Das Ostseebad Prerow [] () ist eine Gemeinde des Amtes Darß/Fischland mit Sitz in Born a. Darß im Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern. Sie befindet sich zum größeren Teil auf dem Darß, ein kleinerer Teil liegt auf der Halbinsel Zingst, beides sind Teile der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.
Prerow ist ein Seebad an der Ostsee zwischen den Städten Rostock und Stralsund. Das Ostseebad Prerow wird umgeben vom Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.
Geologie Die Gemeinde Prerow liegt in einer geologisch sehr jungen Landschaft, deren Entstehungsprozess mit dem Ende der Weichseleiszeit vor zirka 12.000 Jahren begann. Diese hinterließ hier eine Jungmoränenlandschaft. Durch das abtauende Inlandeis hob sich das darunter liegende Land, und die Senken wurden mit Wasser gefüllt; der Vorgänger der späteren Ostsee, der Ancylussee, entstand. So blieben nur noch die herausragenden Höhenrücken als Inseln bestehen. Die Großformen der Küsten im südlichen Bereich der Ostsee formten sich durch die Littorina-Transgression vor etwa 7000 bis 2500 Jahren.
Vor etwa 5000 Jahren erreichte der Meeresspiegel sein heutiges Niveau, die Kerne des heutigen Darß und Zingst wurden zu Inseln. Vor 4500 Jahren wurde der Salzwasserzustrom aus der Nordsee stark eingeschränkt. Die Ostsee süßt seitdem langsam aus. Durch die Küstenerosion (Landabtragung, Verdriftung und Ablagerung) erlangten die damaligen Inseln im Laufe der Zeit ihre heutige Gestalt. Vor etwa 1500 Jahren kam es durch die immer länger werdenden Nehrungen zur Abschnürung der dahinter liegenden Buchten, sodass die Darß-Zingster Boddenkette entstand. Am Ende des 14. Jahrhunderts wurde der Darß zur Halbinsel, als südlich und nördlich des Fischlands bis dahin bestehende Meeresarme geschlossen wurden. Im Jahr 1874 wurde der Prerower Strom zwischen dem Darß und dem Zingst künstlich geschlossen. Der Prozess der Landbildung geht auch heute weiter. Prerow liegt zwischen den Anlandungsgebieten Darßer Ort und Bock. Dadurch findet in West-Ost-Richtung ein Sedimenttransport statt und der Strand vor Prerow verliert jährlich an Land. Der Verlust wurde aber meist durch Sturmhochwasser verursacht, sodass dieser Prozess heute durch Küstenschutzmaßnahmen stark abgeschwächt ist.
Geschichte mini|Nordstrand an der Seebrücke Prerow, 2024 mini|Alte Seebrücke Prerow mini|Ostseebad Prerow, 2024 mini|Neue Seebrücke Prerow 2025 Der Name Prerow bedeutet so viel wie „Graben“ oder „Durchbruch“, ist vom slawischen Wort prerova abgeleitet und galt zunächst dem Prerow-Strom, der bereits im 14. Jahrhundert eine wichtige Rolle als Wasserstraße zwischen Barth und der Ostsee spielte.Ostseebad Prerow – Darß – Geschichte & Tradition – Prerows Geschichte In: ostseebad-prerow.de, abgerufen am 17. April 2018.
Das Fischer- und Seefahrerdorf Prerow wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt. Östlich von Prerow, auf der jetzigen Halbinsel Zingst, befinden sich am Prerower Strom die Überreste einer mittelalterlichen Burg, genannt die „Hertesburg“. Die Hertesburg wurde in der Regierungszeit des rügischen Fürsten Wizlaws III. zum ersten Mal schriftlich erwähnt und war im Verlauf des 14. Jahrhunderts mehrfach Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen mecklenburgischen, pommerschen und rügischen Truppen. Als Teil Pommerns war Prerow vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Wiener Kongress schwedisch und kam am 23. Oktober 1815 als „Neuvorpommern“ zur preußischen Provinz Pommern. In den Jahren 1715 bis 1720 gehörte Prerow bis Ende des Großen Nordischen Krieges zum Königreich Dänemark.
Seit dem 17. Jahrhundert betrieben die Prerower Seefahrt. Im Ort entstanden auch drei Segelschiff-Werften. Gebaut wurden Schoner, Jachten, Briggs, Barken und andere Schiffstypen. Im Jahre 1872 setzte das schwere Ostseesturmhochwasser ganz Prerow weit unter Wasser. In der Folge beschloss man, den Prerower Strom, der östlich von Prerow die Ostsee mit dem Bodstedter Bodden verband, zu schließen.
