Das Universitätsklinikum Würzburg ist das Klinikum der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und ein Krankenhaus der Maximalversorgung.

Kennzahlen Zum Universitätsklinikum in Würzburg gehören 19 Kliniken mit Polikliniken und drei selbständige Polikliniken sowie vier klinische Institute. Integriert sind vier experimentell ausgerichtete Institute bzw. Abteilungen. Weiterhin sind dem Klinikum sieben Berufsfachschulen des Gesundheitswesens angeschlossen (Stand 2021).

Das Klinikum beschäftigt 7863 Mitarbeiter, darunter 1119 im ärztlichen Dienst, 1982 im Pflegedienst, 2618 im medizinisch-technischen Dienst sowie 820 im Verwaltungsdienst. Das Universitätsklinikum hat 639 Auszubildende. Die Schwerbehindertenquote liegt bei 7,32 % (Stand 2023).

Geschichte mini|Blick auf ein „Wahrzeichen“ des Universitätsklinikums, den 1915 erbauten Abgasturm des betriebseigenen Heizkraftwerkes Würzburg zählt neben Prag, Heidelberg, Wien, Köln, Leipzig und Erfurt zu den ältesten Universitätsstädten im deutschsprachigen Raum. Das Universitätsklinikum Würzburg kann auf eine mehr als 400-jährige Geschichte zurückblicken und ist damit eine der ältesten Universitätskliniken Deutschlands.

Das erste Modell eines Universitätsklinikums, die Verbindung aus Medizinischer Fakultät und Krankenhaus Juliusspital, wurde 1581 in Würzburg geschaffen. 1583, das Jahr in dem sich erstmals ein akademischer Unterricht (unter anderem durchgeführt von Adrianus Romanus) an der Würzburger Medizinischen Fakultät nachweisen lässt,Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 385–386. wird erstmals eine Abteilung zur stationären Behandlung von psychisch Kranken im Juliusspital eröffnet. Aus dieser Abteilung entstand 1833 die erste Psychiatrische Klinik (Ein Neubau entstand 1982Otto Schrappe: Psychiatrie in Würzburg und Psychiatrische Universitätsklinik Würzburg in den letzten 5 Jahrzehnten. In: Otto Schrappe, Gerhardt Nissen (Hrsg.): Universitäts-Nervenklinik. Beiträge anläßlich der Inbetriebnahme des Neubaues. Würzburg 1982, S. 51–64; auch in: Gerhardt Nissen, Gundolf Keil (Hrsg.): Psychiatrie auf dem Wege zur Wissenschaft. Stuttgart 1985, S. 62–72.). Im Jahre 1816 kam die erste orthopädische Heilanstalthttps://www.koenig-ludwig-haus.de/koenig-ludwig-haus/ueber-uns/geschichte/index.html im deutschen Sprachraum hinzu. Diese wurde von Johann Heine im ehemaligen Stefanskloster zu Würzburg gegründet.

Eine erste, eigene Kinderabteilung richtete man 1840 aus zwei Zimmern und 15 Betten ein. Diese Kinderabteilung bildete später den Grundstein zur Gründung der ersten Universitäts-Kinderklinik der Welt, durch Franz von Rinecker im Jahre 1850. Der zweite Lehrstuhl für anatomische PathologieGeschichte der Pathologie im deutschsprachigen Raum wurde 1845 in Würzburg gegründet. Der erste entstand ein Jahr zuvor in Wien.

Robert Ritter von Welz gründete 1855 die erste, damals noch private Augenklinik in Würzburg, die in der ehemaligen Geburtshilfeklinik in der Klinikstraße 6 untergebracht wurde. Als von Welz 1878 starb, vermachte er seine Klinik der Universität Würzburg. Unter seinen Nachfolgern erlebte die inzwischen in der Josef-Schneider-Straße befindliche Klinik einen steilen Aufstieg und ist heute die zweitgrößte Augenklinik in Deutschland.Vgl. auch Frank Krogmann: Streifzug durch die Geschichte der Augenheilkunde in Würzburg. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 20, 2001, S. 87–95.

