mini|Coburger Rathaus, Sitz des Landtags bis 1881 mini|Staatsministerium, Sitz des Landtags ab 1881

Als Coburger Landtag wird die Volksvertretung zunächst von Sachsen-Coburg-Saalfeld und später des Herzogtums Sachsen-Coburg, einem Teil des Doppelherzogtums Sachsen-Coburg und Gotha, zwischen 1821 und 1918 bezeichnet.

Entstehung mini|Bundesakte von 1815 Nach den Befreiungskriegen trat Sachsen-Coburg-Saalfeld dem Deutschen Bund bei. § 13 der Deutschen Bundesakte verpflichtete die Bundesstaaten, eine landständige Verfassung einzurichten, die Landstände als Vertretung der Bevölkerung vorsah.

Die Verfassung des Herzogtums Coburg wurde nach längeren Vorarbeiten bereits seit 1804 zunächst von der Landesregierung, nach einer Ständewahl mit diesen erarbeitet und unter dem 8. August 1821 in Kraft gesetzt. Die neue Verfassung sah ein Einkammernparlament vor.

Zusammensetzung Sechs der Sitze der Ständeversammlung waren den Rittergutsbesitzern vorbehalten. Drei Sitze wurden von den Rittergutsbesitzern des ehemaligen Fürstentums Coburg gewählt, zwei aus dem Fürstentum Saalfeld und einer aus dem Amt Themar. Ganz bewusst wurde nicht auf die adlige Herkunft, sondern auf den Besitz abgehoben. Im Gegensatz zu den meisten anderen Staaten des Deutschen Bundes musste im Herzogtum Coburg nicht auf die Interessen der mediatisierten Adelsfamilien Rücksicht genommen werden.

Jeweils ein Abgeordneter wurde von den Magistraten der Städte Coburg und Saalfeld bestimmt. Coburg Saalfeld und Pößneck wählten darüber hinaus je einen Vertreter aus der Bürgerschaft. Die restlichen Gemeinden wählten zusammen 6 Mitglieder. Insgesamt hatte der Landtag damit 17 Abgeordnete.

Das aktive Wahlrecht hatten bei den Rittergutsbesitzern natürlich nur diese, in den Städten die Inhaber des Bürgerrechtes und auf dem Land die Hauseigentümer sowie die Geistlichen und Beamten. Das passive Wahlrecht setzte den christlichen Glauben (gleich welcher Konfession), das Staatsbürgerrecht, ein Mindestalter von 30 Jahren sowie einen guten Ruf und finanzielle Solidität voraus.

Als Zensus war vorgeschrieben, dass die Abgeordneten ein Vermögen von 4000 Gulden oder ein Einkommen von 400 Gulden haben mussten.

Die Wahl der Rittergutsbesitzer und der Stadtmagistralen erfolgte direkt durch das jeweilige Organ. Die Wahl der übrigen Mitglieder erfolgte ab der zweiten Wahl indirekt über Wahlmänner. Je 25 Häuser eines Ortes wurde je ein Wahlmann gewählt. Diese bestimmten dann die Abgeordneten. Die Wahl erfolgte nicht geheim, sondern öffentlich.

Dieses Wahlrecht spiegelte die damalige Auffassung von Beteiligungsrechten wider und entsprach bei weitem nicht unseren heutigen Vorstellungen von Demokratie. Die Rittergutsbesitzer, die 1/3 der Mandate innehatten, repräsentierten wenig mehr als 100 Menschen und damit kein Prozent der Wähler. Die Städte waren in etwa gemäß ihrem Anteil an der Bevölkerung vertreten, der bäuerliche Stand weit unterrepräsentiert.

Kompetenzen Die Ständeversammlung war keine Legislative im heutigen Sinne, aber am Gesetzgebungsverfahren beteiligt. Sie hatte insbesondere kein Gesetzesinitiativrecht, sondern konnte lediglich Gesetzesentwürfe des Herzogs annehmen oder ablehnen. Eine starke Stellung (verglichen mit anderen Parlamenten dieser Zeit) hatte der Landtag jedoch im Bereich der Haushaltspolitik. Der Landtag hatte ein Haushaltsrecht und konnte über Gesetze, die "die Freiheit und das Eigentum" des Bürger betrafen, entscheiden. Diese starke Stellung zeigte sich unter anderem darin, dass die Kontrolle der Staatsschuldenverwaltung in Sachsen-Coburg durch eine vom Landtag gewählte Kommission erfolgte. Die Rolle des Haushaltsplans als formelles Gesetz, wie wir sie heute kennen, wurde erstmals in der coburgischen Verfassung festgelegt.

