Biedenkopf (mundartlich Berrekopp) ist eine Kleinstadt im Norden Mittelhessens an der Grenze zu Westfalen am Oberlauf der Lahn und als solche Hauptort der gleichnamigen Stadtgemeinde im Westen des mittelhessischen Landkreises Marburg-Biedenkopf. Sie war bis zur Zusammenlegung mit dem Landkreis Marburg im Jahre 1974 Kreisstadt des Landkreises Biedenkopf und kann mithin als Hauptstadt des Hessischen Hinterlandes angesehen werden, dessen größte Stadt sie ist. Biedenkopf ist ein staatlich anerkannter Luftkurort. In: Oberhessische Presse. 24. März 2016, abgerufen am 25. März 2016. In: hessen.de. 17. Februar 2016. Besonders bekannt ist Biedenkopf für den Grenzgang, eines der größten Volksfeste der Region, bei dem von zehntausenden Besuchern mit verschiedensten Traditionen die Grenze des Stadtwaldes abgewandert wird.

Die Stadt in ihrer heutigen Form als Großgemeinde entstand in den 1970er-Jahren im Zuge der Hessischen Gebietsreform (siehe dazu Abschnitt „Eingemeindungen“).

Geographie Lage Die Stadt Biedenkopf liegt im westlichsten Teil des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Nordöstlich stößt die Kernstadt an die 674 m hohe Sackpfeife und ihre Vorhöhen, die den „Lützlergebirge“ genannten südöstlichen Ausläufern des Rothaargebirges gehören, südwestlich an den zum Gladenbacher Bergland gehörigen Schwarzenberg und das umgebende Massiv.

Zusammen mit 18 anderen Kommunen gehört Biedenkopf zum Naturpark Lahn-Dill-Bergland.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Biedenkopf (sie werden nach dem Uhrzeigersinn im Norden beginnend genannt): Die Städte Hatzfeld und Battenberg im Landkreis Waldeck-Frankenberg, im Landkreis Marburg-Biedenkopf die Stadt Wetter und die Gemeinden Münchhausen, Dautphetal und Breidenbach sowie die Städte Bad Laasphe und Bad Berleburg im Kreis Siegen-Wittgenstein, welche zu Nordrhein-Westfalen gehören.

Siedlungen und Wüstungen In der Gemarkung der Kernstadt Biedenkopf lagen die im Zusammenhang mit der Entstehung der Biedenkopfer Vorstadt wüst gefallenen Siedlungen Druckershausen, eine Dorfstelle bei der ehemaligen Walkmühle an der Lahn, und Guntershausen (auch Gonzhausen genannt), eine Dorfstelle rechts der Lahn an der Einmündung des Seitentals des Martinbachs in die Lahnniederung. Heute erinnert noch der Flurname Zu Guntershausen an die ehemalige Siedlung.

Ebenfalls in der Gemarkung der Kernstadt lag die wüst gegangene Siedlung Hüttenmühle, eine Mühlstatt auf dem heutigen Fabrikgelände der Ludwigshütte. Sie wurde 1572 erbaut und 1905 abgerissen.

Noch existent dagegen ist die Erlenmühle, ein Mühlengehöft am rechten Ufer der Lahn an der Lahnstraße (B 62). Sie besteht aus sechs Gebäuden und wurde 1729 durch Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt genehmigt. Es entstand eine Schneid- und Schlagmühle; 1830 bestand das Mühlengehöft bereits aus einer Mahl-, Öl- und Schneidemühle. 1847 wurde eine Kupferschmelze mit dem Namen Alexanderhütte eingerichtet. Darin wurden die Kupfer- und Silbererze verschmolzen, die aus Kupfergruben bei Dexbach, Lixfeld und Mornshausen a. D. angeliefert wurden. 1884 wurde in der Erlenmühle eine Spinnereifabrik eingerichtet.

Auf den Gemarkungen der einzelnen Ortsteile liegen zahlreiche weitere Siedlungen und Wüstungen, siehe dazu die Ortsteilartikel.

