Maur ist eine politische Gemeinde und ein Dorf im Bezirk Uster des Kantons Zürich in der Schweiz. Der Name Maur wird Schweizerdeutsch «Muur» ausgesprochen.

Geographie mini|links|Blick von NNW auf Maur mit seiner Kirche. Im Hintergrund die Glarner Alpen. Das Gemeindegebiet erstreckt sich vom westlichen Ufer des Greifensees bis zum Scheitel der Pfannenstiel-Kette zwischen Pfannenstiel () im Süden und Wassberg () im Norden. Der Höhenunterschied vom See zum Pfannenstiel beträgt fast 400 Meter.

Das hügelige Gemeindegebiet wird zu etwa einem Viertel von Wäldern und etwa zur Hälfte von Feldern und Weiden bedeckt. Die Dörfer sind mehrheitlich bestimmt von Einfamilienhäusern. Der See mit Schifflände (Schiffsanlegestation), der Badeanstalt und der Pfannenstiel sind beliebte Wander- und Ausflugsziele. Das unter Naturschutz stehende Ufer des Greifensees ist unverbaut, was zum ländlichen Aussehen der Gemeinde trotz ihrer Nähe zur Stadt Zürich beiträgt.

Das Ufer des Greifensees ist flach. Die Schwemmland-Ebene ist bei Maur am breitesten und verjüngt sich deutlich gegen Norden. Der Hang, der sich an die Ebene anschliesst, ist fast durchgehend bewaldet. Danach folgen flachere Teile, auf denen sich die Dörfer und Äcker «am Berg» (Binz, Ebmatingen und Aesch) ausbreiten. Die Hügel der Pfannenstiel-Kette sind oben flach und größtenteils bewaldet. Die zum Greifensee entwässernden Bäche wie der Dorfbach und der Aschbach führen nur wenig Wasser.

Geschichte Frühzeit Über 4000 Jahre alte Pfahlbauten am Greifensee sind die ältesten Zeugnisse menschlichen Lebens in der Gemeinde. Aus dieser Zeit der besiedelten Strandplatte 2750–2500 v. Chr. stammt der im Urteil der Zürcher Kantonsarchäologie besterhaltene und bestdokumentierte jungsteinzeitliche Reusenfund der Schweiz und Süddeutschlands von 2013: ein aussergewöhnliches, aus Ruten und Waldrebe-Ranken geflochtenes Zeugnis prähistorischer Fischerei, eine Korbreuse mit Fundort Schifflände. Das in vielen Teilen gut erhaltene Objekt ist etwa 1 Meter lang, mit einem Durchmesser von 50 cm. Ein in die weite Mündung geflochtener, ins Innere der Reuse sich verengender Trichter liess die Fische gegen die Strömung in den Korb schwimmen, jedoch kaum wieder zurück. Am sich verjüngenden Vorderende der Reuse konnte sie mit einem Deckel geöffnet und die Beute entnommen werden. Solche Gerätefunde ermöglichen Erkenntnisse über den Fischkonsum der Menschen in jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Seeufersiedlungen seit Beginn der Pfahlbauforschung. In diesen Umkreis gehören auch Mauremer Funde von Angelhaken aus Geweih und Bronze, Netzsenker aus gekerbten Kieseln und Netzschwimmer aus Pappelrinde. Die Belege stehen für das Angeln, die Treib- und Stellnetzfischerei und die Reusensetzerei der prähistorischen Fischer.

Grabhügel in den Wäldern nördlich von Maur und Belege aus Rettungsgrabungen in Ebmatingen beweisen, dass die Gegend auch zur Bronze-, bzw. Hallstattzeit bewohnt war. Zur Römerzeit bestand in Maur ein Gutshof, von dessen Überresten sich der Name der Gemeinde ableitet. Unter der Kirche wurden Spuren von römischen Mauern entdeckt.

Zeit der Königshöfe Die erste Kirche wurde um 700 erbaut (eine der ältesten im Kanton Zürich). Aus dieser Epoche wurden auch mehrere Gräber entdeckt: ein Gräberfeld bei Aesch und mehrere Gräber unter der heutigen Kirche. Maur war damals ein lokales Verwaltungs- und Bewirtschaftungszentrum des zentralen Königshofs in Zürich. Erstmals schriftlich erwähnt wurde Maur in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts im grossen Rotulus des Grossmünster in Zürich, das darin seine abgabepflichtigen Besitztümer zu Beginn des 9. Jahrhunderts aufzählte. Mit Gründung der Fraumünsterabtei in Zürich durch Ludwig den Frommen erhielt Maur um 830 eine neue Grundherrin, was aber bald zu Streitereien führte. Wie im grossen Rotulus festgehalten, wurde in einem Schiedsspruch des Bischofs von Konstanz aus dem Jahr 946 bestätigt, dass Maur, Ebmatingen und Binz ihre Abgaben ans Grossmünster zu leisten hätten.