Mit dem Niedergang der Segelschifffahrt Ende des 19. Jahrhunderts wurde Prerow ein bedeutender Bade- und Kurort. Die Abgeschiedenheit des Ortes sowie der weite, flache Strand aus weißem, steinfreiem Sand leisteten einen wichtigen Beitrag dazu.
Im 19. und 20. Jahrhundert siedelten sich Künstler von regionaler, dann auch überregionaler Bedeutung an:Friedrich Schulz: Die Halbinseln Darß und Zingst. Ahrenshoop 1998, S. 125 Marianne von WerefkinBernd Fäthke: Marianne Werefkin. München 2001 und Alexej JawlenskyBernd Fäthke: Jawlensky und seine Weggefährten in neuem Licht. München 2004, die der Neuen Künstlervereinigung München angehörten, wohnten im Sommer 1911 in der „Villa Seestern“ in der Waldstraße. Nur wenig entfernt hielt sich zur gleichen Zeit der Brücke-Maler Erich Heckel mit der Tänzerin Sidi Riha im „Landhaus Dorneneck“ in der Grünen Straße auf. Diese drei expressionistischen Maler machten Prerow einem internationalen Kunstpublikum bekannt.
Der Pädagoge Fritz Klatt gründete von 1921 an in mehreren Schritten das Volksschulheim Prerow. Dort rief er zum Jahreswechsel 1924/25 seinen Kreis zusammen, um eine Denkschrift zur Lehrerbildung zu verfassen, da er zum Beraterkreis des preußischen Kultusministers Carl Heinrich Becker gehörte. 1931 wurde schließlich die „Prerower Formel“ zur freien Erwachsenenbildung verabschiedet. 1934 musste er das Volksschulheim in „Freizeit- und Erholungsheim“ umbenennen, das unter Verzicht auf politische Themen bis 1939 bestehen bleiben durfte.
Nach 1949 galt das Ostseebad Prerow als Mallorca der DDR. Die Strände waren in sechs Reihen auf mehreren Kilometern Länge gefüllt. Im Sommer bevölkerten 20-mal so viele Urlauber wie Einwohner den Ort. Allein der Zeltplatz, das heutige Regenbogen Camp Prerow, beherbergte zeitweise über 10.000 Gäste. Für seine zahlreichen Diskotheken wie das traditionsreiche Dünenhaus, Helgoland und Seestern war Prerow in der ganzen DDR bekannt.
Zu DDR-Zeiten unterhielt der VEB Walzwerk Hettstedt für die Kinder seiner Betriebsangehörigen ein Zeltlager als Ferienunterkunft. Außerdem gab es im Ort ein Lager der Gesellschaft für Sport und Technik (GST). Auch die Volkswerft Stralsund betrieb in Prerow das Pionierferienlager „Kim Il Sung“.
Prerow war ursprünglich eine Streusiedlung. Ausgangspunkt der Besiedlung war der am Hafen gelegene „Drümpel“. Die sich im Westen anschließenden Ortsteile sind jüngeren Datums und folgten zunächst den höchsten Dünenrücken der weiter westlich im Darßwald noch deutlich sichtbaren Neulandbildung. Typisch für den Ort, wie auch für die Dörfer Wieck und Born, ist der bis heute erhalten gebliebene alte Baumbestand aus Eichen, Buchen, Eschen, Bergahorn und anderen, der den Siedlungen einen parkartigen Charakter verleiht. Als der Fremdenverkehr an Bedeutung zunahm, wurden Schritt für Schritt Baulücken mit touristischer Infrastruktur bebaut. Die Gemeinde Prerow hofft, durch Tiefbohrungen zum Thermalbad zu werden.
Am 28. Februar 2014 stürzte der von der DRF Luftrettung betriebene Offshore-Rettungshubschrauber Air ambulance 02 bei einer Windenübung mit dem DGzRS-Seenotrettungskreuzer Theo Fischer vor der Gemeinde in die Ostsee. Drei Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben, nur der Copilot überlebte leicht verletzt.
Deutschlandweite Beachtung erfuhr die Gemeinde im Sommer 2020 durch eine Rede des Abiturienten Fiete Korn. Korn übte Kritik am Schulleiter der örtlichen Schule (Freie Schule Prerow / „Darsser Schulzentrum“), Gerald Schaarschmidt, dem er die Aufforderung zur Bespitzelung der eigenen Schülerschaft vorwarf. Die gegen Korn daraufhin erstattete Anzeige wegen übler Nachrede wurde durch die Staatsanwaltschaft Stralsund eingestellt.
