mini|Zeichen 365-58 an Bundesautobahnen in Deutschland mini|Historischer Toiletten-Wegweiser mini|Standardisiertes Zeichen zur Kennzeichnung von Toilettenräumen Die Toilette [] oder [] (von ), auch Klosett (von , auch nur kurz Klo), Null-Null (von ‚00‘) oder die Abkürzung WC (von ) bezeichnet etwa seit dem 19. Jahrhundert eine sanitäre Vorrichtung zur Aufnahme von Körperausscheidungen (insbesondere Kot und Urin) und deren Entsorgung mit Hilfe von Wasser.
Daneben bezeichnen die Begriffe zugleich den Ort bzw. Raum, in dem sich die Vorrichtung befindet. Hierzu zählen auch Toiletten ohne Wasseranschluss, die nicht mit der Kanalisation verbunden sind, wie mobile Toiletten, Plumpsklos und die Komposttoilette. Auch das Urinal sowie das Pissoir, welche lediglich Urin aufnehmen, wird zu den Toiletten gezählt. Temporäre Lösungen wie Abortkübel und der Nachttopf werden bzw. wurden in erster Linie dort genutzt, wo es in unmittelbarer Nähe keine Toilette gab.
2001 wurde die Welttoilettenorganisation gegründet, welche die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse und des Zugangs zu Toilettenanlagen zum Ziel hat und den Welttoilettentag ausrief. Etwa sechs von zehn Menschen (also 4,3 Milliarden) hatten 2019 weltweit keinen Zugang zu hygienischen Sanitäranlagen, nach anderer Quelle (2010) etwa 2,5 Milliarden Menschen.
Begriff mini|„Donnerbalken“ mit Soldaten des Ersten Weltkriegs
Der Begriff Toilette leitet sich aus der französischen Sprache ab, in welcher „toilette“ den Vorgang des Schminkens, Frisierens und Ankleidens der Hofdamen bedeutete – ursprünglich hießen Frisier- und Waschtische „toilettes“. Da die Frauen bei Hofe für ihre Toilette spezielle Ankleidezimmer besaßen und dort auf ihren Leibstühlen auch ihre Notdurft verrichteten, bürgerte sich diese Bezeichnung, zunächst nur außerhalb Frankreichs, für das Klosett an sich ein, und zwar im Deutschen im 19. Jahrhundert und im amerikanischen Englisch ab dem Ende des 19. Jahrhunderts. Das gleichbedeutende französisch toilettes (im Plural) ist erst seit 1964 lexikographisch verzeichnet.Toilette Synonyme. DWDS abgerufen am 7. Mai 2019
Andere – oft scherzhafte und/oder veraltete/veraltende – Bezeichnungen für diesen (kleinen) Raum sind der Lokus (von bzw. locus necessitatis ‚Ort der Notdurft‘), die Latrine (von ), das Privé (), die Retirade (lat.-italienisch-französisch ‚Ort des Rückzugs‘), der Abtritt (eine Variante des ‚Austretens‘), der Abort oder auch das stille Örtchen bzw. latinisiert Secret. Vulgärbezeichnungen sind Scheißhaus (mittelhochdeutsch schîzhûs, ursprünglich nicht anstößig), Schlotte – eigentlich ein Hohlraum in wasserlöslichem Gestein – oder besonders im Militärjargon Donnerbalken. Dialektale Begriffe sind in Österreich und Bayern auch Häusl, in der Schweiz Hüüsli, verbreitet im Südwesten des deutschen Sprachgebiets sodann AB (verhüllend für Abort oder Abtritt). Früher übliche verschleiernde Bezeichnungen waren ferner Heimlichkeit oder heimliches Gemach sowie Dansker.Zu noch geläufigen sowie veralteten Begriffen im Schweizerdeutschen siehe Christoph Landolt: AB, Hüüsli, Schysshuus & Co. – ein Beitrag zum Welttoilettentag. In: Wortgeschichte vom 21. November 2022. Hrsg. von der Redaktion des Schweizerischen Idiotikons.
Alle diese Bezeichnungen zeigen das hohe Schamgefühl gegenüber einem der intimsten menschlichen Themen sowie den Wunsch nach dem Alleinsein während der Benutzung einer Toilette und sind damit Euphemismen, die sich aus Dingen der Umgebung der Toilette ableiten lassen; keines meint in seinem Ursprung die Schüssel selbst.
Hinweisschilder an Toiletten tragen oft die Aufschrift 00 oder 0. Das ergab sich, weil in Hotels im 19. Jahrhundert die Toilettenräume üblicherweise in der Nähe des Aufzugs oder des Treppenhauses lagen. Da dort meist die Nummerierung der Zimmer begann, trugen die Toilettenräume die Zimmernummer 0 oder auch zweistellig 00.
