mini|…bei Nacht als Panorama mini|Blick von der Libori-Galerie auf den 93 Meter hohen Westturm
Der Hohe Dom St. Maria, St. Liborius, St. Kilian, auch Paderborner Dom genannt, ist die Kathedralkirche des Erzbistums Paderborn und liegt im Zentrum der Paderborner Innenstadt, oberhalb der Paderquellen. Die ortsbildprägende Anlage mit dem markanten mächtigen Westturm über dem Chor, der von zwei runden Türmen flankiert wird, ist überwiegend in spätromanischen und gotischen Formen gehalten.
Lage und Umgebung mini|Die Lage des Paderborner Doms an den Paderquellen
Der Dom steht zusammen mit der nördlich von ihm gelegenen wiederaufgebauten ottonischen Kaiserpfalz aus dem 11. Jahrhundert direkt oberhalb der Quellbecken der Dielenpader und der Rothobornpader, zweier der sieben Quellarme der Pader, die auch Namensgeber der Stadt Paderborn ist.
Zwischen Dom und Kaiserpfalz sind die Fundamente der karolingischen Pfalz Paderborn sichtbar. Unmittelbar daneben steht die 1017 geweihte Bartholomäuskapelle, die als ältester Hallenkirchbau nördlich der Alpen gilt. Weiter östlich stehen der Kreuzgang des ehemaligen Domklosters sowie das Erzbischöfliche Generalvikariat. Südlich des Doms öffnet sich das Gelände zum großen Domplatz, südwestlich steht heute das Diözesanmuseum.
Patrozinium Der Dom ist drei Heiligen geweiht: Maria (Mutter Jesu), Kilian und Liborius von Le Mans. Liborius ist auch erster Patron der Stadt und des Bistums. Seine Gebeine wurden 836 unter Kaiser Ludwig dem Frommen im Rahmen der damals üblichen Reliquientranslationen aus Frankreich in die Bischofsstadt Paderborn geholt. Hintergrund dessen war, dass Paderborns damaliger Bischof Badurad durch die Wunder, die er von den Reliquien erhoffte, den christlichen Glauben der noch heidnisch geprägten Sachsen festigen wollte. Zu einer für mittelalterliche Verhältnisse günstigen Reisezeit brach eine Delegation von Gesandten des Bischofs unter Leitung des Archidiakons Meinolf auf. Am 29. April wurde diese Delegation von Bischof Aldrich in Le Mans empfangen. Man übergab ihnen die Gebeine des hl. Liborius, und am 28. Mai erreichte die Gruppe wieder das Bistum Paderborn. Dies geschah unter großer Teilnahme des Volkes. Zum Gedenken an dieses Ereignis findet jährlich im Juli in Paderborn das Libori-Fest statt.Barbara Stambolis: Libori, das Kirchen- und Volksfest in Paderborn, Eine Studie zu Entwicklung und Wandel historischer Festkultur, Waxmann, Münster, New York 1996, ISBN 3-89325-433-1, S. 18 ff.Margarete Niggemeyer: Eine Wolke von Zeugen. Die Heiligen im Hohen Dom zu Paderborn, Bonifatius Verlag, Paderborn 2007, ISBN 978-3-89710-384-9, S. 78–79.
Baugeschichte des Paderborner Doms Vorgängerbauten Dem heutigen Dom gingen verschiedene in Quellen verbürgte und in den Ausgrabungen von 1952 bis 1956 sowie 1978–1980 nachgewiesene Vorgängerbauten voraus.Margarete Niggemeyer: Der Hohe Dom zu Paderborn. Ein Domführer. Paderborn 2006, S. 8.
Karolingische Salvatorkirche Zu der von Karl dem Großen an den Quellen der Pader auf einer niedergebrannten sächsischen Siedlung errichteten Kaiserpfalz gehörte bereits eine Christus (unter dem Titel des SALVATOR MVNDI, d. h. „Erlösers der Welt“) geweihte Kirche. Diese 9 Meter × 20 Meter große Kirche lag nördlich des heutigen Doms, bei der Paderquelle. Heute ist ihr Grundriss zwischen dem Dom und der Bartholomäuskapelle an hellen Pflastersteinen zu erkennen. Sie wurde zerstört bei der Vernichtung der Pfalz im Jahr 778.Klemens Honselmann: Paderborn 777, urbs karoli: Karlsburg. in: PDF, Stand: 1. August 2014. Es folgten Wiederaufbau, erneute Zerstörung und erneuter Wiederaufbau.Uwe Lobbedey: Der Paderborner Dom. Vorgeschichte, Bau und Fortleben einer westfälischen Bischofskirche, München 1990, S. 14.