Die Würzburger Medizinische Poliklinik als ambulante Klinik wurde von ihrem ersten Leiter Philip Joseph Horsch (1772–1820) 1807 begründet. Horsch war zudem Stadtphysikus, Extraordinarius und Verfasser von Versuch einer Topographie der Stadt Würzburg in Beziehung auf den allgemeinen Gesundheitszustand und die bis dahin zielenden Anstalten (Arnstadt/Rudolstadt 1805), eine von mehreren seiner Arbeiten über das Medizinalwesen in Würzburg.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 210, 215, 228, 312, 405, 539, 541, 712, 828 und öfter.

Einen weiteren wichtigen Beitrag für die medizinische Entwicklung des Universitätsklinikums Würzburg leistete Wilhelm Conrad Röntgen im Jahre 1895, als er die Röntgenstrahlen in Würzburg entdeckte.

Nachdem Wilhelm von Leube, aufgrund des Anwachsens der klinischen Fächer, der Kliniken, des Lehrbetriebs und der Forschungsbedürfnisse des Juliusspitals, die Errichtung eines neuen Universitätskrankenhauses angestrebt hatte,Robert Schwab: Über die Bedeutung des Juliusspitals für die Entwicklung der Inneren Medizin. In: Das Juliusspital Würzburg in Vergangenheit und Gegenwart: Festschrift aus Anlaß der Einweihung der wiederaufgebauten Pfarrkirche des Juliusspitals am 16. Juli 1953. Hrsg. vom Oberpflegeamt des Juliusspitals. Würzburg 1953, S. 14–24, hier: S. 23. stimmte 1907 der Magistrat der Errichtung eines städtischen und im Gegensatz zum bestehenden JuliusspitalVgl. etwa Hubert von Grashey: Denkschrift über die Universitätskliniken im Juliusspital in Würzburg. In: Verhandlungen des Landtages. Beilage 649, 1901/1902. konfessionell ungebundenen Krankenhauses zu. Vom ersten Spatenstich am 4. März 1912Sybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247; hier: S. 1235. bis 1921 wurde, geleitet von August Lommel (Vorstand des Universitätsbauamtes, Regierungsoberbaurat), ein neues Klinikum (nach dem Prinzregenten Luitpold von Bayern am 1. März 1911Hans-Peter Baum: Prinzregent Luitpold von Bayern (1821–1912) und die Stadt Würzburg. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), S. 173–176; hier: S. 176. zunächst „Luitpoldspital“, später Luitpoldkrankenhaus, im Volksmund LuKra, genannt) im Stadtteil Grombühl errichtet, wozu die Stadt 1910 das Gelände „am Sündlein“ für 550.000 Mark erworben hatte. Geplant war eine Fertigstellung bis 1917, die jedoch durch Krieg und Inflation verzögert wurde. Mit der unter Leubes Nachfolger und sich auch 1915–1916 als Dekan der Medizinischen Fakultät für den Krankenhausneubau einsetzenden sowie ursprünglich als Direktor des Luitpoldkrankenhauses vorgesehenen Dietrich Gerhardt,Robert Schwab: Über die Bedeutung des Juliusspitals für die Entwicklung der Inneren Medizin. 1953, S. 23. erfolgten Fertigstellung des im November 1921 bezugsfertigen Luitpoldkrankenhauses endete die langjährige enge Verbindung zwischen der Würzburger Medizinischen Fakultät und dem Juliusspital. Die Stadt Würzburg beteiligte sich von 1910 bis zum Jahre des Umzugs 1921 finanziell am Bau des neuen Krankenhauses, schied dann aber wegen Überlastung aus dem Vertrag mit dem bayerischen Staat aus und verzichtete damit auf ein Städtisches Krankenhaus und das Luitpoldkrankenhaus wurde Universitätsklinik in ausschließlicher Trägerschaft des Freistaats Bayern.Harm-Hinrich Brandt: Würzburger Kommunalpolitik 1869–1918. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), S. 64–166 und 1254–1267, hier: S. 139 und 144–148.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. 2001, S. 195–196, 290 und öfter. Eine Anbindung an die Kernstadt erfuhr das zuerst von dem Chirurgen Fritz König geleitete Luitpoldkrankenhaus 1926 durch die Erweiterung der Straßenbahnlinie, die von dem in den USA zu einem Vermögen gelangte Augenarzt Josef Schneider, ein Schüler des Robert von Welz, finanziell unterstützt wurde.Vgl. Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 195–196. 1934 wurde die erste eigenständige neurochirurgische Abteilung Deutschlands gegründet. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Universitätsklinikum weiter.

