für Wiesenland), Bestimmungswort ist wahrscheinlich durre (mhd. für dürr, mager). Demnach wäre der Ortsname auf einen Flurnamen zurückzuführen, der eine magere Wiesenlandschaft bezeichnet. Erst später kam es zur Umdeutung des Bestimmungswortes zu Turm (s. u. Abschnitt Wappen).W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 222.Nach E. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach, S. 163 ff., Ersterwähnung 1239.

Thurnau war Sitz des Ministerialengeschlechts der Förtsch. Lehnsherr war seit 1292 der Bischof von Bamberg. Nach dem Aussterben der Familie von Förtsch 1564 wurden ihre Rechtsnachfolger Hans-Georg von Giech und Hans Adam von Künsberg. 1699 bestätigten die Markgrafen von Bayreuth den Grafen Giech die lange umstrittene Hohe Gerichtsbarkeit und damit die Landeshoheit. 1731 kauften die Grafen Giech den Künsberg’schen Anteil des Condominats.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Thurnau aus 145 Anwesen. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das Giech’sche Amt Thurnau aus. Grundherren waren das Amt Thurnau (140 Anwesen: 2 Mühlen, 1 Schenkstatt, 1 Gut, 2 Halbsölden, 1 Rotgerberhaus, 1 Backhaus, 1 Torhaus, 1 Haus mit Laden, 4 Häuser mit Hofstatt, 94 Häuser, 1 Kellerhaus, 1 Wohnung, 1 Wohnhaus mit Ziegelbrennerei, 2 Wohnhäuslein, 12 Häuslein, 14 Hofstätten, 1 Hofstättlein), die Pfarrei Thurnau (1 Söldengut, 2 Halbsöldengüter), die Pfründe Thurnau (2 Häuser). Die Steuer und die Vogtei beider letztgenannter Grundherren stand dem Amt Thurnau zu. Neben den Anwesen gab es noch herrschaftliche Gebäude (2 verbundene Schlösser, mit Kanzlei- und Amtsgebäude, Hoffbüttnereiwohnung, Fallmeistergebäude, einem Vorwerksgebäude und zwei Schafflecken mit Gebäuden; 1 Amtshaus und 1 Büttelei des Rittergutes Thurnau), kirchliche Gebäude (1 Kirche, 1 Friedhofskirche, 1 Pfarrhaus, 1 Diakonatswohnung) und kommunale Gebäude (1 Schulhaus).R. Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 643 f. Dort werden für die Gesamtzahl der Anwesen abweichend 130 angegeben.

1796 verleibte sich Preußen im Zuge der Hardenberg’schen Revindikationspolitik die Herrschaft Thurnau ein. Sie unterstand von 1797 bis 1810 dem Patrimonialgericht Thurnau. Im Frieden von Tilsit 1807 fiel Thurnau als Teil des preußischen Fürstentums Bayreuth an Frankreich und wurde 1810 an das Königreich Bayern verkauft.

Mit dem Gemeindeedikt wurde 1811 der Steuerdistrikt Thurnau gebildet, zu dem Eckersdorf, Fallmeisterei, Hammerhaus, Hammermühle, Hörlinreuth, Mühlberg, Neidsmühle, Oberschorrmühle, Oberwolfsknock, Todtenhaus, Unterschorrmühle, Unterwolfsknock und Weiherhaus gehörten. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt 1818 wurden Hammerhaus und Hammermühle an den Steuerdistrikt Peesten abgegeben. Zugleich entstand die Munizipalgemeinde Thurnau, die mit Ausnahme von Hörlinreuth, das an die Ruralgemeinde Limmersdorf überwiesen wurde, deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Thurnau war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Herrschaftsgericht Thurnau (ab 1852 Landgericht Thurnau) zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kulmbach. 1856 wurde Thurnau dem neu gebildeten Rentamt Thurnau überwiesen (1919 in Finanzamt Thurnau umbenannt). Ab 1862 gehörte Thurnau zum Bezirksamt Kulmbach (1939 in Landkreis Kulmbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Thurnau (1879 in Amtsgericht Thurnau umbenannt). 1929 wurde die Gerichtsbarkeit vom Amtsgericht Kulmbach und die Finanzverwaltung vom Finanzamt Kulmbach übernommen.R. Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 774 f. Die Gemeinde hatte 1961 eine Fläche von 6,587 km² Erste Bestrebungen Thurnaus, den Ort an das Eisenbahnnetz anzuschließen, sind bereits 1872 dokumentiert. Im April 1882 wurde mit dem Ziel einer Eisenbahnverbindung nach Bayreuth das Lokalbahnkomitee Thurnau gegründet. Am 14. Juli 1904 genehmigte der Bayerische Landtag den Bau einer Lokalbahn von Bayreuth über Thurnau nach Kulmbach; der erste Zug nach Kulmbach verkehrte am 11. Oktober 1908, am 28. Juli 1909 ging der Abschnitt nach Bayreuth in Betrieb. Der Bahnhof Thurnau wurde Betriebsmittelpunkt der Strecke, an dem die Personenzüge beider Richtungen begannen und endeten.Kulmbach-Thurnau-Bayreuth (Loseblattsammlung aus der Reihe Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland des GeraMond Verlags)

