Die Schlacht bei La Rothière fand am 1. Februar 1814 im Tal der Aube südlich von Brienne statt. Es war eine der ersten Schlachten des Winterfeldzuges 1814. In der Schlacht stand die französische Armee unter Napoleon einer zahlenmäßig weit überlegenen Armee der Koalitionstruppen unter dem preußischen Marschall Blücher gegenüber. Nach der Schlacht zog sich Napoleon über die Brücke bei Lesmont zunächst nach Westen bis Troyes zurück. Obwohl die Koalitionstruppen unter Befehl eines preußischen Kommandierenden standen, nahmen an dieser Schlacht keine preußischen Truppen teil außer Blüchers Stabswache und 2.000 Reitern unter dem Fürsten Biron von Curland.

Vorgeschichte

Zu Beginn des Jahres 1814 stand Napoleon mit dem Rücken zur Wand. Seine Lage schien aussichtslos, aber die Alliierten waren nach der Schlacht von Leipzig zerstritten. Um ihr Gesicht zu wahren, bot Metternich Napoleon im November 1813 die natürlichen Grenzen Frankreichs als Verhandlungsbasis an. Napoleon zögerte, nahm dann aber zur Überraschung aller die Bedingungen an. In Großbritannien gab es unterdessen Bedenken, da die „natürlichen Grenzen“ unweigerlich mit dem britischen Beharren auf einem neutralen Belgien kollidieren mussten. Castlereagh, der britische Außenminister, reiste beunruhigt nach Basel. Dort konnte er Metternich überzeugen den Krieg fortzusetzen. Anfang 1814 verkündete Metternich, dass die Bedingungen der „natürlichen Grenzen“ nicht mehr in Frage kämen und dass Frankreich die Grenzen von vor 1792 akzeptieren müsse. McLynn: 1997, S. 574 ff. Nach der Schlacht bei Brienne, am 29. Januar 1814 hatten sich Koalitionstruppen unter Blücher in günstigere Stellungen in der Umgebung des Ortes Trannes südlich von Brienne zurückgezogen. Mit der Böhmischen Armee unter Karl Philipp zu Schwarzenberg, die sich von Chatillon-sur-Seine, Bar-sur-Aube und Neufchâteau näherte, standen den Alliierten 150.000 Mann zur Verfügung.Chandler: 1966, S. 958 ff.

Auftakt Nachdem ihre Armeen in der Nähe von Trannes aufeinander getroffen waren, beschlossen Blücher und Schwarzenberg, am 1. Februar einen Angriff auf Napoleon zu starten. Blücher erhielt das direkte Kommando über 53.000 Mann – zwei eigene Korps, die durch zwei Korps aus Schwarzenbergs Armee verstärkt wurden. Von Wrede verpflichtete sich mit seinen 25.000 Mann gegen die linke französische Seite vorzugehen, und Blücher wurde mitgeteilt, dass er im Notfall von Barclay de Tolly und der russischen Reserve (33.000 Mann) unterstützt werden würde. Am Morgen des 1. Februar setzten sich daher rund 110.000 alliierte Soldaten in Bewegung und marschierten von Trannes aus nach Norden. Napoleon, dem es an zuverlässigen Informationen fehlte, begann zu glauben, dass die Alliierten versuchten, ihn in der Nähe von La Rothière festzusetzen, während sie ihren Hauptangriff anderswo starteten. Berichte über feindliche Bewegungen südlich von Troyes ließen vermuten, dass Schwarzenberg seinen eigentlichen Angriff in dieser Richtung durchführen wollte, während Blücher in der Gegend von Trannes für Ablenkung sorgte. Am 1. Februar um 10.00 Uhr gab Napoleon daher den Befehl für eine allgemeine Bewegung auf Troyes, wobei Marmont den Auftrag erhielt, Lesmont zu besetzen. Die Divisionen von Ney setzten sich sofort auf der Straße durch Brienne in Bewegung. Überraschend meldete Marschall Victor am Mittag große feindliche Bewegungen in der Nähe von Trannes und Eclance, die einen Angriff anzukündigen schienen. Obwohl er immer noch glaubte, dass es sich um einen Bluff von Blücher handelte, beschloss Napoleon, bis zur endgültigen Klärung der Lage die Stellung zu halten.Chandler: 1966, S. 960 ff.