Das Meieramt Die Fraumünsterabtei setzte daraufhin einen Meier ein, der sich nicht nur um die Verwaltung des Hofs kümmerte, sondern auch die niedere Gerichtsbarkeit ausübte. Ausserdem stand ihm das in der Offnung von 1543 schriftlich verbürgte Recht der ersten Nacht zu, gemäss dem er mit jeder Braut der Gemeinde die Hochzeitsnacht verbringen durfte.Jörg Wettlaufer: Das Herrenrecht der ersten Nacht: Hochzeit, Herrschaft und Heiratszins im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-593-36308-9, S. 251ff. Dieses Recht ist im ganzen deutschsprachigen Raum sonst nur noch in der Offnung für Hirslanden und Stadelhofen belegt. Die Historiker glauben aber nicht, dass der Meier von diesem ius primae noctis wirklich Gebrauch machte. Denn der Bräutigam konnte ihm auch einen Ersatz zahlen, und dies deuten sie weniger als Ersatz für das entgangene Vergnügen, sondern eher als Entschädigung für das Geschirr, Holz und Schweinefleisch, das der Meier und seine Frau an das Hochzeitsfest beizusteuern hatten.

Der Meier von Maur wurde schon bald zu den Bürgern, später zu den Rittern (Adligen) der Stadt Zürich gezählt. Seinen Sitz hatte der Meier auf der Burg Maur, die damals wohl ein einfacher Wohnturm war.

Gerichtsherrschaft Maur mini|Westlicher Teil von Maur, Blick nach Norden Anfang des 14. Jahrhunderts trat an Stelle des klösterlichen Meieramtes die Gerichtsherrschaft Maur innerhalb der Herrschaft Greifensee. Die Vogtei Ebmatingen hingegen lag seit dem Alten Zürichkrieg in der Hand des jeweiligen amtsältesten Bürgermeisters der Stadt Zürich. Der Gerichtsherr leitete auch die Gemeindeversammlung und nahm somit eine führende Rolle ein. Die Gerichtsherrschaft Maur gehörte von 1424 bis 1629/52 der Familie Aeppli und nach mehreren Familien in Zürich von 1749 bis 1775 dem berühmten Kupferstecher David Herrliberger. Letzterem wird nachgesagt, er soll die Herrschaft nur gekauft haben, um sein Ansehen zu heben. Als Gerichtsherr soll er weniger erfolgreich gewesen sein und mit Dorfbewohnern und dem Pfarrer verschiedene Streitigkeiten gehabt haben. 1775 verkaufte er die Gerichtsherrschaft an Heinrich Zollinger, einen Bauern aus Uessikon. Dieser war vor allem an den Ländereien interessiert und verkaufte die gerichtlichen Rechte an die Stadt Zürich. Maur wurde dadurch Teil der Stadtrepublik Zürich. mini|Schloss und Dorf auf einem Druck von David Herrliberger um 1750 Maur hatte zu dieser Zeit eine Taverne, zwei Mühlen am Dorfbach, eine Badestube und ab 1604 eine Metzgerei. Die heutige Kirche stammt aus dem 16. Jahrhundert. Weitere Mühlen entstanden in Uessikon im 16. Jahrhundert und für kurze Zeit in Aesch im 19. Jahrhundert. In der alten Mühle Maur ist heute das Ortsmuseum untergebracht.

Seit 1628 gibt es in Maur eine ständige Schule. Keine zwanzig Jahre später wurde in Aesch eine Schule gegründet, die bis 1660 auch von Ebmatinger Kindern besucht wurde. Uessikon erhielt erst 1772 eine offizielle und dauerhafte Schule. 1729 erhielt Maur ein eigenes Schulhaus, 1781 entstand in Uessikon das zweite Schulgebäude der Gemeinde. 1772 konnten nur rund ein Drittel der Schulbuben richtig lesen – Rechnen wurde nicht gelehrt.

Politische Gemeinde Maur mini|Historisches Luftbild, aufgenommen am 23. Juli 1931 von Walter Mittelholzer 1798 wurde Maur im Rahmen der Helvetischen Republik eine politische Gemeinde. Orts- resp. Zivilgemeinden in den einzelnen Dörfern bestanden aber noch über 100 Jahre lang. Gemeindevorsteher war ein vom Zürcher Rat gewählter Untervogt.

19. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert durchlief die Schweiz tiefgreifende politische und soziale Veränderungen, die auch das Leben in Maur beeinflussten. Nach der Gründung des modernen Bundesstaates 1848 wurde die föderale Struktur weiter ausgebaut, was die Eigenständigkeit der Gemeinden stärkte. In dieser Zeit entwickelten sich auch in Maur lokale Verwaltungsstrukturen, und die Gemeinde übernahm vermehrt Aufgaben in Bildung, Sozialfürsorge und Infrastruktur.