Eingemeindungen Der heutige Markt Thurnau entstand im Zuge der Gebietsreform in Bayern. Am 1. Januar 1972 wurden die Gemeinden Berndorf, Hutschdorf und Tannfeld eingegliedert. Am 1. Januar 1973 kam Menchau hinzu. Alladorf folgte am 1. Juli 1975. Mit Limmersdorf (mit dem am 1. April 1971 eingegliederten Felkendorf) wurde am 1. Mai 1978 die Reihe der Eingemeindungen abgeschlossen.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis Dezember 2019 wuchs der Markt von 3995 auf 4046 Einwohner bzw. um 1,26 %. Am 31. Dezember 1998 hatte Thurnau 4589 Einwohner.

Gemeinde Thurnau Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939Einwohner 1267 1399 1170 1249 1254 1234 1224 1364 1366 1340 1337 1294 1279 1311 1152 1154 1127 1128HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2017 wurden diese als Wohngebäude bezeichnet. 202 169 176 173 175 178 Quelle Jahr 1946 1950 1961 1970 1987 1998 2008 2010 2015 20172023Einwohner 1827 1860 1762 1888 4003 4589 4420 4382 4183 40944111Häuser 211 267 1042 1321 1327Quelle

Ort Thurnau Jahr 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 1247 1249 1120 1269 1190 1053 1710 1645 1808 1647Häuser 198 161 160 164 192 249 422Quelle

Politik

Marktgemeinderat Die letzten Kommunalwahlen führten zu folgenden Sitzverteilungen im Marktgemeinderat: Partei/Liste Sitze 2002 Sitze 2008 Sitze 2014 Sitze 2020Sitze 2026 CSU 7 6 6 88 SPD/Offene Liste 6 6 5 34 Freie Wähler/Überparteiliche Wählergemeinschaft 3 4 3 34 FDP/Unabhängige Bürger (UB) – – 2 2– Gesamt 16 16 16 1616

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2014 Martin Bernreuther (CSU). Er wurde 2020 mit mehr als 90 % und 2026 mit mehr als 97 % im Amt bestätigt. Vorgänger waren ab 2008 Dietmar Hofmann (SPD-Offene Liste) und ab 2002 Rita Fischer (CSU).

Wappen und Flagge Wappen Thurnau führt seit dem 16. Jahrhundert ein Wappen.

Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-weiß.

Gemeindepartnerschaft Positano in Süditalien ist seit 1. April 2000 Partnergemeinde von Thurnau.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=2.0|Schloss Thurnau mit Übergang zur St.-Laurentius-Kirche Mit dem historischen Ortskern, den das Schloss Thurnau mit dem Brückengang zur St.-Laurentius-Kirche dominiert, dem Schlossweiher, dem Töpfermuseum und Sehenswürdigkeiten in den Gemeindeteilen ist Thurnau ein beliebtes Ziel für Ausflüge.

Die St.-Laurentius-Kirche besitzt eine beeindruckende Stuckdecke, eine Patronatsloge und einen Altar von Elias Räntz.

