mini|Agung mini|Selbes Gongpaar: Der linke Gong (rechts vom Spieler) ist ein pangandungan, der den Grundrhythmen unterstützt und der rechte Gong (zur linke des Spielers) ist ein panentekan, der das Spiel des pangandungan ausschmückt. Agung, auch agong, bezeichnet in vielen Sprachen der Malaiischen Inseln als Aufschlagidiophon gespielte hängende Buckelgongs. Auf der südphilippinischen Insel Mindanao werden sie besonders in der Provinz Maguindanao und von den mehrheitlich muslimischen Maranao und den Tausug als ein unterstützendes Musikinstrument in einem Kulintang-Ensemble verwendet. Bei anderen Volksgruppen im malaysischen Sabah, Sarawak und im übrigen Kalimantan ist der agung das Hauptinstrument eines Agung-Orchesters. Im Gamelan von Java und Bali heißen große Hängegongs gong ageng.

Bauform Der agung ist ein großer, schwerer, breitrandiger Kesselgong, der in einem Kulintang-Orchester für den Basston verantwortlich ist. Jeder der Gongs hat in der Regel ein Gewicht zwischen 4,1 kg und 5,6 kg, wobei es durchaus möglich ist, Agung-Gongs mit einem Gewicht unter 5 Pfund (1,87 kg) oder mit bis zu 20 oder gar 30 Pfund (7,46 kg bzw. 11,2 kg) anzutreffen. Dies ist abhängig von dem Metall, aus dem er gefertigt wurde, Bronze, Messing oder Eisen. Während sein Durchmesser geringer ist, als der des gandingan und zwischen annähernd 22 Inch (560 mm) bis 24 Inch (610 mm) liegt, ist er im Vergleich zu diesem wesentlich tiefer eingefasst, besitzt also einen deutlich breiteren Takilidan (Rand), der, einschließlich des großen, aufragenden Knopfes oder Buckels, zwischen 12 und 13 Inches (304 - 330 mm) betragen kann.Cadar, Usopay H., and Robert Garfias. "Some Principles of Formal Variation in the Kolintang Music of the Maranao." Asian Music Vol. 27, No. 2. (Spring - Summer, 1996), S. 105–122.Otto, Steven W. "Repertorial Nomenclature in Muranao Kolintang Music ." Asian Music Vol. 27, No. 2. (Spring - Summer, 1996), S. 123–130.Scholz, Scott. "The Supportive Instruments of the Maguindanaon Kulintang Music." Asian Music XXVII.2 (1996): 33-52.Kalanduyan, Danongan S. "Maguindanaon Kulintang Music: Instruments, Repertoire, Performance, Contexts, and Social Functions." Asian Music XXVII.2 (1996): 3-18.Benitez, Kristina. The Maguindanaon Kulintang: Musical Innovation, Transformation and the Concept of Binalig. Ann Harbor, MI: University of Michigan, 2005.Cadar, Usopay Hamdag (1971). The Maranao Kolintang Music: An Analysis of the Instruments, Musical Organization, Ethmologies, and Historical Documents. Seattle, WA: University of Washington.Terada, Yoshitaka. "Variational and Improvisational Techniques of Gandingan Playing in the Maguindanaon Kulintang Ensemble." Asian Music XXVII.2 (1996): 53-79. mini|hochkant|Ein agung aus Messing

Die Gongs werden vertikal etwa in Höhe oder etwas unterhalb der Hüfte an Seilen aufgehängt. Dabei befestigt man sie an einer erhöhten Struktur wie einem starken Baumast, einem Deckenbalken oder einem Holz- bzw. Metallrahmen, der dem Gong als Gestell dient.

Der größere, tiefer klingende Gong der beiden wird von den Maguindanao als pangandungan und von den Marano als p’nanggisa-an oder punangisa-an bezeichnet. Er befindet sich rechts vom Spieler und liefert entweder den Grundrhythmus oder er dient dem rhythmischen Aufbau an den gewichtigen Stellen eines Stückes. Der kleinere, höher klingende Gong, der zudem der dickere der beiden ist, hat bei den Maguindanao den Namen Panentekan, während er bei den Maranao als p’malsan bzw. pumalsan bezeichnet wird. Er befindet sich vom Spieler links und untermalt bzw. schmückt die Abschnitte des pangandungan-Spiels aus, dies vorwiegend durch Doppel- oder Dreifachschläge, die an allen abgeschwächten Stellen der Rhythmusstruktur eingesetzt werden.Cadar, Usopay H. "The Role of Kolintang Music in Maranao Society." Asian Music Vol. 27, No. 2. (Spring - Summer, 1996), S. 80–103.

