Dautphetal ist eine verwaltungspolitische Gemeinde im Westen des mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Sie besteht aus zwölf Ortsteilen, ist nach dem das Gemeindegebiet durchfließenden Fluss Dautphe benannt und entstand in den 1970er-Jahren als Großgemeinde im Zuge der Hessischen Gebietsreform (siehe dazu Abschnitt „Gemeindebildung“). Zentraler Ortsteil und Verwaltungssitz ist das Dorf Dautphe. Die Gemeinde Dautphetal liegt im Osten des Hessischen Hinterlandes und wird gemeinhin als eine von sieben „Hinterlandkommunen“ bezeichnet.

Geographie

Lage Die Gemeinde liegt in den Ausläufern des Rheinischen Schiefergebirges nahe der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen und im westlichen Teil des Landkreises, dem Hessischen Hinterland, ungefähr 37 km östlich von Siegen und etwa 15 km westlich von Marburg, im Oberen Lahntal an den Flüssen Lahn und Dautphe. Hier treffen sich die Ausläufer des naturräumlichen Westerwaldes von Süden und die des Rothaargebirges von Norden.

Höchster Punkt der Gemeinde ist der gut hohe Schloßberg westlich Holzhausens,In vielen Quellen wird der hohe Nimerich fälschlich als höchste Erhebung angesehen, jedoch liegt laut „Schutzgebiete“ der Schloßberg auf Dautphetaler Gemarkung und ist über 540 m hoch. der mit niedrigste liegt im äußersten Osten, wo die Lahn das Gemeindegebiet verlässt.

Geologie mini|Geologische Karte der Dillmulde Bedingt durch die Lage im Bereich des Rheinischen Schiefergebirges, zu dem sowohl Westerwald als auch Rothaargebirge zählen, ist das Gemeindegebiet durch Gesteinsarten aus dem Paläozoikum (Erdaltertum) geprägt. Besonders häufig finden sich Grauwacke, Diabase, Quarzite, Lehm (als Verwitterungsprodukt von Schiefer und Diabas), aber auch teilweise Plattenkalk.

Die Gemarkung Dautphetal wird fast vollständig zum geologischen Strukturraum der sogenannten DillmuldeUmweltatlas Hessen. In: Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie 2005, [1. Februar 2006] gezählt, die sich – in Abweichung vom Verlauf des namensgebenden Flusses – längs der Nahtstelle zwischen Rothaargebirgs- und Westerwaldausläufern vom Dillgebiet bei Dillenburg und Herborn in nordöstliche Richtung bis nach Biedenkopf zieht und durch starke Erzvorkommen gekennzeichnet ist. Neben Kupfererz finden sich vor allem Mangan- und Eisenerze.

Nur ein sehr kleiner Bereich der Dautphetaler Gemarkung südlich von Damshausen zählt geologisch bereits zur sogenannten Hörre-Zone, die sich als schmalerer Streifen südlich an die Dillmulde anschließt.

Naturraum mini|350px|Der hohe Schwarzenberg-Ableger Nimerich und Friedensdorf sowie Dautphe (links) und Wolfgruben (oberhalb Friedensdorfs). Rechts im Hintergrund Biedenkopf und der hohe Sackpfeifen-Ableger Hainpracht

mini|350px|Blick von Silberg auf die Damshäuser Kuppen mit dem 498 m hohen Rimberg (mittig, teils verdeckt) im äußersten Nordosten des Gladenbacher Berglandes. Der breite, 474 m hohe Wollenberg (links) ist bereits ein Ausläufer des Rothaargebirges Das östlich, innerhalb der Gemeinde auch südöstlich verlaufende Tal der Lahn bildet die Grenze zwischen den Rothaargebirgsausläufern im Norden und dem Gladenbacher Bergland im Süden.

Die Erhebungen im Norden der Gemarkung zählen zu den Sackpfeifen-Vorhöhen. Sie ziehen sich als Teil des sogenannten Ostsauerländer Gebirgsrandes aus Richtung des 674 m hohen, namensgebenden Berges Sackpfeife (nördlich von Biedenkopf, etwa 8 km von der Gemeindegrenze entfernt) nach Osten bis zum 474 m hohen Wollenberg (zwischen Lahntal und Wetter), dem sich weiter östlich bereits die (deutlich flacheren) Burgwald-Vorläufer anschließen. Als typisches Mittelgebirgs-Vorland erreichen die Höhenlagen auf dem Gemeindegebiet 400 bis gut 500 m, etwas nördlich der Gemarkung mit dem Arennest gar 592 m. Der für das Hochsauerland und seine Ausläufer typische Eichen-Mischwald weicht mehr und mehr Aufforstungen von Nadelgehölzen.