Mitglieder des ersten Landtags 1821–1828 Der erste Landtag wurde 1821 gewählt und am 20. März 1821 eröffnet. 1826 verließen die neun Abgeordneten von Themar, Pößneck und Gräfenthal aufgrund des Gebietstausches den Landtag. Abgeordnete waren:

Kurie Gebiet Name Rittergutsbesitzer Fürstentum Coburg Forstobermeister Ernst Anton Karl von Imhoff Rittergutsbesitzer Fürstentum Coburg Feldoberst Ernst August von Donop Rittergutsbesitzer Fürstentum Coburg Rat und Kaufmann Johann Schöner Rittergutsbesitzer Fürstentum Saalfeld Major Anton von Könitz Rittergutsbesitzer Fürstentum Saalfeld Bergrat Hamann Rittergutsbesitzer Themer Hauptmann von Bünau Magistrat Coburg Polizeidirektor Johann Andreas Ortloff Magistrat Saalfeld Justiz- und Polizeidirektor Rose (Landtagssekretär) Bürgerschaft Coburg Hofadvokat Andreas Fischer Bürgerschaft Saalfeld Lederhändler Knoch Bürgerschaft Pößneck Kaufmann Gebhardt Amtsbezirk Coburg Amtsschultheiß und Gastwirt Andreas Göckel Amtsbezirk Neustadt Georg Truckenbrod Amtsbezirk Rodach Amtstaxator Nicol Flohrschütz Amtsbezirk Saalfeld Michael Franz Amtsbezirk Gräfenthal Stadtjustiziar Rosenthal Amtsbezirk Themar Amtsverwalter Hedenus

Ernst August von Donop wurde als Landtagsdirektor bestimmt.

Märzrevolution Nach der Märzrevolution wurde mit dem Gesetz, die Ständeversammlung und die Wahl der Abgeordneten hierzu betreffend vom 22. April 1848 die Wahl und Zusammensetzung des Landtags verändert. Nun bestand der Landtag aus 18 Abgeordneten, die in ein-Personen-Wahlkreisen in indirekter Wahl gewählt wurden.

Neuregelung 1852 Mit dem Staatsgrundgesetz für die Herzogtümer Coburg und Gotha vom 3. Mai 1852 wurden die Landtage neu geregelt. Weiterhin bestanden zwei Landtage für Gotha und für Coburg. Der Coburger Landtag hatte 11, der in Gotha 19 Mitglieder. Daneben bestand ein Gemeinschaftlicher Landtag für beide Herzogtümer, der sich aus den Mitgliedern der beiden Speziallandtage zusammensetze. Die Abgeordneten wurden nun in Ein-Personen-Wahlkreisen in indirekter Wahl auf vier Jahre gewählt. Für die Zeit zwischen den Sitzungen des Landtags wählte der Landtag aus seiner Mitte einen Ausschuss, der sich aus dem Landtagspräsidenten und drei weiteren Mitgliedern zusammensetzte.

Mitglieder des Landtags 1865 bis 1868 Wahlbezirk Name Stand I Louis Rückert Rechtsanwalt in Coburg II Schmidt Sparkassenverwalter in Coburg III Friedrich Köhler Rechtsanwalt in Coburg / Landtagspräsident IV Feodor Streit Rechtsanwalt in Coburg V Emil Heinrich Reinhold Deyßing Justizamtmann in Coburg VI Alfred Schmidt Bürgermeister in Rodach VII Johann Eduard Eichhorn Hoffischer in Unterlauter VIII Rudolf Muther Bürgermeister in Coburg IX Johann Georg Gundermann Landwirt in Zedersdorf X Caspar Metzner Schultheiß in Hofstädten XI Ronge Magistratsrat in Königsberg

Der Ausschuss bestand aus Landtagspräsident Köhler und den Abgeordneten Muther, Deyßing, Schmidt I und Ronge. Stellvertreter waren Rückert, Schmidt II und Streit.Staatshandbuch für die Herzogthümer Sachsen-Coburg und Gotha, 1865, S. 78 ff., onlineFür die Beschlüsse des Landtags 1865 bis 1868 siehe dessen Protokolle, Digitalisat

Mitglieder des Landtags 1869 bis 1872

Wahlbezirk Name Stand I Rudolf Muther Bürgermeister in Coburg / Landtagspräsident II Louis Rückert Rechtsanwalt in Coburg / Schriftführer III Johann Sollmann Schlossermeister in Coburg IV Schubert Gastwirt in Obersiemau V Emil Heinrich Reinhold Deyßing Justizamtmann in Coburg / Vizepräsident VI Alfred Schmidt Bürgermeister in Rodach / stellvertretender Schriftführer VII Johann Eduard Eichhorn Landwirt und Webemeister in Unterlauter VIII Stöckenius Kaufmann in Neustadt IX Rudolph Geith Fabrikant in Coburg X Caspar Metzner Kaufmann in Weidhausen XI Ronge Privatier in Königsberg Der Ausschuss bestand aus Landtagspräsident Muther und den Abgeordneten Deyßing, Geith und Schmidt. Stellvertreter waren Rädlein, Sollmann und Ronge.Für die Beschlüsse des Landtags 1869 bis 1872 siehe dessen Protokolle, Digitalisat

