Die Christlich-Soziale Union in Bayern e. V. (CSU) ist eine politische Partei in Deutschland und dominiert als Landespartei die bayerische Politik. Sie wird im politischen Spektrum mittig-rechts verortet.

Die CSU und ihre Schwesterpartei, die Christlich Demokratische Union (CDU), werden als Unionsparteien oder kurz Union bezeichnet. Die CDU tritt nicht in Bayern an, die CSU verzichtet auf Wahlteilnahmen im übrigen Deutschland. Beide Parteien bilden im Bundestag eine Fraktionsgemeinschaft, die CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Auf europäischer Ebene ist die CSU Mitglied der Europäischen Volkspartei (EVP) und stellt mit Manfred Weber deren Fraktionsvorsitzenden im Europäischen Parlament.

Bei der Bundestagswahl 2021 gewann die CSU trotz starker Verluste 45 von 46 Direktmandaten in Bayern. Die Union ist auf Bundesebene insgesamt länger in Regierungsverantwortung als jede andere deutsche Partei seit Gründung der Bundesrepublik. Über die längste Zeit koalierte die CSU neben der CDU mit der FDP in schwarz-gelben Koalitionen oder mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) in schwarz-roten Koalitionen. In den Jahren 1969–1982, 1998–2005 und 2021–2025 befanden sich die Unionsparteien in der Oppositionsrolle.

Gründung und Struktur Gegründet wurde die CSU 1945. Sie gliedert sich in 10 Bezirks- und 105 Kreisverbände. Seit 1957 stellt die CSU ununterbrochen den Bayerischen Ministerpräsidenten. Heutiger Vorsitzender ist Markus Söder. Auch auf kommunaler Ebene ist sie die stärkste Partei in Bayern. Ihr gehören 40 % der Kreisräte und der Stadträte in kreisfreien Städten sowie 52 von 77 Oberbürgermeistern bzw. Landräten an.

Profil Tradition Die CSU setzt bedingt die Tradition der Bayerischen Volkspartei (BVP) fort. Zwar hatte sich diese 1918 aus Protest gegen den von der Zentrumspartei verfolgten unitaristischen Kurs von dieser abgespalten und betonte von nun an die bayerischen Sonderinteressen. Jedoch finden sich die stark rechtskonservativen und restaurativen Positionen der BVP in der CSU nur noch sehr vereinzelt wieder. Ein weiterer bedeutender Unterschied ist, dass sich die CSU von Anfang an auch als Partei für protestantische Christen verstand, während die BVP eine ausschließlich katholische Partei war, die zudem jede sozialistische Vorstellung radikal ablehnte, wohingegen in der CSU in ihren Anfangsjahren durchaus Tendenzen zu sozialistischen Forderungen (Verstaatlichungen, Bodenreform) vorhanden waren.Frank Decker für Bundeszentrale für politische Bildung: Etappen der Parteigeschichte der CSU, 2017, abgerufen am 8. Juni 2018.

Die andauernde Vormachtstellung der CSU in Bayern beruht im Wesentlichen darauf, dass sie nach der Verdrängung der Bayernpartei und dem Niedergang des GB/BHE in den 1960er Jahren auch Teile der liberalen und sozialdemokratischen Wählerschichten vereinnahmen konnte.Frank Decker (2018): Wahlergebnisse und Wählerschaft der CSU (bpb.de)

Grundsätze Drei Grundwerte sind in allen Grundsatzprogrammen zu finden: die konservative Grundhaltung, die christliche Ausrichtung und die Betonung des Föderalismus. In der Innenpolitik setzt die CSU auf einen starken Staat, der Recht und Freiheit der Bürger zu schützen hat. Gesellschaftlichen Liberalisierungen wie der Reform des Staatsbürgerrechts steht die CSU grundsätzlich skeptisch gegenüber.Kreuzer: Doppelpass ist Integrationshindernis, Mitteilung auf der Website der CSU, 20. April 2017. Sozial- und wirtschaftspolitische Positionen sind geprägt von sozial verträglichen Regelungen. Programmatische Unterschiede zur CDU liegen hauptsächlich darin, dass die CSU in der Innen-, Rechts- und Gesellschaftspolitik konservativer und in der Wirtschafts- und Sozialpolitik sozialstaatlicher ausgerichtet ist.