Stadtgliederung Ortsteil Wappen Luftaufnahme BeschreibungEinwohner-zahlUrkundliche ErstnennungBiedenkopfzentriert|59x59px150x150pxDie Kernstadt Biedenkopf befindet sich im Lahntal zwischen Eckelshausen und Wallau. Durch den Ort führt die ehemalige B 62 (heute K 83), welche durch eine Umgehungsstraße am Ortsrand ersetzt wurde. Im südöstlichen Teil des Ortes befindet sich ein Industriegebiet und im nordwestlichen ein Wohngebiet. Über dem Ort thront das Landgrafenschloss Biedenkopf.73591196Breidensteinzentriert|52x52px150x150pxBreidenstein liegt an der Perf, südlich des Ortes befindet sich der Perfstausee. Der Ort liegt etwa 4 km westlich der Kernstadt und durch ihn führt die Bundesstraße 253. Zum Ort gehört ein Ferienhausgebiet und das Gewerbegebiet Goldberg.13411227Dexbachzentriert|54x54px150x150pxDexbach liegt im Tal des Engelbachs, etwa 5 km nördlich von der Kernstadt, durch den Ort führt die Landesstraße 3091, die die B 253 mit Dexbach, Engelbach und Wetter (Hessen) verbindet.2851332Eckelshausenzentriert|55x55pxEckelshausen liegt im Lahntal zwischen Kombach und der Kernstadt Biedenkopf, von dieser etwa 2 km entfernt. Im Ort trifft die Bundesstraße 453 aus Richtung Dautphetal auf die Bundesstraße 62.7591320Engelbachzentriert|52x52pxEngelbach liegt zwischen Dexbach und Treisbach im Engelbachtal, etwa 5 km nördlich der Kernstadt an der Landesstraße 3091, welche die B 253 mit Wetter (Hessen) verbindet.3331237Katzenbachzentriert|52x52px150x150pxKatzenbach liegt an gleichnamigem Bach, nördlich von Eckelshausen und östlich von Biedenkopf. Der Ort wird durch die Kreisstraße 16 Mit Kombach und der B 62 verbunden.181456Kombachzentriert|52x52px150x150pxKombach liegt oberhalb der Lahn und durch den Ort fließt der Kombach. Über die Kreisstraße 16 ist der Ort mit Katzenbach und der B 62 verbunden.9811268Wallauzentriert|52x52px150x150pxWallau liegt, westlich von Biedenkopf, an der Lahn und ist nach der Kernstadt der größte Stadtteil. Durch den Ort führt die ehemalige Bundesstraße 62 (heute K 103).32941289Weifenbachzentriert|52x52px150x150pxWeifenbach liegt nördlich zwischen Wallau und der Kernstadt am gleichnamigen Bach. Der Ort ist über die Kreisstraße 109 mit Ludwigshütte und der B 253 verbunden.6151262

mini|Schloss und Oberstadt mit Stadtkirche

Flächennutzung Stand: 1. Januar 2005InstantAtlas™ Bericht (Zugriff am 8. März 2013) und 1. Januar 2009 Flächennutzung Fläche 2005 Fläche 2009 in Hektar in % in Hektar in % Gebäude- und Freifläche 573 6,34 572 6,33 Betriebsfläche 10 0,11 12 0,13 Erholungsfläche 73 0,81 75 0,83 Verkehrsfläche 387 4,28 390 4,32 Landwirtschaftsfläche 1.732 19,17 1.726 19,11 Waldfläche 6.117 67,72 6.117 67,72 Wasserfläche 72 0,80 71 0,79 Sonstige Nutzung 69 0,76 70 0,77 Gesamt 9.033 100,00 9.033 100,00

Geschichte mini|Burg und Stadt Biedenkopf nach einem Stich von Matthäus Merian mini|Marktplatz um 1860 mini|Kreiskriegerdenkmal mit Brunnen auf dem Marktplatz

Mittelalter Erstmals wurde Biedenkopf 1196 schriftlich erwähnt, als ein Harmouthdus von Biedencaph als Ministeriale des Kölner Erzbischofs auftrat. Die Familie von Biedencap(h) entstammte der Familie von Hohenfels und erbaute einen Vorgängerbau des Schlosses Biedenkopf. Historisch dokumentierte Erwähnungen des Ortes aus späteren Jahrhunderten sind: Bietencaph (1251), Beydencap (1259), Bydenkapf (1314), Biedinkap (1502) und Biedencopf (1630).

