Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW; voller Name: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (Allgemeiner Deutscher Lehrer- und Lehrerinnen-Verband) – Gesamtverband der Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher§ 1 Ziff. 1 Satzung: ) ist eine Gewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund mit Sitz in Frankfurt am Main und einem „Parlamentarischen Verbindungsbüro“ in Berlin. Die GEW ist föderal organisiert und besteht aus 16 Landesverbänden. Sie ist Mitglied der Bildungsinternationale (BI) und des Europäischen Gewerkschaftskomitees für Bildung und Wissenschaft (EGBW).

Mitglieder Die GEW ist die größte Bildungsgewerkschaft Deutschlands; 2025 gehörten ihr 274.532 (76.188 männlich, 197.041 weiblich, 1.303 divers) Mitglieder an. Größte Landesverbände der GEW sind Baden-Württemberg (ca. 51.000), und Nordrhein-Westfalen (ca. 50.000), gefolgt von Niedersachsen mit ca. 30.000 Mitgliedern.Auskunft des GEW-Hauptvorstandes Laut Satzung regeln die Landesverbände ihre Angelegenheiten unter Bindung an gemeinsam gefasste Beschlüsse selbst.

Mit ihrem monatlichen Mitgliedermagazin „Erziehung & Wissenschaft“ (Auflage 250.000) publiziert die GEW eine der größten Fachzeitschriften im Erziehungsbereich. Zusätzlich gibt sie die theoretische Vierteljahreszeitschrift „DDS – Die deutsche Schule“ heraus und Mitgliederzeitschriften der Landesverbände.

Die Mitglieder der GEW arbeiten in pädagogischen, sozialpädagogischen und wissenschaftlichen Berufen an verschiedenen Schularten, in Kindertagesstätten und Jugendheimen, an Hochschulen, wissenschaftlichen Instituten und Forschungseinrichtungen, an Volkshochschulen und anderen Einrichtungen der Weiterbildung sowie an Goethe-Instituten, Deutschen Auslandsschulen, Europäischen Schulen, Bundeswehrschulen und ausländischen Sprachdiplomschulen. Etwa 40 Prozent der GEW-Mitglieder sind Angestellte, 60 Prozent Beamte. Zudem ist die GEW eine überwiegend von Frauen geprägte Gewerkschaft. Auf sie entfallen 70 Prozent der Mitglieder.

Etwa 63 Prozent der GEW-Mitglieder sind im Bereich Schule organisiert, Lehrkräfte an Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien, Internaten und Berufsschulen. In den vergangenen Jahren wurden verstärkt Erzieher, Früh- und Sozialpädagogen, Kinderpfleger und Sozialassistenten sowie Hilfskräfte als Mitglieder gewonnen.

Beschäftigte aus Kindertagesstätten wie Kinderkrippen, Kindergärten und Horten sowie Jugendheimen stellen eine wachsende Zahl der GEW-Mitglieder dar. Die Gewerkschaft setzt sich nicht nur für einen Ausbau der Einrichtungen ein, sondern auch für eine deutliche Aufwertung der Berufe.

Die GEW spricht auch die Beschäftigten an Hochschulen, wissenschaftlichen Instituten und Forschungseinrichtungen sowie in den sonderpädagogischen Berufen an.

Ziele Die GEW tritt für Chancengleichheit, Mitbestimmung sowie für soziale Sicherheit und Demokratie ein. Sie favorisiert das gemeinsame längere Lernen über die Grundschule hinaus nach dem Vorbild Skandinaviens und die gleiche Bezahlung der Lehrer aller Lehramtstypen.

Die Gewerkschaft macht sich für das Menschenrecht auf Bildung in einem inklusiven Bildungssystem stark. Dazu gehören Chancengleichheit und ein längeres gemeinsames Lernen. Nach wie vor aber hängen die Bildungschancen von Kindern in Deutschland vom sozialen Status der Eltern ab. Bildung müsse gesellschaftliche Ungleichheit abbauen, fordert die GEW. Es dürfe keine Aussonderung nach Herkunft und sozialer Stellung, Konfession oder Weltanschauung, Geschlecht oder Nationalität geben. Vielmehr müsse Bildung auf die allseitige Entwicklung des Menschen, auf die Entfaltung seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten und Talente sowie seiner sozialen Kompetenzen gerichtet sein. Die Politik habe den materiellen und personellen Rahmen für einen Umbau des ausgrenzenden und sortierenden Bildungssystems zu einem inklusiven bereitzustellen.

Die GEW setzt sich für gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten, faire Bezahlung, unbefristete Arbeitsverträge und sichere Arbeitsplätze im Bildungsbereich ein. Gleichzeitig sieht sie sich als starke bildungspolitische Stimme im Land.

