mini|Gegendämmerung mit Gegendämmerungsbogen (Venusgürtel) über dem blaugrauen Erdschattenbogen mini|Dämmerung über nautischem Horizont mit zunehmendem Mond; die Erde schattet den Himmel nahezu rundum ab.

Als Dämmerung bezeichnet man den fließenden Übergang von Lichtverhältnissen zu Anfang und Ende des lichten Tages im Wechsel zur Nacht, die aufgrund des Sonnenstandes und der Lichtstreuung in der Atmosphäre entstehen. Das wahrgenommene Licht wird als Dämmerlicht oder DämmerscheinDuden bezeichnet.

Begriffe Man unterscheidet zwischen Morgendämmerung, auch Morgengrauen (vor Sonnenaufgang) – dem morgendlichen Übergang von der Dunkelheit der Nacht zur Helligkeit des Tages – und Abenddämmerung (nach Sonnenuntergang) – dem abendlichen Übergang vom Licht des Tages zur Dunkelheit der Nacht.

Gemäß DefinitionRise, Set, and Twilight Definitions. Astronomical Applications Department, Phenomena of the Sun and Moon; abgerufen am 7. Februar 2024.[Sean Urban, P. Kenneth Seidelmann: Explanatory Supplement to the Astronomical Almanac, 3rd edition, 2013, University Science Books] Explanatory Supplement to the Astronomical Almanac, 3rd edition, 2013 ist der Sonnenaufgang der Moment, in dem die Oberkante der Sonnenscheibe den geozentrischen oder wahren Horizont überschreitet. Das bedeutet, die Morgendämmerung endet mit dem Erscheinen des oberen Randes der Sonnenscheibe über diesem Horizont. Umgekehrt beginnt die Abenddämmerung mit dem Verschwinden des oberen Randes der Sonnenscheibe unter diesem Horizont. Die Zeitspanne, während der die Sonnenscheibe auftaucht oder absinkt, gehört also zum Tag und nicht zur Dämmerung, auch wenn die Helligkeit der Sonne während dieser Zeitspanne noch zunimmt bzw. bereits abnimmt.

Im Dämmerungsverlauf lassen sich Phasen unterscheiden und danach abgrenzen, wie tief die Sonne unter dem Horizont steht. Hierfür wird der Sonnenstand unter dem Horizont angegeben als Tiefenwinkel der Sonnenscheibenmitte. Nach der Dämmerungstiefe werden üblicherweise drei Dämmerungsphasen unterschieden, deren Ende jeweils ein bestimmter Winkel terminiert, so die mini|Dämmerungsphasen bürgerliche Dämmerung – Lesen im Freien schon/noch möglich (Tiefenwinkel 0° bis 6°) nautische Dämmerung – Horizont (Kimmlinie) schon oder gerade noch erkennbar und einige Sterne gerade noch/schon sichtbar, anhand derer die Möglichkeit zur nautischen Navigation besteht (Tiefenwinkel 6° bis 12°) astronomische Dämmerung – bis zur maximalen Dunkelheit tiefer Nacht oder ab deren Ende (Tiefenwinkel 12° bis 18°) (astronomische) Nacht – Sterne der 6. Größenordnung werden unter guten Bedingungen sichtbar (Tiefenwinkel ab 18°)

Infolge zahlreicher irdischer Beleuchtungsquellen ist vielerorts nach dem astronomischen Dämmerungsende kein schwarzer Nachthimmel zu erleben; diese Aufhellung wird auch als Lichtverschmutzung bezeichnet.

Weiterhin gibt es verschiedene Effekte der Hochatmosphäre (Airglow, Leuchtende Nachtwolken, Zodiakallicht, Polarlicht), die zur Aufhellung des Nachthimmels führen.

Dauer Die Dauer der drei Dämmerungsphasen hängt von der Schiefe der scheinbaren Sonnenbahn beim Aufgang oder Untergang ab. Diese hängt von der geografischen Breite des Standorts und der Jahreszeit ab.

Am kürzesten währt die Dämmerung, wenn die Sonne senkrecht untergeht. Dies passiert ausschließlich zwischen den Sonnenwendekreisen, beispielsweise zur Tagundnachtgleiche nahe dem Erdäquator. Einen Vollkreis von 360° in einem Tag von 24 Stunden zu beschreiben, ergibt eine Geschwindigkeit von 6° in 24 Minuten. Da es beim der Nacht näheren Anfang/Ende der Dämmerung auf den Mittelpunkt der Sonne ankommt, bei dem dem Tag näheren Anfang/Ende darauf, dass die gesamte Sonnenscheibe unterhalb des Horizonts ist, sind die Zeiten etwas kürzer als 24, 48 und 72 Minuten: Die kürzeste Dämmerungszeit ist bürgerlich 21 Minuten, nautisch 45 Minuten und astronomisch 69 Minuten nach Sonnenuntergang zu Ende.