Im flachgründigen Oberen Lahntal, zu dem ebenso das Tal der Dautphe gezählt wird, liegt der mit Abstand größte Teil der besiedelten Gebiete. Hier finden sich bei vergleichsweise mildem Klima typische Flussauenvegetationen. Im Osten befindet sich bei Elmshausen der mit 225 m niedrigste Punkt der Gemeinde.

Das für das Gladenbacher Bergland mit Höhen bis um 600 m im Süden, Westen und Südosten der Gemeinde fällt durch einen hohen Anteil an naturbelassenen Buchenwäldern auf. Es zerfällt innerhalb der Gemeindegrenzen in drei Sektoren.

Im Breidenbacher Grund (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen historischen Gerichtsbezirk!), der den Westen der Gemarkung einnimmt, liegt nordwestlich des Ortsteiles Dautphe, im Schwarzenberg-Wald, der 533 m hohe Nimerich.

Der äußerste (westliche) Süden des Gemeindegebietes bei Holzhausen wird bereits zu den Bottenhorner Hochflächen gezählt. Hier liegt im gut 540 m hohen Schloßberg die höchste Erhebung der Gemeinde. 3 km südöstlich, jedoch bereits auf Gladenbacher Grund, schließt sich der 552 m hohe Daubhaus an, westlich dessen der namensgebende Fluss der Gemeinde entspringt.

Getrennt von diesen Hochflächen durch das Tal der Dautphe, ist der Südosten der Gemeinde durch die erkennbar vulkanischen Damshäuser Kuppen geprägt, die an der Ostgrenze zur Nachbargemeinde Lahntal am Rimberg 498 m erreichen.

Berge nach Absoluthöhe Die markantesten Berge der Gemeinde sind: Schloßberg (gut 540 m) – Bottenhorner Hochflächen westlich von Holzhausen Nimerich (533 m) – Schwarzenberg-Wald im Breidenbacher Grund, nordwestlich von Dautphe; nördlich von Hommertshausen Bolzeberg (520 m) – Bottenhorner Hochflächen nordwestlich von Holzhausen und südöstlich von Mornshausen Hünstein (504 m) – Bottenhorner Hochflächen südlich von Holzhausen, mit Aussichtsturm Rimberg (498 m) – Damshäuser Kuppen nordöstlich von Damshausen, mit Aussichtsturm Eisenköpfe (498 m) – äußerster Nordosten der Bottenhorner Hochflächen, südlich von Hommertshausen Kappe (494 m) – Damshäuser Kuppen südöstlich von Allendorf und nordwestlich von Damshausen Schweinskopf (472 m) – Damshäuser Kuppen nordöstlich von Herzhausen Eichelhardt (465 m) – Damshäuser Kuppen südwestlich Allendorfs und südöstlich von Friedensdorf Beilstein (461 m) – Schwarzenberg/Breidenbacher Grund westlich Wolfgrubens Roth (378 m) – südöstlicher Vorgipfel Homberg (460 m) – Sackpfeifen-Vorhöhen ostnordöstlich von Buchenau Dusenberg (457 m) – Damshäuser Kuppen südsüdöstlich von Herzhausen Hornberg (451 m) – Damshäuser Kuppen südwestlich von Friedensdorf und östlich von Mornshausen Auf der Breitenlohe (306 m) – Damshäuser Kuppen, Ableger des Hornbergs im Westen Friedensdorfs, mit Kriegsdenkmal Treisberg (437 m) – Damshäuser Kuppen östlich Allendorfs Ellenberg (432 m) – Sackpfeifen-Vorhöhen nordnordwestlich von Buchenau Roßberg (425 m) – Damshäuser Kuppen südöstlich Elmshausens Hohenfels (402 m) – Damshäuser Kuppen nordöstlich Allendorfs und südlich Buchenaus Ochsenberg (391 m) – Sackpfeifen-Vorhöhen südwestlich Buchenaus und nordnordöstlich Friedensdorfs

Klima Allgemeines Das Gebiet Dautphetals liegt nach Köppen-Geiger im „gemäßigten Ozeanklima“ (Cfb-Klima) der mittleren Breiten. Die mittlere Tagesmitteltemperatur beträgt im Sommer ungefähr 15–16 °C (im Bereich des Lahntals 16–17 °C) und im Winter etwa −1 °C bis 1 °C. Die mittlere Niederschlagshöhe beträgt in Dautphetal etwa 800–1000 mm, im Bereich Buchenau und Elmshausen 700–800 mm.

Unwetter Das sogenannte Jahrhunderthochwasser von 1984 ließ den Pegel der Lahn so weit ansteigen, dass nicht nur zahlreiche Häuser unter Wasser standen, sondern auch die Obere Lahntalbahn gesperrt werden musste, weil das Gleisbett abschnittsweise weggespült wurde.

