Schönheiderhammer ist ein Ortsteil der Gemeinde Schönheide im sächsischen Erzgebirgskreis. Er liegt an der Zwickauer Mulde und entstand als Werkweiler um ein im 16. Jahrhundert gegründetes Hammerwerk. Zu Schönheiderhammer gehören oberhalb im Tal der Zwickauer Mulde die Siedlung Wilzschhaus und der Wohnplatz Altes Wiesenhaus.
Lage Schönheiderhammer liegt im Westerzgebirge am westlichen Ende der Talsperre Eibenstock auf einer Höhe von etwa . Nach der Naturraumkarte von Sachsen gehört Schönheiderhammer teilweise zur Mikrogeochore „Eibenstocker Talsperrengebiet“ und teilweise „Rautenkranz-Schönheider Muldetal“, beide sind Teil der Mesogeochore „Eibenstocker Bergrücken“. Der östlichste Punkt war der Konradfelsen,Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909 oder 1910), S. 124 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) ein inzwischen vom Wasser der Talsperre umschlossener Bereich, dessen oberster Teil noch herausragt.
Name Im Jahr 1569 wurde die Bezeichnung „Hammer uff der Schönheyde“ verwendet, 1590 „Schonheyder Hammer“, 1592 „Schönheider Hammer“ und 1699 „Blechhammer ... unter der Schönheide“.Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band II: M-Z. (= Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte. Band 21). Bearbeitet von Ernst Eichler, Volkmar Hellfritzsch, Hans Walther und Erika Weber. Akademie Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, S. 387 (Online, Seite nicht direkt aufrufbar, Seitenzahl eingeben). Erläuterungen, Abkürzungen und die zitierte Literatur sind hier zu finden: Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band III: Apparat und Register. (= Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte. Band 21). Bearbeitet von Ernst Eichler, Volkmar Hellfritzsch, Hans Walther und Erika Weber. Akademie Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8. Im Alphabetischen Verzeichnis aller Orte in Sachsen von 1791 heißt es:„Schönheyder Hammer“ und wird so charakterisiert: Ein Hammerguth mit 1 hohen Ofen, 2 Blechfeuern, 1 Stabhammer und Zienhaus an der Mulde. 3 Mühlen mit 4 Gängen.Alphabetisches Verzeichnis aller in dem Churfürstenthum Sachsen und in denen dazu gehörigen incorporirten Landen befindlichen Schrift- und Amtsäßigen, auch accisbaren großen und kleinen Städte, Aemter, Schlösser, Flecken, Rittergüther, Dörfer, Forwerge, Kirchspiele, Poststationen, Schäfereyen, Mühlen, Schenken, wüsten Marken, aller Berg-, Zechen-, Gruben-, Hütten-, auch Wald-, Forst- und Jagd-Gebäude, desgleichen Hohen Oefen, Schmelzhütten, Poch- und Hammerwerke, auch Pechhütten etc, desgleichen in welchen Creys, Amt oder Jurisdiction jedes gehörig, mit beygefügten Anmerkungen. Zweyte beträchtlich vermehrte und verbesserte Auflage. Mit Churfürstl. Sächß. gnädigstem Privilegio, In der Waltherischen Hofbuchhandlung, Dresden 1791, S. 519 (Digitalisat) In seinem Kartenwerk vom Anfang des 18. Jahrhunderts verwendet Adam Friedrich Zürner die Bezeichnung „Hamer“, westlich davon steht „Schönheyde“.Adam Friedrich Zürner: Atlas Augusteus Saxonicus (Exemplar A), Karte vom Erzgebirgischen Kreis, 1711-1742, Beschreibung: XVIII, General-Charte von Gebürgischen Creisse. Des Churfürstenthums Sachsen Ertzgebürgischer Creis, worinnen enthalten die Aemter […], Datierung: 1711–1742. Link zur Karte in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Geschichte Das Eisenhammerwerk Schönheide wurde 1566 durch Georg Blöde an der Zwickauer Mulde in der Nähe eines bereits vorhandenen Vorwerks errichtet. Dieses lag im heutigen Schönheider Ortsteil Schädlichberg hoch über der Zwickauer Mulde am flachen Ostabhang des Berges Knock, verfügte aber auch über große Ländereien im Tal der Mulde, die zu einem Teil für den Eisenhammer genutzt wurden. Dieses Vorwerk – später über Jahrhunderte nach einem Besitzer als „Uttmanns Vorwerk“ bezeichnetErnst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide. Schönheide o. J. (1909), Reprint der Gemeinde Schönheide 1992, S. 264 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) – wird in dem Vertrag von 1563 über den Verkauf von Schönheide und anderen Ortschaften von den Erben des Balthasar Friedrich von der Planitz an Kurfürst August als „das neu angerichtete Forwergk“ bezeichnet.Gottfried August Arndt: Archiv der Sächsischen Geschichte. 