mini|hochkant|Josef Esch (2013) Josef Antonius Esch (* 8. Oktober 1956 in Troisdorf) ist ein deutscher Bauunternehmer und Anbieter von Immobilienfonds sowie Immobilienentwickler.Rhein-Sieg-Rundschau, 8. Oktober 2010 Bonner Generalanzeiger, 2. Januar 2010 sueddeutsche.de, 27. Februar 2013 Die meisten Projekte realisierte er in Zusammenarbeit mit der Privatbank Sal. Oppenheim. Nach dem Tod des Bankiers Alfred Freiherr von Oppenheim im Januar 2005 galt Esch als „faktischer Beherrscher des Bankhauses“. Esch wurde wegen wirtschaftskrimineller Handlungen zu einer Geldstrafe verurteilt.
Aufgrund zweifelhafter Finanzierungen geriet die Bank im Jahr 2009 in eine schwere Unternehmenskrise. Nach der anschließenden Übernahme durch die Deutsche Bank im Oktober 2009 beendete Sal. Oppenheim die Zusammenarbeit mit Josef Esch.Deutsche Bank greift bei Sal. Oppenheim durch. handelsblatt.com, 15. März 2010 Seither beschäftigen sich deutsche Gerichte mit einer Vielzahl von Wirtschaftsprozessen, in denen diese Partnerschaft aufgearbeitet wird.
Karriere Josef Esch ist der Sohn des Bauunternehmers Christian Esch (1914–1986). Er arbeitete als Schulkind auf den Baustellen seines Vaters. 1971 schloss er die Volksschule ab. Nach einer Lehre als Maurer bis 1974 wurde Esch jüngster Polier Deutschlands. 1980 bestand er die Meisterprüfung.Manager-Magazin, Sören Jensen: , manager magazin, September 2005, vom 26. August 2005, Seite 32, abgerufen am 21. September 2010. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1986 übernahm er zusammen mit seinem Bruder Matthias das Unternehmen. Josef kümmerte sich fortan um die Finanzierung, Matthias um die bauliche Umsetzung der Projekte. Dabei konnte er zunächst wohlhabende Kunden als Investoren für so genannte Bauherrenmodelle gewinnen. Im Jahre 1991 gründete er die Josef Esch Vermögensverwaltung GmbH.
Zusammenarbeit mit Sal. Oppenheim Über Matthias Graf von Krockow und dessen Schwiegermutter, die Miteigentümerin von Sal. Oppenheim Karin von Ullmann, erlangte Josef Esch Kontakt zu den Gesellschaftern der Privatbank Sal. Oppenheim. Vorher hatte Lothar Ruschmeier, Anfang der 1980er Jahre Fraktionsvorsitzender der SPD in Troisdorf (bei Bonn), dem Sitz der Esch-Gruppe, kommunale Immobilienprojekte mit dem Parteigenossen Josef Esch organisiert. Danach ging Ruschmeier als Sozial- und Jugenddezernent nach Köln, wo er im Oktober 1989 Oberstadtdirektor wurde und mit Esch die Köln-Arena/Stadthaus einfädelte,Werner Rügemer: Colonia Corrupta. Münster, 7. Auflage 2013, S. 70 f. nachdem ein Konsortium von Kölner Banken unter Führung der WestLB eine klassische Bankfinanzierung als zu riskant abgelehnt hatte. Ab 1989 verwirklichte Esch gemeinsam mit dem Bankhaus regelmäßig Immobilienprojekte, die jährliche Renditen von bis zu 25 Prozent erbrachten.
Die Zusammenarbeit wurde durch die Oppenheim-Esch-Holding GbR vertieft, die 1992 als Joint Venture zwischen Josef Esch und Sal. Oppenheim mit einer Beteiligungsquote von je 50 % entstand,das Bankhaus Sal. Oppenheim reduzierte später seinen Anteil auf 5 %, die restlichen 45 % gehörten den persönlich haftenden Gesellschaftern der Bank nachdem beide Partner gegenseitige Geschäftsmöglichkeiten identifiziert hatten. Die Holding fungierte als geschäftsleitende Holding von geschlossenen Immobilienfonds.Zeit Online, vom 3. Januar 2012, Josef und seine gierigen Millionäre. Am 1. Oktober 1993 konnte Esch seinen ersten Fonds für einen Bürokomplex in Düsseldorf-Grafenberg gründen. Im Jahr 2005 waren es bereits mehr als 60 unterschiedliche Fonds, die an den exklusiven Kundenstamm des Bankhauses vertrieben wurden.Deutsche Bank greift bei Sal. Oppenheim durch. handelsblatt.com, 15. März 2010Der Spiegel 47/2004, Kölner Klüngelmeister. Kritiker beanstandeten, dass Esch bis zur Übernahme der Privatbank durch die Deutsche Bank im März 2011 massiven Einfluss auf die Geschäftspolitik der Bank nahm, ohne dort irgendeine offizielle Funktion innegehabt zu haben. Esch unterhielt im Bankhaus ein eigenes Büro und nahm ohne Mandat – als persönlicher Freund von Matthias Graf von Krockow – an den Gesellschafterversammlungen teil.