Karolingischer Dom Schon bald nach der Zerstörung der Salvatorkirche wurde eine neue Kirche in Paderborn errichtet. Der 22 Meter × 50 Meter große Bau war Maria und Kilian geweiht. Bei seinem Besuch in Paderborn im Jahr 799 weihte Papst Leo III. einen Altar für den Hl. Stephanus. Hierzu brachte er Reliquien aus Rom mit und legte diese in dem Altar nieder.Margarete Niggemeyer: Der Hohe Dom zu Paderborn. Ein Domführer. Paderborn 2006, S. 9. Vermutlich wurde bei dieser Gelegenheit auch das Bistum Paderborn gestiftet mit der neuen Kirche als Bischofskirche. Das Bistum unterstand zunächst dem Würzburger Bischof, bevor ca. 806 der Sachse Hathumar zum ersten Bischof von Paderborn ernannt wurde.Uwe Lobbedey: Der Paderborner Dom. Vorgeschichte, Bau und Fortleben einer westfälischen Bischofskirche, München 1990, S. 15. Paderborns zweiter Bischof Badurad erweiterte den Dom zum Zwecke der Unterbringung der Liboriusreliquien. Dabei fügte er im Westen ein Querhaus und eine Ringkrypta nach dem Vorbild der Konstantinischen Basilika in Rom an. In dieser Zeit begann die erste Blüte der Liboriverehrung. Unter Bischof Rethar wurde der Dom im 10. Jh. noch einmal deutlich umgestaltet. Rethar ließ im Osten einen Chor mit Krypta für den Liboriusschrein anfügen und ersetzte den Westchor durch ein Westwerk.Uwe Lobbedey: Der Paderborner Dom. Vorgeschichte, Bau und Fortleben einer westfälischen Bischofskirche, München 1990, S. 15–18. Der karolingische Bau wurde bei einem Großbrand im Jahr 1000 zerstört.Barbara Stambolis: Libori, das Kirchen- und Volksfest in Paderborn, Eine Studie zu Entwicklung und Wandel historischer Festkultur, Münster 1996, S. 22.
Beginn des Wiederaufbaus durch Bischof Rethar und Neubau durch Bischof Meinwerk mini|Blick in die Ausgrabungen am Dom
Nach der Zerstörung durch den Großbrand im Jahr 1000 ließ Bischof Rethar mit einem Wiederaufbau beginnen. Der bis zur Fensterhöhe vorangeschrittene Wiederaufbau wurde unter Bischof Meinwerk bei dessen Amtsantritt niedergelegt und durch eine dreischiffige Basilika mit einem Querhaus im Osten sowie einem ottonischen Westwerk, an dessen Westseite sich Treppentürme befanden, ersetzt. Die Krypta hatte Meinwerk dabei leicht verändert von Rethars Bau übernommen. Zusätzlich fügte er an den südlichen Teil des Querhauses eine Kapelle an, die wahrscheinlich als bischöfliche Privatkapelle fungierte. 1015 konnte dieser Bau geweiht werden. Geweiht war er Maria, Kilian, Ulrich von Augsburg und Liborius. Ein Stadtbrand im Jahr 1058 zerstörte das Bauwerk.Uwe Lobbedey: Der Paderborner Dom. Vorgeschichte, Bau und Fortleben einer westfälischen Bischofskirche, Deutscher Kunstverlag 1990, ISBN 3-422-06063-4, S. 18.
Vergrößerter Neubau durch Bischof Imad Bischof Imad ließ den Dom deutlich vergrößert neu errichten. Er besaß nun je ein Querhaus im Osten und im Westen und ein im Vergleich zum Meinwerk-Dom breiteres Langhaus. Darüber hinaus hatte er einen großen Ostchor sowie, im Gegensatz zu den Bauten Rethars und Meinwerks, wieder einen Westchor. Sein Grundriss entsprach schon weitgehend jenem des heutigen Bauwerks. Die Krypta blieb unter dem Ostchor. Am 22. Juli 1068 wurde dieser Bau Imads geweiht, unmittelbar vor dem Festtag des hl. Liborius. Etwa 1100 wurde die Krypta zu ihrer bis heute im Wesentlichen gleich gebliebenen Form umgestaltet sowie eine Verbreiterung des Ostchores vorgenommen.Barbara Stambolis: Libori. Das Kirchen- und Volksfest in Paderborn. Eine Studie zu Entwicklung und Wandel historischer Festkultur, Waxmann, Münster/New York 1996, ISBN 3-89325-433-1, S. 24.Uwe Lobbedey: Der Paderborner Dom. Vorgeschichte, Bau und Fortleben einer westfälischen Bischofskirche, Deutscher Kunstverlag, München 1990, ISBN 3-422-06063-4, S. 28–32.
Zusammen mit dem 1000-jährigen Jubiläum der Paderborner Bartholomäuskapelle im Jahr 2017 beging das Domkapitel Paderborn das 950. Weihejubiläum des Imad-Domes im Jahr 2018 mit einem Festprogramm.Behütet und bedacht, Internetauftritt des Jubiläums „1000 Jahre Bartholomäuskapelle – 950 Jahre Imad-Dom“, Paderborn 2017 (Stand 26. Juli 2017).