Wirtschaftlich war Maur, wie viele ländliche Gemeinden, von der Landwirtschaft geprägt. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden, die im 19. Jahrhundert einen langsamen Strukturwandel erlebten, wurde Maur nicht von der Industrialisierung erfasst – Handwerk und kleinere Gewerbebetriebe blieben Nebenerscheinungen, aber viele Einwohner erledigten Heimarbeit, insbesondere Seidenweberei. Die Einführung der allgemeinen Schulpflicht und die Entwicklung des öffentlichen Schulwesens führten zu einer verbesserten Bildung der Bevölkerung, was auch in Maur spürbar war. In allen Ortsteilen wurden zur Mitte des Jahrhunderts neue Schulhäuser gebaut respektive Gebäude angekauft.

20. Jahrhundert Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte die Schweiz eine Phase der Modernisierung und des wirtschaftlichen Aufschwungs. Auch in Maur wurden neue Infrastrukturprojekte realisiert, etwa im Bereich des Straßenbaus und der Wasserversorgung (1949 Inbetriebnahme der ersten Druckleitung in der Schweiz durch einen See). Die Gemeinde wuchs langsam, blieb aber weiterhin stark landwirtschaftlich geprägt.

Die Gemeinde lag abseits der wichtigen Landstrassen – lange hatte man sich gegen einen Ausbau der Verkehrswege gesträubt aus Angst vor fremden Heeren, die sich entlang dieser bewegen könnten. Etwas besser sah es am Berg aus: Über die Forch verkehrten ab 1905 Autobusse, die 1912 durch die Forchbahn ersetzt wurden. Beim Bau der Überlandstrassenbahn, die vor allem Milch in die Stadt bringen sollte, beteiligte sich auch die Gemeinde Maur. Nach Maur fuhr noch bis 1925 die Postkutsche, die auf der Strecke über Witikon während 52 Jahren unterwegs gewesen war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschleunigte sich die Entwicklung: Die Bevölkerungszahl nahm zu, neue Wohngebiete entstanden und die Gemeinde wurde zunehmend in die Agglomeration Zürich eingebunden. Die Bedeutung von Gewerbe und kleineren Industriebetrieben blieb weiterhin gering. Die Landwirtschaft verlor zwar an Bedeutung, aber vor allem geprägt durch die Neuzuzüger, die Maur als ruhige, ländlichen Wohnort in Nähe zur Stadt Zürich schätzten. Bereits 1973 waren mehr als drei Viertel der arbeitstätigen Bevölkerung ausserhalb der Gemeinde tätig.

Im Bereich der Bildung und des öffentlichen Lebens setzte sich die Entwicklung des 19. Jahrhunderts fort. Das Schulwesen wurde weiter ausgebaut und modernisiert, die Schulen mussten einer immer grösseren Einwohnerzahl gerecht werden: 1965 nahm das Oberstufenschulhaus Looren auf freiem Feld zwischen den Dörfern den Betrieb auf, Anfang der 1970er Jahre erhielten die Primarschulhäuser in Ebmatingen, Aesch und Maur moderne Bauten. Die starke Zuwanderung führte zu grundlegenden Veränderungen im Charakter des Gemeindelebens.

Wappen Blasonierung Geteilt von Schwarz und einer gefugten, gezinnten silbernen Mauer.

Das Wappen der Gemeinde und des Orts Maur geht auf das Siegel des Meiers aus dem Jahr 1363 zurück. Daneben existieren die Wappen der Ortsteile Aesch, Binz, Ebmatingen und Uessikon.

Bevölkerung Die ganze Gemeinde hat seit dem Jahr 2016 über 10'000 Einwohner ( per ). Im Dorf Maur leben nur 2349 Personen (2025, inkl. Uessikon). Zur Gemeinde mit einer Fläche von 14,8 km² zählen die Ortschaften und ehemaligen Bürgergemeinden Uessikon (weniger als 100 Einwohner), Binz (2215 Einwohner, 2025), Ebmatingen (2834 Einwohner, 2025) und Aesch (3503 Einwohner, 2025) auf der Forch.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1798 1836 1910 1950 1970 1990 2001 2009 201020182021 Einwohner 1623 2133 1421 1577 3943 69799061 9261 951710'20410'813

50,58 % der Bevölkerung sind Frauen (2009), 21,5 % sind Ausländer (2021). Die Zugehörigkeit zu Konfessionen verteilt sich wie folgt: 32 % reformiert, 22 % katholisch und 46 % konfessionslos oder unbekannt (2021).

Politik 2021 waren 6960 Einwohner der Gemeinde stimmberechtigt.

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