mini|Weser bei Nienburg; im Hintergrund die St.-Martins-Kirche mini|Bürgermeister Jan Wendorf bei der Präsentation des Sonderpostwertzeichens „1000 Jahre Nienburg an der Weser“Bundesministerium der Finanzen: Sonderpostwertzeichen „1000 Jahre Nienburg an der Weser“, abgerufen am 29. Mai 2025 Nienburg/Weser (plattdeutsch Näinborg, Nienborg, Neenborg oder Negenborg) ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises in Niedersachsen und eine selbständige Gemeinde.
Geografie Geografische Lage Die Stadt Nienburg liegt an der Weser in der Norddeutschen Tiefebene in der Mittelweserregion. Die Landschaft ist geprägt durch das Weserurstromtal und die angrenzenden Geest- und Moorbereiche. Die Höhe beträgt . Bei Nienburg mündet die Große Aue in die Mittelweser. Sie entwässert das Gebiet des westlichen Kreises Minden-Lübbecke bis westlich der Stadt Nienburg vom Wiehengebirge her.LWL Naturraum Weser, abgerufen am 25. Mai 2021
Südlich von Nienburg/Weser erstrecken sich mit bis zu als nächster Höhenzug die Rehburger Berge.
Nördlich der Stadt Nienburg/Weser liegt im Landkreis Nienburg der geographische Mittelpunkt des Landes Niedersachsen.Weserradweg: 5. Etappe von Nienburg nach Verden, abgerufen am 25. Mai 2021 Die nächsten Oberzentren sind Hannover, 51 km südöstlich und Bremen 64 km nördlich.
Nördlich liegt die Metropolregion Nordwest, Nienburg gehört mit dem Kreis Nienburg zur Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg.
Stadtgliederung mini|Nienburg aus der Luft gesehen Nach der Hauptsatzung der Stadt Nienburg/Weser bilden die Stadtteile Erichshagen-Wölpe Holtorf Langendamm Schäferhof/Kattriede jeweils eine Ortschaft.Lesefassung der Hauptsatzung der Stadt Nienburg § 8 § 8 Ortschaften
Innerhalb der Kernstadt Nienburg gibt es verschiedene Quartiere, deren Bezeichnungen auch in offiziellen Dokumenten verwendet werden: Nordertor Leintor Lehmwandlung Alpheide
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden der Stadt Nienburg/Weser sind im Uhrzeigersinn:
Klima Nienburg/Weser liegt im Übergangsbereich vom überwiegend vorherrschenden maritimen Klima sowie dem schwächer und in dieser Gegend nur temporär ausgeprägten Kontinentalklima. Daher sind die Temperaturen und Niederschläge im Jahresverlauf relativ ausgeglichen. Die Sommer sind im Vergleich zum hochkontinentalen Klima eher kühl, die Winter eher warm.
mini|Älteste Kartendarstellung der mittelalterlichen Stadtbefestigung Nienburg, 1627 Geschichte mini|Schloss Nienburg, 1634 mini|Ausfall des wähligen Rott 1625 im Dreißigjährigen Krieg als Darstellung an einem Gebäude in Nienburg mini|Plan der zur Landesfestung ausgebauten Stadt Nienburg um 1736 Nienburg wird erstmals 1025 in einer Urkunde des Bistums Minden erwähnt. Der Ortsname Nienburg leitet sich von der Bezeichnung Nyge Borg, was „neue Burg“ bedeutet. Daraus bildete sich im Laufe der Zeit der Name Nienburg. Der Name neue Burg lässt auf das frühere Vorhandensein einer alten Burg schließen oder damit war eine ältere, benachbarte Burg (zum Beispiel Burg Wölpe oder Drakenburg) gemeint.
Im Mittelalter entstand die Stadtbefestigung Nienburg mit Wällen, Gräben und Palisaden, von der sich keine sichtbaren Reste erhalten haben. 1215 kam Nienburg an die Grafen von Hoya und erhielt 1225 Stadtrechte. Nach Teilung der Grafschaft Hoya im Jahre 1345 wurde Nienburg Residenz, bis Graf Otto VIII. von Hoya 1582 ohne Nachkommen starb. Nienburg gelangte in den Besitz der Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg, die die Grafschaft unter sich aufteilten und Nienburg mit dem am Ortsrand liegenden Schloss Nienburg zu einer Bastionärsfestung ausbauten.
Während der Herrschaft der Grafen von Hoya in Nienburg wurden für die Burgbewohner und -gäste große Mengen von Lebensmitteln benötigt. Zur Erzeugung dieser Lebensmittel wurde vor dem Mühlentor der Burg im Weserbogen ein landwirtschaftlicher Betrieb eingerichtet und unterhalten. So entstand das „Vorwerk Schäferhof“. Nach dem Aussterben der Grafen von Hoya im Jahr 1582 verpachteten die neuen Landesherren die Hof- und Gebäudeflächen. So entstand eine Domäne.
