Als Kulturpark Eisenstraße wurde die Region im Gebiet der niederösterreichischen Eisenwurzen im südlichen Teil des Mostviertels in den Jahren von 1996 bis 2014 bezeichnet. Heute präsentiert sich die Kulturregion unter dem Vereinsnamen Eisenstraße Niederösterreich – Verein zur Förderung von Regionalentwicklung, Tourismus und dem Kulturgut Mostviertel-Eisenwurzen. Im Jahr 1990 wurde der Verein unter dem Namen NÖ Eisenstraße zur Wahrung und Weiterentwicklung des montanistischen Erbes, der Förderung des regionalen Tourismus und der Beratungen in Förderungsfragen im Bereich LEADER in Ybbsitz gegründet.
Geographie miniatur|Ötscher mit Purgstall an der Erlauf Die Landschaft der Eisenstraße Niederösterreich ist geprägt von den Flüssen Ybbs (der Kleinen und der Großen Ybbs) und Erlauf (der Kleinen und Großen Erlauf), dem Alpenvorland mit den markanten Bergmassiven Ötscher, Dürrenstein, Hochkar und Voralpe. Die Region erstreckt sich auf 1.443 km2 südlich der Donau von Wieselburg bis zur Steirischen Grenze nach Göstling an der Ybbs und von Sonntagberg im Westen bis nach St. Anton an der Jeßnitz im Osten.
Der Kulturpark Eisenstraße weist drei Landschaftstypen auf: den eher flachen Alpennordrand rund um Wieselburg, die Flyschzone mit deren Rücken und Kuppen zwischen Waidhofen/Ybbs und Scheibbs und die nördlichen Kalkalpen im Süden der Region.
Bevölkerung Zwei wesentliche Merkmale bzw. Trends sind im Bereich der Bevölkerungsentwicklung vorrangig: Dies ist einerseits ein Nord-Süd-Gefälle der Siedlungsdichte, welches sich über die gesamte Region zieht. Des Weiteren ist besonders im dünner besiedelten Süden ein starker Rücklauf der Bevölkerungsentwicklung bemerkbar. Im Norden der Region wird ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum von 0 bis 40 % verzeichnet, im Süden hingegen ein Rückgang von 0 bis 40 % der Bevölkerung. Das regionale Bevölkerungswachstum liegt im Durchschnitt bei 0,39 %.Statistik Austria. Bevölkerungsveränderung. Download vom 6. Juli 2009.
Geschichte Der geschichtliche Teil gliedert sich in die Geschichte der Region und die Geschichte des Vereins Eisenstraße Niederösterreich.
Geschichte der Region mini|hochkant|Schmied aus Ybbsitz (Anfang 20. Jhdt.) Aufgrund einer kontinuierlichen Nutzung des Bergbaues im frühen Mittelalter – die erste Expansionsphase erfolgte im 12. Jahrhundert – war die Eisenstraße um 1550 die wichtigste eisenproduzierende Landschaft Europas.M. S. Falser: Die Österreichische Eisenstraße als UNESCO-Weltkultur- und Naturerbe? Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie. Hrsg. Nationalpark OÖ Kalkalpen Ges.m.b.H., Friedrich VDV, Linz 2008. Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts hatte die Eisenerzeugung europäische Ausmaße angenommen und war zu einer der einträglichsten Einnahmequellen der Landesfürsten geworden. So kam es schließlich 1625 zur Gründung der Innerberger HauptgewerkschaftAnmerkung: Innerberg=Eisenerz, die als frühkapitalistischer Montankonzern 30 bis 40 Prozent der österreichischen Eisenproduktion unter ihrer Kontrolle hatten.E. Zankl: Die Eisenwurzen. Historischer Wirtschaftsraum und zukunftsorientierte Kulturregion. In: W. Huber, H. Thonhofer und E. Zankl: Aus dem Feuer geboren. Geschmiedete Objekte im Kulturpark Eisenstraße. Verein Kulturpark Eisenstraße-Ötscherland, Ybbsitz 2007
In der gesamten Eisenwurzen waren die Eisenverarbeitung, aber auch die Proviantversorgung in ein staatliches Widmungssystem einbezogen und normiert. Im heutigen Kulturpark Eisenstraße waren davon in erster Linie die Flusstäler von Ybbs und Erlauf betroffen. Der Tätigkeitsschwerpunkt in der Eisenverarbeitung lag im Ybbstal beim Zerrennen des minderwertigen Roheisens (Graglach, Hert oder Waschwerk genannt) in den größeren, sogenannten Zerrennhämmern sowie auf der Eisenproduktion in den vielen kleineren HammerwerkenH. Thonhofer: Die Straße der Feuergewerbe. Beispiel Eisenwurzen. NÖ Landesausstellung 2007. Waidhofen/Ybbs und St. Peter/Au. Schallaburg Kulturbetriebs Ges.m.b.H., Schallaburg 2007, während die Dreimärktestraße im Erlauftal (Gresten – Scheibbs – Purgstall) sich auf den Handel mit Lebensmitteln aus dem nördlichen Mostviertel (rund um Wieselburg und Neumarkt an der Ybbs) spezialisiert hatte.