Die Bewegungen der weiteren Korps der Böhmischen Armee in der Zusammenfassung + Die Bewegungen der Böhmischen Armee vor der Schlacht bei La RothièreBernhardi, Thielen, Damitz, Petre. Die Angaben in der Literatur differieren stark. Seit dem Rheinübergang waren erhebliche Truppenteile zurückgeblieben, um die befestigten Orte einzuschließen. Truppenteil Truppenstärke Position am 29. Januar 1814 am 30. Januar 1814 am 31. Januar 1814 abends oder 1. Februar 1814 früh morgens Korps Gyulay (Österreich) 15.000 (ca. 3.000 hiervon blieben zurück in Vendeuvre, um die Straße nach Troyes zu blockieren) von Vendeuvre-sur-Barse bis Bar-sur-Aube Bar-sur-Aube von Arsonval bis Bossancourt Korps des Kronprinzen Wilhelm (Württemberg) 14.500 Bar-sur-Aube von Maisons bis Fresnay Eclance Korps Wrede (Bayern, Österreich) 25.000 Joinville Doulevant Korps Colloredo (Österreich) 15.500 Bar-sur-Seine auf dem Marsch von Bar-sur-Seine nach Vendeuvre-sur-Barse Vendeuvre-sur-Barse Die russischen Grenadiere 11.500 Chaumont Colombey-les-Deux-Églises Bar-sur-Aube Die russischen Kürassiere 8.500 Chaumont Colombey-les-Deux-Églises Bar-sur-Aube Die russischen und preußischen Garden 20.000 (13.000 Russen, 7.000 Preußen) auf dem Marsch von Langres nach Colombey-les-Deux-Églises Summe kampffähiger Truppen 110.000

Die Aktionen der französischen Armee bis zum Vorabend der Schlacht Bis zum Abend des 30. Januar 1814 hatten die einzelnen Korps der französischen Armee diejenigen Stellungen bezogen, die sie auch zu Beginn der Schlacht innehatten: Das XI. Korps (General Gérard) hatte Dienville besetzt, das II. Korps (General Victor) La Rothière und die Dörfer Petit-Mesnil, La Giberie, Chaumesnil. Nur der linke, östliche Flügel war noch nicht besetzt, da das VI. Korps (General Marmont) noch nicht eingetroffen war. Napoleon ordnete unverzüglich an, dass die Brücke über die Aube in Lesmont wiederherzustellen sei. Diese hatte die Nachhut des russischen Korps Sacken am Vortage zerstört. Die Wiederherstellung erwies sich aber als nicht einfach und zog sich bis zum späten Abend des 31. Januar hin. Zwar standen der französischen Armee für einen möglichen Rückzug über die Aube auch die Brücke in Dienville und eine westlich von Brienne-la-Vieille zur Verfügung, aber die letztere erschien zu klein und die erstgenannte lag in der Reichweite der gegnerischen Geschütze. Ein Rückzug nach Norden oder Nordosten verbot sich, da dort bereits das preußische I. Korps (General Yorck) und die Korps Wrede und Wittgenstein der Böhmischen Armee eingetroffen waren. Am Vortag der Schlacht, besichtigte Napoleon seine Truppen am Nachmittage und ordnete an, ein Bataillon des Korps Victor den südlich von La Giberie gegenüber von Eclance gelegenen Wald von BeaulieuBois de Beaulieu besetzen solle. Danach zog sich Napoleon wieder auf das Château Brienne zurück und wartete auf das Eintreffen von Marmont. Am 29. Januar 1814 lag das VI. Korps noch in Saint-Dizier. Als Marmont erfuhr, dass sich preußische und russische Truppen näherten, verließ sein Korps mit Ausnahme mehrerer hundert Mann unter General Lagrange die als Nachhut zurückblieben, Saint-Dizier und zogen nach Süden bis Wassy. Als das preußische I. Korps am nächsten Tage Saint-Dizier einnahm, rettete sich Lagrange mit seinen Männern ebenfalls nach Wassy. Die Koalitionstruppen rückten aber nach, so dass sich Marmont mit seiner Truppe nach Montier-en-Der zurückziehen musste. Am Morgen des 31. Januar 1814 marschierte das Korps weiter, ließ dabei 400 Reiter in Montier-en-Der zurück, um den Ort zu halten. Diese wurden im Laufe des Tages von den Preußen, die ihnen nachgestellt hatten, angegriffen; 150 Franzosen wurden gefangen genommen, der Rest schlug sich über Lesmont durch nach Pougy, wo sie wieder auf ihr Korps trafen.

