300px|mini|Die Karte zeigt die bis 2010 an Kastell und Vicus festgestellten archäologischen Befunde. mini|300x300px|Luftbild der Südwestecke des Kastells Dambach. Die Südwestecke des Numeruskastells mit einem Eckturm ist ebenfalls deutlich zu erkennen (2020). mini|300x300px|Die südwestlichen Gräben des Kastell Dambach als Schneemerkmale (2026). Das Kastell Dambach, in der historischen Literatur auch als Kastell Hammerschmiede bekannt, ist ein römisches Militärlager, das am Rätischen Limes, einem Teil des zum UNESCO-Weltkulturerbe erhobenen Obergermanisch-Rätischen Limes, errichtet wurde und heute größtenteils unüberbaut, doch nicht sichtbar auf den Gemarkungen östlich des Dorfes Dambach, Ortsteil der Gemeinde Ehingen, im Landkreis Ansbach in Bayern liegt. Seine durch die Baugeschichte bedingte längliche Form macht es in dieser Art am Obergermanisch-Rätischen Limes einzigartig. Seine besondere historische Stellung erhält Dambach auch durch den späten Bau des Steinkastells, seine zwei großen Lagerdörfer sowie den teils einzigartigen Fundbestand aufgrund des seit der Antike feuchterhaltenden Bodens. Von Bedeutung ist auch ein örtliches Quellheiligtum mit einer Vielzahl von Votivgaben.Wolfgang Czysz: Ein römisches Quellheiligtum beim Kastell Dambach. In: Der Limes. 3. Jahrgang, Heft 1, Deutsche Limeskommission, Bad Homburg 2009, S. 4ff.
Lage Das Kastell, nur 100 Meter hinter dem Limes gelegen, wurde in einem flachen topographischen Halbkessel auf einer nach Westen nur leicht ansteigenden Erhöhung gegründet. Dieser Kessel wird vom sanft ausgeformten Tal des Moosgrabens durchschnitten, der von nordwestlicher in südöstliche Richtung zum Mühlbach hin abläuft und in dieser Verlängerung am Kastell UnterschwaningenKastell Unterschwaningen bei den Arrabach aufnimmt. Der Untergrund des Kastells ist aufgrund des anstehenden Basisletten, einer Tonschicht, von jeher sumpfiges Land geblieben, was speziell im Vicus, dem Lagerdorf, zu einzigartig gut erhaltenen Holzbefunden geführt hat.Thomas Fischer, Erika Riedmeier Fischer: Der römische Limes in Bayern. Pustet, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2120-0, S. 91. Der Limes kommt nördlich des Kastells aus südwestlicher Richtung heran, steigt ins Moosgrabental hinab und läuft auf der östlichen Talseite den Hang hinauf in die „Heide“, einen großen, sich nach Norden ausdehnenden Wald. Dort, 250 Meter vom Kastellplatz entfernt, finden sich rund 50 Meter hinter der Limesmauer leichte Bodenwälle, die eine ovale Fläche begrenzen, wo in römischer Zeit wohl ein kleines Amphitheater in Holz-Erde-Bauweise stand, wie es sie mehrfach an Limeskastellen gegeben hat. Vom Kastell aus konnte die Besatzung zu den benachbarten Limeswachtürmen und zu der vermuteten Signalstation auf dem südwestlichen Hesselberg, der die Landschaft dominiert, Kontakt aufnehmen.Günter Ulbert, Thomas Fischer: Der Limes in Bayern. Theiss, Stuttgart 1983, ISBN 3-8062-0351-2, S. 63. Dennoch sind die Sichtmöglichkeiten durch die Lage der Befestigung in einem Halbkessel derart begrenzt, dass ihre Gründung an diesem Platz Fragen offenlässt. Da das Gelände am Kastell Dambach in der Neuzeit durch starke menschliche Eingriffe, wie beim Bau von Teichen (u. a. Zerstörung von Teilen der Kastellumwehrung, des Lagerdorfes und des Limes) sowie durch Lehmabbau einer bis zum Ersten Weltkrieg auf dem Lagerplatz arbeitenden Ziegelei seine historische Gestaltung verloren hat, ist die antike Lagesituation nur noch sehr eingeschränkt vor Ort erfahrbar. Rätselhaft bleibt die topographisch nicht sehr günstige Lage des Kastells im feucht-morastigen Muldental des Moosgrabens. Möglicherweise sollten hier nachträglich zwei von Norden aus dem Freien Germanien (Germania libera) führende Straßen über den Limes kontrolliert werden. Ein großer Teil des aus Holzhäusern bestehenden Lagerdorfes (Vicuskern I) ist ebenfalls auf dem schwierigen, normalerweise von den Römern gemiedenen Untergrund errichtet worden. Dambach wird als wichtiger Handelsplatz am Limes angesehen.Max Spindler: Geschichte Frankens bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. (= Handbuch der bayerischen Geschichte. Band 3, Teilband 1). 3. Auflage. Beck, München 1997, ISBN 3-406-39451-5, S. 42.