Danach ging Esch regelmäßig mit der gleichen Struktur vor. Die Immobilienfonds erhielten die Rechtsform der Kommanditgesellschaft oder GbR, wobei die Kapitalanleger als steuerbegünstigte Kommanditisten und die Holding als Komplementär fungierten. Die Immobilien wurden entweder noch gebaut oder bestanden bereits. Die Gesamtkosten beinhalteten so genannte „weiche Kosten“ („Soft-Kosten“ für Planung, Vertrieb oder Mietersuche), die teilweise bis zu 40 % der Gesamtkosten ausmachten. Die Immobilien wurden anschließend über Zeiträume von 10 bis 30 Jahren an namhafte Ankermieter vermietet, die vorhandenen Mietrisiken teilweise durch Mietgarantien öffentlicher Einrichtungen wie der Stadtsparkasse Köln (Coloneum) oder Stadt Köln (Kölnmesse) abgesichert. Die vermögenden Kommanditisten akquirierte Sal. Oppenheim aus eigenem Kundenkreis und kreditierte die Kommanditanteile zur Beleihungsgrenze von 60 % ihres Beleihungswerts. Unter den Kommanditisten befanden sich einmalig oder wiederkehrend Hubertus Benteler, Alfred Neven DuMont, Heinz-Horst Deichmann, Oetker, Haniel, Familie Boquoi, oder Maxdata-Gründer Holger Lampatz. Oppenheim übernahm auch die Vorfinanzierung der gemeinsamen Fonds. Für die 2009 verstorbene Karin von Ullmann, wie für viele andere seiner Kunden, trat Esch als persönlicher Vermögensverwalter mit weitreichenden Vollmachten auf.Reiche Kundschaft, dunkle Geschäfte – Soap am Rhein faz.net, 23. August 2009Vornehm und herzlich Kölnische Rundschau, 2. Juni 2009 Auch bei Madeleine Schickedanz und Thomas Middelhoff kümmerte er sich persönlich um familiäre Angelegenheiten.Wie Hans im Glück Handelsblatt.de, 19. April 2011 Insgesamt legte Esch sukzessive 72 geschlossene Immobilienfonds mit einem Wert von Euro 4,5 Mrd. auf. Zwischen 2000 und 2008 wurden von der Holding jährlich 80 Millionen Euro Gewinn an Oppenheim abgeführt.
Schädigung der Stadt Köln Das Geschäftsmodell mehrerer Esch-Fonds bestand darin, Immobilienprojekte mit dem (oft kreditfinanzierten) Kapital der Fondskunden zu verwirklichen und die Einnahmen durch Mietgarantien der öffentlichen Hand oder durch die Sparkasse KölnBonn absichern zu lassen.Das Kölner Spiel ist aus, Die Zeit, 11. Mai 2012
Die bekanntesten Projekte der Oppenheim-Esch-Fonds sind: Die Fernsehstudios in Köln-Ossendorf und Hürth. Mieter des Kölner Studios ist die Magic Media Company (MMC), die bis Ende 2011 auch die Hürther Hallen betrieb. Die (wechselnden) Gesellschafter der MMC waren vertraglich gegenüber dem Fonds an Mieteinstandsverpflichtungen gebunden. Zwanzig Prozent der Anteile hielten die Brüder Bernd und Helmut Breuer, die sie 2004 mitsamt umfangreicher finanzieller Verpflichtungen an die Lana Beteiligungsgesellschaft mbH, eine Tochter der Sparkasse KölnBonn übertrugen. Aufgrund von Eigenmächtigkeiten des damaligen Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Gustav Adolf Schröder wurden MMC-Gesellschafter von den Mietgarantien zugunsten eines Oppenheim-Esch-Fonds entbunden, sodass in Folge bis zum Jahr 2008 ein daraus resultierender Verlust zwischen 80 und 100 Millionen Euro entstand."Ermittlungen gegen Ex-Sparkassen-Chef" Handelsblatt v. 20. August 2009. Abgerufen am 8. November 2012 die Lanxess Arena samt Mantelbebauung (Stadthaus) und Parkhaus. Der Mietvertrag für zwei angegliederte Verwaltungsgebäude wurde zwischen Esch und dem damaligen Oberstadtdirektor Lothar Ruschmeier ausgehandelt und gilt als deutlich überteuert.Werner Rügemer: Der Bankier (3. geschwärzte Ausgabe). Ungebetener Nachruf auf Alfred Freiherr von Oppenheim. Nomen, 2006. S. 94 f. Ruschmeier wurde später Teilhaber und Geschäftsführer der Oppenheim-Esch-Holding GbR.„Ich habe mich als Opfer gefühlt“ Kölner Stadtanzeiger, 8. Juli 2005 die Nordhallen der Kölner Messe. Der Auftrag zum Bau wurde ohne öffentliche Ausschreibung an Esch vergeben. Auch hier vergab die Sparkasse Mietgarantien an den Fonds. Aufgrund der hohen Mieten machte die Koelnmesse im Jahr 2010 einen Rekord-Verlust in Höhe von 34 Millionen Euro.Rekordverlust für Kölner Messe Kölner Stadtanzeiger, 23. Juni 2011 Nach einem Urteil des Kölner LandgerichtsUrteil 28 O 413/08 des Kölner Landgerichts vom 1. Oktober 2008; Abschnitt "Entscheidungsgründe - II." zahlte der Oppenheim-Esch-Fonds Schmiergeld an Mitarbeiter der Sparkasse KölnBonn.die Story - Beraten und verkauft - Wie Politiker und Investoren bei der Sparkasse KölnBonn abkassierten WDR, März 2009 Im Oktober 2009 entschied der EuGH,EuGH, Urteil vom 29. Oktober 2009, Az.: C-536/07 dass der Bau der Kölner Messehallen gegen das in Art. 7 Abs. 4 und Art. 11 Richtlinie 93/37/EWG vom 14. Juni 1993 kodifizierte EU-Vergaberecht verstößt und verpflichtete die Stadt Köln zur Rückabwicklung oder Strafzahlung.
