mini|„Doktor Eisenbarth“-FigurFigur von Doktor Eisenbart begrüßt die Besucher In: hna.de, 15. Mai 2013, abgerufen am 19. Juli 2023 am Ortseingang Hann. Münden (Abkürzung von Hannoversch Münden) ist eine Mittelstadt und selbständige Gemeinde im Landkreis Göttingen, Südniedersachsen, an der Grenze zu Hessen sowie unweit von Thüringen. Die Kernstadt ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Die Stadt befindet sich am Zusammenfluss von Werra und Fulda zur Weser, weshalb sie auch „Drei-Flüsse-Stadt“ genannt wird. Bekannt ist die Stadt außerdem durch die Grabstätte des deutschen Handwerkschirurgen und Starstechers Johann Andreas Eisenbarth („Doktor Eisenbarth“), der starb, als er in Münden Station machte. Von der Lage der Stadt im Weserdurchbruchstal soll auch Alexander von Humboldt angetan gewesen sein. Über das oft verwendete Humboldt-Zitat, Münden sei „eine der sieben schönst gelegenen Städte der Welt“, gibt es allerdings keine schriftlichen Aufzeichnungen.

Namensgebung Die Stadt heißt laut Hauptsatzung Hann. Münden. Dies wurde 2006 letztmals festgeschrieben,§ 1, Absatz 1 der Hauptsatzung der Stadt vom 9. November 2006 lautet: Die Stadt führt den Namen „Hann. Münden“. und die Stadt wird auch beim Statistischen Bundesamt mit diesem Namen geführt.

Der ursprüngliche Name der Stadt (Münden) führte häufig zu Verwechslungen mit dem ähnlich klingenden Minden, das ebenfalls an der Weser liegt und von der Handelsschifffahrt aufgesucht wurde. Deshalb wurde dem Stadtnamen die Bezeichnung Hannoversch oder Hannöversch vorangesetzt, der darauf Bezug nimmt, dass sie zu dem 1692 entstandenen Kurfürstentum und späteren (1814) Königreich Hannover gehörte.Von Münden bis Hann. Münden Dessen Annexion durch Preußen 1866 (Provinz Hannover) und die Bildung des Landes Niedersachsen 1946 ließen den Stadtnamen unverändert. Johann Wolfgang von Goethe und die Brüder Grimm schrieben meist Minden, manchmal mit dem Zusatz Hannöverisch. Die Benennung als Hannoversch Münden (auch: Hannöverisch Münden) erfolgte analog zu Preußisch Minden bzw. Minden in Westfalen oder auch Minden/Westfalen. Aber auch der im hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg liegende Ortsteil Münden der Stadt Lichtenfels gehört zu den Orten, die zu Verwechslungen führten bzw. führen.

Die Stadt trug bis zum 1. Oktober 1955Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland 1957, Systematisches Verzeichnis der Namens- und Grenzänderungen, Seite 510, digitalisiert 520; digitalisiert durch die Universität Mannheim amtlich den Doppelnamen Münden (Hann. Münden), danach bis 31. Dezember 1990 Münden. Seit 1. Januar 1991 führt sie aufgrund eines Ratsbeschlusses die amtliche Bezeichnung Hann. Münden. Die Einheimischen selbst nennen sich weiterhin Mündener.

Im mündlichen Sprachgebrauch wird von offiziellen Vertretern der Stadt sowohl Hann. Münden (also ohne oversch) als auch Hannoversch Münden verwendet. Überregionale Radio- und Fernsehsender bevorzugen Hannoversch Münden, während in regionalen Sendern von Hann. Münden gesprochen wird.

Geographie Lage mini|Hann. Münden, Blick von der Tillyschanze auf die Kernstadt mini|Zusammenfluss von Werra (links) und Fulda (rechts) zur Weser (vorn) mini|Alte Werrabrücke und Dielengraben

Hann. Münden ist die südlichste Stadt Niedersachsens. Sie liegt in einem Talkessel am Zusammenfluss von Fulda und Werra zur Weser, der am Tanzwerder durch den Weserstein markiert ist. Sowohl ihre westliche wie auch Teile der nördlichen und auch östlichen Gemeindegrenze fallen mit der Landesgrenze nach Hessen zusammen. Die politische Gemeinde liegt mit ihrer Kernstadt und den eingemeindeten Ortschaften im Grund und an den Hängen der drei Flusstäler; einzige Ausnahme ist der nordöstliche Ortsteil Mielenhausen. Der Mündener Talkessel war im Mittelalter ein kommerzieller und politischer Knotenpunkt, an dem das Territorium der Welfen an die Gebiete von Westfalen und Hessen-Thüringen angrenzte.