Im Dreißigjährigen Krieg war Nienburg oft von Kriegshandlungen betroffen. 1623 versammelte Herzog Georg von Calenberg Truppen in Nienburg. 1625 wurde das vom dänischen Kommandanten Limbach gehaltene Nienburg von Tilly vergeblich belagert. Während dieser Belagerung erbeuteten Nienburger Bürger bei einem nächtlichen Ausbruch eine Fahne Tillys. Diese Gruppe nannte sich „Dat Wählige Rott“ und ist heute noch als Tradition auf dem Nienburger Scheibenschießen lebendig. In den Folgejahren hatte Nienburg stark unter weiteren Besatzungen, Zerstörungen, Kriegsauflagen, Einquartierungen und der Pest zu leiden. 1627 wurde Nienburg von kaiserlichen Truppen in Besitz genommen. Tilly hielt sich nun mehrmals in Nienburg auf, und auch Pappenheim war oft hier. 1635 konnte Herzog Georg Nienburg wieder in seinen Besitz bringen. Nach dem Prager Frieden besetzten schwedische Truppen die Stadt. Trotz des Westfälischen Friedens blieben sie bis 1650. Es dauerte mehrere Jahre, bis Festungsanlagen, Stadttore und Bürgerhäuser wieder errichtet werden konnten.
In den Jahren 1715 bis 1723 wurde die erste steinerne Brücke über die Weser errichtet. Sie war ein königliches Geschenk von Georg III., Kurfürst von Hannover, der im Jahre 1714 als George I. den Thron von Großbritannien bestieg. Erster Baumeister der Brücke war Johann Michael Führer, der die Brücke bis 1718 soweit herstellte, dass sie mit leichten Fuhrwerken befahren werden konnte. Sie wurde im Jahre 1903 abgerissen, um den gewachsenen Schiffsverkehr auf der Weser nicht zu beeinträchtigen.
Während des Siebenjährigen Kriegs wurde Nienburg 1757 von französischen Truppen besetzt. Wieder hatte die Stadt unter Einquartierungen und Kontributionen zu leiden. 1758 wurden die Franzosen von Herzog Ferdinand vertrieben.
Während der Napoleonischen Kriege wurde Nienburg 1803 erneut von französischen Truppen besetzt. Die Bevölkerung litt an den Folgen der erneuten Besatzung und den Einquartierungen. Nienburg gehörte von 1810 bis 1813 als Kommune Nienburg des Arrondissements Nienburg im Département des Bouches-du-Weser zum Französischen Kaiserreich. In dieser Zeit wurden die Festungswälle beseitigt. Nach Napoleon Bonapartes missglücktem Russlandfeldzug 1812 flohen die französischen Truppen im Jahr darauf aus der Stadt und sprengten bei ihrem Abzug in der Nacht vom 14./15. Oktober 1813 den mittleren Bogen der steinernen Weserbrücke. Sie wurde am 22. April 1814 mit einem behelfsmäßigen Hängewerk wieder eröffnet.
Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Wunstorf–Bremen wurde Nienburg 1847 an das Netz der Königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen angeschlossen. Dies löste Industrieansiedlungen aus. Es entstanden die Chemische Fabrik Nienburg, die später in der Kali Chemie aufging, die Düngemittelfabriken von Klamroth und Hoyermann und die Ratjensche Leimfabrik. Der in unmittelbarer Nähe vorhandene Glassand führte 1873 zur Gründung der Heyeschen Glashütte. Zwanzig Jahre später entstand die Glashütte von Himly und Holscher (Himly, Holscher & Co.)Hermann Tickert: Der Landkreis Nienburg (Weser). Walter Dorn, Bremen-Horn 1959, S. 203.150 Jahre Industriestadt Nienburg
Obwohl Anfang 1933 die SPD zunächst noch die stärkste Partei in der Stadt war, griff auch hier die Gleichschaltung schnell.Nienburg im Dritten Reich
1936 wurde am Stadtrand von Nienburg eine neue Kaserne, die „Mudra-Kaserne“, errichtet, benannt nach dem preußischen General der Infanterie Bruno von Mudra. In diese zog das Pionierbataillon 22 ein, das der 22. Infanterie-Division unterstellt war. Als diese Einheit zu Beginn des Zweiten Weltkriegs an die Kriegsfront verlegt wurde, brachte man hier etwa 1000 gefangen genommene Offiziere der polnischen Streitkräfte unter. Das waren die Anfänge des späteren Kriegsgefangenenlagers Stammlager „Stalag X C“ und des Offizierslagers „Oflag X B“.Geschichte des Stalag X C und Oflag X B bei Relikte.com mini|Luftaufnahme der zerstörten Eisenbahnbrücke (22. März 1945) mini|„Blick auf Nienburg“; Aquarell, Federzeichnung von Ernst Thoms, 1946 Beim Novemberpogrom 1938 wurden jüdische Geschäfte und Wohnungen von SA-Angehörigen unter Führung des SA-Standartenführers Paul Remane demoliert und durchsucht. Die Synagoge wurde wegen der umliegenden Fachwerkhäuser nicht in Brand gesteckt, sondern abgerissen. Vorher wurde die Inneneinrichtung und die Kultgeräte auf Leichenwagen des Friedhofs auf den Schlossplatz gefahren und öffentlich verbrannt. Auch der jüdische Friedhof in der Bruchstraße wurde geschändet, die jüdische Schule blieb von Ausschreitungen verschont. Alle 18 verbliebenen jüdischen Einwohner wurden Ende März 1942 in Ghettos und Lager im besetzten Osteuropa deportiert; vor ihrer Deportation waren sie im sogenannten „Judenhaus“ in der Hannoverschen Straße 109/Ecke Exerzierplatz untergebracht. Seit 1998 erinnert eine Bronzetafel am Rathaus-Platz an die ehemalige jüdische Gemeinde.
