Der Dümmer, auf amtlichen Wegweisern auch als Dümmer See bezeichnet, ist ein 12,4 km² großer und bis zu 1,4 m tiefer See im Westen des norddeutschen Tieflandes im niedersächsischen Landkreis Diepholz (Deutschland). Er liegt im Dreieck zwischen dem Flecken Lemförde sowie den Städten Damme und Diepholz und wird von der Hunte durchflossen.
Etymologie Im Jahr 965 wurde das Wort „diummeri“ erstmals urkundlich erwähnt. Vermutlich ist der Name „Dümmer“ aus den Bestandteilen „dummerig“ und „Meer“ zusammengesetzt. In Nordwestdeutschland ist „Meer“ die Bezeichnung für ein stilles Gewässer, aus und neben dem sich Moore bilden (vgl. auch die großen niedersächsischen Seen „Steinhuder Meer“ und „Zwischenahner Meer“); „dummerig“ bedeutet, auf Ackerland bezogen, im Westfälischen „feucht“ und „schattig“. Dann wäre die Bezeichnung „Dümmer See“ eine Dopplung, weil sie transkribiert bedeutete „feuchter See See“.
Möglicherweise besteht auch eine Beziehung zwischen dem Wort Dümmer und dem südniederländischen Wort „doom“ („Dampf“, „Nebel“).
Geographie Lage Der Dümmer liegt in der Dümmer-Geestniederung auf . Nach Westen steigt die Landschaft zu den hohen Dammer Bergen an, nach Südosten zum Stemweder Berg (), und nach Nordosten leitet sie zum Kellenberg () über. Neben diesen drei Höhenzügen ist der See einer der Hauptlandschaftsteile im Naturpark Dümmer, in dessen südlicher Mitte er sich ausbreitet. Durchflossen wird er von der Hunte, die im Südwesten ein- und im Norden ausfließt.
Die Wasserfläche des Sees gehört vollständig zum Landkreis Diepholz, aber an seinem Westufer reicht der Landkreis Vechta bis ins Deichvorland. Im Nordwesten ist die Kreisgrenze nur wenige Meter von der Uferlinie entfernt. Im Südwesten neben der Hunte-Einmündung reicht ein Zipfel des Landkreises Osnabrück bis einen halben Kilometer vor dem See. Während der Kreis Diepholz seit 1585 (Grafschaft Diepholz) sowie 1582 (Grafschaft Hoya) zum Kurfürstentum Hannover gehörte, war das Gebiet des Kreises Vechta jahrhundertelang Territorialbesitz des Bistums Münster und kam erst mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 zu Oldenburg. Daher wird es zum Oldenburgischen Münsterland gerechnet.
Der Dümmer liegt im Dreieck zwischen den Flecken und Städten Lemförde im Südosten, Damme im Westen und Diepholz im Nordnordosten. Direkte Uferorte sind Hüde im Südosten und Lembruch im Nordosten; etwas entfernt vom Ufer liegt im Nordwesten der Dammer Ortsteil Dümmerlohausen. Um den Dümmer herum liegen Nieder- und Hochmoore der Diepholzer Moorniederung.
Naturräumliche Zuordnung Der Dümmer gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Dümmer-Geestniederung (Nr. 58), in der Haupteinheit Diepholzer Moorniederung (584) und in der Untereinheit Dümmer-Moorniederung (584.0) zum Naturraum Dümmer-Niederung (Nr. 584.04).
Merkmale Der Dümmer ist nach dem Steinhuder Meer der zweitgrößte See in Niedersachsen. Seine Wasserfläche ist 12,4 km² groß, die Fläche innerhalb des Ringdeiches einschließlich der Verlandungszonen beträgt 14,97 km². Der See ist maximal 1,4 m tief, woraus sich günstige Bade- und Wassersportmöglichkeiten ergeben. Der Flachsee mit entsprechend flachen Stränden am West- und am Ostufer ist von Südsüdosten nach Nordnordwesten maximal 5,5 km lang und von Westen nach Osten maximal 4 km breit. Sein Einzugsgebiet ist seit Bestehen der Bornbachumleitung 337 km² groß.
Der Wasserkörper wird von der Hunte durchflossen. Sie verlässt den See in mehreren Armen, deren größter nicht der Hunte, sondern der Lohne genannte Arm ist. Weitere Arme sind die Grawiede und – künstlich – Wätering, Dorflohne, Schoddenlohne und Omptedakanal. Erst 13 km nördlich des Sees und 3 km nördlich von Diepholz sind alle Huntearme wieder vereint. Die theoretische Wasserverweildauer beträgt im Sommer etwa 85 Tage und im Winter rund 46 Tage.
