Die Schlacht von Salamis war eine auf und vor der Insel Zypern ausgetragene militärische Auseinandersetzung im Jahr 306 v. Chr. Die Kämpfe konzentrierten sich um die zypriotische Stadt Salamis. Und da sie sowohl zu Land als auch zu Wasser ausgetragen wurden, wird diese Auseinandersetzung häufig auch als „Doppelschlacht“ bezeichnet.

Als ein militärischer Höhepunkt des vierten Diadochenkrieges gehört sie zu den wichtigsten Ereignissen des Zeitalters der Diadochen, das auf den Tod Alexanders des Großen im Jahr 323 v. Chr. gefolgt war. Der Sieg des Demetrios Poliorketes über Ptolemaios (I.) von Ägypten veranlasste seinen Vater Antigonos Monophthalmos zur Annahme des Königtitels als allein rechtmäßigem Nachfolger Alexanders in dem von diesem eroberten Weltreich.

Diese Schlacht ist nicht zu verwechseln mit der ebenfalls bedeutenden Schlacht von Salamis im Jahr 480 v. Chr. zwischen Griechen und Persern während der Perserkriege.

Quellen Die beiden Hauptquellen zur Seeschlacht von Salamis stellen der Bericht des sizilisch-griechischen Historikers Diodor im zwanzigsten Buch seiner Universalgeschichte (Bibliothéke historiké) und die Darstellung des griechischen Biographen Plutarch in seiner Vita des Demetrios Poliorketes dar.Diodor, Bibliothéke historiké 20, 46–53; Plutarch, Demetrios 15–16.

Hintergrund Seit dem Tod Alexanders im Jahr 323 v. Chr. befanden sich dessen Generäle, „Nachfolger“ (Diadochen) genannt, in einem unablässigen Bürgerkrieg um die Vorherrschaft in dessen Weltreich. Die makedonische Königsdynastie war in sich zerstritten, die Könige Philipp III. Arrhidaios und Alexander IV. Aigos galten als geistesschwach oder waren unmündig und deshalb regierungsunfähig. In diesen von mannigfaltigen Koalitionen geprägten Kriegen, die nur von kurzen Friedensphasen unterbrochen wurden, stritten in ihrer Frühphase die Anhänger eines auf Einheit und Erhalt bedachten Alexanderreichs gegen die Vertreter partikularistischer Interessen, die das Reich zu ihren Gunsten aufzuteilen beabsichtigten.

Bis zum Jahr 306 v. Chr. war das alte makedonische Königshaus ausgerottet und das Reich faktisch in mehrere Interessensphären der Diadochen zerfallen. Die wichtigsten waren das Makedonien des Kassander, das Ägypten des Ptolemaios, Thrakien unter Lysimachos und Mesopotamien unter Seleukos. Der letzte zu nennende Kriegsherr war Antigonos Monophthalmos, der seit dem Ende des dritten Diadochenkriegs 311 v. Chr. die Regionen Kleinasien, Syrien und Palästina beherrschte. Unter den Diadochen ragte Antigonos deshalb heraus, weil er der einzig verbliebene war, der einen Erhalt des Reichs Alexanders unter seiner eigenen Königsherrschaft anstrebte.

Um das Jahr 309 v. Chr. flammten die Konflikte zwischen den Diadochen zum vierten Diadochenkrieg wieder auf, der in den Konstellationen des dritten geführt wurde. Das heißt, Antigonos kämpfte gegen alle anderen gegen ihn verbündeten Diadochen. Dazu entsandte er 307 v. Chr. seinen Sohn Demetrios Poliorketes mit einer großen Flottenmacht nach Griechenland, der dort fast alle hellenischen Poleis unter seine Herrschaft bringen konnte, einschließlich Athen. Weil Demetrios von Griechenland aus Druck auf den in Makedonien herrschenden Kassander ausüben konnte, wurde dieser einstweilen für Antigonos neutralisiert. Letzterer beabsichtigte nun, sich gegen den in Ägypten herrschenden Ptolemaios zu wenden, ihn zu vernichten und damit das reiche Nilland dem antigonidischen Herrschaftsraum einzuverleiben. Immerhin hatte einst Alexander dieses Land für sein Weltreich erobert, dessen Thron Antigonos anstrebte, und der Statthalter Ptolemaios hatte sich von Anfang an als Störer der Reichseinheit erwiesen.

