Die Villa Metzler ist ein 1803 erbautes und später umgebautes klassizistisches Landhaus am Mainufer in Frankfurt am Main, Sachsenhausen.

Geschichte Die Villa Metzler gehört zum Museum Angewandte Kunst. Der Name Metzler rührt, was das Gebäude betrifft, her aus der Bedeutung der Villa für einen Zeitraum von 77 Jahren. Die über 200-jährige Geschichte erschöpft sich jedoch weder darin noch in der jüngsten Funktion des Prachtbaus als Museumsort. Da klassizistische Gebäude in Frankfurt am Main, die spätere Bauepochen überdauert haben, kriegsbedingt rar geworden sindAls Beispiele wiederaufgebauter klassizistischer Bauwerke in Frankfurt am Main sind die Paulskirche und die Alte Stadtbibliothek zu nennen; klassizistische Gartengebäude, die wie die Villen die Kriege überdauert haben, sind das Willemer Häuschen, das Nebbiensche Gartenhaus oder im Anlagenring das ehemalige Ariadneum (heute: Odeon)., repräsentiert die Villa, malerisch am Museumsufer gelegen, linksmainisch die Bauepoche des Klassizismus.

Das Landhaus Salzwedel Der Garten des Apothekers Peter Salzwedel mini|Gärten am Schaumainkai um 1800, rechts Häuschen und Garten Salzwedels

1800: Peter Salzwedel (ältere Schreibweise: Saltzwedel; * 19. Juni 1752; † 17. Dezember 1815), Inhaber der Apotheke „Zum Weißen Schwahnen“ am Römerberg,Das Haus der Apotheke, Römerberg 40/Neue Kräme 2, wurde 1753 durch einen Neubau ersetzt, der 1904 (Foto Römerberg 1904) für den Durchbruch der Braubachstraße entfernt wurde (Schulz: Apothekerfamilie, S. 58). erwarb das Grundstück unmittelbar vor dem SchaumaintorSchaumaintor, abgerissen 1809. am Sachsenhäuser Ufer (Schaumainstraße, Gewann 19/4; heutige Hausadresse: Schaumainkai 15), das außerhalb der Stadtbegrenzung lag, urbar war und der Vorliebe Salzwedels für Botanik entgegenkam. Er pflanzte auf dem ca. 10000 m² großen ArealDie Größenangabe bei Leydecker: Frankfurt leuchtete, S. 15: vier Morgen Land, ist ungenau (exakte Angaben finden sich unter Anmerkungen des Lageplans aus 1852). Der an den Glacier (Aufschüttung vor einem Wall) am Schaumaintor, zwischen Oppenheimer Landstraße und Main gelegene Garten wurde am 7. Oktober 1800 vom Bierbrauermeister Johann Melchior Müller und seiner Ehefrau Maria Elisabeth, geb. Graf, an Peter Salzwedel und dessen Ehefrau verkauft; der amtliche, gewährleistende Eintrag erfolgte, wohl nach Tilgung der Restschuld, am 26. Oktober 1802 (Majorwährschaftsbuch 1802, Nr. 264, S. 215). seltene Bäume: Ginkgo, kanadische Rot-Eiche, Tulpenbaum, einen Kreis purpurblühender GranatapfelbäumeKirchner: Ansichten, S. 31 Anm., und Hein/Andernacht: Garten, S. 305., Rotbuche, Kastanien sowie Riesenmammutbaum. Goethe, wiewohl bereits in Weimar wohnhaft, kannte den Garten, lobte ihn sehr und widmete der Frankfurter Bürgerin und Geliebten Marianne von Willemer 1815 das Baumgedicht Gingo biloba – mit einem Blatt vom Salzwedel-Ginkgo (1790–1944), wie plausibel gemacht werden konnte.Leydecker: Frankfurt leuchtete, S. 16, und Hein/Andernacht: Garten, S. 305f.309f: Goethe traf seine Geliebte 1814 unweit des Gartens. Die Bäume von damals sind inzwischen sehr alt und noch immer zu bewundern – aus den Wurzeln des einstigen Ginkgos sind neue Bäume erwachsen, weitere wurden 1971 im Zuge der Rekonstruktion des Parks wieder angepflanzt.

mini|Garten am Wall vor dem Schaumaintor, um 1771

Das klassizistische Landhaus der Familie Salzwedel mini|links|Bildmitte: Dreigeschossiges Landhaus Salzwedel um 1850