Um 1231 gelangte die Burg in den Besitz des Landgrafen Konrad von Thüringen, der die hessischen Besitzungen der Ludowinger verwaltete und Biedenkopf unterhalb der Burg anlegen ließ. 1302 kam Biedenkopf in den Besitz der Landgrafen von Hessen, welche die Stadt jedoch häufig verpfändeten. Die Stadt wurde Sitz eines eigenständigen Amtes.

Lokale Adelsgeschlechter mit Besitz in Biedenkopf waren: die Familie von Breidenbach mit der Hufenburg (einem 1647 im Hessischen Bruderkrieg abgebrannten Adelshof) im sogenannten Hofgarten unterhalb des früheren Felsenkellers, die Familie von Döring mit der Döringsburg in der Obergasse, die Familie von Schenk mit dem sogenannten Schenkbarschen Haus, einem Fachwerkhaus gegenüber der Kirche.

Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Biedenkopf:

Ab dem 6. Juni 1832 war Biedenkopf Kreisstadt des Kreises Biedenkopf.Großh.-Hess. Reg.-Bl. 1832, S. 365, S. 564.

In den 1840er Jahren wurde eine Eisenbahnstrecke geplant. Der Bau begann aber erst 1880; die Strecke wurde am 19. März 1883 eröffnet.

Zur Erinnerung an die Gefallenen des Kreises Biedenkopf in den Kriegen von 1866 und 1870/71 wurde vom Kriegerverein 1904 am Marktplatz ein Kriegerdenkmal mitsamt Brunnen errichtet. Vorher stand an dieser Stelle ein Sandstein-Brunnen zur Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser. Weitere Brunnen dieser Art befanden sich am oberen Marktplatz neben dem ersten Rathaus (heute noch vorhanden) und in der Stadtgasse (Bocksborn).

Um 1933 war Biedenkopf eine Hochburg der NSDAP, die im März 1933 Adolf Hitler zum Ehrenbürger ernannte. Diese Ehrenbürgerschaft wurde ihm – kurioserweise zweimal – aberkannt: 1946 und 2007.

Der Zweite Weltkrieg endete für Biedenkopf mit der Besetzung durch US-amerikanische Truppen am 29. März 1945, 17 Uhr. Der Fernsprech- und Telegrafendienst wurde komplett eingestellt. In der Stadtgasse sägen die Besatzungssoldaten das Fernsprechhäuschen ab und schleppen es als Kriegsbeute weg. Der damalige Bürgermeister Heinrich Klein übergab auf dem Marktplatz dem kommandierenden amerikanischen Offizier die Stadt Biedenkopf mit der Bitte, Leben und Eigentum der Bürger zu schonen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde viel neu gebaut, vor allem für Heimatvertriebene. Davon zeugen Straßennamen wie zum Beispiel Donauschwabenstraße oder Sudetenstraße.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden zum 31. Dezember 1971 die bisher selbstständigen Gemeinden Dexbach, Eckelshausen, Engelbach und Kombach eingegliedert. Am 1. Juli 1974 wurden die Stadt Biedenkopf mit der Stadt Breidenstein, der Gemeinde Wallau (Lahn) und dem Ortsteil Katzenbach der Gemeinde Buchenau (Lahn) kraft Landesgesetz zur neuen Stadt Biedenkopf zusammengeschlossen. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden sowie für die Kernstadt wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Gleichzeitig verlor Biedenkopf am 1. Juli 1974 den Status als Kreisstadt, denn der Landkreis Biedenkopf, der Landkreis Marburg und die kreisfreie Stadt Marburg wurden zum Landkreis Marburg-Biedenkopf zusammengefasst, mit Marburg als Kreisstadt.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Biedenkopf angehört(e):

vor 1302: Heiliges Römisches Reich, Zent Dautphe ab 1302: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Biedenkopf ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt BiedenkopfDie Zugehörigkeit des Amtes Biedenkopf anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Biedenkopf ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Biedenkopf ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen (1803–1816), Amt Biedenkopf ab 1816: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Biedenkopf ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk BattenbergTrennung von Justiz (Landgericht Biedenkopf) und Verwaltung ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1867: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (übergangsweise Hinterlandkreis) ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Biedenkopf