Der Orkan Kyrill entwurzelte bzw. zerstörte Mitte Januar 2007 flächenhaft zahlreiche Nadelbaum- und Buchenwaldungen in der Gemeinde. Die durch Kyrill entstandene Schadholzmenge entsprach der vierfachen regulären Jahreseinschlagsmenge im Gemeindegebiet.Vorbericht zum 1. Nachtragshaushaltsplan der Gemeinde Dautphetal für das Haushaltsjahr 2007

Gewässer mini|Die Lahn in Buchenau

Das größte Fließgewässer in Dautphetal ist die Lahn. Sie durchfließt das Gemeindegebiet im nördlichen Bereich von Westen (Stadt Biedenkopf) nach Osten (Gemeinde Lahntal), teils Richtung Südosten. Die Dautphe fließt ihr von Süden (Gladenbacher Gemarkung) zu und mündet im Zentrum der Gemeinde (Ortsteil Friedensdorf). Alle anderen Bäche innerhalb der Dautphetals sind aus geographischen Gründen sehr kurz und speisen ebenfalls mittelbar oder unmittelbar die Lahn.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Großgemeinde Dautphetal (nach dem Uhrzeigersinn im Norden beginnend): Die Städte Biedenkopf und Wetter (Hessen), die Gemeinde Lahntal, die Städte Marburg und Gladenbach, die Gemeinden Bad Endbach und Steffenberg sowie die Gemeinde Breidenbach. Alle Gemeinden liegen im westlichen Bereich des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Flächennutzung Stand: 31. Dezember 2005, Angaben in HektarHessisches Statistisches Landesamt, Wiesbaden, 2008 (Zugriff am 11. Juni 2016) Flächennutzung Fläche in Hektar in [%] Gebäude- und Freifläche4716,54 Betriebsfläche220,31 Erholungsfläche370,51 Verkehrsfläche4576,34 Landwirtschaftsfläche2.60736,19 Waldfläche3.49848,56 Wasserfläche660,91 Sonstige Nutzung460,64 Gesamt7.203100,00

Geschichte Die Geschichte der Großgemeinde Dautphetal ist noch relativ jung: Erst im Zuge der Gebietsreform in Hessen entstand sie am 1. Juli 1974 durch den Zusammenschluss von zwölf vormals eigenständigen Dorfgemeinden. Der hessische Landtag hatte die Neugliederung der Gemeinden per Gesetz erlassen. Da die Großgemeinde Dautphetal aus kleinen und kleinsten Gemeinden entstand und daher ein ausgeprägter Mittelpunkt fehlte, erhielt sie ebenso wie die Gemeinden Ebsdorfergrund und Lahntal eine finanzielle Starthilfe vom damaligen hessischen Innenministerium.Karl Huth: Der Landkreis Marburg-Biedenkopf. Verwaltungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Marburg: Kreisausschuss des Landkreises (Hrsg.) 1979, S. 284

Frühgeschichte und Mittelalter Aufgrund von Funden ist es wahrscheinlich, dass das Gebiet der heutigen Gemeinde Dautphetal schon in der Ur- und Frühgeschichte besiedelt war. Darauf deuten auch verschiedene Ringwallanlagen wie zum Beispiel am Rimberg oder am Hünstein hin. Die erste urkundliche Erwähnung war die Nennung der Gemarkung Dautphe im Jahr 791 im Lorscher Codex. Dieser Ortsteil ist damit der älteste nachgewiesene Ort der Gemeinde. Er war schon früh Sitz des Zentgerichts. Der unterste Gerichtsbezirk umfasste die Dörfer Allendorf, Buchenau, Damshausen, Dautphe, Elmshausen, Friedensdorf, Holzhausen, Hommertshausen, Mornshausen, Silberg und Wolfgruben (heute Dautphetal) sowie Eckelshausen, Kombach, Katzenbach, Dexbach und Engelbach (heute Biedenkopf).

Zur Zeit Karls des Großen (um 800) gehörte das Gebiet des heutigen Dautphetals zum Oberlahngau. Nach dem Aussterben der Gisonen 1122 fiel das Gebiet an die Ludowinger von Thüringen. Nach dem Tode des letzten Ludowinger Landgrafen Heinrich Raspe im Jahre 1247 gelang es seiner Nichte Sophie von Brabant, Tochter Ludwigs IV. und der Heiligen Elisabeth, im Thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg (1247–1264), die hessischen Gebiete der Ludowinger als Landgrafschaft Hessen für ihren Sohn Heinrich I. zu sichern. Wichtige Adelsherren im Bereich des Hinterlands waren damals die Herren von Hohenfels, von Hollende, von Wittgenstein, von Breidenbach, Döring sowie von Buchenau. Die Herren von Hohenfels mussten 1249 unter dem Druck Sophies auf ihre Rechte verzichten, und die Doppelburg Hohenfels wurde 1293 unter Landgraf Heinrich I. geschleift. mini|Übersichtskarte von Dautphetal

Landgrafschaft bis zur Gebietsreform 1974