Saint-Pierre-et-Saint-Paul de Maguelone ist eine ehemalige Kathedrale und Abteikirche auf der Insel Maguelone im südfranzösischen Département Hérault in der Region Okzitanien.

Das imposante, im 12. und 13. Jahrhundert im Stil der Romanik als Bestandteil eines umfangreichen Klosters und Bischofssitzes errichtete ehemals wehrhafte Kirchengebäude war einst der Sitz einer der einflussreichsten Diözesen Frankreichs. Im Itinerarium Antonini (Anfang 3. Jahrhundert!) wurde Maguelone bereits als Civitas erwähnt.

Die Kathedrale wurde im Jahr 1840 als Monument historique klassifiziert und steht als solches unter Denkmalschutz.Seite des Ministère de la culture (France) mit Daten und Bildern

Das Kulturdenkmal und der frühere Bischofssitz fanden als Schauplatz Eingang in den Roman „Die schöne Magelone“ aus dem 15. Jahrhundert.

mini|hochkant=2|Saint-Pierre-et-Saint-Paul de Maguelone, Insel von Osten mini|hochkant=1.2|Maguelone am Ende des Mittelalters. Grafik

Lage Die seit dem Altertum bewohnte Insel Maguelone (lat. Insula Magalona) entstand aus einem ehemaligen Vulkankrater aus Basaltgestein.

Um 6500 bis 2500 Jahre vor Christus bildete sich entlang der Mittelmeerküste eine sandige Nehrung, die sich von Aigues-Mortes bis Agde erstreckte. Dabei entwickelte sich auf deren Landseite ein ausgedehntes Flachmeer aus Lagunen, das die Insel Maguelone vollkommen einschloss. Sie war seit dem Mittelalter über einen Damm und eine Brücke mit dem Land verbunden. Beide existieren heute jedoch nicht mehr. Maguelone liegt heute ca. 3 Kilometer südöstlich von Villeneuve-lès-Maguelone und etwa 10 Kilometer (Luftlinie) südlich des Stadtkerns von Montpellier und ist von Osten über die Nehrung von Palavas-les-Flots aus zu erreichen.

Geschichte Westgotische Ursprünge Auf der erhöhten Insel von Maguelone stand zunächst die Festung eines westgotischen EdelmannesSaint-Jean Robert: Maguelone – Ehemalige Kathedrale von Saint-Pierre. 2007, S. 1–32, hier: S. 5., allseits geschützt von der sie umgebenden Lagune. In dessen Folge wurde dann – vielleicht schon im 3. Jahrhundert – ein Bistum Maguelone gegründet.

Maguelone wurde bereits im Itinerarium Antonini (Anfang 3. Jahrhundert) als Stadt erwähnt.

mini|hochkant=0.5|Gotische Adlerfibel

Maguelone war eine der „sieben Städte“, nach der die Region „Septimanien“ genannt wurde, oder die westliche Region der römischen Provinz Gallia Narbonensis (etwa das heutige Languedoc-Roussillon). Septimanien wurden 462 unter die Kontrolle des Westgotenreichs unter König Theoderich II. († 466) übergeben. Die sieben Städte sind heute Elne, Agde, Narbonne, Lodève, Béziers, Nîmes und Maguelone.

Die erste Bischofskirche musste bereits im 6. Jahrhundert existiert haben, da der erste bekannte Bischof BoëceJ.-M. Besse: „ABBAYES ET PRIEURÉS DE L’ANCIENNE FRANCE“, Archives de la France monastique (1905), S. 189 (auch Boetius, Boèce oder Boecio) aus Maguelone sich im Jahr 589 beim 3. Konzil von Toledo vertreten ließ. Das plötzliche und späte Auftauchen eines neuen Bischofssitzes Maguelone scheint durch eine Neuorganisation der Provinz Narbonne ausgelöst worden zu sein, die seit dem 5. Jahrhundert von den westgotischen Königen beherrscht wurde. Ein neues von Nîmes getrenntes Bistum entsprang einer politischen Notwendigkeit. Seit dem 7. Jahrhundert gab es Grafen von Maguelone.

Unerklärt bleibt jedoch die Wahl der kleinen Insel abseits der Via Domitia, am Rande des Bistums und weit entfernt von jeder Siedlung (das antike Lattes gab es nicht mehr, und Montpellier existierte noch nicht). Lag es an der Präsenz eines antiken Hafens, wie es vor Ort gefundene gallisch-römische Reste vermuten lassen? Oder lag es daran, dass die Küste nach römischem Recht zum Ager publicus, dem öffentlichen Bereich gehörte, den sich die westgotischen Herrscher angeeignet hatten?