Wiederaufbau durch Bischof Bernhard I. von Oesede Bei einem Brand 1133 wurden Dach und Decke des Doms zerstört. Bischof Bernhard I. von Oesede ließ die Mauern durch Pfeilervorlagen verstärken und den Dom einwölben. 1144/45 wurde dieser geweiht.Uwe Lobbedey: Der Paderborner Dom. Vorgeschichte, Bau und Fortleben einer westfälischen Bischofskirche, Deutscher Kunstverlag, München 1990, ISBN 3-422-06063-4, S. 32–33. Wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand die Paradiesvorhalle am südlichen Arm des Westquerhauses.Uwe Lobbedey: Der Paderborner Dom. Vorgeschichte, Bau und Fortleben einer westfälischen Bischofskirche, Deutscher Kunstverlag, München 1990, ISBN 3-422-06063-4, S. 34.
Heutiger Dom mini|Turm des Doms, 1. Hälfte 19. Jh.
Der heutige Dom stammt im Wesentlichen aus dem 13. Jahrhundert.
mini|hochkant|links|Romanische Paradiesvorhalle, um 1160 mini|Dom 1891 von Südosten Um 1210 wurde mit dem fast vollständigen Ersatz des Kirchengebäudes begonnen, der Anlass ist nicht bekannt. Die erste Bauphase umfasste den Westturm, das anschließende basilikale Chorjoch und das westliche Querhaus. Diese Gebäudeteile weisen im Wesentlichen romanische Formen auf. Der Altar im Westchor war 1231 geweiht.
Die Entscheidung zum Weiterbau als Hallenkirche fiel unter dem Episkopat Bernhards IV. (1228 bis 1247). Gleichzeitig regierte im Erzbistum Bremen sein Bruder Gerhard II., der die dortige Liebfrauenkirche als Hallenkirche errichten ließ und große Teile der Einwölbung seines Doms verantwortete, und Äbtissin der Reichsabtei Herford war seine Schwester Gertrud II., die den Bau des Herforder Münsters als Hallenkirche initiierte. Der Vater der Geschwister, Bernhard II. zur Lippe, gehörte zu den Stiftern des Klosters Marienfeld und in seiner Gründung Lippstadt begann unter seiner Herrschaft der Bau der Großen Marienkirche. Als Nachfolger Bernhards IV. auf dem Paderborner Bischofsstuhl amtierte 1247 bis 1277 sein Neffe Simon I.
Gleichzeitig mit den Bauarbeiten in den westlichen Teilen errichtete vielleicht eine andere Bauhütte den Ostchor (über der Krypta) und das östliche Querhaus. Hier gab es wohl einen Vierungsturm, der aber 1233 einstürzte und große Teile des Ostbaus zerstörte. Nach 1231/1233 wurde der Dom von einer gotisch geschulten Bauhütte und als Hallenkirche weitergebaut. Infolgedessen wird er heute von Westen nach Osten stilistisch etwas moderner. Die östlichen Teile stammen in ihrer heutigen Form weitgehend aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Um 1270/1280 entstanden die Arme des Ostquerhauses; als letztes wurde wahrscheinlich der nördliche, vieleckige Arm („Hasenkamp“) fertiggestellt.Uwe Lobbedey: Der Paderborner Dom. Vorgeschichte, Bau und Fortleben einer westfälischen Bischofskirche, Deutscher Kunstverlag, München 1990, ISBN 3-422-06063-4, S. 36–78. Nach dem Stadtbrand von 1340 musste der Ostgiebel des Chors erneuert werden.
Es gab verschiedene An- und Umbauten in späterer Zeit, die den Gesamteindruck des Doms jedoch nicht entscheidend verändert haben. Dies war zum einen die Wiederherstellung und Barockisierung im 17. Jahrhundert nach der Plünderung im Dreißigjährigen Krieg, zum anderen der Wiederaufbau ab 1945 nach den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs, bei denen der Dom komplett ausbrannte.Münster und Paderborn im Jahr 1945: Wie die Dome ausbrannten, abgerufen am 26. Februar 2023.
Baubeschreibung mini|Grundriss des heutigen Domes Der Paderborner Dom ist eine dreischiffige Hallenkirche mit einem Langhaus von vier Jochen Länge, zwei Querhäusern und zwei Chören. Besonders charakteristisch ist der mächtige romanische Chorturm über dem Westchor, der mit einer Höhe von 93 Metern die Innenstadt weit überragt. An seinen beiden Ostecken befinden sich niedrigere, runde Treppentürme. In der Krypta, die mit einer Länge von 32 m eine der größten in Deutschland ist, werden die Gebeine des hl. Liborius aufbewahrt. Der Westchor dient heute liturgisch nicht mehr als Altarraum. Der älteste Teil des heutigen Doms ist die von Vorgängerbau übernommene Paradiesvorhalle vor dem Hauptportal am südwestlichen Querhaus.
Maße Länge: 104 Meter Höhe des Turmes: 93 Meter