Technologietransfer ist in der Volkswirtschaftslehre die externe Verwertung technologischen Wissens. Durch den Austausch wird die Nutzbarmachung dieses Wissens für Dritte ermöglicht.

Allgemeines Als Technologietransfer wird zum einen die Weitergabe industrieller Fertigungsverfahren oder Verfahrenstechniken an Entwicklungs- oder Schwellenländer einschließlich der finanziell unterstützten Weiterbildung von Ingenieuren und Wissenschaftlern an westlichen Hochschulen und Forschungsstätten, zum anderen die Übertragung und wirtschaftliche Verwertung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Wissenschaft in die Wirtschaft bezeichnet. Gegenstand eines Technologietransfers ist meist Know-how.

Definition In der Literatur findet man unterschiedliche Definitionen vor, die jedoch im Großen und Ganzen dieselben Merkmale aufweisen: Unter Technologietransfer (Technologie, „Herstellungs-, Verarbeitungslehre“, von „kunstgemäße Abhandlung über eine Kunst oder Wissenschaft“; Transfer, über das Englische von „hinübertragen, übertragen“) versteht man den Transfer von technischem Wissen (z. B. Forschungs- und Entwicklungsergebnisse) zwischen Entstehung und Verwendung im Kombinationsprozess der Produktionsfaktoren. „Technologietransfer ist die interorganisationale Übertragung von Technologien oder die Übertragung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen.“Erwin Dichtl, Ottmar Issing: Vahlens Großes Wirtschaftslexikon R–Z, Band 4. Beck, München 1987, S. 1821. „Weitergabe von technischem Wissen (z. B. Forschungs- und Entwicklungsergebnisse) für die Anwendung im Produktionsprozess.“ Meyers Lexikon online; abgerufen am 23. August 2009.

Begriffliche Einordnung in die Wirtschaft Technologietransfer dient nicht als Ziel, sondern als Mittel zur Steigerung des Wirtschaftswachstums, der Wirtschaftlichkeit und somit auch des Wohlstands. Grund hierfür ist die Steigerung des Nutzungsgrades der Technologie. Daran sind unter anderem Hochschulen, Wirtschaft und die Politik beteiligt.

Arten des Technologietransfers

Unter Technologietransfer versteht man im internationalen Zusammenhang den Übergang wirtschaftlich verwertbarer Fähigkeiten von einem Land in ein anderes. Man unterscheidet dabei zwischen verschiedenen Arten des Technologietransfers.

Beim gütergebundenen Technologietransfer findet ein Export von Investitionsgütern statt, welche vorher im Empfängerland nicht vorhanden waren. Dagegen spricht man vom personengebundenen Technologietransfer, wenn inländische Arbeitskräfte von Ausländern, mittels Beratung und Aus- und Weiterbildung, angelernt werden. Weiterhin bezeichnet man den Verkauf von Patenten, Lizenz- und Know-how-Verträgen und durch internationale Unternehmenskooperationen im Bereich Forschung und Entwicklung stattfindenden Austausch, als nicht-faktorgebundenen Technologietransfer. Ziel dieser Zusammenarbeit ist der Erwerb von technologischen Vorsprüngen des Partners. Ein Großteil (70–80 %) dieser Form des technologischen Austauschs findet zwischen verbundenen Unternehmen wie Mutter- und Tochtergesellschaften statt. Eine Umwandlung über Medien wie Bücher, Zeitschriften usw. bezeichnet man als nicht kommerziell betriebenen Technologietransfer. Neben diesen Arten gibt es auch illegale Formen des Technologietransfers, welche sich in Industriespionage und der Verletzung gewerblicher Schutzrechte wie Patente etwa durch Nachahmerprodukte niederschlagen.Axel Sell: Einführung in die internationalen Wirtschaftsbeziehungen. 2. Auflage. Oldenbourg-Wissenschaftsverlag, 2003, S. 190 f.