Am 50. Breitengrad dauern die drei Dämmerungsphasen zusammen morgens und abends jeweils mindestens zwei Stunden. Das astronomische Ende wird in den kurzen Nächten um die Sommersonnenwende nicht erreicht: Die abendliche geht in die morgendliche Dämmerung über (Mitternachtsdämmerung bzw. „Weiße Nächte“).

In Regionen ab dem Polarkreis (rund 67° Breite) geht die Sonne zu diesem Termin nicht unter (Mitternachtssonne) und ein halbes Jahr später nicht auf (Polarnacht).

Die längsten möglichen Dämmerungszeiten werden somit dadurch erreicht, dass die Sonne nach Untergang das entsprechende Niveau unterm Horizont nur erreicht, aber nicht unterschreitet.

Am Nordpol dauert der Sonnenuntergang 32 Stunden.swr.de Dann folgt 12 Tage bürgerliche Dämmerung (vom 24. September bis zum 8. Oktober), 16 Tage nautische Dämmerung (8. Oktober bis 24. Oktober), 19 Tage astronomische Dämmerung (24. Oktober bis 12. November). Und für den Zeitraum von 80 Tagen, vom 12. November bis zum 28. Januar, ist die Polarnacht tatsächlich Nacht in dem Sinne, dass die Sonne mehr als 18° unterm Horizont steht.timeanddate.de am Nordpol

Diesseits von 84,6° (90° + 18° – mit = (Schiefe der Ekliptik) ≈ 23° 26') nördlicher/südlicher Breite geht der Sonnenmittelpunkt jeden Tag höher als 18° unterm Horizont. Es gibt also auch in der dunkelsten Nacht des Jahres außer dunkler Nacht einen hellen Moment astronomischer Dämmerung. Die längste astronomische Dämmerung dauert hier fast 13 Stunden.timeanddate.de

Diesseits von 78,6° (z. B. Longyearbyen) geht der Sonnenmittelpunkt jeden Tag höher als 12° unterm Horizont, auch in der dunkelsten Nacht des Jahres gibt es (neben Nacht und astronomischer Dämmerung) einen hellen Moment nautischer Dämmerung. Jenseits davon geht mindestens einmal die morgendliche astronomische Dämmerung in die abendliche astronomische Dämmerung über, die dann insgesamt fast neun Stunden dauert.

Diesseits von 72,6° geht der Sonnenmittelpunkt jeden Tag höher als 6° unter den Horizont, auch in der dunkelsten Nacht des Jahres gibt es einen hellen Moment bürgerlicher Dämmerung. Jenseits davon geht mindestens an einem Tag die morgendliche nautische Dämmerung direkt in die abendliche nautische Dämmerung über, die dann insgesamt drei Stunden dauert.

Kein Sonnenaufgang Diesseits von 67,4° (90° + 50' – ) steigt der oberste Punkt der Sonnenscheibe jeden Tag über den Horizont. Polseitig von 67,4° dagegen geht am dunkelsten Tag des Jahres die morgendliche bürgerliche Dämmerung in die abendliche über, die dann etwa fünf Stunden dauert.

Kein Sonnenuntergang Polseitig von 65,73° (90° – 50' – ) (z. B. Tromsø) gibt es am hellsten Tag des Jahres keinerlei Dämmerung und keine Nacht, weil der obere Rand der Sonnenscheibe oberhalb des Horizonts bleibt. Äquatorseitig von 65,73° gibt es jeden Tag einen vollständigen Sonnenuntergang und eine Dämmerung, der obere Sonnenrand geht jeden Tag unter den Horizont. Die längste Dauer bürgerlicher Dämmerung sind 5,5 Stunden.

Polseitig von 60,6° (z. B. Lillehammer) gibt es in der hellsten Zeit des Jahres keine Nacht, keine astronomische Dämmerung und keine nautische, die abendliche bürgerliche Dämmerung geht in die morgendliche über, die dann insgesamt fünf Stunden dauert, die Sonne sinkt am hellsten Tag des Jahres nicht unter 6° unter den Horizont.

Polseitig von 54,6° (also z. B. in Flensburg und auf Sylt) gibt es in der hellsten Zeit des Jahres keine Nacht und keine astronomische Dämmerung, die abendliche nautische Dämmerung geht in die morgendliche über, die Sonne sinkt am hellsten Tag des Jahres nicht unter 12° unter den Horizont.

Polseitig von 48,6° (z. B. in Stuttgart oder weiter nördlich) gibt es in der hellsten Zeit des Jahres keine Nacht, die abendliche astronomische Dämmerung geht in die morgendliche über, die dann fast fünf Stunden dauert; die Sonne sinkt in der hellsten Nacht nicht unter 18° unter den Horizont.

