Die Republik Äquatorialguinea, allgemein als Äquatorialguinea (, , ) bezeichnet, ist ein Staat in Zentralafrika. Der Festlandteil des Staates grenzt im Norden an Kamerun, im Süden und Osten an Gabun und im Westen an den Golf von Guinea. Der südlichste Teil des Staatsgebietes, die Insel Annobón, liegt 156 Kilometer südlich des Äquators, der Rest nördlich davon.

Die staatstragende Bevölkerungsgruppe der ehemaligen spanischen Kolonie sind die Fang, eine marginalisierte Minderheit sind die Bubi. Das Land ist eine Diktatur unter dem seit 1979 regierenden Präsidenten Obiang. Es kommt regelmäßig zu schwerwiegenden Verletzungen der Menschenrechte.

Das Land ist besonders in den Küstengebieten reich an Erdölvorkommen. Obwohl das Pro-Kopf-Einkommen dadurch eines der höchsten in Afrika ist, ist der Wohlstand sehr ungleich verteilt: Die Einnahmen aus der Ölförderung kommen nur einer kleinen, politisch einflussreichen Elite zugute, die Armutsquote ist hoch.

Neben Äquatorialguinea gibt es in Afrika noch die beiden in Westafrika (südlich Senegals) gelegenen Staaten mit dem Namen „Guinea“: Guinea-Bissau und Guinea.

Geographie Äquatorialguinea bedeckt als einer der kleinsten Staaten Afrikas eine Fläche von insgesamt 28.051 km², wovon rund 26.000 km² auf den Festlandsteil Mbini (Río Muni) entfallen. Dieser Festlandteil steigt von der flachen Küste bis auf 1200 Meter im Inland an. Die gerade verlaufenden Abschnitte der Grenzen des Festlandteiles liegen im Süden bei genau 1° und im Norden bei 2°10′ nördlicher Breite sowie im Osten bei 11°20′ östlicher Länge.

Des Weiteren gehören die rund 2000 km² große Insel Bioko im Norden vor der Küste von Kamerun, die küstennahen Inseln Corisco und die Islas de Elobey gegenüber dem Ästuar des Río Muni sowie die südwestlich von São Tomé ca. 352 km vor der Küste Gabuns liegende 17 km² große Insel Annobón zu Äquatorialguinea.

Die Landgrenzen sind 835 km lang, die Küste rund 300 km.

Klima Auf den Inseln und dem Festland herrscht tropisches Regenwaldklima mit einer kurzen Trockenzeit. Während die Trockenzeit auf Bioko im Dezember und Januar liegt, erstreckt sie sich auf dem Festland von Juli bis August.

Gewässer Hydrologisch ist der Festlandteil Mbini vor allem durch den Fluss Mbini beeinflusst. Der größte Teil des Landes entwässert über ihn. Neben dem Ntem an der Nord- und dem Muni an der Südgrenze gibt es noch einige Küstenflüsse. Alle Flüsse münden in die Bucht von Bonny.

Flora und Fauna In Äquatorialguinea dominiert tropischer Regenwald. Mangrovensümpfe säumen die Küste. Auf Bioko wurde ein Teil des tropischen Regenwaldes durch Plantagen ersetzt. Auf Annobón finden sich überwiegend Öl- und Kokospalmen.

Die weiten Regenwaldgebiete bieten zahlreichen Tierarten einen idealen Lebensraum, zum Beispiel Schimpansen, Gorillas, Drills, Mandrills und Bärenmakis. Auch Leoparden, Waldelefanten, Waldbüffel, Schirrantilopen und Bongos kommen häufig vor.

Berge Der höchste Berg Äquatorialguineas ist der auf der Insel Bioko liegende 3.011 m hohe Pico Basilé.

Bevölkerung mini|hochkant=1.2|Bevölkerungspyramide Äquatorialguineas (2020) Demografie Äquatorialguinea hatte 2025 1,8 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug 3,2 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 29,9 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 8,7 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 4,2, die der Region West- und Zentral-Afrika betrug 4,9. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2025 bei 22,1 Jahren. Im Jahr 2025 waren 35,6 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 5 Prozent der Bevölkerung betrug.