Durch den weitreichenden Handel, vor allem entlang der Donau nach Süddeutschland, Ungarn, in den Balkan aber auch bis nach Asien, kamen Wohlstand, Luxus und Glanz in die Eisenstraße. Noch heute prägen in der gesamten Eisenwurzen reich verzierte Bürgerhäuser, imposante Hammerherrenhäuser der sogenannten Schwarzen Grafen, noch bestehende Schmieden, Säge-, Schleif- und Getreidemühlen, ehemalige Proviantlagerstätten sowie historische Einzelschmiedearbeiten, wie z. B.: Torgitter.
Die napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts bewirkten durch ihre Kontinentalsperre eine Abschottung der Region, die dadurch von technischen Neuerungen und Kontakten zu möglichen Märkten in der Neuen Welt nicht mehr erreicht wurde. An der Eisenwurzen ist die technische Entwicklung somit Großteils vorüber gegangen ohne Spuren zu hinterlassen. Mit der modernen, hoch technisierten industriellen Produktion konnten die klein strukturierten Schmiedeproduktionsstätten nicht mehr konkurrieren. Dazu kam die mangelnde Infrastruktur in der Region. Produktionsstätten entlang der Hauptverkehrsverbindungen (Donau) wurden immer mehr bevorzugt und die handwerklichen Betriebe in der Eisenwurzen kamen mit der Zeit zum Erliegen.E. Zankl: Die Eisenwurzen. Historischer Wirtschaftsraum und zukunftsorientierte Kulturregion. In: W. Huber, H. Thonhofer und E. Zankl: Aus dem Feuer geboren. Geschmiedete Objekte im Kulturpark Eisenstraße. Verein Kulturpark Eisenstraße-Ötscherland, Ybbsitz 2007
Durch den Anschluss an die Kaiserin Elisabeth-Bahn mittels der 1877 eröffneten ErlauftalbahnR. Sigl: 100 Jahre Erlauftalbahn Pöchlarn - Kienberg/Gaming 22. Oktober 1877. Festschrift anlässlich des Jubiläums am 10. September 1977. Lahnsteiner, Ybbs 1977 und nach der vollständigen Errichtung der Ybbstalbahn 1898Ybbstalbahn.at, Ybbstalbahn. Download vom 6. Juli 2009. von Waidhofen/Ybbs nach Lunz am See wurde die Region Ende des 19. Jahrhunderts einem neuen Wirtschaftszweig zugänglich gemacht: dem Tourismus. (Hinweis: Die Ybbstalbahn wurde 2010 eingestellt und auf Teilabschnitten als Museumsbahn wie dem Ötscherland-Express geführt.) Bis zum Ersten Weltkrieg florierte die beliebte Sommerfrische und konnte somit die Einkommensausfälle aus dem Niedergang der Kleineisenindustrie zum Großteil kompensieren.Zankl, 2007 In der Zwischenkriegszeit war auch die Eisenwurzen von der hinlänglich hohen Arbeitslosigkeit und enormen Geldentwertung geprägt. Im Zweiten Weltkrieg erlebte die Region mit der Produktion von Gebrauchsgegenständen in den kleineren, eisenverarbeitenden Betriebsstätten einen kurzfristigen Aufschwung. Langfristig brachte aber erst der Wirtschaftsaufschwung in der Nachkriegszeit wieder Stabilität und Aufschwung in die Region Kulturpark Eisenstraße.
Geschichte des Vereins mini|Die Dreiklangskulptur steht für den Zusammenschluss der Österreichischen Eisenstraße. 1990 gründete eine Gruppe von Idealisten und historisch interessierten Persönlichkeiten den Verein „NÖ Eisenstraße – Interessensgemeinschaft zur Förderung montanhistorischen Kulturgutes“ mit der Idee, das vielfältige Kulturgut in der Eisenwurzen zu bewahren und auch weiterzuentwickeln. Lehrer-, Schmiede-, Museums- und Wirtetreffen fanden regelmäßig in Mitgliedsgemeinden mit dem Beweggrund zu bewahren, zu revitalisieren, das Wissen zu vernetzen und weiterzugeben, statt.