Wie dem auch sei, der Hafen wurde im 7. Jahrhundert vom „Geografen von Ravenna“ zitiert und seine strategische Lage galt als so wichtig, dass der westgotische König Wamba († 681/683) ihn 673 bei seinem Rückeroberungsfeldzug des Narbonnais belagerte. Man weiß zwar nichts von der ersten Kathedrale von Maguelone, aber die Entdeckung von Sarkophagen und Grabmobiliar im letzten Jahrhundert zeugte vom Vorhandensein einer Nekropole in der Nähe des Heiligtums zu Zeiten der Westgoten und Franken.

mini|hochkant=0.5|Grab von Karl Martell in St. Denis

Zu Beginn des 8. Jahrhunderts, nach dem Zusammenbruch des Königreichs Toledo, wurde die Insel von spanischen Moslems besetzt: Der in den Chroniken erwähnte Sarazenenhafen, der „Port Sarasin“, erinnert daran. Um sie zu verjagen oder auch als Vergeltung soll Karl Martell im Jahr 737, nach dem Scheitern der Eroberung Septimaniens, die Insel verwüstet haben.

Unter dessen Enkel Karl dem Großen (frz. Charlemagne) (747 oder 748 – 814) wurde der Stützpunkt der feindlichen Mauren gänzlich zerstört. Daraufhin blieb Maguelone etwa dreihundert Jahre lang nahezu verlassen. Während sich der Graf in Melgueil, dem heutigen Mauguio (zirka 10 Kilometer östlich von Montpellier) niederließ und diesen Namen annahm, flüchteten Bischof und Klerus zum antiken Oppidum Sextantio (heute Castelnau-le-Lez am nördlichen Stadtrand von Montpellier).

Es ist offensichtlich, dass auch ohne die sarazenische Gefahr ein unsicheres Leben auf der Insel fortbestand, die 798 von Theodulph, dem Bischof von Orleans (* um 750/760; † 821), erwähnt wird, und wo nach der „Alten Chronik“ vier Kaplane, trotz der Furcht vor Piraten, noch die Messe zelebrierten.

Gegen Ende des 9. Jahrhunderts nutzten die Grafen von Maguelone / Melgueil diese Situation aus und brachten das Bistum in ihren Besitz, verfügten über dessen Einkünfte und ernannten seine Bischöfe.

Die sich im 10. Jahrhundert wiederholenden Schlachten zwischen den Franken und Sarazenen zwangen die restlichen Bewohner Maguelones auf das Festland zu gehen, wobei der Bischof und die Verwaltung zuerst im neu entstandenen Villeneuve-lès-Maguelone und später in Castelnau-le-Lez Zuflucht gefunden haben.

Das Erwachen im 11. Jahrhundert: ein Werk des großen Arnaud Im Jahr 1033 erhielt Bischof Arnaud I. vom Papst Benedikt IX. eine Bulle mit der Mitteilung, er könne die Kathedrale, das Kloster und die nötigen Bauten wiederherstellen lassen. Das Episkopat (1030–1060) des Reformprälaten und einer der zahlreichen Erbauer in der ersten romanischen Epoche war geprägt von seiner Rückkehr auf die Insel und die der Kanoniker (Domherren).Saint-Jean Robert: Maguelone – Ehemalige Kathedrale von Saint-Pierre. 2007, S. 1–32, hier: S. 6.

Maguelone erhielt damals den besonderen Charakter, den es während seiner ganzen Geschichte bewahren sollte: den eines kleinen, sehr stark befestigten Bischofssitzes, ohne räumliche Anbindung an eine Stadt und von der Diözese isoliert. Um den Willen seiner endgültigen Rückkehr zu unterstreichen, veranlasste er unverzüglich den Neubau der Kathedrale, die bereits gut zwanzig Jahre später im Jahr 1054 geweiht werden konnte, wie auch die Konventsgebäude des Kapitels.

mini|hochkant=0.4|Gregor VII., aus einem Manuskript des 11. Jh.

Von diesen ersten romanischen Gebäuden besteht heute nur noch der Turm mit der St-Augustin-Kapelle auf der Südseite der Kathedrale des 12. Jahrhunderts, im Winkel zwischen Lang- und Querhaus. Zur Verteidigung der Gebäude des Bischofssitzes mit seiner Kathedrale gegen die Angriffe der Moslems, ließ Bischof Arnaud sie mit einer Wehrmauer umgeben, die in den Chroniken als „Eisentürmantel“ bezeichnet wird. Zu dieser Zeit ließ er auch die Insel mit der oben erwähnten Aufschüttung eines Walls und einer gigantischen Brücke über die Lagune mit dem Festland verbinden. Das Bauwerk bestand aus gemauerten Pfeilern, die durch bei Unwettern überschwemmbaren hölzernen Stegen verbunden waren. Mit deren Überwachung und Instandhaltung war ein Würdenträger des Kapitels speziell beauftragt, der sogenannte „Pontanier-Kanonikus“.

mini|hochkant=0.7|links|Urban II., Grafik 14. Jh.

