mini|Lars Eidinger (2026) Lars Eidinger (* 21. Januar 1976Lars Eidinger in Durch die Nacht mit … – Oda Jaune und Lars Eidinger (Arte 2010). in West-Berlin)Ortrun Egelkraut: Krach ist immer positiv. In: Berliner Morgenpost, 13. März 2009, S. 20. ist ein deutscher Schauspieler, Fotograf und DJ. Einen Namen machte er sich zunächst am Theater als langjähriges Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne. Mit seiner ersten großen Filmrolle in Maren Ades Beziehungsdrama Alle anderen (2009) konnte er sich auch als Filmschauspieler etablieren. Im Fernsehen war er unter anderem zwischen 2012 und 2021 im NDR-Tatort in drei Fällen von Klaus Borowski als Postzusteller und Frauenmörder Kai Korthals zu sehen. 2021 und 2022 spielte er die Titelrolle im Jedermann bei den Salzburger Festspielen an der Seite der „Buhlschaft“ Verena Altenberger. Im Sommer 2026 drehte er für seine erste Hollywood-Hauptrolle im Superman-Sequel Man of Tomorrow.

Leben Herkunft und Ausbildung Lars Eidinger wurde als Sohn einer Kinderkrankenschwester und eines Ingenieurs in West-Berlin geboren, wo er mit einem Bruder in Berlin-Marienfelde aufwuchsMatthias Kalle: Der kleine Prinz. In: Die Zeit, Nr. 24/2010, S. 10–16. und dort die Gustav-Heinemann-Oberschule besuchte. Bereits als Kind hegte er den Wunsch, Schauspieler zu werden. Er spielte als Zehnjähriger Bibi-Blocksberg-Hörspiele nach, während er in den 1980er Jahren erste professionelle Erfahrungen als Kinderdarsteller der SFB-Jugendsendung Moskito sammelte.Esther Slevogt: Sehnsucht nach dem ganz Großen. In: Die Tageszeitung, 17. Januar 2009, S. 32. In der Oberschule tat er sich im Sport und in der Theater-AG hervor, wo er mit Erfolg in Aufführungen von Woyzeck und Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui auftratMatthias Heine: Das ewige Nesthäkchen am Lehniner Platz. In: Die Welt, 30. Oktober 2004, S. 28. („Ich wollte immer der Erste, immer der Beste sein … Ich war trotzdem auch immer der Clown, der, der die Lacher haben wollte. Erst dann war ich glücklich.“).

Von 1995 bis 1999 ließ er sich in seiner Heimatstadt an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch gemeinsam mit Devid Striesow, Nina Hoss, Mark Waschke und Fritzi Haberlandt zum Schauspieler ausbilden. Noch während seiner Ausbildung folgten Gastverträge am Deutschen Theater und den Kammerspielen, wo er in Inszenierungen von Jürgen Gosch und Wolfgang Engel auftrat. Dem Wehrdienst entzog er sich.

Privates Lars Eidinger ist mit der Opernsängerin Ulrike Eidinger verheiratet. Das Ehepaar hat eine Tochter und lebt in Berlin-Charlottenburg.

Engagements Er ist einer der Erstunterzeichner des in der Emma veröffentlichten Offenen Briefs an Bundeskanzler Scholz vom 29. April 2022, der sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine nach dem russischen Überfall auf die Ukraine ausspricht.Offener Brief an Kanzler Olaf Scholz, Online auf www.emma.de, zuletzt abgerufen am 30. April 2022. Eine Stellungnahme zum Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 lehnte er ab.

Karriere Theater Im Jahr 2000 stieß Eidinger zum Ensemble der Berliner Schaubühne, nachdem er ein Jahr zuvor beim Vorsprechen als Franz Moor aus Schillers Die Räuber überzeugt hatte.Lars Eidinger: Nachgefragt. In: Der Tagesspiegel, 27. November 2008, S. 18. Er debütierte mit einer Hauptrolle in Das Kontingent von Soeren Voima (2000) an der Schaubühne. Obwohl er als Schauspieler zu Anfang von Regisseur Thomas Ostermeier ignoriert wurde und aufgrund von vertraglichen Verpflichtungen angebotene Filmrollen ablehnen musste, sollte Eidinger in den folgenden Jahren zu einem der prägendsten Darsteller der Schaubühne avancieren.