Das stark geschrumpfte VI. Korps (General Marmont) hatte am 31. Januar 1814 nur noch ein paar tausend Mann, aber 40 Kanonen bei sich, die sich über verbrauchte Wege nicht transportieren ließen. Die direkte Straße nach Brienne, auf der die französische Armee schon am 29. Januar 1814 gezogen war, erwies sich als unbrauchbar. So schlug das Korps den Umweg über Soulaines-Dhuys ein. In Soulaines trafen die Franzosen auf die Reiter des Grafen Pahlen, die sie für Kosaken hielten und die auf dem Wege waren zu ihrem Korps Wittgenstein, dessen Vorhut sie wieder bilden sollten. Graf Pahlens Reiter zogen sich in Sichtweite zurück, was den Franzosen aber keine Sicherheit brachte, da starke Kontingente des Korps Wrede aus dem Osten heranrückten. Ein heftiges Schneegestöber und die hereinbrechende Dunkelheit ermöglichte es den Männern Marmonts, sich abseits der Straße auf Waldwegen nach Westen abzusetzen. Um 1:00 Uhr morgens am 1. Februar 1814 erreichten sie Morvilliers, von wo Marmont einen Kurier zu Napoleon im Château Brienne sandte. Der Kurier kehrte um 8:00 Uhr morgens mit detaillierten Befehlen für die bevorstehende Schlacht zurück, die Marmont nie mehr ausführen konnte.

Das Schlachtfeld

Wetter Am 1. Februar 1814 herrschte nachmittags während der Schlacht starker Schneefall. Dieser war zeitweise so stark, dass die Gefechtshandlungen zum Erliegen kamen. Durch das unbillige Wetter war das Gelände schwer und aufgeweicht, mit der Folge, dass beide Seiten ihre Geschütze nur unter großen Anstrengungen manövrieren konnten. Dies behinderte zunächst die angreifenden Koalitionstruppen. Später führte es dazu, dass die französischen Truppen ihre Geschütze nicht hinreichend schnell zurücknehmen konnten. So eroberten die Koalitionstruppen in dieser Nacht mehr als siebzig französische Geschütze (nach französischen Angaben 54 Geschütze). Die feuchte Witterung hatte auch zur Folge, dass die Pulverpatronen feucht wurden und die Gewehre als Schusswaffen unzuverlässig wurden. Daher kam es in dieser Schlacht zu vielen Bajonettangriffen und Kämpfen mit den Hieb- und Stichwaffen.

Topografie 305px|mini|Der Stausee «Lac du Temple» bei Dienville, der heute den Wasserstand der Aube reguliert: diesen See gab es 1814 noch nicht. Es ist zu beachten, dass sich durch die Hochwasserregulierung im 20. Jahrhundert das Landschaftsbild an der Aube stark verändert hat. Die Aube fließt zwischen Trannes und Perthes-lès-Brienne am westlichen Rand einer weiten und damals sehr feuchten Ebene in nordnordwestlicher Richtung. Bei Trannes treten von Osten bewaldete Höhen an den Fluss heran, und das Tal ist dort noch eng, weitet sich dann aber bis Brienne sehr.

Die Hauptstraßen, die man heute vorfindet, gab es 1814 bereits: Die Straße von Brienne nach Süden über La Rothière und Trannes (heute D396), die Straße von Lesmont nach Brienne-le-Château und weiter nach Südosten über Chaumesnil La Chaise Soulaines-Dhuys, die Straße von Brienne-le-Château direkt südwärts nach Dienville.

Diese Straßen waren damals wegen des feuchten Grundes zum Teil über Dämme geführt. Die Strecke von Dienville ostwärts über La Rothière nach Petit-Mesnil beträgt 4,5 Kilometer, das Schlachtfeld war also von einiger Ausdehnung. Zwischen den Dörfern Eclance östlich von Trannes und La Giberie östlich von La Rothière lag der Wald von Beaulieu. Brücken über die Aube gab es in Lesmont, Dienville und Unienville und noch eine kleinere westlich von Brienne-la-Vieille. Die Brücke bei Lesmont war am 29. Januar 1814 von den Russen zerstört worden und musste vor jeder Benutzung von den Franzosen erst instand gesetzt werden. Die gelang ihnen erst bis zum späten Abend des 1. Februar 1814. Das westliche Ufer der Aube liegt südlich von La Rothière höher als das östliche Ufer und gab daher den Truppen, die es besetzen konnten, eine überlegene Position.Im 19. Jahrhundert war diese Region von häufigen Hochwassern geprägt. Diese können erst seit den 1970er-Jahren reguliert und beherrscht werden. Aufstellung Frankreich