1802/04 entstand ein dreigeschossiges klassizistisches Landhaus,Abb. in: Leydecker: Frankfurt leuchtete, S. 16, womit die Vermutung widerlegt wurde, das Landhaus habe ursprünglich nur über zwei Geschosse verfügt (Hein/Andernacht: Garten, S. 305, mit Hinweis aus den Stich von Johann Friedrich Morgenstern: Sachsenhausen vom Unter-Main-Thor aus in Frankfurt a. M. (1825)). in quadratischem Grundriss, mit Walmdach und Mansarden, vermutlich nach den Plänen der Frankfurter Architektenfamilien Kayser oder Mack.Vogt: Bürgerhäuser, S. 290. Der Eingang wurde wegen Platzmangels des von der Mainseite her schmal am Stadtwall beginnenden Grundstücks auf die ungünstige Wetterseite (Westen) gelegt. Bevor die Villa fertiggestellt werden konnte, starb die Ehefrau Salzwedels, Caroline, geb. Bartels (1752–1803), von deren elf Kindern nur die fünf Töchter ins Erwachsenenalter kamen. Salzwedel verkaufte die seit 1634 im Familienbesitz befindliche Schwanen-Apotheke seinem Schwiegersohn Carl Philip Hörle (1781–1847), dessen 1. Ehefrau Margarethe, geb. Salzwedel (1785–1814), hieß. Nach Schleifen der Wallanlagen (um 1806) erwarb Salzwedel vor 1811 ca. 460 m² Land für seinen Garten hinzu, auf dem er Wirtschaftsgebäude errichten ließ. mini|Apotheke „Zum Weißen Schwahnen“ (Christian Georg Schütz d. Ä., Markt auf dem Römerberg, 1754) mini|links|Landhaus mit Garten (farbig umrandet, rot: Erweiterung 1813) im Stadtplan 1852 von Julius Eduard Foltz-Eberle

1813 erweiterte Salzwedel das Anwesen erheblich. Er kaufte jene Brache, die durch die inzwischen entfernten Wallanlagen bis zur neu angelegten Schifferstraße entstanden war (ca. 5000 m²). Als Salzwedel Ende 1815 starb, hinterließ er den vier nach ihm noch lebenden Töchtern, Maria Anna Saltzwedel, Auguste Wilhelmine Burnitz, geb. Saltzwedel (1788–1831),Sie war verheiratet mit Karl Friedrich Burnitz († 1833), wohnte im Hause der Geschwister Burnitz, Untermainkai 2, und war die Mutter des späteren Malers Carl Peter Burnitz (1824–1886). Der neunjährige Vollwaise Carl Peter wurde von seinem Vormund und Onkel Rudolf Burnitz im elterlichen, gleichen Hause weiter betreut. Der Bruder seines verstorbenen Vaters war ebenfalls mit einer Tochter der Familie Salzwedel verheiratet (Maria Sophia). Johanna Carolina Schulz, geb. Saltzwedel (1789–1830), Maria Sophia Saltzwedel (1793–1849) sowie seinem Enkel Philipp Peter Hörle (1810–1843) Villa und Gartengrundstücke zu gleichen Teilen sowie ein stattliches Vermögen.

mini|Goethes Gedicht mit Blättern vom Salzwedel-Ginkgo 1815: Wer das Landhaus nach dem Tode des Gründers (weiterhin) nutzte, lässt sich kaum mehr ermitteln, da die Schaumainstraße, wie der -kai zunächst hieß, außerhalb der Stadt Frankfurt und Sachsenhausens lag und in den betreffenden Adressbüchern nicht berücksichtigt wurde. Als Bewohner des Landhauses kommen von den Salzwedeltöchtern in Betracht: Maria Anna († 1854, ledig) und Maria Sophia (bis zur Heirat mit Rudolf Burnitz 1823). Der Umstand, dass Maria Sophia den Schwager ihrer Schwester Auguste Wilhelmine heiratete, und jener, dass Maria Anna im Hause Burnitz, Untermainkai 2, lebte und starb, lässt indes vermuten, dass diese drei Schwestern nach 1815 gemeinsam im Hause Burnitz wohnten. Als Nutzer (im Sommer) von Landhaus und Gartenanlagen sind alle vier Familien der Salzwedeltöchter in Betracht zu ziehen, obgleich keine von ihnen das Landhaus als Wohnadresse führte:Johanna Karolina mit Ehemann Johann Jakob Schulz-Saltzwedel (1791–1845) wohnten in der Großen Bockenheimer Gasse bzw. Straße 30, Carl Philip Hörle im Haus der Schwanen-Apotheke, Römerberg, wo auch Sohn Philipp Peter als Chirurg praktizierte; die Familien Burnitz wohnten am Untermainkai 2. Der zweiten Ehe des Apothekers Hörle nach 1816 entstammten acht, der Ehe Schulz-Saltzwedel sieben Kinder (1816–1829), im Hause der Gebrüder Burnitz waren es in einem Zweig sechs (1817–1824), im anderen fünf Kinder (1824–1833).