Der fischreiche See, der auch Brut- und Rastplatz für Vögel ist, weist eine vielfältige Flora und Fauna auf. Deshalb stehen das West- und das Südufer des Sees sowie ein Streifen an seinem Ostufer weitgehend unter Naturschutz.
Obwohl der See durchschnittlich nur etwa einen Meter tief ist, halten recht wasserreiche Quellen und auch die Hunte seinen Wasserstand relativ konstant. Früher verursachten diese Zuflüsse in Verbindung mit starkem Niederschlag regelmäßig Überschwemmungen, so dass man in den 1940er Jahren damit begann, den See weiträumig einzudeichen. Hierfür wurden von 1941 bis 1945 in großem Umfang russische Kriegsgefangene eingesetzt. Die Eindeichung bewirkte, dass sich durch das Ausbleiben der jährlichen Überschwemmungen immer größere Algenbestände im See bildeten, die den meisten anderen Lebewesen den Sauerstoff entzogen. Der niedrige Wasserstand rührt von starker Verschlammung her, die ebenfalls eine Folge der Eindeichung ist. Mithilfe einiger Schleusen wurde es möglich, diese Hochwassereinbrüche künstlich zu steuern, ohne dabei allzu stark in die Natur einzugreifen. Dennoch leidet der Dümmer unter starkem Nährstoffeintrag aufgrund intensiver Landwirtschaft.
Klima Am – hier ersatzweise herangezogenen, rund 60 Kilometer weiter östlich liegenden – Steinhuder Meer herrscht Seeklima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 10,3 °C und einer Jahresniederschlagsmenge von 807 mm.
Geschichte mini|hochkant|Jahrhunderte alte Grenze beim Olgahafen (Westseite des südlichen Grenzpfahls) mini|hochkant|Ostseite des nördlichen Grenzpfahls
Entstehung des Dümmers Der Dümmer bildete sich vor etwa 12.000 Jahren und hat eine ähnliche Entstehungsgeschichte wie das Steinhuder Meer: Bisher hat man angenommen, dass der Dümmer eine Deflationswanne sei. Die umliegenden Sande (Dünen) reichen jedoch nicht aus, um die Bildung als Deflationsmulde zu deuten. Man nimmt heute an, dass das Seebecken des Dümmers durch das Entstehen von Eislinsen während der Weichsel-Kaltzeit geformt wurde. Die Vergletscherung dieser letzten Eiszeit reichte zwar nicht bis in diese Region, jedoch war die Landschaft periglazial geprägt, also als Kältesteppe ausgebildet. Zu dieser Eislinsen-Theorie ist man durch Untersuchungen des periglazialen Raumes in Kanada gelangt. Dieses Phänomen darf aber nicht mit den sogenannten Pingos verwechselt werden.
Altsteinzeit Die bisher älteste Anwesenheit des Menschen am Dümmer ist durch eine bereits 1887 im Dümmer herausgefischte Harpunenspitze nachgewiesen. Sie wurde von Menschen der Altsteinzeit hergestellt, die in der damaligen baumlosen Tundra des Bölling-Interstadials der Weichsel-Kaltzeit vor 15.000 Jahren in der Dümmerniederung dem Ren nachstellten.
Mit dem Anstieg der Temperaturen vor rund 12.000 Jahren veränderte sich die Natur am Dümmer: Birken- und Kiefernwälder dehnten sich aus, weitere Laubhölzer kamen hinzu, Groß- und Niederwild wurden heimisch – eine ideale Lebensgrundlage für den Menschen des Mesolithikums. Eine Spitze mit Widerhaken, vielleicht eine Harpunenspitze – 1973 bei Lemförde gefunden – bestätigt die Anwesenheit dieser Mittelsteinzeitmenschen bereits zum Ende der Weichsel-Kaltzeit, denn mithilfe der C14-Methode wurde die Spitze auf ein Alter von 11.000 Jahren vor unserer Zeit datiert.
Weitere 150 vorwiegend mittelsteinzeitliche Fundstellen wurden ab 1999 bei systematischen Feldbegehungen vor allem im westlichen Bereich des Dümmers entlang der frühen postglazialen Uferlinie des Sees ermittelt.