Schloss Thurnau gehört zu den größten innerörtlichen Schlossanlagen Frankens. Der älteste Teil der siebenstöckigen Kemenate wurde im 13. Jahrhundert durch das Geschlecht der Ritter von Förtsch gebaut. Als siebtes und letztes Gebäude wurde im Jahre 1731 der Carl-Maximilian-Bau fertiggestellt. Heute befindet sich neben einem Tagungshotel das Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth im Schloss; seit 2017 hat dort auch das gemeinsam von den Universitäten Bayreuth und Bamberg getragene Institut für Fränkische Landesgeschichte seinen Sitz.https://www.iflg-thurnau.de/

An das Schloss schließt sich der weitläufige Schlossgarten an, dessen Geschichte in den Jahren 1703 bis 1706 mit der Pflanzung einer Lindenallee zum Paille-Maille-Spiel begann. In der Mitte des 19. Jahrhunderts war die Lindenallee der Kern einer umfassenden Erweiterung im Stile des Englischen Landschaftsgartens, die von verschiedenen Einbauten begleitet wurde. Der Thurnauer Schlossgarten wurde von reisenden Dichtern während der Romantik wie von der einheimischen Bevölkerung von Thurnau und dem Umland geliebt. Im Jahre 1968 fiel die Lindenallee weitgehend einem Hagelschauer zum Opfer und wurde fortan für den öffentlichen Zugang gesperrt. Park und Einbauten wie das Teehaus waren seither dem Verfall preisgegeben. Das Teehaus wurde im Herbst 2007 im Rahmen einer Notsicherung mit einem Schutzdach versehen.Der Teepavillon heute – www.landschaftsmuseum.de Das Rathaus befindet sich im 1751 erbauten Künsberghof, der von 1986 bis 1988 umgebaut wurde.

Neben der Laurentiuskirche befinden sich Kirchen in den Gemeindeteilen Trumsdorf, Alladorf, Berndorf, Hutschdorf und Limmersdorf.

Direkt neben der Kirche in Limmersdorf steht die Tanzlinde, welche die älteste der wenigen verbliebenen Tanzlinden ist. Unter ihrer Krone wird noch regelmäßig getanzt. Wegen der Besonderheit der Limmersdorfer Lindenkirchweih wurde sie 2014 als einer von 27 Bräuchen als fränkischer Vertreter in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes (IKE) aufgenommen.

Bau- und Bodendenkmäler

Umstritten ist der geplante Abriss des Gebäudes Kulmbacher Straße 2, eines um 1672 errichteten ehemaligen Gasthauses zum Zweck der Verbreiterung der Staatsstraße 2689. Eigentümer ist das Staatliche Bauamt Bayreuth, das den denkmalgeschützten Bau (Aktennummer der Denkmalliste D-4-77-157-141) aus diesem Grund erworben hatte. Das Haus ist zudem Bestandteil des Ensemble-Baudenkmals Ortskern Thurnau (Nr. E-4-77-157-1).Muss dieses historisches Haus für Umgehung weichen? in: Nordbayerischer Kurier vom 18. März 2025, S. 15.

Wirtschaft und Infrastruktur Handwerk und Gewerbe Bekannt ist Thurnau vor allem als Töpferstädtchen. Die Geschichte des Thurnauer Töpferhandwerks reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Das Töpfermuseum wurde 1985 gegründet; seit 1991 findet am zweiten Adventswochenende im Schloss Thurnau der weihnachtliche Töpfermarkt statt, bei dem neben regionalen auch Töpfereien aus ganz Europa ihre Waren anbieten.

Von 1903 bis zu ihrer Einstellung im Jahr 1938 hatte der Ort eine eigene Zeitung. Der Fränkische Landbote als „Zeitung für die schaffenden Stände“ erschien dreimal in der Woche.Nach 120 Jahren schließt ein Traditionsgeschäft in: Nordbayerischer Kurier vom 23. Januar 2024, S. 20.Fränkischer Landbote: Zeitung für die schaffenden Stände bei zdb-katalog.de, abgerufen am 28. Februar 2024