mini|Erich Kulka (1993) Erich Kulka, ursprünglich Erich Schoen (geb. 18. Februar 1911 in Vsetín, Österreich-Ungarn; gest. 13. Juli 1995 in Jerusalem) war ein israelischer Historiker, Schriftsteller und Publizist tschechischer Herkunft sowie jüdischer Überlebender des Holocaust.
Leben Erich Schön war ein Sohn der Malvina und des Siegbert Schön. Er war Arbeiter in der Holzindustrie. Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei im März 1939 wurde er im Juli 1939 wegen kommunistischer Widerstandsaktivitäten verhaftet und in Brünn inhaftiert. Während des Zweiten Weltkrieges war er Häftling in der Kleinen Festung Theresienstadt, im KZ DachauTschechen als Häftlingsgruppe auf www.hagalil.com, dem KZ NeuengammeRaphael Gross, Werner Renz (Hrsg.): Der Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963–1965). Kommentierte Quellenedition. Wissenschaftliche Reihe des Fritz Bauer Instituts, Band 1, Campus, Frankfurt 2013, ISBN 978-3-593-39960-7, S. 282 und im KZ Auschwitz-Birkenau. Dort leitete er gemeinsam mit Ota Kraus die Schlosserei im Männerlager, welche ein Verbindungszentrum des internationalen Lagerwiderstandes war.LAGERGEMEINSCHAFT AUSCHWITZ – FREUNDESKREIS DER AUSCHWITZER, 22. Jahrgang, Heft 2 Mitteilungsblatt, Dezember 2002, S. 14ff. Während der „Evakuierung“ des KZ Auschwitz im Januar 1945 konnte er mit seinem zwölfjährigen Sohn Otto fliehen.Erich Kulka auf www.ghetto-theresienstadt.de
Nach Kriegsende nahm er den Familiennamen Kulka seiner im KZ Stutthof ermordeten Frau an. Er war als Schriftsteller tätig und verfasste gemeinsam mit Ota Kraus ein umfassendes Werk über Auschwitz-Birkenau: Die Todesfabrik. Diesem einschlägigen Werk folgten weitere themenbezogene Publikationen. Kulka, der später Ehrenvorsitzender des israelischen Auschwitz-Komitees war, sagte am 16. April 1964 im 1. Frankfurter Auschwitzprozess als Zeuge aus und wies das Gericht auf das Auschwitzalbum hin.Cornelia Brink: Ikonen der Vernichtung: öffentlicher Gebrauch von Fotografien aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern nach 1945, Akademie Verlag, 1998, ISBN 9783050032115, S. 126 Sein Sohn Otto Dov Kulka, der später Professor für Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem wurde, sagte ebenfalls im Auschwitzprozess als Zeuge aus.Otto Dov Kulka auf www.saalbau.com Kulka wanderte 1968 aus der Tschechoslowakei nach Israel aus. In den 1980er Jahren widmete er seine Forschungstätigkeit insbesondere dem Sonderkommando KZ Auschwitz-Birkenau, die er zeitweise mit dem israelischen Historiker Gideon Greif durchführte. Kulka erhielt 1989 vom Spertus College of Judaica in ChicagoSpertus Institute for Jewish Learning and Leadership, homepage die Ehrendoktorwürde verliehen. Seit 1991 besteht an der Universität Jerusalem ein Erich-Kulka-Fonds, aus dem jährlich Preise für ausgezeichnete Forschungen, insbesondere zum Holocaust, verliehen werden.Newsletter-Theresienstadt, Nummer 45, Juli 1998
Im November 2004 wurde Erich Kulka im ehemaligen Gestapo-Gefängnis Theresienstadt ein Denkmal gewidmet.Newsletter-Theresienstadt, Nummer 58, Januar 2005, S. 12
Schriften (Auswahl) mit Ota Kraus: Die Todesfabrik. Aus dem Tschechischen übersetzt von Zora Weil-Zimmering. Kongress-Verlag, Berlin 1957. mit Ota Kraus, Hanna Tichy: Massenmord und Profit. Die faschistische Ausrottungspolitik und ihre ökonomischen Hintergründe. Dietz, 1963.
Literatur Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Ullstein-Verlag, Frankfurt am Main/Berlin/Wien 1980, ISBN 3-548-33014-2.
Weblinks
Kulka, Erich. In: Theresienstadt Lexikon, abgerufen am 3. Februar 2025 Erich Kulka (1911–1995), bei Ausstellung Claude Lanzmann. Die Aufzeichnungen, Jüdisches Museum Berlin, 2025
Einzelnachweise
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