Gegen Ende des 11. Jahrhunderts wurde das Schicksal der Insel besiegelt, das sie zeitweise zu einem Zufluchtsort der beim Kampf zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Reich verjagten Päpste machen sollte. 1085 stellte sich Graf Pierre I. de Melgueil unter den Schutz des Papstes, indem der seine Grafschaft samt dem Bischofssitz „den Aposteln Petrus und Paulus, dem Papst Gregor VII. Und seinen Nachfolgern“ zum Geschenk machte. 1087 wurde die Schenkung von Urban II. angenommen, der die Grafschaft dem Spender als Lehen zurückgab, gegen die Zahlung eines Jahreszinses von einer Unze Gold. Der Bischofssitz wurde der „römischen Freiheit“ unterstellt, die die freie Wahl des Bischofs durch die Domherren garantierte. Der Bischof musste jedenfalls ebenso eine Unze Gold pro Jahr an Rom überweisen.

Urban II. besuchte im Jahr 1096 die Insel, proklamierte ihre Kirche zur „zweiten nach derjenigen von Rom“ und gewährte ihr das Recht zum Tragen des päpstlichen Siegels, dem Schlüssel von St-Petrus. Er versprach allen, die auf ihrem Friedhof bestattet wurden, den vollkommenen Ablass.

Blütezeit des 12. und 13. Jahrhunderts Als Eigentum der römischen Kirche diente Maguelone im Laufe des 12. Jahrhunderts häufig als Zufluchtsort für Päpste, die aus dem von Aufrührern bedrängten Rom und Italien geflohen waren.Saint-Jean Robert: Maguelone – Ehemalige Kathedrale von Saint-Pierre. 2007, S. 1–32, hier: S. 6–7.

Papst Gelasius II. fand im Jahr 1118 hier Aufnahme, wo er Pons de Melgueil, den Abt von Cluny, und Suger, den Abt von St-Denis empfing. Letzterer, ein feinsinniger Beobachter, schrieb: „Es ist eine schmale Insel, auf der nur der Bischof und seine Geistlichen mit wenig Gefolge hausen. Sie ist bescheiden, isoliert und arm, aber gut befestigt gegen die Attacken der Sarazenen, die unabhängig das Meer heimsuchen:“

mini|hochkant=0.5|links|Calixt II. - Grafik von 1196

In Maguelone weilten die Päpste Calixt II. (1119), Innozenz II. (1130) und Alexander III. (1163 und 1165). Letzterer weihte 1163 den Hauptaltar der Kathedrale, deren Chorapsis soeben fertiggestellt worden war.

Trotz gelegentlicher Streitigkeiten zwischen Bischof und Kapitel wegen der Teilung der Einkünfte, oder der Anfechtung von Wahlen (seit den 90er Jahren des 11. Jahrhunderts wurden Bischof, Propst, Archidiakon und Sakristan aus den Reihen der Kanoniker gewählt) erlebte Maguelone drei Jahrhunderte lang einen gewissen Wohlstand, begünstigt durch die Einnahmen der Salinen, die Gebühren für den Fischfang in der Lagune und die Benutzung der Kanäle.

Reichtum und Prestige führten im 12. Jahrhundert zum Neubau einer größeren Kathedrale, eines zweigeschossigen Kreuzgangs, von den Konventsgebäuden umschlossen, eines Hauses für den Bischof und seiner illustren Gäste sowie neuer Räumlichkeiten für eine sorgsame Besucherbetreuung, ein gewaltiges Unterfangen, das von drei zielstrebigen Prälaten zügig realisiert wurde, von dessen Fortschritt die „Alte Chronik von Maguelone“ berichtet. Wegen ihrer exponierten Lage an der Küste, den Angriffen der Sarazenen ausgesetzt, wurde sie als Wehrkirche konzipiert.

mini|links|hochkant=0.5|Jakobspilger, Holzschnitt von 1568 mini|hochkant|Jakobsgrab, Santiago-de-Compostela

Die Hauptarbeiten fielen in die Blütezeit der Wallfahrten zum Grab des Apostels Jakobus des Älteren in Santiago de Compostela in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, in der die Pilger jährlich zu Hunderttausenden über die Pyrenäen nach Süden zogen. In dieser Zeit organisierten vor allem Mönchsgemeinschaften, wie etwa die Benediktiner von Cluny, die Abwicklung der Wallfahrt. Es formierten sich vier Hauptrouten und ein Netz von Nebenrouten, an denen Kirchen, Klöster, Hospize, Herbergen und auch Friedhöfe entstanden oder erweitert wurden.Julia Droste-Hennings, Thorsten Droste: Frankreich, Der Südwesten - die Landschaften zwischen Zentralmassiv, Atlantik und Pyrenäen. 1. Auflage. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2007, ISBN 978-3-7701-6618-3, S. 24–25.