In der 1933/34 neu gebautenPeter Weidisch: Würzburg im »Dritten Reich«. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 196–289 und 1271–1290; hier: S. 249. und den Komplex des Luitpoldkrankenhauses zunächst vollendende Würzburger Universitäts-Frauenklinik wurden ab 1934 insgesamt 994 Frauen im Alter zwischen 13 und 47 Jahren zwangssterilisiert, bei 29 Frauen wurde zugleich eine Zwangsabtreibung vorgenommen.

Am 10. Mai 1939 erfolgte die Einweihung des Instituts für Vererbungswissenschaft und Rasseforschung in der Klinikstraße 6 im Welzhaus, dem Gebäude der ehemaligen privaten Augenklinik von Robert Ritter von Welz, worin sich unter anderem im 18. Jahrhundert ein Epileptikerhaus befunden hatte.Ute Felbor: Rassenbiologie und Vererbungswissenschaft in der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg 1937–1945. Königshausen & Neumann, Würzburg 1995 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Beiheft 3; zugleich Dissertation Würzburg 1995), ISBN 3-88479-932-0, S. 13 ff.

In der Chirurgischen Klinik wurde 1948 die erste Blutkonserve hergestellt. Ab 1950 wurden Blutspenden erstmals in Vakuumflaschen produziert und von dieser Zeit an auch an andere Kliniken abgegeben. Durch diesen Fortschritt besaß die Chirurgische Universitätsklinik Würzburg die erste Blutspendezentrale in Bayern, die man 1970 in „Abteilung für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie“ umbenannte.

1949 bis 1950 wurde die durch die Bombardierung Würzburgs weitgehend zerstörte Kinderklinik im „Bau 8“ wieder aufgebaut und von 1959 bis 1962 wurde eine neue Kinderklinik erbaut.Wilhelm Künzer: Würzburger Erinnerungen an die Zeit von 1945 bis 1962. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 16, 1997, S. 123–129, hier: S. 125–127.Vgl. auch Reinhard Jeschke: Meilensteine in der Geschichte der Universitäts-Kinderklinik Würzburg. In: Festschrift zur 150-Jahr-Feier der Universitäts-Kinderklinik Würzburg, Oktober 2000. In: Blick. 2, 2000, S. III–VII; auch in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 20, 2001, S. 96–107. 1954 wurde die Abteilung für Thoraxchirurgie eingeweiht und 1955 eine Tuberkuloseabteilung (Das ursprünglich für die Behandlung von Tuberkulose-Patienten bestimmte, nach Dietrich Gerhardt benannte Gerhardt-Haus, wurde später Teil der Urologischen KlinikAndreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 290.). Als Isotopenabteilung der Medizinischen Poliklinik wurde im Jahre 1956 die Nuklearmedizin von W. Börner gegründet.

In den Jahren von 1966 bis 1973 wurde das erste Kopfklinikum Deutschlands gebaut, das 1974 mit den Fachdisziplinen HNO-Heilkunde, Augenheilkunde, Neurochirurgie, Neurologie und Strahlentherapie in Betrieb genommen wurde.