Vom Äquator aus bis 48,6° (z. B. in München oder weiter südlich) gibt es jeden Tag alle Dämmerungsphasen und die Nacht wird jeden Tag erreicht.timeanddate.de 48,568°

Definition und Ursache mini|Infolge ihrer Atmosphäre ist auf der Erde die Grenze zwischen Licht- und Schattenseite unscharf (aufgenommen in etwa 390 km Höhe, von der ISS aus) Physikalisch bedeutet Dämmerung die Zeitspanne, in der gestreutes Restlicht der Sonne, die unter dem Horizont steht, von einem Ort aus sichtbar ist. Sie dauert so lange, wie die zur Zone des Dämmerlichts nachtseitig verbreiterte Tag-Nacht-Grenze über diesen Standort hinwegzieht. Dämmerungszonen gibt es auf allen Planeten mit einer Atmosphäre. Der Erdmond oder atmosphärelose Planeten wie Merkur haben hingegen keine Dämmerung, auf den hellen Tag folgt dort schlagartig die dunkle Nacht.

Die Streuung des Sonnenlichts in hohen Schichten der Erdatmosphäre ist der Grund für die Übergangsphase der Dämmerung. Diese Streuung erfolgt sowohl an der Luft selbst als auch an eventuell vorhandenen Partikeln (Aerosolen). Da Morgen- und Abenddämmerung in ihrer Ursache gleich und nur von ihrem Ablauf her unterschiedlich sind, wird hier zunächst nur die Abenddämmerung betrachtet.

Über einem Beobachter, für den soeben die Sonne untergegangen ist, werden die höheren Luftschichten noch längere Zeit von der Sonne beleuchtet. Diese Luftschichten streuen einen Teil des durchdringenden Sonnenlichts in die Richtung des Beobachters, dem sie daher mehr oder weniger hell leuchtend erscheinen. Der größte Teil des gestreuten Lichts wird nur wenig aus seiner ursprünglichen Richtung abgelenkt, und der Beobachter erblickt daher das hellste (überwiegend rötliche) Leuchten, wenn er in die Richtung schaut, in der die Sonne knapp unter dem Horizont steht. Licht, das den Beobachter aus anderen Richtungen des Himmels erreicht, ist um größere Winkel gestreut worden, was mit geringerer Intensität und mehr Blauanteil geschieht. Sonnenfernere Himmelsregionen erscheinen daher zunehmend dunkler.

Bürgerliche, nautische, astronomische Dämmerung Der Sonnenuntergang dauert in Äquatornähe etwa 2 Minuten, in Mitteleuropa etwa 3–4 Minuten vom ersten Kontakt der Sonnenscheibe mit dem Horizont bis zu ihrem vollständigen Verschwinden, an den Polen dauert der Sonnenuntergang 32 Stunden.swr.de

In der Astronomie werden für die anschließende Dämmerung drei Phasen unterschieden. Geht man vom Sonnenuntergang aus, verläuft die abendliche Dämmerung wie folgt: mini|Die Dämmerungsphasen nach Sonnenuntergang verlaufen bei steilerer Sonnenbahn rascher Die bürgerliche Dämmerung, auch zivile Dämmerung, dauert in Deutschland am Nordende 36 bis 58 Minuten, am Südende 30 bis 40 Minuten, zu den Sonnenwenden am längsten, zu den Tag-und-Nacht-Gleichen am kürzesten. Während die Himmelshelligkeit langsam abnimmt, werden zunächst die hellen Planeten sichtbar, insbesondere Venus und Jupiter. Gegen Ende der bürgerlichen Dämmerung kann ein gutes Auge bereits die hellsten Sterne bis zur 1. Magnitude erkennen. Die bürgerliche Dämmerung beginnt mit dem Sonnenuntergang und endet nach astronomischer Definition, wenn der Mittelpunkt der Sonnenscheibe 6 Grad unter dem wahren Horizont steht. Das Ende der bürgerlichen Abenddämmerung wird in der Luftfahrt mit dem Kürzel ECET bezeichnet, der Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung mit BCMT. Die nautische Dämmerung oder mittlere Dämmerung dauert länger als die bürgerliche Dämmerung. (Am Nordende Deutschlands 42 Minuten bis fast 5 Stunden, am Südende 35 bis 56 Minuten.) Im Verlauf dieser Dämmerungsphase können bereits Sterne bis zur 3. Größe und so auch die Züge von Sternbildern erkannt werden, während auf See die Kimm als Linie zwischen Meer und Himmel noch deutlich sichtbar ist. Damit sind die Bedingungen für eine nautische Positionsbestimmung mit dem Sextanten gegeben, bei der die Höhe bestimmter Sterne über dem Horizont gemessen wird. Die nautische Dämmerung endet nach astronomischer Definition, wenn der Mittelpunkt der Sonne 12 Grad unter dem wahren Horizont steht.