mini|Umschlagillustration zu Stindes Torfmoor

Das Torfmoor ist eine parodistische Schrift von Julius Stinde mit antinaturalistischer Tendenz, die im Jahre 1893 im Berliner Verlag von Freund & Jeckel (Carl Freund) als Broschüre mit einer Umschlagillustration von Edmund Brüning erschienen ist.

Der Druck enthält das Drama „Das Torfmoor“ und fingierte Texte über das Drama, in denen Stinde die zeitgenössische literaturkritische Befassung mit dem Naturalismus parodiert. Der Schriftsteller und Dramaturg Jörg Gronius ist der Ansicht, dass bei einer theatralischen Realisierung sowohl das Drama als auch die Sekundärtexte dargeboten werden müssten, weil sie eine untrennbare Einheit bilden.

Inhalt Die Angaben des Titelblattes, des Impressums und der Regieanweisungen lauten:

Stinde als Polemiker, Satiriker und Parodist, als kulturkritischer Kämpfer mit der Feder ist so total aus dem literaturgeschichtlichen Gedächtnis entschwunden, als habe es diese Facette seiner Produktion überhaupt nie gegeben. Dabei macht diese Literaturart gut ein Viertel seines Werkes aus. Die frühesten Parodien, Theaterstücke, die Stinde für Carl Schultzes Hamburger Vorstadttheater geschrieben hat, sind verloren gegangen. Wenigstens dem Titel nach bekannt ist die Wagner-Parodie Lohengrün oder Elsche von Veerlann. Später schrieb er Die Opfer der Wissenschaft (1878), Das Dekamerone der Verkannten (1881), Berliner Kunstkritik mit Randglossen von Quidam (1885) und den parodistischen Kolportageroman Emma, das geheimnisvolle Hausmädchen (1904), deren Tendenz (bei allen Unterschieden im Einzelnen) gegen Unwahres, Extremes, Erzwungenes, gewaltsam Übertriebenes in Wissenschaft und Kultur, in Kunst und Literatur gerichtet war. Speziell in der Literatur ist Stinde, verbündet mit Gleichgesinnten im Allgemeinen Deutschen Reimverein, gegen die Kraftmeiereien von Karl Bleibtreus „Revolution der Litteratur“ und ihre lyrischen Folgen angegangen. Auch exaltierte Erscheinungen des literarischen Naturalismus waren das Ziel seines Spottes. Schon die Erzählung Pienchens Brautfahrt (1891) enthält antinaturalistische Polemik. So richtig frei lässt Stinde seinen Groll gegen Ibsen, Zola und die ganze Richtung aber erst im Torfmoor los, auf spielerische Art freilich, indem er in wechselnden sprachlichen Maskenkostümen agiert. Er selbst hat sich wohl nur einen entlastenden Spaß gönnen wollen. Die honorige Lesewelt scheint seinerzeit eher peinlich berührt und wenig amüsiert gewesen zu sein, mit Ausnahme des näheren Stinde-Umkreises. Stindes Schwester Conradine berichtet brieflich am 17. November 1894 aus dem ländlichen Lensahn in Ostholstein nach Berlin:

Zwei Jahre später, in Wilhelmine Buchholz' Memoiren, greift Stinde das Thema noch einmal auf, indem er Frau Wilhelmine von einer Aufführung der Ibsenschen Gespenster berichten lässt.

Ausgaben

Julius Stinde: Das Torfmoor. Naturalistisches Familiendrama in 1 Aufzug. Centenar-Reprint der in Berlin bei Freund & Jeckel im Jahre 1893 erschienenen ersten und einzigen Auflage. Bargfeld: Luttertaler Händedruck, 1993 (Reprint im Luttertaler Händedruck 1)

Literatur

Weblinks Text des Dramas bei „pinsel park“ Text des Dramas bei der „Erlanger Liste“ Reproduktion des gesamten Werkes beim Internet Archive

Einzelnachweise

Kategorie:Parodie Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Werk von Julius Stinde