mini|hochkant=1.6|Hauptereignis 21.–24. Juni, 72h-Summe

Die Hochwasser in Mitteleuropa im Juni 2009 betrafen vor allem die an der Donau, Moldau und Oder liegenden mitteleuropäischen Staaten Österreich, Tschechien und Serbien, teilweise auch Deutschland (Bayern), die Slowakei, Polen und Rumänien. Die Wetterlage, die für die Hochwasser verantwortlich war, zog sich bis etwa Mitte Juli.

Die Hochwasserkatastrophen forderten mindestens 21 Todesopfer und verursachten Schäden von derzeit mutmaßlich einigen hundert Millionen Euro.

Im Verlaufe des Juli kam es dann in ganz Mitteleuropa zu schweren Hagelunwettern mit lokalen Überflutungen. Deren Gesamtschäden wurden auf eine zweistellige Millionensumme geschätzt (Stand: August 2009).

Wetterlage Der Juni 2009 war – zumindest für Österreich – einer der regenreichsten Junimonate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Nach einem sehr trockenen April war schon der Mai feucht gewesen, und bis Mitte Juni folgten wiederholt regenreiche Tiefdrucklagen und Gewitter. Tief QuintonLit. sorgte dann in der Zeit vom 20. bis Ende Juni für schwere Niederschläge an der Alpennord- und Ostseite, der Karpatensüdseite, sowie dem mittleren Balkan bis in die Krimregion und den Ostseeraum. Es handelte sich um ein langsam von der Adria Richtung Schwarzes Meer ziehendes Höhentief – trotz des typischen feuchtwarmen Aufgleitens aus Südost und Stauniederschlag aus Ost und Nordost, einer , fehlte die Vb-Charakteristik eines Bodentiefkerns.

Tief Quinton bildete sich vom 20. bis 22. Juni, durch Abschnürung eines Höhentiefs über den Alpen Richtung Südosten. Ein atlantischer Kaltlufteinbruch hatte in den Nordalpen vom 18. bis 20. Juni kräftigen Niederschlag, mit Schneefall bis auf 1500 m gebracht. Das abgespaltene Höhentief verlagerte sich über die mittlere Adria am 20./21. und den Zentralbalkan am 22. Juni. Sein Frontensystem, dessen Okklusion von Ost, dann Nordost gegen Mitteleuropa geführt wurde, führte vom 22. bis 24. Juni vom Unterinntal bis in das Wiener Becken zu schweren Niederschlägen, von über 100 mm/48 h, mit 207 mm/48 h im Lunz am See. Lokal war diese Phase dem Alpenhochwasser 2005 vergleichbar, das aber einen schnelleren Anstieg hatte.

Ab dem 25. Juni verlagerte sich das Tief über das Schwarze Meer, am 25. und 26. Juni konzentrierten sich die Niederschläge auf den Raum Belgrad und Südungarn, in Österreich und Tschechien entspannte sich die Lage wieder. Am 27. und 28. des Monats bewegte sich eine Front gegen Südpolen und den Baltikum, und weitere niederschlagsreiche Luftmassen trafen am 27., 28. und 29. auch wieder Tschechien, Österreich und Serbien, sowie am 29. auch Zentralbulgarien und Moldawien.

Erst nach dem 29. zerfiel diese stabile und stationäre Großwetterlage, die Luftmassen über Zentral- und Osteuropa blieben aber weiterhin extrem feucht und instabil, sodass in folgenden Tagen wiederholt schwere Gewitter zu weiteren lokalen Hochwassern führten. Noch bis in die ersten zwei Juliwochen waren lokale Starkregen bis über 50 mm in wenigen Stunden zentraleuropaweit zu verzeichnen. Eine Ende dieser Wetterphase erfolgte erst mit dem Durchzug der Tiefs Rainer über England und der Nordsee und Steffen über Südskandinavien, die langsam vordringend vom 3. bis 9. Juli die Großwetterlage umstellten.

Auswirkungen in den einzelnen Ländern Österreich mini|hochkant=1.6|Jährlichkeiten der Abflüsse von 23. bis 29. Juni mini|Die Hochwasser führende Schwarza im Höllental mini|Die Hochwasser führende Pitten in Pitten

Am Dienstag, den 23. Juni begann sich der starke Anstieg der Donauzuflüsse, die von Süden zur Donau führen, auszuwirken und in vielen Orten des österreichischen Alpenvorlandes in Ober- und Niederösterreich wurde in der Nacht zum 24. Juni Hochwasseralarm ausgelöst.Österreich: Hochwasser-Einsätze Juni 2009 auf Fireworld Die Landeswarnzentralen wurden verstärkt besetzt. Bereits am Morgen des 24. waren in den beiden Bundesländern etwa 4.000 Feuerwehrleute in Einsatz, auch Hubschrauber des Bundesheeres waren in Einsatz.