2. Teil, Leipzig 1785, S. 372. (Digitalisat), abgerufen am 3. Juli 2014.Der Zehntner Melchior Siegel aus Eibenstock erwarb im Jahr 1585 das Eisenhammerwerk. In der Folge modernisierte er den Stabhammer und erweiterte ihn um einem Hochofen (1629 zugunsten des neuen Hochofen in Steinbach stillgelegt). Im folgenden Jahrhundert blieb dieser Standort im Besitz der Familie Siegel. 1625 richtete Jeremias Siegel das Werk auf die Blechfabrikation aus. Kurfürst Johann Georg I. gab ihm allerdings am 4. Oktober 1625 die Konzessionierung für nur einen Blechhammer.Akte im Bergarchiv Freiberg, abgerufen am 7. Oktober 2014. Siegel schloss sich der Erzgebirgischen Blechcompagnie an. In den Jahren 1693 und 1703 soll das Werk durch Brände Schaden genommen haben.Christian Lehmanns Sen. weiland Pastoris zu Scheibenberg Historischer Schauplatz derer natürlichen Merckwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober-Ertzgebirge : Darinnen Eine außführliche Beschreibung dieser gantzen gebirgischen und angräntzenden Gegend/ Nach ihrem Lager/ Gestalt/ Bergen/ Thälern/ Felßen/ Flüssen/ Brunnen/ warmen Bädern … enthalten / Weiland von dem seel. Autore … zusammen getragen … Nun aber Mit schönen Kupfern und nöthigen Figuren gezieret/ und … aufgethan von dessen Hinterlassenen Erben, Verlag Friedrich Lanckischens Erben, Leipzig 1699, S. 780 Digitalisat der ULB Halle, abgerufen am 23. März 2015.Carl Wilhelm Hering: Geschichte des Sächsischen Hochlandes mit besonderer Beziehung auf das Amt Lauterstein und angrenzende Städte, Schlösser und Rittergüter. Verlag von Johann Ambrosius Barth. Band 2, Leipzig 1828, S. 119 (Digitalisat), abgerufen am 28. Juni 2014. Über den Brand von 1693 wird in Christian Lehmanns posthum erschienenem Buch Historischer Schauplatz derer natürlichen Merckwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober-Ertzgebirge berichtet:
Den Brand im Jahr 1703 erwähnt Christian Meltzer in seiner Historia Schneebergensis Renovata von 1716:
Nach der Wiedereinrichtung kam es zu häufigen Besitzerwechseln. Aus einem Konkurs erwarben es 1764 der Schönecker Bürgermeister Johann Christoph Jahn und der Oberblauenthaler Hammerherr David Rauh. Er ließ den Hochofenbetrieb, den Stabhammer und Zaineisenfrischhütte erneuern und begann mit dem Guss von Herden, die in dieser Zeit aufgekommen waren. In Hoffmanns Abhandlung über die Eisenhütten des Jahres 1788 wird Rauh als fleißiger und geschickter Hammerherr bezeichnet.Des Freyherrn von Hofmann Abhandlung über die Eisenhütten. 1. Theil. Neue Auflage. Vierlingsche Buchhandlung. Hof 1788, S. 55 (Digitalisat), abgerufen am 2. Juni 2014. Im gleichen Jahr wird diese Ausstattung genannt: 1 Hohenofen, 1 Frisch- und Staabfeuer, 3 Blechfeuer und 1 Zinnhaus.Friedrich Gottlob Leonhardi: Erdbeschreibung der Churfürstlich- und Herzoglich-Sächsischen Lande. Bey Joh. Phil. Haugs Witwe. Leipzig 1788, S. 399 (Digitalisat), abgerufen am 22. April 2015.
Carl Gottlob Rauh erreichte beim König Friedrich August von Sachsen am 28. Februar 1808 für das Hammerwerk Schönheide und die dazugehörigen Güter und Räume die Bestätigung der Verleihung der Ober- und Erbgerichte sowie der Schriftsäßigkeit.Sächsisches Staatsarchiv, GB AG Schwarzenberg Nr. 267, Canzleischein wegen der dem Hammerwerk Schönheyde und den übrigen darin benannten Güthern und Räume ertheilten Ober- und Erbgerichtsbarkeit, auch Schriftsässigkeit, 26. Februar 1808, Bl. 50–51.