Bevölkerungsstruktur Mit 72,3 % lebt der Großteil der Bevölkerung auf dem Kontinent. Auf Bioko leben etwa 27,3 %, auf Annobón 0,4 % der Einwohner. Äquatorialguinea ist eines der wenigen afrikanischen Länder, in denen ein Volk die eindeutige Mehrheit des Landes stellt: Etwa 85,7 % der Bevölkerung gehören zu den bantusprachigen Fang. Im gebirgigen Inneren der Insel Bioko leben in oft schwer zugänglichen Dörfern die Bubi, die ebenfalls zu den Bantuvölkern zählen und 6,5 % der Bevölkerung stellen. Aber auch hier dominieren mittlerweile die Fang. Aufgrund starker Repressalien während der Diktatur Francisco Macías Nguemas musste die Mehrheit der Bubi, die bis dahin 20 % der Bevölkerung stellten, das Land verlassen – viele gingen nach Spanien. Weitere Minderheiten sind mit 3,6 % die Mdowe und mit 1,1 % die Bujeba. Auf der Insel Annobón leben die Annobonesen, die 1,6 % der Gesamtbevölkerung stellen. Mit jeweils noch einigen Tausend leben auch Europäer – zumeist Spanier – und die Fernandinos, Nachkommen englischsprachiger Kreolen, im Land.

Im Jahre 2017 waren 17,5 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Äquatorialguinea hat damit den höchsten Ausländeranteil unter allen Ländern Afrikas.

Religion Infolge der spanischen Kolonialherrschaft sind über 87 % der Äquatorialguineer Anhänger der römisch-katholischen Kirche, daneben gibt es 5 % Protestanten. Anhänger von traditionellen Religionen sind demgegenüber Minderheiten.Meyers Großes Länderlexikon. Mannheim 2004.

Sprachen mini|Sprachen in Äquatorialguinea Obwohl mehr als 80 % der Bevölkerung die Bantusprachen Fang oder Bube als Muttersprache sprechen, sind die Amtssprachen Äquatorialguineas laut dem Verfassungsgesetz und der Änderung in Artikel 4 des Grundgesetzes Spanisch (äquatorialguineisches Spanisch) und Französisch; nach 2010 kam noch Portugiesisch dazu.

Die Sprachen der Ethnien des Landes sind nach dem Verfassungsgesetz 1/1998 vom 21. Januar 1998 integraler Teil der nationalen Kultur. Das sind Fang, Bube, Benga, Ndowe, Balengue, Bujeba, Bissio, Ngumbi, das fast ausgestorbene Baseke, Annobonesisch (oder Ambo), das Fernando-Poo-Kreolenglisch, Igbo und Pidginenglisch. In Äquatorialguinea werden insgesamt 14 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen.

Äquatorialguinea ist – abgesehen von der proklamierten Demokratischen Arabischen Republik Sahara – das einzige spanischsprachige Land Afrikas. Spanisch wird heute größtenteils als Bildungssprache verwendet, denn kirchliche Missionen und spanische Einrichtungen tragen die meisten Schulen des Landes. Allerdings nimmt die Bedeutung anderer europäischer Sprachen zu. So hatte Äquatorialguinea seit 2007 Beobachterstatus in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP). Am 23. Juli 2010, beim 8. Gipfel dieser Gemeinschaft in Luanda, wurde der Antrag auf Vollmitgliedschaft gestellt. Die Gemeinschaft stellte jedoch zwei Bedingungen für eine Annahme des Antrags: Einmal die Einführung des Portugiesischen als Amtssprache, zum anderen politische Reformen, in die Richtung einer effizienten Demokratie und einer Beachtung der Menschenrechte. Im Juli 2012 wurde der Antrag erneut abgelehnt, weniger wegen ungenügender Fortschritte bei der Einführung des Portugiesischen, sondern vor allem wegen der fortwährenden Verletzung der Menschenrechte in Äquatorialguinea.Público (Lissabon), 20. Juli 2012. Am 23. Juli 2014, auf dem 10. Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder in Dili, Osttimor, wurde die Aufnahme von Äquatorialguinea beschlossen, unter der Vorgabe, dass die Todesstrafe abgeschafft wird (danach kam es zu keinen Hinrichtungen mehr, die Abschaffung der Todesstrafe erfolgte 2022). Seit 1997 ist Äquatorialguinea auch Mitglied der Gemeinschaft frankophoner Staaten.