Am 9. April 1945 marschierten britische Truppen in Nienburg ein. In Folge von Flucht und Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten wurden in der Nachkriegszeit im Stadtgebiet verschiedene Flüchtlingslager errichtet, wo zum Beispiel Heimatvertriebene aus Schlesien unterkamen. Solche Lager befanden sich unter anderem in Langendamm und in der Ziegelkampstraße (das Camp ChurchillHeinz-Dieter Hische: Endlich raus aus der Baracke in kreiszeitung.de, 17. April 2014).
Als 1962 die Pachtzeit für die Domäne auslief, wurde nach einem Grundsatzbeschluss der Landesregierung, alle Domänen aufzulösen, auch die Domäne Schäferhof nicht wieder verpachtet.Stadt Nienburg/Weser: Schäferhof-Kattriede
Eingemeindungen Im Rahmen der niedersächsischen Gebietsreform wurden am 1. März 1974 die Nachbargemeinden Erichshagen (Flecken), Holtorf und Langendamm sowie Teile der aufgelösten Gemeinde Leeseringen (Schäferhof/Kattriede) eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Jahr 1961 1970 1987 1992 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 Einwohner 30.111 31.280 29.427 31.444 32.837 32.789 32.659 32.611 32.454 32.462 32.543 32.691 32.803 Jahr 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2017 2018 2019 Einwohner 32.764 32.384 32.205 32.152 31.924 31.862 31.719 30.677 30.691 31.193 31.602 31.550 31.448(1961 am 6. Juni, 1970 am 27. Mai, jeweils mit den später eingemeindeten Orten, ab 1987 jeweils zum 31. DezemberLSKN-Online)
mini|hochkant|St.-Martin-Kirche
Religion Nienburg war von 1976 bis 2007 Sitz der Landessuperintendentur des ehemaligen Sprengels Calenberg-Hoya der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Heute ist Nienburg Sitz eines evangelisch-lutherischen Kirchenkreises. In Nienburg gehören dazu die historische Kirche St. Martin in der Stadtmitte, die Kirche St. Michael von 1957 an der Martinsheidestraße und die Kreuzkirche von 1964 an der Steigerthalstraße. mini|St.-Bernward-Kirche Die katholische Kirche St. Bernward, benannt nach Bernward von Hildesheim, befindet sich an der Stettiner Straße. Sie wurde von Josef Fehlig erbaut, 1957 geweiht und 1980 um einen freistehenden Glockenturm ergänzt. Zuvor bestand bereits unter dem gleichen Patrozinium eine 1862 geweihte kleine katholische Kirche in Nienburg. Die Pfarrgemeinde St. Bernward gehört zum Dekanat Hannover im Bistum Hildesheim, zu ihr gehörte von 2006 bis 2015 auch die Kirche Hl. Familie in Rodewald.
Durch Flüchtlinge entstand 1946 die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Nienburg (Baptisten), zunächst mit einem sehr weiten Einzugsbereich und unterschiedlichen Gottesdienstorten. In Nienburg war dieses zunächst im Diakonissenhaus am Stahnwall. 1959 wurde am Grefengrund eine Scheune erworben und zum Gemeindehaus umgebaut. 2011 wird die Mitgliederzahl der Gemeinde mit 130 angegeben.efg-nienburg.de abgelesen am 23. Mai 2011.