Das Engagement für die Entwicklung und den Ausbau eines starken demokratischen öffentlichen Bildungswesens ist zentral. Die GEW verlangt eine grundsätzlich bessere finanzielle Ausstattung des Bildungssystems. Dem gegenwärtigen System mangele es an Gerechtigkeit, denn die soziale Herkunft entscheide letztendlich über Bildungs- und Zukunftschancen. Gleichzeitig steige mit den rasanten Veränderungen in der Arbeitswelt und den globalen Herausforderungen der Bedarf nach einer guten, umfassenden Bildung für alle Menschen.

Die GEW sieht im Ausbau des Bildungswesens eine Investition in die Zukunft. Unter anderem verlangt sie für alle Kinder einen kostenlosen Platz in einer Kindertagesstätte und den Ausbau der Ganztagsangebote. Kinder und Jugendliche – mit und ohne Behinderung – müssten gemeinsame in der „Einen Schule für alle“ lernen können. Die GEW wendet sich gegen Kürzungspolitik zu Lasten der Jugend und lehnt größere Klassen oder eine Einschränkung des Förderunterrichtes ab.

Eine zunehmende Bedeutung spielen in der Praxis der GEW prekäre Beschäftigungsverhältnisse – wie man sie ansonsten aus dem Niedriglohnbereich für gering Qualifizierte kennt. Doch zunehmend greifen sie auf den gesamten Bildungssektor über: Minijobs in Kitas, befristete Lehrtätigkeit mit geringem Verdienst in der Erwachsenenbildung oder an Hochschulen, Ein-Euro-Jobs und schlecht bezahlte Zeitverträge an Volkshochschulen – und neuerdings auch an Schulen.

Die Gewerkschaft fordert volle Verhandlungs- und Mitbestimmungsrechte für alle Beschäftigten, eingeschlossen Beamte. Sie „kämpft“ für das Streikrecht für Beamte. Die GEW tritt für ein einheitliches Personalrecht im öffentlichen Dienst und die volle tarifvertragliche Absicherung aller Beschäftigten ein, vor allem auch an privaten Bildungseinrichtungen.

Seit 2009 rangen GEW und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) um eine bundesweite tarifliche Entgeltordnung (L-EGO) für angestellte Lehrkräfte. Im Jahr 2015 kam eine Tarifeinigung der TdL mit dem Deutschen Beamtenbund zustande. Die GEW schloss sich diesem Tarifvertrag jedoch erst nach einigen Verbesserungen im Jahr 2017 an.

Geschichte

Vorgängergewerkschaften und Gründungszeit

Die GEW wurde am 1. Oktober 1948 gegründet.

Der Hamburger Landesverband der GEW feierte im November 2005 regional das 200-jährige Bestehen, weil er sich in der Folge der Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens sieht. Als weiterer Vorläufer kommt der im August 1848 in Dresden und im Herbst 1848 in Eisenach gegründete Allgemeine Deutsche LehrervereinZur Vorgeschichte: Rainer Bölling: Volksschullehrer und Politik, Göttingen 1978 in Betracht, dessen Aktivität sich jedoch aufgrund der politischen Restauration ab 1849 weitgehend auf die Herausgabe der Allgemeinen deutschen Lehrerzeitung beschränkte. Er vertrat von vornherein fast ausschließlich die Lehrer der Volksschule. Ab Dezember 1871 gab es nach der Gründung des Deutschen Reiches reichsweit den Deutschen Lehrerverein (DLV) in Berlin. Die Versammlungen des Vereins, deren Besucherzahl bis gegen 5000 stieg, fanden regelmäßig statt; seit 1876 abwechselnd mit einem Delegiertentag des Deutschen und des Preußischen Landeslehrervereins, bis 1893 die Verschmelzung dieser Vereine zustande kam. Der einflussreiche Verein zählte in 45 Zweigvereinen und rund 3000 Einzelverbänden 1904 gegen 105.000 Mitglieder. Sein Organ blieb die »Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung« (Leipzig).

miniatur|GEW Fahnen mit altem und aktuellem Logo

1919 wurde die Freie Lehrergewerkschaft Deutschlands als sozialistische Alternative zum DLV gegründet. 1933 wurden alle Gewerkschaften gleichgeschaltet und Verbände außerhalb des Nationalsozialistischen Lehrerbundes verboten.

