Gernot Patzelt (* 18. Mai 1939) ist ein österreichischer Geograph, Hochgebirgsforscher und Polarforscher.

Leben Patzelt wurde am 29. April 1968 mit der Arbeit Die Gletscher der Venedigergruppe bei Hans Kinzl an der Universität Innsbruck promoviertKurt Nicolussi, Kurt Scharr: Ein Leben im Gebirge – Univ.-Prof. i.R. Dr. Gernot Patzelt zum 80. Geburtstag. In: Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft. 162. Jg., S. 545–549 (PDF) und arbeitete in der Folgezeit als Assistent am dortigen Institut für Meteorologie und Geophysik sowie am Geographischen Institut. Er habilitierte sich 1979 und war von 1980 bis 1999 Leiter des Forschungsinstitutes für Hochgebirgsforschung und gleichzeitig Leiter der Alpinen Forschungsstelle Obergurgl in Tirol. Zwischen 1994 und 1996 war er Vorstand des Instituts für Geographie und seit 1999 Vorstand des Instituts für Hochgebirgsforschung und alpenländische Land- und Forstwirtschaft. Von seiner Ernennung zum Professor im Jahre 1992 bis zu seiner Pensionierung 2004 vertrat er das Fach Hochgebirgsforschung an der Universität Innsbruck.

Forschungsarbeiten Patzelt forscht zur Klimageschichte und Landschaftsentwicklung, vor allem im alpinen Raum. Von 1981 bis 2009 leitete er den Gletschermeßdienst des Österreichischen Alpenvereins.

Gernot Patzelt war auch an den Forschungen zum „Ötzi“-Fund beteiligt. Am 25. September 1991 war er, kurz nach der Entdeckung der Gletschermumie, bei der Auffindung und Bergung von dessen Köcher mit 12 Pfeilen dabei.Andreas Lippert: Entdeckung und Bergung des Gletschermannes. In: Alfred Payrleitner (Hrsg.): Der Zeuge aus dem Gletscher. Ueberreuter, Wien 1992, S. 32. In der Folgezeit untersuchte er die klimatischen Bedingungen, die zu der außergewöhnlich guten Erhaltung der Mumie beitrugen.Brenda Fowler: Iceman: Uncovering the Life and Times of a Prehistoric Man Found in an Alpine Glacier. Univ. Chicago Press, 2000, S. 130.

Äußerungen zum Klimawandel Im Jahr 2007 räumte Patzelt zwar einen anthropogenen Einfluss auf die globale Erwärmung ein, warnte aber vor „voreiligen Schlüssen“: „Was bislang geschah, ist erstaunlich undramatisch – die Katastrophe findet bisher ausschließlich im Computer statt.“. Seine Untersuchungen an Eiskernen und Seeablagerungen in Hochtälern würden darauf hindeuten, dass Warmphasen wie derzeit in den letzten 12000 Jahren nichts Außergewöhnliches gewesen seien. Seine Schrift Die nacheiszeitliche Klimaentwicklung in den Alpen im Vergleich zur Temperaturentwicklung der Gegenwart erschien 2014 in der Schriftenreihe des Europäischen Instituts für Klima und Energie, eines Klimawandelleugner-Vereins. Nach 2010 war Patzelt mehrere Jahre Beiratsmitglied des E.I.K.E.

Antarktisexpeditionen Patzelt nahm an fünf Antarktisexpeditionen ins westliche Dronning Maud Land teil, von denen er drei leitete. Er erforschte unter anderem die glaziologischen Verhältnisse in der Umgebung der EPICA-Bohrlokation und suchte in der Heimefrontfjella nach Spuren der permokarbonen Vereisung vor etwa 300 Millionen Jahren. Darüber hinaus arbeitete er von 1983 bis 2002 mit dem Alfred-Wegener-Institut zusammen und bildete die Überwinterer der deutschen Georg-von-Neumayer-Station aus.Skript zum AWI-Bergkurs, S. 4–5, abgerufen am 6. Juli 2009

Ein Nunatak in der Heimefrontfjella wurde im Jahre 2010 Patzeltsporn benannt.