Die Toiletten sind meist mit einer WC-Brille und bereitgestellten Utensilien wie Abfalleimer, Toilettenbürste und Toilettenpapier ausgestattet.
Geschichte mini|Antike öffentliche latrinae in Ostia Antica mini|Denkmalgeschützte Toilettenanlage in der Siedlung Kunstfeld in Köln-Dünnwald Gut ausgebaute Abortanlagen gab es bereits um 2800 v. Chr. in Mesopotamien. In Mohenjo-Daro, der größten ausgegrabenen Stadt der Indus-Kultur, gehörten Toiletten zur Hausausstattung.Christiane Hemker: Altorientalische Kanalisation. Untersuchungen zu Be- und Entwässerungsanlagen im mesopotamisch-syrisch-anatolischen Raum. Teil 1: Text. Agenda, Münster 1993, ISBN 3-929440-06-7, S. 180. Im minoischen Palast von Knossos auf Kreta gab es sanitäre Räume, unter anderem Toiletten mit Wasserspülung.
Auch die römische Kultur kannte WCs, Latrinen, bei denen die Fäkalien hygienisch durch Wasser entfernt wurden, das unter den Reihen der Lochsitze entlang floss. Da städtische Wohnungen, besonders in den großen Mietshäusern (Insulae) nicht über eigene Aborte verfügten, waren überall öffentliche Latrinen gegen ein geringes Entgelt benutzbar; die Aufseher kassierten, sorgten für Hygiene und gaben an Stöckchen befestigte frische Schwämme zur Körperreinigung aus. Zur Befeuchtung der Schwämme befand sich vor den Sitzreihen eine Rinne, durch die frisches Wasser floss. In den Häusern der Reichen (villae urbanae) und auf ländlichen Gutshöfen (villae rusticae) gab es oft eigene Anlagen, die den öffentlichen ähnelten, während die ärmere Landbevölkerung sich mit Plumpsklos oder der freien Natur behalf. In den öffentlichen Toilettenanlagen waren die einzelnen Sitze im Rechteck oder Halbkreis nebeneinander angeordnet, da der Stuhlgang keineswegs separiert erfolgte, sondern als geselliges Beisammensein mit Unterhaltung angesehen wurde. Lediglich die herunterhängenden Kleidungsstücke der Toga, Tunika oder Palla gewährten einen gewissen Sichtschutz. In den Städten des Altertums mündeten die Abflüsse in die großen Abwasserkanäle, die sogenannten Kloaken. Die bekannteste war die Cloaca Maxima in Rom.Andreas Hensen: Stille Örtchen im Römischen Reich. In: Archäologie in Deutschland. 1 (2012), S. 8–13. Diese Technik ging mit dem Ende des Römischen Reiches verloren. Als Pissoirs dienten oft Amphoren, da der gesammelte Urin als Mittel für die Ledergerbung und die Wäschereinigung eingesetzt wurde; die darauf erhobene Latrinensteuer soll Kaiser Vespasian mit den Worten pecunia non olet („Geld stinkt nicht“) gerechtfertigt haben.
Im Mittelalter gab es in isoliert stehenden Gebäuden, etwa Burgen oder Klöstern, Toiletten in Form von Nischen und Erkern (Aborterker), die oft einfach ins Freie, in die Burggräben führten, eher selten gab es hölzerne Fallrohre. Im Mittelalter kam eine klare Geschlechtertrennung innerhalb größerer Gebäude und in öffentlichen Toiletten auf.