Technologie wird im weitesten Sinn als Gesamtheit der Fähigkeiten zur Kontrolle und Nutzung der Umwelt verstanden. Dabei ist technologisches Wissen bei ausgebildeten Personen, in Maschinen und Anlagen und in anderen Einrichtungen des Produktionsapparates vorhanden. Ein wichtiger Punkt bei der Transferierung technologischen Wissens liegt in dessen Speicherung. Schließlich kann bei Missachtung der Wissensspeicherung kein Austausch mehr stattfinden. Man unterscheidet bei der Anhäufung des Wissens zwischen künstlichen und natürlichen Wissensträgern. Wobei künstliche Wissensträger vor allem als elektronische Speichermedien (z. B. Disketten, CD-Rom) verstanden werden. Dem gegenüber steht das menschliche Gehirn als natürlicher Wissensträger.Karsten Boyens: Externe Verwertung von technologischem Wissen. DUV Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden 1998, S. 9 f.

Träger des Technologietransfers

Bei der Verbreitung fortschrittlicher Technologien stehen multinationale Unternehmen im Rahmen internationaler Produktion an erster Stelle. Bei einer im Ausland gegründeten Tochtergesellschaft wird man nicht nur mit modernen Produktionstechnologien, sondern auch mit modernen Managementtechniken konfrontiert. Folglich kommt es beim Informationsaustausch innerhalb des Unternehmens zu einem permanenten Technologietransfer. Der Großteil der Ausgaben im globalen Patent- und Lizenzverkehr besteht aus konzerninternen Zahlungen, da multinationale Unternehmen weltwirtschaftlich immer mehr an Bedeutung zunehmen.Axel Sell: Einführung in die internationalen Wirtschaftsbeziehungen. 2. Auflage. Oldenbourg-Wissenschaftsverlag, 2003, S. 193.

Die Förderung des Wissens- und Technologietransfers ist auch gesetzliche Aufgabe der deutschen Hochschulen ( Abs. 7 HRG). Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Mittlerorganisationen spielen eine zunehmend wichtige Rolle. In der wirtschaftlichen Zusammenarbeit stellen der nachhaltige Technologietransfer und die Qualifizierung der internationalen Partner entscheidende Elemente dar.

Regulierungen des Technologietransfers

Betrachtet man den Technologietransfer in Entwicklungsländern, steht der industrielle Aufholprozess sowie die Entwicklung und Übertragung der Technologie an die besonderen Bedingungen im Vordergrund. Dabei zielt man besonders auf die Anpassung an klimatische Bedingungen und die Beherrschbarkeit durch die Inländer ab. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit durch die Bundesregierung findet der Technologietransfer durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (giz) GmbH statt.

Im Hinblick auf die Genehmigung, Möglichkeiten der Vertragsgestaltung und die Besteuerung existieren verschiedene staatliche Regelungen die von Land zu Land unterschiedlich sind.Axel Sell: Einführung in die internationalen Wirtschaftsbeziehungen. 2. Auflage. Oldenbourg-Wissenschaftsverlag, 2003, S. 194 f.

Der Umgang mit Technologie und Innovation hat hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in der heutigen Zeit einen hohen Stellenwert. Dabei stellt technologisches Wissen aufgrund zunehmender technologischer Abhängigkeit eine vorwiegende Größe dar.Karsten Boyens: Externe Verwertung von technologischem Wissen. DUV Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden 1998, S. 1.

Inhalte und Blickpunkte

Sichtweisen aus Vergangenheit und Gegenwart Historisch betrachtet kam Technologietransfer hauptsächlich zwischen Industrie- und Entwicklungsländern vor. Durch die zwei Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 war die Weltwirtschaft geschwächt. Aufgrund dessen erfolgte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein allmählicher Wiederaufbau. Durch die daraus entstehende erneute Globalisierung wurde der Wettbewerb zwischen den Industriestandorten entzündet.Jochen Streb: Staatliche Technologiepolitik und branchenübergreifender Wissenstransfer. In: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte. Beiheft 4, Akademie Verlag, Berlin 2003, S. 13.