Das Stadtzentrum mit der historischen Altstadt befindet sich im äußersten Winkel des Mündungsdreiecks von Werra und Fulda in die Weser. Sie liegt 23 km südwestlich der Kreisstadt Göttingen und 20 km nordöstlich der nordhessischen Stadt Kassel. Raumordnungspolitisch gehört die Stadt zur Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg.

Die Stadt liegt an den Nahtlinien von Kaufunger Wald (bis ) mit dem Kleinen Steinberg () im Süden, Reinhardswald (bis ) mit dem Gahrenberg () im Westen und Bramwald (bis ) mit dem Blümer Berg () im Norden, deren Gebirgsrücken in den Mündener Talkessel nasenartig hervorspringen. Der erstgenannte Mittelgebirgszug wird dem Norden des Osthessischen Berglands zugeordnet und die zwei letztgenannten Gebirgszüge dem Weserbergland. Im Kaufunger Wald und Bramwald liegen Teile des Naturparks Münden.

In die landschaftsprägenden Flüsse münden der aus dem Kaufunger Wald kommende Eselsbach beim Floßplatz in die Fulda, der Ilksbach beim Letzten Heller in die Werra, die aus dem Bramwald kommenden Gewässer Schede (gegenüber von Hilwartshausen) und Nieme (bei Bursfelde) in die Weser.

Geografische Daten der Stadt Hann. Münden – sortiert nach Höhen in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN): Höchster Punkt: Kleiner Steinberg () Höchste Wohnbebauung: Am Schäferhof () Stadtzentrum: St.-Blasius-Kirche () Tiefster Punkt: Schiffsanlegestelle Bursfelde ()

Stadtgliederung Seit der kommunalen Gebietsreform 1973 setzt sich die Stadt Hann. Münden aus der Kernstadt und insgesamt zehn Ortsteilen zusammen. Kernstadt: Altmünden, Hermannshagen, Innenstadt, Neumünden, Kattenbühl, Blume. Ortsteile: Bonaforth, Gimte (mit Hilwartshausen), Hedemünden, Hemeln (mit Bursfelde und Glashütte), Laubach, Lippoldshausen, Mielenhausen, Oberode, Volkmarshausen, Wiershausen. Die „Stadtbereiche“ der Kernstadt sind bei der Ausdehnung der Stadt über die Stadtmauer der historischen Altstadt hinaus nach Plänen des Magistrats im 19. Jahrhundert entstanden, ohne ausdrücklich als Stadtteile gewidmet worden zu sein (siehe § 40 NGO). Nach weiterer Entwicklung der Stadt im 20. Jahrhundert decken sie heute mit ihren ursprünglichen Grenzen nicht mehr alle bebauten Flächen der Kernstadt ab.

Nachbarorte Die Nachbargemeinden sind u. a. Bühren, Fuldatal, Niemetal, Reinhardshagen, Scheden, Staufenberg, Wesertal und Witzenhausen. Nicht weit entfernte größere niedersächsische Ortschaften sind Göttingen und Dransfeld; im Südwesten liegt die hessische Großstadt Kassel.

Klima Hann. Münden liegt bei der Jahresdurchschnittstemperatur und der Niederschlagsmenge im Durchschnitt der gemäßigten Zone. Im Frühjahr, Herbst und Winter ist Nebel im Tal der Kernstadt recht häufig. Der kälteste Monat ist der Januar mit durchschnittlich −1 bis +2 Grad Celsius. Die wärmsten Monate sind im langjährigen Mittel die Monate Juli und August mit je 13 bis 23 °C.