In Oberösterreich traten die beiden Flüsse Krems und Traun teilweise aus den Ufern. Die Pegel der Nebenflüsse waren steigend, während die Donau noch gleichbleibend war. Auch in Niederösterreich waren bereits sieben Bezirke betroffen. Vor allem die Flüsse Ybbs, Melk, Erlauf, Traisen und Perschling führten Hochwasser. Der Ort Ybbsitz war seit 3 Uhr morgen von der Außenwelt abgeschlossen. An der Donau (Strudengau, Wachau) wurden so weit wie möglich die bereits vorhandenen mobilen Hochwasserschutzeinrichtungen montiert. In der Steiermark wurde nur von einzelnen Einsätzen, hauptsächlich Pumparbeiten, aber auch Beseitigen von Vermurungen, berichtet. Schwere Regenfälle gab es auch in Wien, der Tiefspeicher der Albertina (unter der Basteiterrasse), in dem fast eine Million Kunstgegenstände lagern, musste nach einem Wassereinbruch vollständig geräumt werden. ;

Ab 25. Juni waren zwar die langanhaltenden Regenmengen vorbei, dafür wurden immer mehr kurze Schlagregen mit großen Wassermassen verzeichnet. Da der Boden nicht mehr aufnahmefähig war, waren die Folgen dieser Niederschläge ebenso verheerend. In Oberösterreich entspannte sich die Lage, da die Pegel der Donaunebenflüsse langsam wieder fielen. In Steyr war der Pegel am Stadtkai wieder um 1,4 m zum Vortag gesunken. Die Donau hatte in der Nacht in Mauthausen mit 6,9 m ihren Höchststand erreicht und sank ebenfalls wieder langsam, der Schwerpunkt der Flut verlagerte sich Richtung Wachau. Die Niederschläge selbst wanderten gegen Osten, im Burgenland wurden innerhalb von 24 Stunden von den 326 Feuerwehren 253 zu Hochwassereinsätzen gerufen. (PDF; 22 kB) Rundschreiben des Burgenländischen Landesfeuerwehrverbandes vom 25. Juni 2009

Am 26. Juni kam es vom Mostviertel bis in das Burgenland zu weiteren Überschwemmungen, besonders in der Region um Güssing, wo ganze Landstriche bis zu einem Meter unter Wasser standen, und der Ort Strem von Wassermassen eingeschlossen war. Neben den Feuerwehren war dort auch das Bundesheer mit 200 Mann in Assistenzeinsatz. Im niederösterreichischen Ort Klingfurth bei Wiener Neustadt mussten von einer Hangrutschung bedrohte Häuser evakuiert werden, die Adria-Wien Pipeline, die in dem betroffenen Hang liegt, musste aus Sicherheitsgründen abgestellt werden. In der Steiermark, in der seit Beginn der Unwetter etwa 400 Hangrutschungen zu verzeichnen waren, entspannte sich die Lage gegen Abend etwas. ORF vom 27. Juni abgerufen am 27. Juli

Am Samstag, dem 27. Juni wurden im Bezirk Bruck an der Leitha zwei Dämme der Leitha gesprengt, damit Wasser in unbewohntes Gebiet abfließen konnte, um so den Flusslauf zu entlasten. ORF vom 28. Juni 2009, abgerufen am 29. Juli 2009. In der Nacht zum 28. Juni war ein Todesopfer in Österreich zu beklagen. ORF am 28. Juni 2009, abgerufen am 28. Juni 2009.

Weitere Fortsetzung fanden die Regen nach dem Wochenende. Der Hilfseinsatz des Bundesheeres konzentrierte sich auf den Raum Feldbach und Fürstenfeld. Zunehmend betroffen war auch die Obersteiermark: Die Ortschaft Radmer war nach schweren Murenabgängen ohne Strom und vollständig unerreichbar. Auch um Mariazell und Hieflau kam es zu Überschwemmungen und Sperren. Die Lage an der Enns verschärfte sich wieder, am Montag, den 29. Juni lag zu Mittag der Pegel Steyr wieder über 4 m. Auch die Wachau gab wieder Hochwasseralarm. In der Nacht auf den 30. Juni wurde nach den stärksten jemals gemessenen Regenfällen in St. Pölten den Alpenbahnhof zum zweiten Mal Presseinformation der Stadt St. Pölten vom 24. Juni 2009, abgerufen am 5. Juli 2009 innerhalb weniger Tage überflutet, die ÖBB ließ den Betrieb der Mariazellerbahn erneut einstellen. ORF Niederösterreich am 30. Juni 2009, abgerufen am 5. Juli 2009.