Literat und Maler als Mieter im Landhaus Zwischen 1844 und 1848 bewohnte der russische Schriftsteller Wassily Andrejewitsch Joukovsky (Schukowski) (1783–1852) das Landhaus, der dort Homers Ilias übersetzte. In den Wirren der Deutschen Revolution siedelte Joukovsky nach Baden-Baden über. Zuvor wohnte mit ihm in der Villa kurzzeitig Nikolai Wassiljewitsch Gogol, der dort ebenfalls schriftstellerisch tätig wurde.

1848 zog der Maler Gerhardt von Reutern (1794–1865), kaiserlich-russischer Obristleutnant, mit seiner Ehefrau Charlotte und deren Sohn Alexander in die Villa ein.Wilhelm Dieter Vogel: Die Arabeske des Herrn von Reutern. In: Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts 1980, Sonderdruck, S. 135–168, S. 168. Von Reutern zog nach dem Besitzerwechsel um in die Hanauer Landstraße 16 (spätere Hausnr.: 22), wo er bis zu seinem Tode wohnte. Die Familie, bereits seit 1844 am Mainufer ansässig, richtete sich das 1. Obergeschoss als Wohnung ein. Das Parterre diente mit seinen Räumen als Atelier für Maler um Philipp Veit, die 1848 aus dem Deutschen Haus (Herrenhaus des Deutschorden) ausziehen mussten, weil es als Kaserne gebraucht wurde. In der Villa entstand das Werk von Reuterns Die Opferung Isaaks.Gerhard von Reutern: Der Maler Gerhard von Reutern 1794–1865. Seine Kunst, sein Leben, seine Familie, seine Freunde. O. O., o. J. (Berlin, um 1994; der Verfasser ist ein Urenkel des Malers).

1851 – außer der ledigen Maria Anna Saltzwedel waren alle unmittelbar begünstigten Erben, Vormunde und Ehegatten eingeschlossen, verstorben –Auguste Wilhelmine Burnitz † 1831; Philipp Peter Hörle † 1843; Johann Jakob Schulz-Saltzwedel † 1845; Carl Philip Hörle † 1847; Maria Sophia Burnitz † 1849; Rudolf Burnitz † 1849. Anna Maria Saltzwedel setzte 1844 die Burnitz-Nichten und -Neffen zu Erben ihres Grundbesitzes ein. ließen sich die von den 20 Erben der zweiten Generation noch lebenden 12 (Zweige: Burnitz/Schulz-Salzwedel) den Besitz der Liegenschaften vor dem Schaumaintor attestieren, womit der Verkauf vorbereitet wurde. mini|Hinweistafel zum Aufenthalt der Dichter Joukovsky und Gogol

Die Villa Metzler Umbau zur Stadtvilla durch Georg Friedrich Metzler mini|Sog. Schweizerhaus im Park der Villa Metzler, erbaut 1855

1851 erwarb ein Mitglied der Bankiersfamilie MetzlerSiehe zu der Familie Anwesen und Villa: Georg Friedrich Metzler (* 13. März 1806; † 19. April 1889). 1855 wurde im Park das sog. Schweizerhaus, ein Gartenhaus (das noch steht), im Fachwerkstil mit Ahornparkett errichtet, in dem Konzerte und Schauspiele stattfanden. 1863/65 ließ Metzler durch einen Architekten der Familie Kayser die Mansarden im Barockstil ausbauen, das Walmdach sowohl durch schwere Segmentgiebel nach allen Seiten vergrößern als auch in der Mitte durch eine Aussichtsterrasse (Belvedere) verschönern, die Fensterreihen im 1. Obergeschoss mit Segmentgiebeln betonen und den Eingang auf die Ostseite verlegen. Die umgebaute Villa konnte seither auf vier Geschossen herrschaftlich bewohnt werden. Tore und Gitter, die zwar noch vorhanden sind, nicht aber die schmalen Pylone, wurden als detailgetreue Kopien (Beispiel) der Würzburger Residenz geschmiedet. Der Garten wurde zu einem Rosengarten in englischem Stil mit Brunnen umgestaltet. Der untere Teil des ursprünglich zweistufigen Brunnens wurde vor dem Verkauf (1932) in den Garten im Metzlerschen Palais in Bonames verbracht.(Abb.: Otto Dereth: Gärten im alten Frankfurt. Frankfurt am Main 1976, S. 207) Zu den bekanntesten Gästen gehörten König Wilhelm I., Otto von Bismarck und Emma Metzler (* 18. Mai 1827; † 21. Juli 1880), die mit Wilhelm Peter (von) Metzler (* 17. Mai 1818; † 9. Mai 1904), dem Bruder von Georg Friedrich Metzler, verheiratet war.

Wohnhaus der Eheleute Schmidt-Metzler