Ptolemaios hatte in den Jahren seit Alexanders Tod eine stabile Herrschaft in Ägypten errichtet und sich mittels einer hochgerüsteten Flotte und der Eroberung Zyperns 313 v. Chr. eine starke Machtstellung auf See gesichert, mit der er seinen Einfluss auf die Küste Kleinasiens und bis in die Ägäis geltend machen konnte. Um diesen Feind endgültig zu besiegen, befahl Antigonos im Frühjahr 306 v. Chr. seinem Sohn, mit seiner Flotte gegen Zypern zu segeln.Diodor, Bibliothéke historiké 20, 46, 5.

Verlauf Demetrios – von Athen nach Zypern mini|Demetrios Poliorketes. Die Hörner auf seinem Kopf symbolisieren seine Nähe zu dem Meeresgott Poseidon.

Demetrios kam dem Befehl seines Vaters umgehend nach und ging mit seiner Flotte von Piräus aus in See. Mit der Zwischenstation Karien steuerte er die Insel Rhodos an, deren Bewohner samt deren Flotte er nicht zu einer Teilnahme am Krieg bewegen konnte. Die Rhodier hatten die ganze Zeit der Diadochenkriege über eine neutrale Haltung unter den Konfliktparteien eingenommen und vor allem damit ihre Stellung als eine unabhängige Handelsmacht aufbauen können. Ihre Verweigerungshaltung gegenüber Demetrios aber brachte ihnen die Feindschaft des Antigonos ein, der sich der Insel später eingehend zu widmen beabsichtigte.Diodor, Bibliothéke historiké 20, 46, 6.

Von Rhodos segelte Demetrios nach Kilikien weiter, wo er zusätzliche Schiffe und Krieger aufnahm. Seine Streitmacht umfasste nun 25.000 Infanteristen, 400 Kavalleristen und Kriegsgerät aller Art auf mehr als 110 schnellen Triremen (Dreiruderer), 53 schweren Transportschiffen sowie einer hohen Anzahl weiterer kleinerer Frachtschiffe.Diodor, Bibliothéke historiké 20, 47, 1. Die größten Kriegsschiffe, über die er verfügte, waren Siebenruderer. Mit dieser Flotte nahm er nun direkten Kurs auf Zypern.

Die Feldschlacht Demetrios ließ seine Flotte direkt an der Spitze der Halbinsel Karpas in der Nähe des Ortes Karpasia anlegen, im Nordosten Zyperns. Hier ließ er seine Truppen an Land gehen und die Landestelle mit einem befestigten Lager absichern, bestehend aus einem Palisadenwall und einem tiefen Graben. Kaum war dies getan, nahm er die nahen Ortschaften Karpasia und Uriana im Sturm. Sie und das Lager sicherte er mit einer adäquaten Mannschaft, um mit seiner Hauptstreitmacht weiter nach Salamis zu marschieren.Diodor, Bibliothéke historiké 20, 47, 2. Diese Stadt war die größte an der Ostküste Zyperns und das Hauptquartier des ptolemäischen strategos der Insel, Menelaos, der ein Bruder des Ptolemaios selbst war.

Menelaos war die Landung des Feindes auf der Insel nicht entgangen, dennoch hatte er zunächst mit seinen Truppen den weiteren Gang der Dinge in Salamis abgewartet. Erst als Demetrios bis auf eine Distanz von vierzig Stadien an die Stadt herangerückt war, verließ er mit 12.000 Infanteristen und 800 Kavalleristen die Stadtmauern, um sich zur Feldschlacht zu stellen. Die Schlacht verlief so schnell wie eindeutig. Demetrios schlug die Truppen des Menelaos nach kurzem Kampf in die Flucht, tötete um die 1.000 von ihnen und nahm etwas mehr als 3.000 gefangen.Diodor, Bibliothéke historiké 20, 47, 3. Menelaos verschanzte sich nun mit seinen restlichen Männern in Salamis, ließ die Stadtmauern mit Soldaten sowie Geschossen bewehren und suchte auch durch weitere Verteidigungsmaßnahmen der sich anbahnenden Belagerung standzuhalten.