Nach ersten Ortsgründungen in Hamburg (Max Traeger) und Braunschweig (Heinrich Rodenstein) gründete sich am 9./10. Januar 1947 in Detmold der Allgemeine Deutsche Lehrer- und Lehrerinnenverband für die Britische Besatzungszone, der dann am 1. Oktober 1948 in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft aufging. Sie gehörte zum DGB, und bis Oktober 1949 traten ihr die Lehrerverbände der Amerikanischen Besatzungszone außer dem BLV bei, dann die der Französischen Zone. Ab 1949 erschien bis 1971 die „Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung“, aus der die heutige Zeitschrift „Erziehung & Wissenschaft“ hervorgegangen ist.

Mit dem BLV gab es zusammen die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Lehrerverbände (AGDL), aus der heraus 1960 unter dem Philosophen Eugen Fink der richtungsweisende Bremer Plan zur Entwicklung des Schulwesens entstand: Entkonfessionalisierung der Volksschule, Verlängerung der Schulpflicht auf 10 Jahre in der Einheitsschule.Körfgen: Der Aufklärung verpflichtet, 1986, S. 120–127

Die meisten Mitglieder waren Volksschullehrer, daneben Realschullehrer, eine Minderheit der Gymnasiallehrer und wenige Hochschullehrer meist aus den Pädagogischen Hochschulen. Den marginalen Kontakt zu den Hochschulen stellte u. a. unter dem Erlanger Eduard Brenner der Oberaudorfer Kreis her.

Die GEW und der Radikalenerlass – ab 1972

Mit dem Radikalenerlass 1972 waren zahlreiche Mitglieder der GEW von einem Berufsverbot bedroht. Grundsätzlich gewährte die GEW allen Mitgliedern Rechtsschutz, die von einem Berufsverbot betroffen waren. Zugleich fasste die GEW bzw. ihre Gliederungen jedoch Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegen Mitglieder von K-Gruppen – als erste der Landesverband Hamburg 1974 –, die zur Folge hatten, dass Betroffene, gegen die zugleich ein Tatbestand eines Unvereinbarkeitsbeschlusses vorlag, von der GEW keine rechtliche Unterstützung in Verfahren wegen des Radikalenerlasses erhielten. Den aufgrund solcher Unvereinbarkeitsbeschlüsse ausgeschlossenen Mitgliedern wurde zugleich die Mitgliedschaft in anderen DGB-Mitgliedsgewerkschaften verwehrt, indem diese untereinander Listen mit ausgeschlossenen Mitgliedern austauschten. Landesverbände, die sich gegen die Unvereinbarkeitsbeschlüsse aussprachen, wurden vom Bundesverband unter Druck gesetzt – der Landesverband Berlin der GEW wurde in der Folge 1976 sogar aus der GEW ausgeschlossen.

Zur Aufarbeitung der Rolle der GEW in Bezug auf den Radikalenerlass gründete der Landesverband Berlin auf Beschluss seiner Landesdelegiertenversammlung im April 2018 eine „Arbeitsgemeinschaft Berufsverbote“.

Seit 1990

1990 gehörten der GEW rund 189.000 Mitglieder an. Die Mitglieder der Gewerkschaften der DDR „Unterricht und Erziehung“ sowie „Wissenschaft“ im FDGB wurden zum großen Teil in die GEW aufgenommen, so dass die Mitgliederzahl kurzfristig stark anstieg. Die GEW gilt seither als stark ostdeutsch orientierte Gewerkschaft, was sich 1997 in der Wahl von Eva-Maria Stange zur Bundesvorsitzenden niederschlug. Sie war die erste Ostdeutsche an der Spitze einer DGB-Gewerkschaft.

2012 schloss sich die GEW dem Bündnis Umfairteilen an.

Organisation auf Bundesebene miniatur|GEW-Demonstration in Düsseldorf im Januar 2009

Die geltende Satzung der GEW stammt vom 4. Juni 1968 und wurde inzwischen mehrfach geändert. Das oberste Organ der GEW ist laut Satzung der Gewerkschaftstag. Dessen etwa 400 Delegierte treten alle vier Jahre zusammen. Der Gewerkschaftstag beschließt die wesentlichen Grundsätze und Inhalte der GEW-Arbeit und wählt den Geschäftsführenden Vorstand. Das höchste beschlussfassende Gremium der GEW zwischen den Gewerkschaftstagen ist der etwa 70-köpfige Hauptvorstand. Er besteht aus dem geschäftsführenden Vorstand, den Vorsitzenden der 16 selbständigen Landesverbände sowie den Vertretern der Fach-,Bild Arbeits- und Personengruppen innerhalb der Gewerkschaft. Dem Geschäftsführenden Vorstand gehören acht stimmberechtigte Mitglieder an. Ihm untersteht die Geschäftsstelle des Hauptvorstandes in Frankfurt am Main.