Mitglieder des Landtags 1890

Wahlbezirk Name Stand I Rudolf Muther Oberbürgermeister in Coburg / Präsident II Ludwig Appel Magistratsrat in Coburg III Emil Forkel Rechtsanwalt in Coburg IV J. W. Schubart Rechtsanwalt in Neuses V Robert Rädlein Kaufmann in Weidhausen / Vizepräsident VI Johann Raab Gutsbesitzer in Elsa VII Georg Richard Mönch Schultheiß in Beuerfeld VIII Oscar Arnold Fabrikant in Neustadt bei Coburg IX Joh. R. Dusch Schultheiß in Mönchröden X Wilhelm Gutsel Töpfermeister in Sonnefeld XI Georg Lentz Bürgermeister in Königsberg Der Ausschuss bestand aus Landtagspräsident Muther und den Abgeordneten Forkel, Rädlein, Arnold und Raab. Stellvertreter waren Dusch und Lentz.Staatshandbuch für die Herzogthümer Sachsen-Coburg und Gotha, 1890, S. 158,

Mitglieder des Landtags 1907

Wahlbezirk Name Stand I J. R. Schindhelm Korbwarenfabrikant in Coburg II Friedrich Schumann Kaufmann in Coburg / Schriftführer III Friedrich Bretzfeld Rechtsanwalt und Notar in Coburg IV Friedrich Schlottermüller Schultheiß in Rossach V Carl Hahn Schultheiß in Grub a. F. VI Adolf Kraus Schultheiß in Heldritt VII Gottlieb Römhild Schultheiß in Meeder / stellvertretender Schriftführer VIII Oscar Arnold Fabrikant in Neustadt bei Coburg / Präsident IX Emil Eckardt Schultheiß in Fechheim X Wilhelm Gutsel Häfnermeister in Sonnefeld / Vizepräsident XI Reinhold Stepf Kaufmann in Königsberg Der Ausschuss bestand aus Landtagspräsident Arnold und den Abgeordneten Schumann, Schindhelm und Römhild. Stellvertreter waren Schlottermüller, Bretzfeld und Hahn.Hof- und Staatshandbuch für die Herzogtümer Sachsen-Coburg und Gotha, 1907, S. 42, Digitalisat

Mitglieder des Landtags 1908 bis 1911 Bei den Landtagswahlen 1908 wurden ein Sozialdemokrat (Hermann Mämpel), zwei Kandidaten des Freisinns, vier des NLP und vier Agrarier gewählt.Klaus von Andrian-Werburg|Klaus Freiherr von Andrian-Werburg: Die Zusammensetzung der Coburgischen Volksvertretung bei der Vereinigung Coburgs mit Bayern; in: Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 1969, S. 37

Wahlbezirk Name Stand I Hermann Mämpel Angestellter bei Allgemeinen Ortskrankenkasse in Coburg II Ernst Külbel Malzfabrikant und Magistratsrat in Coburg III Kleemann Coburg IV Friedrich Schlottermüller Bürgermeister in Rossach / bis 1915 V Carl Hahn Schultheiß in Grub a. F. VI Adolf Kraus Schultheiß in Heldritt VII Gottlieb Römhild Bürgermeister in Meeder / Schriftführer VIII Oscar Arnold Fabrikant in Neustadt bei Coburg / Präsident IX Schmidt X Wilhelm Gutsel Töpfermeister in Sonnefeld / Vizepräsident XI Reinhold Stepf Bürgermeister in KönigsbergVerhandlungen des Landtags für das Herzogthum Coburg 1908-1911, S. 1 ff., Digitalisat

Mitglieder des Landtags 1912 bis 1918 Bei den Landtagswahlen 1912 wurden drei Kandidaten des Freisinns, vier des NLP und vier Agrarier gewählt.Klaus Freiherr von Andrian-Werburg: Die Zusammensetzung der Coburgischen Volksvertretung bei der Vereinigung Coburgs mit Bayern; in: Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 1969, S. 37

Wahlbezirk Name Stand I Carl Senkeisen Holzwarenfabrikant und Magistratsrat in Coburg II Ernst Külbel Malzfabrikant und Magistratsrat in Coburg / Schriftführer III Gustav Hirschfeld Oberbürgermeister in Coburg IV Friedrich Schlottermüller Bürgermeister in Rossach / bis 1915 IV Christian Brückner Schultheiß in Haarth / Nachwahl 1915 V Gustav Heß Landwirt in Neuses bei Coburg VI Gustav Langner Bürgermeister in Rodach VII Gottlieb Römhild Bürgermeister in Meeder VIII Oscar Arnold Fabrikant in Neustadt bei Coburg / Präsident IX Reinhold Göckel Mühlenbesitzer und Landwirt in Oberwohlsbach X Wilhelm Gutsel Töpfermeister in Sonnefeld / Vizepräsident XI Reinhold Stepf Bürgermeister in KönigsbergKlaus Freiherr von Andrian-Werburg: Die Zusammensetzung der Coburgischen Volksvertretung bei der Vereinigung Coburgs mit Bayern; in: Jahrbuch der Coburger Landesstiftung 1969, S. 37.Verhandlungen des Landtags für das Herzogthum Coburg 1912-1918, S. 1 ff., Digitalisat

Nach dem Ersten Weltkrieg