Das 2007 verabschiedete Grundsatzprogramm mit dem Titel „Chancen für alle! In Freiheit und Verantwortung gemeinsam Zukunft gestalten“ wurde auf dem Parteitag 2016 durch das neue, unter Federführung von Markus Blume erarbeitete, Grundsatzprogramm „Die Ordnung“, auf der Website der CSU, abgerufen am 8. Juni 2018. ersetzt. Die CSU stellt darin ihren Anspruch als Volkspartei und die Besonderheit des ausschließlichen Antretens in Bayern heraus. Gesellschaftliches Leitbild ist die Subsidiarität – „Eigenverantwortung vor Gemeinschaftsaufgabe“ sowie „Vorrang der kleineren Einheit vor der größeren“. Das neue Programm betont die christlich-soziale, konservative und liberale Ausrichtung der Partei und setzt als Schwerpunkt „Ordnung in einer Welt von Unordnung“. Unter den Schlagworten Christliches Menschenbild und Soziale Marktwirtschaft wird sowohl eine gesellschaftspolitische als auch eine wirtschaftspolitische Komponente adressiert.Deutschlandfunk: Die CSU und die neue "Ordnung", 5. November 2016, abgerufen am 8. Juni 2018.

Programmatik Bayernplan Am 19. Juli 2013 beschloss ein CSU-Parteitag das Wahlprogramm „Bayernplan“ für die anstehenden Wahlen (Land, Bund, Europa). Der Parteivorsitzende Horst Seehofer hob dabei einige große Ziele hervor: Vollbeschäftigung in Bayern, gleiche Lebenschancen in allen Teilen Bayerns, keine neuen Schulden, keine Steuererhöhungen, „Paragraphenbremse“ und eine Grundschulgarantie und Ausweitung des Ganztagsangebots. Insgesamt wollen Seehofer und die CSU eine „Politik des Dialogs nach dem Grundsatz: zuhören – verstehen – handeln“.

Gesellschafts- und Sozialpolitik Ehe und Familie werden als Fundament der Gesellschaft und natürliche Lebensform angesehen. Deshalb spricht sich die CSU für die Beibehaltung ihres verfassungsrechtlichen Schutzes aus.

Der Aufwertung anderer Familienmodelle und Lebensformen (Alleinerziehende, Stieffamilien und der Eingetragenen Lebenspartnerschaft) steht die CSU seit 2007 in ihrem familienpolitischen Teil des Grundsatzprogramms nicht länger ablehnend gegenüber. Im Mai 2023 befürwortete die CSU in ihrem neuen Grundsatzprogramm die Ehe für alle.Augsburger Allgemeine.de: Ehe für alle, aber keine Gender-Sternchen: So will die CSU Bayern vereinen Als Konzept, Familie und Erwerbstätigkeit miteinander zu vereinbaren, setzt die CSU auf die Wahlfreiheit, nach der Frauen und Männer frei entscheiden sollen, ob sie sich ausschließlich der Arbeit in der Familie oder im Beruf widmen oder beides verbinden wollen.

In diesem Zusammenhang wurde die Einführung eines Betreuungsgeldes befürwortet (inzwischen gibt es in Bayern das Familiengeld), zugleich befürwortet die Partei aber auch die Förderung der Einrichtung von Krippenplätzen. Das Betreuungsgeld soll vor allem an Eltern ausgezahlt werden, die ihre Kinder nicht in eine Kindertagesstätte schicken, sondern ihre Kinder entweder zu Hause betreuen oder für deren private Betreuung Sorge tragen. Da nach Ansicht der CSU „jeder Mensch ein Geschöpf Gottes“ ist, ist der Staat verpflichtet, das Recht auf Leben – sowohl von geborenen Menschen, als auch Behinderter und ungeborener Kinder – zu schützen; Schwangerschaftsabbrüche wurden früher prinzipiell abgelehnt und nur in „schweren Not- oder Konfliktlagen“ als straffrei zugebilligt. Auch 2023 wandte sich die CSU gegen eine Streichung des § 218 Strafgesetzbuch.

Weiterhin ist es ein Anliegen der CSU, die Kindererziehungszeiten für Geburten vor 1992 aufzuwerten, da bisher für nach 1992 geborene Kinder drei Kindererziehungsjahre für die Rente gutgeschrieben werden, für zuvor geborene Kinder jedoch zunächst nur eines. Nach Ansicht der CSU sind also generell für Rentnerinnen drei Kindererziehungsjahre pro Kind anzurechnen, unabhängig davon, ob die Kinder vor oder nach 1992 geboren wurden.CSU: Diese Bemühungen hatten teilweise Erfolg, die Kindererziehungszeiten für Geburten vor 1993 wurden schrittweise erhöht, aber immer noch nicht vollständig angeglichen.