Technik mini|hochkant|Ein Agung-Spieler demonstriert mit seinen Klöppeln die neue Technik des Katinengka. Beim Agung-Spiel steht der Spieler üblicherweise neben dem Instrument, wobei er den oberen Randteil zwischen dem Daumen und den anderen Fingern der linken Hand hält. Mit seiner Rechten erzeugt er den Ton, indem er mit einem Klöppel auf den runden Höcker oder Buckel im Zentrum des Gongs schlägt. Die Klöppel, als balu bezeichnet, sind aus einem kurzen Stock gefertigt und haben eine Länge von einem halben Fuß (ca. 15 cm). Ein Ende ist mit einem weichen, aber widerstandsfähigen Material, zum Beispiel Gummi, umwickelt. Die Handhabung der balu beim Spielen des agung ist vergleichbar mit der Spielweise eines Tomtoms aus Messing. Dabei werden durch Verwendung von dämpfenden Techniken eine Reihe solider, schnell abklingender Tönen erzeugt. Der gewünschte Effekt wird dadurch hervorgerufen, dass man nach dem Schlagen eine Hand auf dem Buckel oder das Knie auf dem Flansch belässt bzw. die Klöppel selbst an dem Buckel anlegt. Wenn ein Spieler mit beiden Gongs agiert, hält der Assistent den tiefer klingenden Gong in einer Winkelposition und bedämpft das Instrument hierbei mit seinen beiden Händen.

Seit einigen Jahren hat sich eine neue Art der Handhabung entwickelt, bei dem überwiegend ein Teil des Buckels anstatt des Flansches festgehalten wird oder man streicht bei einer weiteren Variante um den Höcker herum, wobei jedoch das hölzerne Ende des Klöppels eingesetzt wird. Ziel ist es jeweils, auf diese Arten eine Dämpfung des Tones zu erreichen. Diese Techniken, Katinengka genannt, werden von Downriver Musikern der Volksgruppe der Maguindanaos angewandt, um einen metallischen Klang während der Kulintang-Aufführung entstehen zu lassen.

Zum Spielen eines Agung können verschiedene Kombinationen von Spielern, Gongs und Schlaghölzern zum Einsatz kommen. So kann der agung entweder von zwei Spielern bespielt werden, bei dem jeder der beiden an einem eigenen Gong agiert oder ein Musiker verwendet beide Gongs. Bei nur einem Akteur kann dieser entweder auf beiden Gongs spielen, wobei er den höher klingenden Gong in Augenhöhe hält, während der tiefer klingende von einem Assistenten zur Stabilität in einem Winkel gehalten wird, oder er beschränkt sich auf einen Gong alleine. Der letztgenannte Stil, der vor allem von den Downriver Maguindanaos in Simuay angewandt wird und bei denen diese Spielart als eine sehr alte betrachtet wird, benutzen hierfür lediglich den höher klingenden Gong. Dieser stellt, anders als der tiefer klingende Gong, ein Führungsinstrument dar und hat daher eine primäre Bedeutung inne. Ein Beispiel hierfür ist das Spiel eines Ein-Gong-Agungs bei einem Tagunggo-Stück.

Daneben kann auch die Anzahl der verwendeten Schlaghölzer variieren. Zu den meisten Anlässen kommt nur ein Schlagholz zur Anwendung, während die Spieler bei anderen Techniken zwei Klöppel verwenden, eines in jeder Hand. Diese Spielart ist allerdings nur Wettbewerben und Vorführungen vorbehalten. Bei einer weitaus interessanteren Technik nutzt man nur ein balu, wobei es hierbei erforderlich ist, dass die Spieler den agung in umgekehrter Ordnungsfolge spielen. Diese Technik nennt sich Patuy.