Geologische Verhältnisse Hann. Münden gehört geologisch und geographisch zum Niedersächsischen Bergland. Die Altstadt mit dem Zusammenfluss von Fulda und Werra liegt in einem Becken vor dem Durchbruch der Weser zwischen dem Rabanenkopf (Reinhardswald) und dem Questenberg (Mündener Stadtforst); an dieser Stelle beträgt die Breite des Tales nur 400 m. Das Niedersächsische Bergland ist von seiner Form her ein flaches Gewölbe aus Schichten der Triaszeit. Die Berghöhen und ihre Flanken werden aus Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper gebildet. An vielen Stellen tritt Basalterguss vulkanischen Ursprungs auf (siehe Kleiner Steinberg), an einigen Stellen wurde Quarzit festgestellt. Das im Mesozoikum entstandene Mündener Buntsandsteingebiet wird im Flussdreieck von Werra und Fulda durch Material aus dem Paläozoikum ergänzt, das über Eder und Fulda ins Mündener Becken geschwemmt wurde.S. May, S. 253 ff.

Geschichte 800–1247: Erste Siedlungen und Gründung mini|Wüst gefallener Siedlungsbereich von Altmünden auf der linken Weserseite, gegenüber liegen Münden und der Questenberg, 1791

mini|Stadtansicht von Münden mit Alter Werrabrücke und links das Welfenschloss, 1610 mini|Boote an der Bremer Schlagd, mittig das Alte Sydekum, 1584

Die Gründung der Stadt ist nicht genau belegt. In der ältesten Urkunde aus dem Jahr 860 wird Münden unter dem Namen Gimundin als bereits um 800 bestehend erwähnt. Die erste Siedlung soll am linken Weserufer, an der Stelle des heutigen Stadtteils Altmünden gelegen haben und tritt erneut in einer Urkunde von 1019 als Grenzort Villa Gimundin in Erscheinung.Sittig, Geschichte, S. 9. Bereits um etwa 802 soll sie an die Reichsabtei Kloster Fulda verschenkt worden sein und 1049 Kaiser Heinrich III. als Aufenthaltsort gedient haben.S. Brethauer, Münden – Gesammelte Aufsätze, 3. Folge, S. 3. Einziger baulicher Überrest dieser Siedlung sind die Ruinen einer Kirche, der Laurentiuskapelle.

Die Anfänge der heutigen Stadt liegen vermutlich in einem befestigten kaiserlichen Wirtschaftshof auf dem jetzigen Schlossgelände. Bei einer Ausgrabung auf dem Schlosshof im Jahr 2026 wurden in zwei Meter Tiefe zwei Grubenhäuser aus dem 9. bis 11. Jahrhundert freigelegt. In ihnen befand sich datierbare Keramik und ein Schmuckverschluss für Kleidung.Neue Funde zeigen: Hann. Münden älter als bisher gedacht bei ndr.de vom 17. Juli 2026 Organische Fundstücke der Grabung weisen darüber hinaus auf einen Siedlungszeitraum zwischen 1020 und 1150 hin.Ekkehard Maass: Münden ist älter als gedacht in HNA vom 17. Juli 2026

Einem Grundstein zufolge, der nach dem Schlossbrand von 1650 gefunden wurde, soll das Schloss 1070 von Otto von Northeim gegründet worden sein, sich das alte Reichsgut Münden also im Besitz der Grafen von Northeim befunden haben. Als Stadt auf dem jetzigen Stadtgelände wurde Münden erstmalig in einer Urkunde von 1183 erwähnt. Diese vom Landgrafen Ludwig III. von Thüringen erlassene Urkunde gab Gemunden als Sitz eines thüringisch-landgräflichen „Villicus“ aus.Beuermann, Hannoversch Münden, S. 18; Brethauer, Anfänge, S. 11. Vermutlich wurde die Stadt Münden zwischen 1170 und 1175 von Heinrich dem Löwen geplant und gegründet.Beuermann, Hannoversch Münden, S. 20–22.May, Hannoversch Münden, S. 12. Als Vorbild des offenbar planmäßig angelegten Siedlungskerns, eines Areals von 450 × 350 Metern im Mündungsdreieck von Werra und Fulda, diente dabei vermutlich der Grundriss der Stadt Lübeck.Beuermann, Hannoversch Münden, S. 24; May, Führer, S. 10. Um das Jahr 1200 wurde mit dem Bau der Stadtbefestigung Münden als Stadtmauer mit Stadttoren und Mauertürmen begonnen. Nachdem Münden 1180 in den Besitz der thüringisch-hessischen Landgrafen gekommen war, wurde die Stadt bereits 1247 wieder dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg zugeschlagen und blieb fortan für 600 Jahre welfisch.

1247–1600: Stapelrecht und Reformation