Sozialpolitik solle sich grundsätzlich nach den Prinzipien der Gerechtigkeit und Humanität gestalten. Angesichts der derzeitigen Probleme der Sozialsysteme will die CSU aber in strukturellen Reformen der sozialen Sicherungssysteme verstärkt auf die Eigenverantwortung des Einzelnen setzen, „sachfremde Aufgaben“ der Sozialsysteme zurückfahren und Missbrauch der Sozialversicherungen hart bestrafen. Dadurch soll die Soziale Marktwirtschaft als Wirtschaftsmodell im Zeitalter der Globalisierung gesichert werden.

Zum Thema Zuwanderung setzt die CSU auf Integrationspolitik. Die Werteordnung aus dem Grundgesetz, der bayerischen Verfassung und der christlich-abendländischen Tradition sind dafür maßgeblich. Parallelgesellschaften innerhalb Deutschlands sollen verhindert werden. Gleichzeitig soll die bayerische Identität erhalten bleiben. Im Oktober 2012 forderte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich für solche Asylbewerber, die aus einem sicheren Herkunftsland kommen, eine Absenkung der vom deutschen Staat gewährten Barleistungen.

Im Gegensatz zu FDP und Grünen fordert die CSU eine Verschärfung des Blasphemie-Paragrafen.

Auf dem Parteitag der CSU im November 2015 verabschiedeten die Delegierten die Forderung nach einem gesetzlichen Vollverschleierungsverbot.n-tv: Mit Verweis auf Frankreich, CSU fordert Verbot von Burka und Niqab

Bildung und Forschung Die CSU setzt auf das dreigliedrige Schulsystem und rechtfertigt es im Disput um die Gesamtschulen mit den guten Ergebnissen Bayerns in der PISA-Studie. Das mehrgliedrige Schulsystem in Bayern wird als flexibel angesehen, da alle weiterführenden bayerischen Schulen ihren Schülern den mittleren Schulabschluss ermöglichen und das bayerische Schulsystem trotz seiner Mehrgliedrigkeit als durchlässig angesehen wird. Die Einführung von Gesamtschulen im Freistaat wird abgelehnt, da sie nach Ansicht von Bayerns ehemaligen Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) leistungsstarke Schüler nicht ausreichend fordern und leistungsschwächere nicht genügend stärken. Die Hauptschule wurde zu Beginn des Schuljahres 2011/2012 in Bayern größtenteils zur Mittelschule erweitert. Die Mittelschulen müssen ein Ganztagesangebot aufweisen, eine 10. Jahrgangsstufe anbieten und den Schülern ab der 8. Jahrgangsstufe die Möglichkeit liefern, sich für einen der drei Zweige „Technik“, „Wirtschaft“ oder „Soziales“ zu entscheiden. Die Teilhabemöglichkeiten für Kinder mit sozialer Benachteiligung und solchen mit Migrationshintergrund sollen verbessert werden. Allgemein strebt die CSU den Ausbau von Ganztagesangeboten und mobilen Reserven für alle Schularten an.

Durch die zum Schuljahr 2004/2005 neu eingeführte Verkürzung der gymnasialen Schulausbildung um ein Jahr konnten Einsparungen im Bildungssystem umgesetzt werden. Das achtjährige Gymnasium traf jedoch auf Widerstand in der Bevölkerung, ebenso wie die Reform der Hochschulbildung. An bayerischen Hochschulen wurden seit dem Sommersemester 2007 bereits für ein Erststudium Studienbeiträge fällig. Diese wurden nach einem Volksentscheid im Jahr 2013 abgeschafft. Die Universitäten sollen durch die Beiträge, gepaart mit einem neuen Hochschulrecht und der Einführung der Abschlüsse Bachelor und Master, flexibler und leistungsstärker werden. Gleichzeitig wurden die finanziellen Mittel für die Ingenieurausbildung an Fachhochschulen nach der Landtagswahl 2003 spürbar gekürzt. Besonderes Augenmerk richtet die CSU auf die Förderung des Technologie-Standortes Bayern (High-Tech-Offensive Bayern).

Lange befürwortete die CSU eine Erhebung von Studiengebühren, allerdings wurde bereits im Oktober 2012 deren Abschaffung durch Teile der CSU, insbesondere durch den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, in Erwägung gezogen. Im April 2013 wurde vom Bayerischen Landtag die Abschaffung der Studiengebühren beschlossen.

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