Übergang von der Mittelsteinzeit zur Jungsteinzeit Vor 7000 Jahren wurden Nomaden in der Dümmerniederung sesshaft. Bei Deichbau- und Drainagearbeiten wurde südlich des Dümmers am Huntezufluss eine urgeschichtliche Siedlung entdeckt. Diese wurde 1961 bis 1967 unter der wissenschaftlichen Leitung von Jürgen Deichmüller auf einer Gesamtfläche von 1100 m² systematisch ausgegraben. Das dabei viele tausend Objekte umfassende Fundmaterial „ist überaus reichhaltig und mannigfaltig und vermittelt einen ungewöhnlich guten Einblick in das Alltagsleben jener Menschen, die zwar noch Jagd und Fischfang betrieben, aber darüber hinaus bereits begonnen hatten, Haustiere zu züchten, Getreidearten zu kultivieren, Steinbeile zu durchbohren und zu schleifen, Wolle zu spinnen, Gefäße aus Ton zu formen und zu brennen und festere Hütten zu bauen als ihre Vorfahren.“
Wegen des außerordentlichen Reichtums der Fundstücke, auch an organischen Substanzen, die für die Radiokarbondatierung geeignet waren, konnte eine zeitliche Einteilung der Besiedlungszeit dieses Platzes vorgenommen werden: ca. 4200–3700 v. Chr.: erste noch zahlenmäßig geringe Besiedlungsphase ca. 3700–3180 v. Chr.: „Hauptbesiedlungszeit mit einer großen Anzahl bearbeiteter und radiokarbondatierter Hölzer, die außerhalb des Bereiches der oberen Kulturschicht auftraten.“ ca. 2950–2700 v. Chr.: Die dritte Besiedlungszeit „erscheint isoliert von beiden vorangehenden dazustehen; es kann aber nicht ausgeschlossen werden, daß dennoch eine kleine Anzahl von Menschen den Siedlungsplatz bewohnte.“
Nach den Knochenfunden in den einzelnen Schichten zu urteilen, waren die Bewohner der Siedlung immer noch Wildbeuter des Mesolithikums, auch wenn bereits Haustierknochen vorhanden sind.
Der Nachweis neolithischer Keramik, zum Teil sogar mit eigener Ausprägung („Dümmer-Keramik“ oder „Hüde-Swifterband-Gruppe“), lässt auf Kontakte zu den südlich in den Lössgebieten bereits existierenden neolithischen Kulturen schließen. Auch die Reste von Getreide in Mühlen und Schüsseln dürfen nicht unbedingt als Beweis für eine bäuerliche Lebensweise gelten, denn produzierende Wirtschaftsformen wie Landbau und Viehzucht lassen sich nicht nachweisen.
Jungsteinzeit Zum Ende der zweiten Besiedlungsphase von Hüde I – etwa um die Zeit 3300 bis 3200 v. Chr. – legten Menschen eines anderen Kulturkreises auf einer sich leicht abhebenden Geländekuppe an der nördlich vom Dümmer ausfließenden Hunte die Moorsiedlung Hunte 1 an. Dieser Platz wurde 1934 bei der Begradigung der Hunte entdeckt und in den Jahren 1938 bis 1940 von Hans Reinerth, dem damaligen Leiter des Reichsamtes für Vorgeschichte, systematisch ausgegraben. Im Jahre 2000 wurden die während des Zweiten Weltkrieges verstreuten Grabungsdokumente und das Fundmaterial im Rahmen eines Forschungsprojektes des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover wieder zusammengetragen und wissenschaftlich ausgewertet.
Das Fundmaterial der ersten Besiedlungsphase von „Hunte I“ ist Menschen der Trichterbecherkultur zuzuordnen. Es ist „die erste Kulturgruppe im nordwestdeutschen Raum, die alle Merkmale einer jungsteinzeitlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsform aufweist.“
Diese Neolithiker lösten im 4. Jahrtausend v. Chr. allmählich die vorherige, fast 5000 Jahre lang existierende mesolithische Lebensweise ab. Für diese folgenreiche Übergangsphase vom Mesolithikum zum Neolithikum im norddeutschen Raum sind die beiden Fundorte Hüde I und Hunte I von großer wissenschaftlicher Bedeutung und zeichnen die Dümmerniederung als eine der wichtigsten urgeschichtlichen Regionen aus.
Von der Antike bis zum frühen 20. Jahrhundert Die Dümmerniederung war seit ihrer Entstehung nach der Weichseleiszeit immer eine von reichlich Wasser geprägte Niederungslandschaft. Über die Jahrtausende mit langsamer Klimaerwärmung entwickelten sich Moorböden. Wegen der starken Nässe war eine Besiedlung der Niederungen um den Dümmer für die Menschen im Mittelalter sehr schwierig. Die Hunteniederung war eine Landschaft zwischen Wasser und Land, die landwirtschaftlich noch nicht genutzt werden konnte. Den See nutzten Menschen jahrhundertelang vor allem auf der Suche nach Fisch. Erste dauerhafte kleine Siedlungen aus Hofgruppen wurden im Mittelalter auf kleinen Anhöhen wie z. B. in Burlage, Marl und im Umfeld des Stemweder Berges errichtet.. naturpark-duemmer.de. 2017