mini|Gesetz über den 1948 erfolgten Zusammenschluss von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide Der Versuch, hier 1824 ein Blechwalzwerk einzurichten, konnte einen erneuten Konkurs nicht verhindern. Eigentümer waren zu diesem Zeitpunkt die Kaufleute Maukisch und Rosenbaum in Dresden. Die in Schlesien gekaufte Anlagen für das geplante Blechwalzwerk erwarb Carl Gotthilf Nestler, der Besitzer des Hammerwerks Wittigsthal, und errichtete um 1826 an der nahe bei Wittigsthal gelegenen Haberlandmühle mit den gekauften Anlagen ein Blechwalzwerk.Insel Rügen. Freihafen für Wahrheit, Recht und offne Rede. Ein Beiblatt zur constitutionellen Staats-Bürgerzeitung zunächst der Erörterung provinzieller und allgemeiner Staats- und Verwaltungsgebrechen bestimmt. No. 31 vom 5. August 1835, S. 121 (Digitalisat), abgerufen am 29. April 2015. Ob die Errichtung des Blechwalzwerkes wegen der Finanzprobleme oder wegen der zu geringen Antriebskraft der Zwickauer Mulde scheiterte, ist ungeklärt. Die öffentliche Versteigerung war auf den 25. Juli 1825 beim Kreisamt Schwarzenberg anberaumt,Allgemeiner Anzeiger der Deutschen. Gotha, Jahrgang 1825, Spalten 1738 und 1889 (Digitalisat), abgerufen am 2. Juni 2014. der Verkauf zog sich aber bis ins Jahr 1827 hin.Frankfurter Ober-Post-Amts-Zeitung. Nr. 42 vom 11. Februar 1825 (Nr. 225). Die Anzeige erschien erneut in Nr. 51 vom 20. Februar 1827 (Nr. 225) (Digitalisat), abgerufen am 10. Mai 2015. Der Besitzer des Guts Förstel und spätere Wildenthaler Hammerherr Karl Edler von Querfurth erwarb den Besitz. Die Produktion wurde nun auf die Eisengießerei neu ausgerichtet. Die beiden Werke in Wildenthal und Schönheiderhammer erzeugten 1855 zusammen 200.000 Zentner Eisen. 1880 erfolgte eine Erweiterung der Produktionspalette auf Nähmaschinen- und Fahrradteile. Die Eisengießerei stellte als erste in Deutschland schmiedbaren Guss her.Brockhaus' Konversationslexikon. 14. Auflage. F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin/ Wien 1894–1896, Band 14, S. 568. (Digitalisat, abgerufen am 24. Juli 2014) Der Besitzer Hans Edler von Querfurth gehörte von 1899 bis 1909 dem Sächsischen Landtag an.
Albert Schiffner erwähnt das Werk in seinem etwa 1848 erschienenen „Führer im Muldenthale“. Er beschreibt es so:
Mit Wirkung vom 1. Juli 1948 wurde Schönheiderhammer nach Schönheide eingemeindet (Gesetz über den Zusammenschluss der Gemeinden Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide – Landkreis Aue – vom 29. April 1949).Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden, 1952, Herausgeber Ministerium des Innern des Landes Sachsen, .Protokoll über die 59. Sitzung am 29. April 1949 der 1. Wahlperiode des Sächsischen Landtags, S. 1270 (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) In diesem rückwirkend in Kraft getretenem Gesetz wurde als Ortsbezeichnung festgelegt „Gemeinde Schönheide – Ortsteil Schönheiderhammer“.Gesetz über den Zusammenschluss der Gemeinden Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide vom 29. April 1949, in: Beschlüsse des Plenums der 1. Wahlperiode des Sächsischen Landtages, S. 172
Beim Bau der Talsperre Eibenstock wurde östlich von Schönheiderhammer die Vorsperre Schönheiderhammer errichtet. Das gestaute Wasser reicht bis an die Siedlung heran. Die früher nördlich in einem Bogen zwischen Eisenwerk und Siedlung fließende Mulde wurde in der Folge des Talsperrenbaus auch wegen Feuchtigkeitsproblemen an den Häusern verlegt. Der Flussbogen wurde verfüllt. Das neue Flussbett wurde verkürzt, und die Mulde verläuft heute südöstlich des früheren Bahnhofs Schönheide Ost am Fuß der Erhebung Walfischkopf parallel zu den Gleisen im Bereich des abgerissenen Güterschuppens.Landesvermessungsamt Sachsen: Topographische Karte 1:10.000 Nr. 5441-SW Schönheide-, 1. Auflage, Dresden 1995, ISBN 3-86170-609-1.
Kirchliche Verhältnisse Schönheiderhammer gehört schon immer kirchlich zu Schönheide.Pfarrer Gottlieb Friedrich Wagner: Die Parochie Schönheide in: Sachsens Kirchen-Galerie, 11. Band, Das Voigtland, umfassend die Ephorien Plauen, Reichenbach, Auerbach, Markneukirchen, Oelsnitz und Werdau. Dresden 1844, S. 178f. (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)
Mühle an der Mulde