Bildung Aus Anlass des Weltalphabetisierungstages 2010 gab die Regierung bekannt, dass die Alphabetisierungsquote nach neuen Zahlen der UNESCO mit 93 % die höchste in Subsahara-Afrika sei. Vom CIA World Factbook wurde sie 2015 auf 95,3 % der Bevölkerung geschätzt.

Ein öffentliches Schulsystem existiert kaum. Kirchliche Missionen und spanische Einrichtungen tragen die meisten Schulen des Landes. Seit einigen Jahren hat Malabo eine Universität. Dort gibt es ein spanisches und ein französisches, in Bata ein spanisches Kulturzentrum.

Gesundheit Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 3,4 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2017 praktizierten in Äquatorialguinea 3,5 Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Lebenserwartung der Einwohner Äquatorialguineas ab der Geburt lag 2022 bei 61,2 Jahren (Frauen: 63,3, Männer: 59,4). Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 73,4 pro 1000 Lebendgeburten.

Geschichte mini|Denkmal der ersten Einwanderer (1773) bei Luba, Bioko

Um 1500 nahm Portugal das heutige Äquatorialguinea unter dem Namen Fernando Póo in Besitz. 1778 trat Portugal die Kolonie an Spanien ab, wodurch sie zu Spaniens einziger Kolonie in Subsahara-Afrika wurde. Im 19. Jahrhundert errichtete Spanien eine Plantagenwirtschaft auf der Insel Bioko, begann aber erst ab 1926 mit der Kolonisierung der Region Río Muni (Mbini). Seit Beginn des 20. Jahrhunderts bildeten Mbini mit den Inseln Bioko und Annobón die spanische Kolonie Territorios Españoles del Golfo de Guinea („Spanische Gebiete am Golf von Guinea“).

Im Ersten Weltkrieg ließ sich die deutsche Schutztruppe für Kamerun in der neutralen (spanischen) Kolonie internieren. 1929 besuchte eine Kommission des Völkerbundes die Insel Bioko, um vor Ort den Fernando-Po-Skandal zu untersuchen.

Die Kolonie erlangte 1963 unter dem Namen Äquatorialguinea (spanisch Guinea Ecuatorial) innere Autonomie. Unabhängig wurde das Land am 12. Oktober 1968. Drei Wochen vor der Unabhängigkeit wurde Francisco Macías Nguema zum Präsidenten gewählt.

Nach einem gescheiterten Putschversuch des Außenministers im März 1969 ließ Präsident Macías seine »wichtigsten Rivalen« ausschalten; der Außenminister selbst, der UNO-Botschafter und der Großteil der Mitarbeiter des Außenministeriums wurden gefoltert und ermordet.Etay Mack: How Israel Helped Set Up – and Continues to Support – Equatorial Guinea's Brutal Regime. In: Haʾaretz, 9. August 2024 Es kam zu Unruhen, die zur Aufhebung der Verfassung führten und Macías Nguema die Errichtung eines Terrorregimes ermöglichten. Sein Regime gilt als eine der „blutigsten Diktaturen Afrikas“.Rolf Hofmeier, Andreas Mehler (Hrsg.): Kleines Afrika-Lexikon – Politik Wirtschaft Kultur. (= Schriftenreihe der Bundeszentrale für Politische Bildung. 464). Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2005, ISBN 3-89331-576-4, S. 19ff. Ein Drittel der Bevölkerung floh ins Ausland. Zehntausende von Regimegegnern sollen ermordet worden sein. Weihnachten 1975 ließ Macías 150 angebliche Verschwörer hinrichten; eine Band spielte dazu Those Were the Days von Mary Hopkin.

Am 4. August 1973 wurde eine neue Verfassung in Kraft gesetzt, die die beiden bis dahin autonomen Provinzen Fernando Póo (heute Bioko) und Río Muni zu einem Einheitsstaat machte.

Am 3. August 1979 wurde Macías Nguema von seinem Neffen Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, dem Kommandanten der Nationalgarde, gestürzt und hingerichtet. Anschließend übernahm ein von Obiang geleiteter Oberster Militärrat die Macht. Als Oppositionsführer war seit Anfang der 1980er Jahre insbesondere Michel Grosé bekannt. Unter Obiang verbesserten sich die Beziehungen zum Ausland, er regierte und regiert jedoch weiterhin diktatorisch.