Eidinger übernahm in dieser Zeit Rollen in fast allen Inszenierungen von Thomas Ostermeier und Christina Paulhofer. Lob seitens der Kritiker brachte ihm unter anderem die Rolle des bisexuellen und AIDS-kranken Doktor Rank in Ibsens Nora (2002 und 2004), sein Nacktauftritt als zynischer Hippolytos in Sarah Kanes Phaidras Liebe (2003) neben Corinna Harfouch und die männliche Titelrolle in William Shakespeares Troilus und Cressida (2005) ein. Im Herbst 2005 spielte er in Ibsens Hedda Gabler die Rolle des willenlosen und nervösen Wissenschaftlers Jörgen Tesmann neben Katharina Schüttler und erregte ein Jahr später Aufsehen durch einen lasziven Striptease in den Anfangsszenen von Thomas Ostermeiers und Constanza Macras’ Shakespeare-Adaption Ein Sommernachtstraum (2006). Es folgte die Titelrolle in Marius von Mayenburgs Der Häßliche (2007). 2008 war Eidinger als Hamlet (2008) unter der Regie von Thomas Ostermeier zu sehen, den er als Breakdancer bei Gastspielen auf dem Hellenic Festival in Athen, in Avignon, Australien und an der Schaubühne interpretierte.

Anfang Dezember 2008 gab Eidinger sein Debüt als Theaterregisseur im Schaubühnenstudio, wo er mit Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Schillers Die Räuber inszenierte, wofür er eine Einladung für das Theaterfestival Radikal jung erhielt. Die Reaktion der Kritiker war unterschiedlich. Während die einen Eidinger eine „sehenswerte, lebhafte Inszenierung“ attestierten, der aber am Ende klarer Gedanke und Ordnungssinn fehlen würde,Peter Hans Göpfert: Schillers „Räuber“ blutjung. In: Berliner Morgenpost, 7. Dezember 2008, Ausg. 336/2008, S. 22. sahen andere „eine grundernste, kluge und nur an der Oberfläche poppige Schiller-Studie“.Patrick Wildermann: Der männliche Makel. In: Der Tagesspiegel, 26. März 2009, Ausg. 20214, Ticket, S. 1. Der Schauspieler selbst sieht sich bei der Arbeit als Marionettenspieler. „Ich will immer im Bewusstsein spielen, dass ich eine Figur in der Hand habe, die ich bewege“, so Eidinger, der in Interviews und in dem 2011 erschienenen Buch (EIDINGER) auch eigene Versagensängste thematisierte: „Wenn ich spiele, dann fühle ich mich schutzlos gegenüber den Menschen, die mir zuschauen. Natürlich habe ich auch Angst. Angst zu versagen, Angst, nicht zu gefallen. Aber neben dieser Angst gibt es dann auch die Lust, sich zu offenbaren, sich zu zeigen. Es gibt diese extreme Spanne zwischen Versagensängsten und Allmachtsfantasien. Wenn es gut läuft, scheint plötzlich alles möglich, es ist wie im Rausch. Ich denke dann, dass ich der größte Schauspieler der Welt bin.“

Im Jahr 2009 gab er in Benedict Andrews’ Inszenierung von Tennessee Williams’ Drama Endstation Sehnsucht mit Erfolg den Stanley Kowalski, und der Tagesspiegel hob sein Talent hervor, „die Makel einer Figur zuzulassen, ohne sich fürs Publikum von ihnen zu distanzieren“. Thomas Ostermeier bescheinigte ihm „Selbstbewusstsein und die komplette Abwesenheit von Angst, peinlich oder unglaubwürdig rüberzukommen“. Eidinger sucht bei der Arbeit laut eigenen Angaben auch den Punkt, an dem er die Kontrolle über sich verliere. „Die Momente, in denen eine physische Anstrengung das Gefühl auslöst, dass alles von selbst passiert, genieße ich total“, so Eidinger. Die Berliner Morgenpost betitelte ihn 2011 in einem Porträt als „Experten fürs Maßlose“.Anne Peter: Wild und laut: Der Mann für das Maßlose. In: Berliner Morgenpost, 19. März 2011, S. 23.

Eidinger arbeitete 2011 im Rahmen des von der Schaubühne organisierten Festivals Internationale Neue Dramatik (F.I.N.D.) mit dem argentinischen Regisseur Rodrigo García an dessen Text Soll mir lieber Goya den Schlaf rauben als irgendein Arschloch zusammen. Der Monolog handelt von einem Vater, der seinen beiden Söhnen elaborierte Antworten auf seine Wünsche in den Mund legt.Katrin Bettina Müller: Drogen, Bären, Taxifahrten. In: Die Tageszeitung, 7. März 2011, S. 28.

Im August 2011 debütierte Lars Eidinger in der Rolle des Angelo in Shakespeares Maß für Maß im Rahmen der Salzburger Festspiele im Landestheater Salzburg. Die FAZ schrieb: „als Angelo selbst, den der großartige Lars Eidinger weniger als widerwärtigen Lüstling denn als getriebenen Behördenchef gibt“.faz.net 2013 inszenierte Eidinger an der Schaubühne Romeo und Julia von William Shakespeare.