Im städtischen Bereich wurden Toiletten in der Regel als Sickergruben angelegt. Die Abwässer wurden in Gräben, Gewässer oder Kanäle geleitet (→ Necessarium) oder sie versickerten einfach im Boden. Die Anlage von Sammelrohren wurde zwar angestrebt, aber kaum durchgeführt. Die Hauswasserversorgung erfolgte meist durch hauseigene Pumpen, Schöpf- und Ziehbrunnen, mit der Gefahr der Verseuchung durch ungeklärte Abwässer, die nahe den Brunnen versickerten. Besonders für das Mittelalter und die frühe Neuzeit sind diese Latrinen wichtige archäologische Quellen, da außer den Exkrementen auch andere Abfälle in die Gruben gelangten und die Erhaltungsbedingungen für organisches Material wegen des Sauerstoffmangels und dadurch fehlender Oxidations- und Gärprozesse dort meist gut sind.Elias Flatscher: Pecunia (non) olet – Latrinenarchäologie: die schmutzige Seite des Reichtums Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 5. Juni 2019
mini|hochkant=0.6|Leibstuhl König Wilhelms III. von England mit samtbespanntem Sitz, Hampton Court Palace In großzügigen Schloss- und Palaisbauten des 17. und 18. Jahrhunderts waren Schlafgemächer und Kabinette der Besitzer sowie Gästezimmer mit tragbaren Leibstühlen oder kleinen Lavoirs ausgestattet. Die kleinen Nebenräume, in denen die mobilen Tragstühle standen, bezeichnete man als Retirade (von frz. retirer, „sich zurückziehen“), etwa im Schloss Schwetzingen.Retirade im Schloss Schwetzingen, abgerufen am 17. Juni 2022 Bei großen Gesellschaften reichten diese jedoch nicht aus, sodass für die Notdurft oft ohne Hemmungen Korridore, Flure, Raumecken, Eingänge und Durchfahrten sowie Höfe, Gärten und Parkanlagen benutzt wurden, wodurch bisweilen ein penetranter Geruch die Schlösser durchzog. In dem Film Der Leopard (1963 von Luchino Visconti) schwenkt während der Ball-Szene die Kamera in ein Nebengemach, vor dem sich die Herren im Frack drängeln und das angefüllt ist mit unzähligen Glastöpfen voller Urin.
Im Jahr 1596 erfand Sir John Harington das erste Wasserklosett der Neuzeit. Seine Erfindung geriet aber wieder in Vergessenheit. 1775 erhielt der schottische Erfinder Alexander Cumming das Patent für seine Ausführung eines Wasserklosetts. 1777 erhielt Samuel Prosser ein Patent für ein plunger closet. Ein Jahr später entwickelte Joseph Bramah einen Toilettentyp, der häufig auf Schiffen und Booten eingebaut wurde. Gazeneuve et Companie erfand in Paris zu Beginn des 19. Jahrhunderts den geruchlosen beweglichen Abtritt, der viel zu einem verbesserten Wohnwert beitrug. Er verbreitete sich rasch und beschäftigte unter anderem den Münchner Architekten Leo von Klenze, der diese technische Innovation 1822 im neu erbauten Palais Leuchtenberg installierte.
Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in manchen größeren Städten Abtrittanbieter, die mit Eimern ausgestattet waren und so Passanten die Verrichtung der Notdurft ermöglichten.Michaela Vieser, Irmela Schautz: Von Kaffeeriechern, Abtrittanbietern und Fischbeinreißern. C. Bertelsmann Verlag, München 2010, ISBN 978-3-570-10058-5 Im 20. Jahrhundert wurden Latrinen von Abfuhrunternehmen, so genannten Dampf-Latrinen-Reinigungsanstalten, entleert.
1834 ließ der Präfekt Claude-Philibert de Rambuteau in Paris die ersten öffentlichen Pissoirs errichten.
Wo in Deutschland die erste Toilette mit Wasserspülung installiert wurde, ist strittig. Bekannt ist, dass im Schloss Ehrenburg in Coburg 1860 eine installiert wurde. Sie wurde damals für Queen Victoria, die dort häufig zu Gast war, eigens aus England importiert. Älter ist das WC im Schloss Bad Homburg. Die Ehefrau von Landgraf Friedrich Josef VI., Elisabeth, eine Tochter des englischen Königs Georg III., ließ bereits 1820 eine Toilette mit Wasserspülung bauen. Diese ist nicht mehr erhalten, da sie späteren Renovierungen zum Opfer gefallen ist.
Der Entwickler des WCs ist der englische Klempner George Jennings (1810–1882): Er stellte es auf der Great Exhibition im Jahre 1851 im Hyde Park in London aus. In Deutschland verbreiteten sich Toiletten mit Wasserspülung gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Städten, als Wasseranschlüsse in den Häusern und vor allem die Kanalisation üblich wurden. Auf dem Land blieben dagegen oft noch bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Plumpsklos üblich, also Abtritte mit Sickergruben (Latrinen), wie sie zuvor auch in den Städten üblich waren.
Das Sammeln von Urin war vormals für verschiedene Handwerke wichtig, weil dieses Ammoniak enthält und zum Textilienfärben, Gerben von LederLeder – weltumspannend gerben. (PDF; 2 MB) fes.de und Lederfärben sowie zum Wäschewaschen verwendet wurde.
Typen
Porzellanstandardbecken
mini|Tonaufnahme: Geräusch einer Toilettenspülung
Am weitesten verbreitet sind WCs aus Porzellan mit Toilettenspülung und Kanalisation. Hierbei gibt es folgende Bauarten:
Flachspüler
mini|WC-Flachspülbecken mit nicht wassersparendem Spülsystem