Man schenkte insbesondere dem Transfer aus Raumfahrt und Militärtechnik in Industrieländern eine größere Beachtung. Der Schwerpunkt des Transfers in Entwicklungsländer war eine Art technologische Entwicklungshilfe in Form gesellschaftsüberschreitender Beratung. Die erste Ölkrise 1973/74 und die allgemeine wirtschaftliche Rezession der 1970er JahreHilde Strohl-Goebel: Deutscher Dokumentartag 1982 – Fachinformation im Zeitalter der Informationsindustrie. München 1982, S. 232–248. ließen es notwendig erscheinen, „schneller als bisher wissenschaftlich-technische Ergebnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten aus der Forschung in die Wirtschaft und in den öffentlichen Sektor zu übertragen, um Produkte, Verfahren und qualifizierte Dienstleistungen zu verbessern und damit günstige Bedingungen für Innovationen zu schaffen“.Bundesministerium für Bildung und Forschung: Bundesbericht Forschung VI (PDF; 23,8 MB) abgerufen am 10. April 2008. Die heutige Sichtweise von Technologietransfer wird durch die abnehmende Halbwertszeit von Technologie und dem zugehörigen Know-how (z. B. immer kürzere Produktlebenszyklen) immer mehr an Bedeutung gewinnen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Zudem wird bisher nur ein geringer Prozentsatz neuer wissenschaftlicher Konzepte in technische Anwendungen überführt.

2002 wurde das sog. Hochschullehrerprivileg abgeschafft, um den Universitäten die Möglichkeit zu eröffnen, alle wirtschaftlich nutzbaren Erfindungen in ihrem Bereich schützen zu lassen und auf dieser Basis stärker und effektiver als bisher einer industriellen Verwertung zuzuführen.

Mit dem Förderprogramm Horizont 2020 trägt die Europäische Union zu Forschung und Innovation von der Grundlagenforschung bis zur Marktreife neuer Produkte bei.

Inhalt Technologietransfer wird als planvoller, zeitlich begrenzter, privatwirtschaftlich oder staatlich unterstützter Prozess verstanden, dem in der Regel eine vertragliche Vereinbarung (z. B. Lizenzvertrag) zugrunde liegt. Dabei werden freie Technologien (z. B. Patente, Lizenzen) und gütergebundene Technologien (z. B. Spezialmaschinen, vollständige Fabrikanlagen) unterschieden. In der Entwicklungspolitik stellt Technologietransfer darüber hinaus ein wichtiges Instrument dar.

Anwendungsgebiete Technologietransfer findet zwischen Hochschulen, Erfindern, Forschungseinrichtungen und Unternehmen, innerhalb multinationaler Unternehmen, zwischen verschiedenen Unternehmen, zwischen Industrieländern sowie zwischen Industrie- und Entwicklungsländern statt.

Merkmale von Technologietransfer

Orientierungsrichtungen Es gibt zwei Transferrichtungen, „technology push“ und „demand pull“. Zum ersten ist zu sagen, dass Technologie aus der Wissenschaft in die Wirtschaft transferiert wird. Das heißt, dass erst eine neue technische Entwicklung entsteht und erst dann mögliche Anwendungen und Nutzer gesucht werden (Transferrichtung: Wissenschaft → Wirtschaft). Bei „demand pull“ erfolgt die technische Entwicklung erst nach den Bedürfnissen der Wirtschaft. Das bedeutet, dass sich die Unternehmen mit einem konkreten Auftrag einen Transferpartner suchen, welcher dann eine Lösung bereitstellt (Transferrichtung: Wirtschaft → Wissenschaft).

Inter- und intraorganisatorischer Transfer Wird Wissen (bzw. Technologie) innerhalb einer Organisation von einem Subsystem in ein anderes übertragen, so spricht man von intraorganisatorischem Transfer. Der interorganisatorische Transfer erfolgt zwischen zwei wirtschaftlich und rechtlich selbstständigen Organisationen.Stephan Hoffstetter: Technologietransfer als Instrument zur Förderung von Innovationen in technologieorientierten Klein- und Mittelunternehmungen. Bamberg 1990, S. 23.

Direkter und indirekter Transfer Direkte Transfermaßnahmen erkennt man an einer unmittelbaren Beziehung zwischen dem Transfergeber und dem Transfernehmer. Das bedeutet, dass in keiner Phase des Transfers ein Transfervermittler (Transferstelle) beteiligt ist. Indirekte Transfermaßnahmen umfassen alle Formen des Transfers, bei denen die Übertragung von Technologie zwischen den beiden Transferpartnern über Transfervermittler erfolgt. Eine mittelbare Beziehung der Transferpartner ist die Folge.Stephan Hoffstetter: Technologietransfer als Instrument zur Förderung von Innovationen in technologieorientierten Klein- und Mittelunternehmungen. Bamberg 1990, S. 24, 381.

Horizontaler und vertikaler Technologietransfer