Als „Theaterereignis mit Ansage“ bezeichnete die Presse 2015 Eidingers Auftritt als Richard III. Wie zuvor bereits Hedda Gabler und Hamlet hatte Thomas Ostermeiers Schaubühnen-Inszenierung seitdem zahlreiche internationale Gastspiele.

Film und Fernsehen Parallel zu seiner Theaterkarriere arbeitete Eidinger zunächst eher sporadisch für Film und Fernsehen. 2003 absolvierte er jeweils einen Gastauftritt in den Serien Schloss Einstein und Berlin, Berlin, woraufhin größere Rollen in den Kurzfilmprojekten Ketchup Connection (2005) und Deutschland deine Lieder (2007) folgten. Sein Spielfilmdebüt gab er 2007 mit einer Nebenrolle in Stephan Geenes Drama After Effect. Nach weiteren kleinen Rollen im deutschen Fernsehen (Der Dicke, 2005; Notruf Hafenkante, 2007; Minibar, 2008) und einem Filmauftritt im Helene Hegemanns beim Max-Ophüls-Festival preisgekrönten Drama Torpedo hatte er 2009 seinen Durchbruch als Filmschauspieler.

In Maren Ades Drama Alle anderen spielte er gemeinsam mit Birgit Minichmayr ein junges deutsches Paar, dessen Beziehung während eines gemeinsamen Italien-Urlaubs zu zerbrechen droht, nachdem die Konfrontation mit einem anderen Paar die eigenen Lebensentwürfe und Rollenmuster in Frage gestellt hat. Der Film wurde im Wettbewerb der 59. Internationalen Filmfestspiele von Berlin uraufgeführt, wo er zwei Silberne Bären gewann. Ebenfalls im Jahr 2009 sah man Eidinger an der Seite von Fritzi Haberlandt in der Polizeiruf-110-Episode Die armen Kinder von Schwerin, in der er einen mordverdächtigen Familienvater und Handlanger der Russenmafia spielte, der sich mit dem Diebstahl von Schrott und Kupferrohren seinen Lebensunterhalt verdient.

Der „coole It-Boy seiner Generation“ erschien 2010Jens Müller: Auf Sand gebaut. In: Die Tageszeitung, 7. April 2010, S. 17. in der Dokumentarfilmserie Durch die Nacht mit … gemeinsam mit Oda Jaune. Wenige Monate später war Eidinger abermals unter der Regie Thomas Ostermeiers in Lars Noréns Theaterstück Dämonen neben Brigitte Hobmeier, Tilman Strauß und Eva Meckbach zu sehen, das über zwei unterschiedliche Paare berichtet. Der Part des verklemmt-zynischen Muttersöhnchens Frank brachte ihm gemischte Kritiken ein. Während Die Tageszeitung auf Ähnlichkeiten zur Figur aus Alle anderen hinwies und von einer „unglaubwürdige(n) Kopie dieses Prototyps“ sprach,Katrin Bettina Müller: Unter der Haut. In: Die Tageszeitung, 4. März 2010, S. 17. feierte ihn Die Welt als furiosen Meister des „Partner-ärgere-dich-Terror(s)“.Reinhard Wengierek: Auf dem Ehekriegspfad. In: Die Welt, 4. März 2010, Ausg. 53, S. 24. Im selben Jahr übernahm Eidinger größere Fernsehrollen in Stefan Kornatz’ Beziehungsdrama Verhältnisse mit Devid Striesow und Nicolette Krebitz, erneut in der Serie Polizeiruf 110 (Episode: Zapfenstreich) sowie als sanfter und sadistischer Mörder neben Ulrike Folkerts im Tatort Ludwigshafen (Hauch des Todes). Eine weitere Rolle im Tatort folgte 2012 in der Kieler Folge Borowski und der stille Gast als Postzusteller Kai Korthals, der seine weiblichen Opfer zunächst stalkt und sobald er von seinen Opfern ertappt wird, sie eiskalt ermordet.„Tatort“ über Voyeurismus – Der Spanner, dein Freund und Helfer. Spiegel Online, 7. September 2012; abgerufen am 25. Oktober 2016. Diese Folge wurde 2015 mit dem Tatort: Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes fortgesetzt, wo Korthals, der sich diesmal Borowskis Freundin Frieda Jung (Maren Eggert) als Opfer auserkoren hat, schließlich überwältigt werden kann.„Tatort“-Sequel mit Lars Eidinger – Das Monster hat jetzt ein Baby. Spiegel Online, 27. November 2015; abgerufen am 25. Oktober 2016. Im Oktober 2021 wurde mit dem Tatort: Borowski und der gute Mensch ein dritter Fall von dem Frauenmörder Kai Korthals gesendet.Gespräch mit Lars Eidinger, Darsteller von Kai Korthals. daserste.de