2022 übernahm die Stiftung für Umwelt und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern das Gelände des Campingplatzes.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 1864 1995 1820 2000 1805 2005 1648 2010 1615 2015 1498 Jahr Einwohner 2020 1486 2021 1490 2022 1283 2023 1256 2024 1269
Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Prerow besteht aus 10 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024, S. 23
Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Mo!n Prerow – – 79,7 % 8 Einzelbewerber Jörn-Henning Padderatz – – 20,3 % 1 Prerows Zukunft . 7 – – Gewerbeverein Darß . 3 – – Insgesamt 100 % 10 100 % 9
Bei der Wahl 2024 entfielen auf den Einzelbewerber Padderatz zwei Sitze. Daher bleibt in der Gemeindevertretung ein Sitz unbesetzt.
Bürgermeister 2014–2024: René Roloff (Prerows Zukunft) seit 2024: Christian Seidlitz (Einzelbewerber)
Bei der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 wurde Roloff ohne Gegenkandidat mit 82,1 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.
Bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 wurde Seidlitz mit 51,1 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024, S. 26 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern § 37 (3)
Wappen, Flagge, Dienstsiegel Die Gemeinde verfügt über kein amtlich genehmigtes Hoheitszeichen, weder Wappen noch Flagge. Als Dienstsiegel wird das kleine Landessiegel mit dem Wappenbild des Landesteils Vorpommern geführt. Es zeigt einen aufgerichteten Greifen mit aufgeworfenem Schweif und der Umschrift „GEMEINDE OSTSEEBAD PREROW“.Hauptsatzung § 1 Abs.1 (PDF; 373 kB).
Tourismus mini|Tourist-Information am Gemeindeplatz
In Prerow spielt der Tourismus auch heute eine große Rolle. Direkt am Ort liegt ein fünf Kilometer langer und bis zu 80 Meter breiter feinsandiger Strand mit nur allmählich abfallendem Ufer. Hier befindet sich einer der größten FKK-Strände Deutschlands. Westlich von Prerow liegt der urwüchsige Darßwald mit seiner nördlichsten Spitze Darßer Ort und seinem Leuchtturm und mit dem Weststrand, der weniger von Badegästen aufgesucht wird. Prerow hat einen Sportboothafen am Prerower Strom mit Zugang zum Saaler Bodden. Von diesem hochseegeschützten Hafen am östlichen Ortsrand fahren regelmäßig Ausflugsboote zu Boddenrundfahrten hinaus. Auch die Rastplätze der Kraniche zwischen Zingst und der Insel Bock werden während der Saison angefahren.
Sehenswürdigkeiten mini|Seemannskirche Prerow mini|Prerow Strom → Siehe auch Liste der Baudenkmale in Prerow Die 1728 erbaute Seemannskirche Prerow besitzt ein Kirchenschiff aus Backstein und einen Holzturm. Hier findet der Besucher zahlreiche Modellschiffe (Votivschiffe), welche den Prerowern zumeist von geretteten Schiffsmannschaften gestiftet wurden. Auf dem zugehörigen Friedhof finden sich noch alte Kapitänsgräber aus der Zeit um 1800. Eine Flutmarke an der Friedhofsmauer und ein Hinweisschild am Eingang erinnern an das furchtbare Ostseesturmhochwasser 1872, bei dem der ganze Ort überflutet wurde.Der Darsser PDF, Ausgabe 36, Juni 2022, Seite 15 Tagebuch der Laura Mathilde Ziemssen Der Ort ist – wie auch die Darß-Dörfer Born und Wieck – geprägt durch viele alte, meist rohrgedeckte Kapitänshäuser. Diese zieren oft geschnitzte und bunt bemalte Darßer Haustüren mit symmetrischen, meist floralen Motiven. Im Darß-MuseumGerta Anders: Das Prerower Heimatmuseum. In: Darß, Zingst, Fischland. Unser kleines Wanderheft. Leipzig 1955, S. 32 f. werden Geologie, Flora und Fauna der Halbinsel sowie die Geschichte der Segelschifffahrt und der Fischerei dargestellt. Im Museumsgarten sind alte Fischerboote ausgestellt. Bootsbauer weisen dort Feriengäste auch in alte Handwerkstechniken ein. Westlich Prerows befindet sich der Darßer Ort mit dem alten Leuchtturm und der Naturausstellung Natureum. Im Eschenhaus von 1779 in der Grünen Straße Nummer 8 lebte der Maler Theodor Schultze-Jasmer