Diese Geschäftsprinzipien wurden 2005 im WDR-Film Milliarden-Monopoly öffentlich gemacht. In dem Film kritisiert der ehemalige Kölner Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes:
Neben den Baukosten wurden den Fondskunden oft umfangreiche, intransparente Dienstleistungen in Rechnung gestellt, deren Umfang bis zu 40 Prozent der Investitionshöhe betrug. Diese Mittel flossen vermutlich direkt Josef Esch bzw. dessen Firmen zu. Die Investoren konnten die Kosten allerdings teilweise steuermindernd beim Fiskus geltend machen. 8 der 15 Eigentümer der damaligen Betreibergesellschaft der Köln-Arena gaben neben Karin von Ullmann Josef Esch Vollmachten für ihr Vermögen „über den Tod hinaus“.Werner Rügemer, Colonia Corrupta, S. 71
Arcandor-Pleite Die überhöhten Mietzahlungen von fünf Karstadt-Häusern waren eine der Insolvenz-Ursachen des Arcandor-Konzerns im Juni 2009.
Im Jahr 2001 wandte sich die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz an Sal. Oppenheim, um mit einem Bank-Kredit über 120 Millionen Euro ihre Beteiligung am Unternehmen KarstadtQuelle (später Arcandor) zu erweitern. Schickedanz war zu diesem Zeitpunkt Hauptaktionärin des angeschlagenen Warenhaus-Konzerns, verfügte aber nach einer Erbteilung über keine Mehrheit am Unternehmen mehr.
Mit Hilfe der Bank baute Esch ab 2002 enge Kontakte zu Schickedanz und deren Ehemann Leo Herl auf. Bald ließ sich Schickedanz auch in privaten Vermögensfragen durch Esch beraten. 2002 und 2003 kaufte Esch fünf Immobilien von der KarstadtQuelle AG, ließ sie umbauen und vermietete sie zurück an die KarstadtQuelle AG. Die Mietkonditionen gelten allgemein als völlig überzogen. Für jede Immobilie wurde ein geschlossener Immobilienfonds aufgelegt.tagesspiegel.de: Der Karstadtklüngel
Nachdem sich die Bankenaufsicht gegen neue Kredite für Schickedanz ausgesprochen hatte, wurden ihre Kredit-Geschäfte über die Firma ADG Allfinanz abgewickelt, um so Risiken zu verschleiern. Hinter der Firma standen außer Josef Esch die Gesellschafter Christopher Freiherr von Oppenheim, Matthias Graf von Krockow und Georg von Ullmann.
Auf Anraten von Esch holten Madeleine Schickedanz und Leo Herl im Juni 2004 Thomas Middelhoff als Aufsichtsratschef ins Unternehmen. Im Mai 2005 wurde Middelhoff Vorstandsvorsitzender des Konzerns.Middelhoffs Luftnummer Wirtschaftswoche, 13. Juli 2009Deutschlands Geldadel profitierte von Karstadt-Mieten Spiegel Online, 14. Juni 2009 Middelhoff war seit 2002 über mehrere Esch-Fonds an vier Karstadt-Immobilien beteiligt.
In mehreren Interviews erklärte Schickedanz später, dass Josef Esch ihr davon abriet, Unternehmensanteile zu verkaufen, um ihre Kreditbelastung zu senken. Stattdessen hielt sie ihre Aktien auch noch, als der Essener Konzern im Jahr 2009 Konkurs anmelden musste. Mit dem Zusammenbruch der Kaufhaus-Gruppe verlor Schickedanz große Teile ihres Vermögens. Sie hat noch immer Verbindlichkeiten in Höhe von 550 Millionen Euro gegenüber der Bank. Sal. Oppenheim stürzte aufgrund der übernommenen Kreditrisiken in eine existentielle Krise und wurde kurz darauf von der Deutschen Bank gekauft. Die älteste Privatbank Deutschlands verlor damit ihre Eigenständigkeit.