1996 wurde die Region durch das Land Niederösterreich, als eine von Dreien in ganz Niederösterreich, mit dem Titel Kulturpark auszeichnet. Im gleichen Jahr ermöglichte die Anerkennung zur LEADER II Region, und somit der Zugang zu EU-Fördermittel, eine weitreichende Finanzierung der vielen, geplanten Revitalisierungsprojekte und die Errichtung von Themenwegen in der Region. Durch den Zusammenschluss des Vereins Niederösterreichische Eisenstraße mit dem Tourismusverband Ötscherland im Jahr 2000 wurde der Verein nicht nur zum größten Gesellschafter in der Mostviertel Tourismus GmbH, welche sich um die touristische Vermarktung des gesamten Mostviertels bemüht, sondern änderte auch den Vereinsnamen auf Kulturpark Eisenstraße-Ötscherland – Verband zur Förderung von Tourismus und dem Kulturgut Mostviertel-Eisenwurzen.
Im Beisein aller drei Landeshauptleute wurde schließlich 2001 die ARGE Österreichische Eisenstraße gemeinsam mit den Partnern Oberösterreichische Eisenstraße und Steirische Eisenstraße, mit dem Ziel den Erhalt des montanhistorischen Erbes auch in Zukunft gewährleisten zu können, Freunde der Mariazellerbahn. Download vom 6. Juli 2009., gegründet. Die Österreichische Eisenstraße setzt Jahr für Jahr Initiativen, wie dem gegenseitigen Kulturaustausch bei Treffen und Festen, die gemeinsame Wanderung auf die Voralpe zur Dreiklangskulptur im Dreiländereck Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und einen monatlichen Newsletter mit schwerpunktmäßigen Inhalten zu Projekten, Festen, Persönlichkeiten und Büchertipps in der gesamten Region Eisenwurzen.
Nach erfolgreicher LEADER II Periode, setzte der Verein auch von 2000 bis 2006 bei LEADER + weitere Regionalförderungsprojekte in den Bereichen Landwirtschaft und Gewerbe, Regionales Wissen, Metallgestaltung, Freizeitwirtschaft und Naturpark um. Auch für die aktuelle Förderperiode LEADER 07–13Leader-Projekte im Mostviertel aufgerufen am 4. Juni 2019. konnte sich der Kulturpark Eisenstraße-Ötscherland erfolgreich als LEADER-Managementstelle der Region bewerben. Durch die Aufarbeitung einer umfassenden „Ländlichen Entwicklungsstrategie“ wurden die Weichen für eine langfristige, zielführende Regionalentwicklung gelegt. Vor allem in den fünf Schwerpunktthemen kulinarische Genussregion, spürbare Tourismusregion, energieautarke Region, lehrende und lernende Region sowie Region mit Geschichte und Zukunft unterstützt der Verein Interessierte in der Umsetzung von Regionalentwicklungsprojekten.
Um die touristische Vermarktung effizienter zu gestalten, wurde 2005 das operative Marketing an die Mostviertel Tourismus GmbH übergeben. Seit diesem Zeitpunkt bewirbt diese neben den weiteren Subregionen Moststraße, Pielachtal und Traisental die Eisenstraße Niederösterreich auf regionaler aber vor allem auf nationaler und internationaler Ebene.
Mit der Vollversammlung des Vereins wurde im Jahr 2014 eine neuerliche Namensänderung beschlossen. Seither lautet der vollständige Vereinsname „Eisenstraße Niederösterreich – Verein zur Förderung von Regionalentwicklung, Tourismus und dem Kulturgut Mostviertel-Eisenwurzen“ (ZVR-Zahl 492441086).
Der Verein Eisenstraße Niederösterreich hat seit seiner Gründung viele Projekte betreut. Als DAS Vorzeigeprojekt der Region kann das Oral History Projekt Dokumentation Eisenstraße (als Schatzsuche Eisenstraße werbewirksam betitelt) genannt werden. 2004 wurde dem Verein hierfür die besondere Anerkennung, der Meilenstein – Dr. Erwin Pröll-Zukunftspreis, verliehen. Ein Jahr später folgte dann vom Land Niederösterreich der Wissenschafts-Anerkennungspreis für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Zeitgeschichte. 2008 erreichte der Kulturpark Eisenstraße schließlich zum Thema Tourismus und immaterielles Kulturerbe österreichweit den hervorragenden zweiten Platz beim European Destinations of Excellence (EDEN) – ein Tourismus-Award der Europäischen Union.