Am Dienstag konnten mithilfe von Panzerigeln weitere Hangrutschungen gestoppt werden. Trotzdem konnten zahlreiche Gebäude noch nicht als bewohnbar freigegeben werden. Durch einzelne Gewitter in der Umgebung von Graz kam es auch zu Blitzschlägen. Auch das Freilichtmuseum Stübing wurde durch Überflutungen in Mitleidenschaft gezogen. auf ORF Steiermark vom 2. Juli 2009, abgerufen am 4. Juli

Am Freitag, dem 3. Juli wurde zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen die Wachau durch die Unwetter heimgesucht. Der Ort Spitz, der vorher durch die Donau überflutet worden war, wurde diesmal durch den üblicherweise nur 30 cm tiefen Spitzer Bach, der nach Gewittern bis auf 4 Meter anschwoll, überschwemmt, ORF Niederösterreich am 4. Juli 2009, abgerufen am 4. Juli 2009. ein 81-jähriger Mann, der mitgerissen wurde, dürfte erst am 12. Juli bei Traismauer in der Donau gefunden worden sein. auf ORF Niederösterreich vom 12. Juli 2009, abgerufen am 12. Juli 2009. Auch im Waldviertel und der Bezirk Steyr-Land fanden schwere Gewitter mit Starkniederschlägen statt, sodass wieder über 2.000 Feuerwehrleute in Einsatz waren. auf ORF Niederösterreich vom 4. Juli 2009, abgerufen am 4. Juli 2009.

mini|hochkant=1.6|Die St. Pöltner Katastralgemeinde Nadelbach am 6. Juli Am Montag, dem 6. Juli begannen in den Nachmittagsstunden die stärksten Regenfälle seit 200 Jahren. Betroffen waren vor allem weite Teile Niederösterreichs, Wiens und des Nordburgenlands."St. Pölten säuft ab" Der Standard Printausgabe vom 7. Juli 2009 St. Pölten wurde erneut zum Katastrophengebiet erklärt, weite Teile des Stadtgebiets waren überflutet. Presseaussendung der Stadt St. Pölten, 7. Juli 2009 Der Nadelbach überflutete die Katastralgemeinden Nadelbach und Hafing großräumig, auch die Umgebung des Alpenbahnhofs stand wieder unter Wasser. Völlig unerwartet standen am 6. Juli jedoch auch Gebiete unter Wasser, die noch nie zuvor unter Überflutungen zu leiden hatten. Der Europaplatz und der Schießstadtring in St. Pölten mussten gesperrt werden, ein sieben Meter breiter Strom bahnte sich vom Alpenbahnhof seinen Weg in Richtung Innenstadt. Auch das Landesgericht und die Justizanstalt waren vom Hochwasser bedroht.St. Pölten: Ärger als die Jahrhundertflut Die Presse vom 7. Juli 2009 eine weitere Gefahr bestand durch die Überflutung des Umspannwerkes der EVN, da der Wasserstand fast die Stromversorgung zum Erliegen gebracht hätte. Der Tunnel der B1a unter dem Landhausviertel wurde flutbedingt gesperrt, die Westbahn musste den Betrieb am Abend für zwei Stunden einstellen. Zusätzliche Probleme traten durch den mit den Überflutungen einhergehenden Anstieg des Grundwasserspiegels auf, der ebenfalls einen historischen Höchststand erreichte. auf ORF Niederösterreich vom 7. Juli 2009, abgerufen am 7. Juli 2009.

Für Dienstag, den 7. Juli wurden ebenso große Unwetterwarnungen wie tags davor ausgegeben. Die Unwetter betrafen aber diesmal mehr den oberösterreichischen Raum, wo vor allem große Schäden in der Landwirtschaft durch Hagel in den Gmunden Gmunden, Vöcklabruck und Wels entstand. auf ORF Oberösterreich vom 7. Juli 2009, abgerufen am 8. Juli 2009. In Dürnstein in der Wachau kam es zu einem Felssturz am Vogelbergsteig, der sowohl die Donau Straße als auch die Donauuferbahn blockierte. auf ORF Ö1 vom 8. Juli 2009, abgerufen am 8. Juli 2009. Die B3 ist nach Sprengungen, die lockeres Gestein aus der wand ablösten, seit dem 10. Juli wieder frei befahrbar. Die Donauuferbahn erfordert aber längere Reparaturarbeiten. auf ORF Niederösterreich vom 10. Juli 2009, abgerufen am 12. Juli 2009.

Am 10. Juli spitzte sich die Situation in der Steiermark wieder zu. Vor allem im Bezirk Feldbach kam es auf Grund neuerlicher Regenfälle wieder vermehrt zu Hangrutschungen. auf ORF Steiermark am 10. Juli 2009, abgerufen am 10. Juli 2009. In der Zwischenzeit geht man von 600 Rutschungen in der Steiermark in diesem Zeitraum aus.

Niederschläge in Österreich