Musikalische Anwendung mini|hochkant|Der agung als Teil eines Kulintang-Ensembles

Kulintang Ensemble Der agung wird bei den Gemeinschaften der Maguindanao und der Maranao hauptsächlich als ein unterstützendes bzw. begleitendes Instrument eines konventionellen Kulintang-Esembles angesehen. Durch die Erzeugung von Grundmustern und ineinander greifenden Rhythmen wird der agung von dem Spieler genutzt, um die durch das Kulintang vorgegebene Melodie zu vervollständigen. Die von den Spielern üblicherweise verwendeten Muster sind dabei als weitaus freier anzusehen, als sie es bei den anderen Begleitinstrumenten des Kulintang, dem babendil (ein kleiner Gong) oder der dabakan (Bechertrommel) sind. Die Spieler können die Muster selbständig variieren, solange sie sie angeglichen und bestärkend präsentieren, wodurch sie den Rhythmus des Stückes entwickeln und stützen. Die Länge der Muster selbst können verändernd gehalten werden, abhängig davon, wie sie in die musikalische Improvisation hineinpassen. Für den Musiker sind dabei schnelle Stilrichtungen hilfreich, da sie es ihm erlauben, seine Spielküste zu verdeutlichen und anschaulich zu machen.

Unter beiden, den Maguindanao und den Maranao, wird der agung als eine männliche Verkörperung angesehen, weswegen der agung traditionell als ein maskulines Instrument betrachtet wird. Um als guter Spieler anerkannt zu werden, muss man einerseits Stärke verkörpern, sowie andererseits Stamina (fehlerfreies Spielen unter einem extrem hohen Tempo) beherrschen und ausdauerndes Auftreten besitzen. Die Spieler müssen weiterhin fähig sein, bei verschiedenen Spielmustern ihre Improvisationsfähigkeiten zu demonstrieren, damit das Publikum die gespielten Muster nicht als sich wiederholend und damit als banal betrachtet.

Aufgrund der hohen Fertigkeiten, die das Spielen des agung erfordert, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Spieler während ihrer Darbietung eine freundschaftliche Rivalität an den Tag legen, wobei sie mit Tricks versuchen, den jeweils anderen in dessen Spiel an seine Grenzen zu bringen. Werden zum Beispiel die Ausführungen des p’nanggisa (der Gong für den Grundrhythmus) derart schwer fassbar, dass der p’malsan (der Gong für die Ausschmückung) es schwer hat, dessen Spiel zu ornamentieren oder umgekehrt, die Ausschmückungen des p’malsan sind so verschlungen, dass sie von der Darbietung des p’nanggisa kaum mehr zu erreichen sind, so kann ein Spieler in die Verlegenheit geraten, nicht fortfahren zu können, was ihn zum Ziel des Spottes werden lassen kann. Gewöhnlich tauschen die Spieler nach jedem Stück die Plätze, aber unter diesen Umständen, wenn ein Spieler den gerade gespielten Teil nicht mehr zu handhaben vermag, kann es durchaus vorkommen, dass die Spieler an ihrem Gong verbleiben oder bereits während der Darbietung den Platz wechseln. Es ist zudem möglich, dass die Akteure nach zwei Stücken den Platz mit dem Dabakan-Spieler tauschen. Obwohl die Spieler sich in einem Wettbewerb befinden, verstehen sie sich zusammen als eine einzige Einheit, bei der die Melodie eng begleitet wird und bei der verschiedenen Variationen dargeboten werden, ohne das hierbei das Grundmuster der Musik zerstört wird.

Interaktion mit dem anderen Geschlecht mini|Ein Maguidanao-Musiker während eines Wettbewerbs mit zwei balu.

Für Männer, speziell für junge Heranwachsende, ist ein maßgebendes Motiv das Spiel des agung zu erlernen, die Möglichkeit, mit jungen, auch unverheirateten Frauen zusammenzukommen und zu interagieren. Sowohl in der Kultur der Maranao als auch in der der Maguindanao verbietet es die islamische Tradition, sich mit dem anderen Geschlecht zu treffen oder sich mit ihm zu unterhalten, es sei denn, man ist miteinander verheiratet oder blutsverwandt. Daher bietet lediglich die Aufführung der Kulintangmusik eine solche Möglichkeit, da es hierbei gestattet ist, dass das Kulintang auch in Gegenwart von Männern von einer Frau gespielt wird. So ist es Agung-Spielern unter den Maguindanao zum Beispiel bei den rhythmischen Spielarten Duyog und Sinulog a Kamamatuan erlaubt, eine junge unverheiratete Frau musikalisch zu begleiten. Bei einer anderen Rhythmusform, dem Tidto, wird dies ebenso bejaht, hierbei wird das Kulintang jedoch üblicherweise von einer älteren Frau gespielt.

Wettbewerbe