Da die gefangengenommenen Soldaten nicht unter ihm dienen wollten, sondern – allerdings vergeblich – zu ihrem alten Herrn zurückzufliehen suchten, und auch weil er keine Kräfte zu ihrer Versorgung abstellen wollte, ließ Demetrios sie stattdessen nach Syrien transportieren, damit sie von seinem Vater beim Bau der am Fluss Orontes neuanzulegenden Stadt Antigoneia eingesetzt werden konnten.Diodor, Bibliothéke historiké 20, 47, 5; Plutarch, Demetrius 15, 1f.; dazu W. Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit 332–30 v. Chr. München 2001, S. 182.

Die Belagerung von Salamis mini|hochkant=1.5|Das antike Zypern und seine Stadtkönigreiche.

Nun konnte Demetrios die Belagerung von Salamis angehen und riegelte die Landseite der Stadt mit seinen Truppen vollständig ab. Allerdings unterließ er dabei gleichzeitig die Durchführung dieser Maßnahme von der Seeseite durch seine Flotte ausführen zu lassen, was Menelaos die Möglichkeit einräumte eine Nachricht zu seinem Bruder nach Ägypten zu schicken, mit der Bitte um dringende Unterstützung.Diodor, Bibliothéke historiké 20, 47, 8. Ob dies dem Leichtsinn des Demetrios geschuldet war oder seiner Berechnung, Ptolemaios so aus Ägypten heraus zu einem Entscheidungskampf zu locken, kann nur spekulativ bleiben. Jedenfalls konzentrierte er sich zunächst ganz auf die Belagerung von Salamis, wobei er sein bereits im Jahr zuvor in Griechenland zu Tage getretenes Talent für die Städtebelagerung (woher sein Beiname, „der Belagerer“, griech. Πολιορκητής / Poliorketes) zu Geltung bringen konnte.

Bereits auf seinen Schiffen hatte Demetrios Katapulte und Ballisten jeder Art mit sich geführt, die er nun vor die Stadt bringen ließ. Diesen Fuhrpark beabsichtigte er durch den Bau weiterer Maschinen während der Belagerung zu erweitern, wofür er eigens Ingenieure und Spezialisten für Holz- und Metallbau sowie Rohstoffe wie Eisen und Holz aus Asien einführen ließ. Mit ihrer Hilfe erbaute er allerhand neues und vor allem in der griechischen Antike noch nie gesehenes Gerät. Berühmt wurde dabei ein gewaltiger Turm mit einer Seitenlänge von je 45 Ellen (ca. 16 m) und einer Höhe von 90 Ellen (40–42 m), unterteilt in neun Stockwerke. Auf vier Rädern mit einem Durchmesser von neun Ellen konnte diese Helepolis („Stadteinnehmerin“) an die Mauern von Salamis gebracht werden, die in ihren unteren Stockwerken die mit bis zu drei Talenten schwersten Ballisten, in den mittleren die großen Katapulte und ihn ihrem höchsten die leichten Geschütze beherbergte. Für die Bedienung dieser Maschine mussten eigens 200 Mann abgestellt werden. Des Weiteren ließ Demetrios zwei große Rammböcke samt je einer Schutzbehausung bauen.Diodor, Bibliothéke historiké 20, 48, 1–3. Bei späteren Gelegenheiten sollte er noch größere Türme als die Helepolis von Zypern errichten und damit unter anderem, wenn auch unfreiwillig, das Baumaterial für den Koloss von Rhodos liefern.

Mehrere Tage lang ließ Demetrios seine Maschinen gegen die Mauern von Salamis führen, stieß dabei auf erbitterten Widerstand, konnte aber schließlich eine Bresche in die Stadtmauer schießen. Das baldige Ende vor Augen führte Menelaos deshalb eines Nachts einen Ausfall durch, indem er die Maschinen in Brand schießen ließ. Alle drei konnten von Demetrios nicht mehr gerettet werden und brannten nieder. Diesen Verlust verschmerzend setzte er dennoch die Belagerung fort im Wissen, dass die Zeit für ihn spielte. Denn mittlerweile hatte er auch seine Flotte vor die Stadt aufziehen lassen.Diodor, Bibliothéke historiké 20, 48, 4–8. mini|200px|rechts|Ptolemaios war ein Gefährte Alexanders des Großen und ein langjähriger Rivale von Antigonos Monophthalmos und Demetrios Poliorketes.

Ptolemaios – von Alexandria nach Zypern