Mitgliedschaft in wissenschaftlichen Organisationen seit 1993 korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien seit 1997 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle (Saale) Ehemaliges Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für vergleichende Hochgebirgsforschung

Schriften Die spätglazialen Stadien und postglazialen Schwankungen von Ostalpengletschern. In: Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft. Band 85, 1972, S. 47–57. Die neuzeitlichen Gletscherschwankungen in der Venedigergruppe, 1973 mit Sigmar Bortenschlager: Die postglazialen Gletscher- und Klimaschwankungen in der Venedigergruppe, 1973 Unterinntal-Zillertal Pinzgau, Kitzbühel. Spät- und postglaziale Landschaftsentwicklung, 1975 Der zeitliche Ablauf und das Ausmaß postglazialer Klimaschwankungen in den Alpen, 1977 mit Günther Groß und Hanns Kerschner: Methodische Untersuchungen über die Schneegrenze in alpinen Gletschergebieten. In: Zeitschrift für Gletscherkunde und Glazialgeologie. Band XII, Heft 2, 1978, S. 223–251 (researchgate.net). Neue Ergebnisse der Spät- und Postglazialforschung in Tirol, In: Jahresbericht der Österreichischen Geographischen Gesellschaft, Zweig Innsbruck. 1980, S. 11–18. The Austrian glacier inventory: status and first results. IAHS-AISH publication. Nr. 126, 1980 mit Wilfried Haeberli: Permafrostkartierung im Gebiet der Hochebenkar-Blockgletscher, Obergurgl Ötztaler Alpen. In: Zeitschrift für Gletscherkunde und Glazialgeologie. Band 18, 1982, S. 127–150 (awi.de [PDF]) The period of glacier advances in the Alps, 1965 to 1980, 1985 Modellstudie Ötztal – Landschaftsgeschichte im Hochgebirgsraum. In: Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft. Jahrgang 138, Wien 1996, S. 53–70 (geologie.ac.at [PDF]) mit Kurt Nicolussi: Untersuchungen zur holozänen Gletscherentwicklung von Pasterze und Gepatschferner, 2001 (, pdf) Die Bergstürze vom Pletzachkogel, Kramsach, Tirol. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. Jahrgang 152, 2012, S. 25–38 (). Die Bergstürze vom Tschirgant und von Haiming, Oberinntal, Tirol. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. Jahrgang 152, 2012, S. 13–24 (geologie.ac.at [PDF]) Datierung von Feuerstellen in Prähistorischen Hirtenhütten im Waldgrenzbereich ostalpiner Gebirgsgruppen, 2013 Bergstürze im 2. Jahrtausend v. Chr. im Ostalpenraum, 2013 Das Vorfeld des Vernagtferners und seine Umgebung. In: Zeitschrift für Gletscherkunde und Glazialgeologie. Band 45/46, 2013, S. 25–39 (vernagtferner.de [PDF]) Die nacheiszeitliche Klimaentwicklung in den Alpen im Vergleich zur Temperaturentwicklung der Gegenwart. Europäisches Institut für Klima und Energie, 2014 Das Mammutzahn-Bruchstück von Fritzens (Inntal, Tirol) und seine Stellung in der Chronologie des ostalpinen Spätpleistozäns. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. Jahrgang 154, 2014, S. 71–82 (geologie.ac.at [PDF]) Holozäne Gletscher- und Waldgrenzentwicklung im Bereich des Schlatenkeeses, Venedigergruppe, Osttirol (Österreich), 2015 mit Alexandra Weber: Die nacheiszeitliche Entwicklung des Schwemmfächers von Kundl und des Talraumes im Inntal (Tirol). In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. Jahrgang 155, 2015, S. 11–31 (geologie.ac.at [PDF]) Das Bunte Moor in der Oberfernau (Stubaier Alpen, Tirol) – Eine neu bearbeitete Schlüsselstelle für die Kenntnis der nacheiszeitlichen Gletscherschwankungen der Ostalpen. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. Jahrgang 156, 2016, S. 97–107 (geologie.ac.at [PDF]) Die Längenmessungen des Alpenvereins an Ostalpengletschern, 2018 Gletscher – Klimazeugen von der Eiszeit bis zur Gegenwart, 2019, ISBN 978-3-7757-4535-2

Weblinks Literatur von Gernot Patzelt in der ÖNB (mit Publikationsverzeichnis)

Univ.-Prof. i.R. Dr. Gernot Patzelt zum 80. Geburtstag (PDF, abgerufen am 29. Dezember 2024)

Einzelnachweise

Kategorie:Geograph (20. Jahrhundert) Kategorie:Geograph (21. Jahrhundert) Kategorie:Glaziologe Kategorie:Polarforscher (Antarktis) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Innsbruck) Kategorie:Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1939 Kategorie:Mann