Forschungsgeschichte Johann Alexander Döderlein (1675–1745) berichtet in seinem 1731 erschienenen Werk über die Limesanlagen bei Dambach ab WP 13/36:
In welcher Gegend, und zwar nah an der Strasse [von Schwaningen nach Ansbach], zur Lincke, ein notabler tumulus, oder runde Höhe, von Steinen und Schutt, wahr zu nehmen. Welcher daß es weyland ein Thurn oder propugnaculum [Bollwerk] der Mauer gewesen, keineswegs zweiffle. Aus bemeldter Heide bricht selbige in der Gegend des Kräuthoffs wiederum heraus, und gehet bey und neben dasigen Weyhern in das anliegende Gehöltze, von den Anwohnern das Fraun-Holtz genannt, das Dorff Tannbach nahe zur Lincken.Johann Alexander Döderlein: Antiquitates in Nordgavia Romanae, Oder Genäuere Vorstellung Des alten Römischen Valli und Land-Wehre; Der Pfahl, oder Pfahl-Heck, auch Teuffels-Mauer Von den Anwohnern heut zu Tag genannt. Carl Meyer, Weißenburg 1731, S. 61.
Döderlein berief sich auch auf einen 1728 erschienenen Artikel im Coburgischen Zeitungs-Extract. Danach wären zu dieser Zeit noch die Reste eines Frauenklosters sichtbar gewesen, nach dem die Frauenholzer Flur ihren Namen erhalten hätte. Das Kloster, möglicherweise ein Beginenhaus, soll den Namen Nonnenfurth getragen haben. Zudem wären bei den Klosterruinen „verschiedene andere Antiquitaen“ zu finden.
Einen frühen Bericht lieferte 1818 der Historiker Andreas Buchner (1776–1854). In seiner Reise auf der Teufels-Mauer kam er auch zu den „Ruinen bei der Hammerschmiede“. Er mutmaßte hier bereits ein „römisches Castrum“.J. Andreas Buchner: Reise auf der Teufels-Mauer. Eine Untersuchung über die Überbleibsel der Römischen Schutz-Anstalten im ienseits der Donau gelegenen Rhaetien. Montag-Weissische Buchhandlung, Regensburg 1818, S. 22. Was Buchner damals an der Hammerschmiede wirklich sah, bleibt ungewiss. Der Besitzer der Hammerschmiede, die den Namen Kreitmühle trug, zeigte Buchner Baureste, die beim Graben eines Kanals zu Tage gekommen waren. Mauerwerk und hölzerne Balken konnte der Historiker deutlich unterscheiden. Der Schmied berichtete auch von unterirdischen Gewölben und im Boden zu findenden gehauenen Steinen, die zum Hausbau verwendet wurden. Buchner erstand in der Hammerschmiede ein „Heidenköpfle“, wie die römischen Münzen in der Gegend genannt wurden.J. Andreas Buchner: Reise auf der Teufels-Mauer. Eine Untersuchung über die Überbleibsel der Römischen Schutz-Anstalten im ienseits der Donau gelegenen Rhaetien. Montag-Weissische Buchhandlung, Regensburg 1818, S. 65.
In seiner Genauen Beschreibung der unter dem Namen der Teufelsmauer bekannten Römischen Landmarkung berichtet der Eichstätter Stadtpfarrer Franz Anton Mayer (1773–1854), dass er im Juni 1838 die Möglichkeit hatte, der Limesmauer durch den abgelassenen Kreutweiher zu folgen. Dabei stieß er – ohne näher darauf einzugehen – „absatzweise auf Reste ihrer Grundlage“. Außerdem ließ er sich vom Vater des Besitzers der Hammerschmiede, mit dem offenbar schon Buchner gesprochen hatte, berichten, dass beim Graben im Boden immer wieder dicke Mauern, Gewölbe und Reste fester Türme aus Quadersteinen aufgedeckt wurden. Es wären auch kleine Zimmer mit bemalten Wänden, kleine Ziegelsteine, „samische Geschirrfragmente“ und viele römische Münzen gefunden worden. Man zeigte Mayer auch große, durch den moorigen Grund geschwärzte Eichenbalken.Franz Anton Mayer: Genaue Beschreibung der unter dem Namen der Teufelsmauer bekannten Römischen Landmarkung. Vierte Abteilung, S. 764. Etliches von dem, was in den frühen Berichten beschrieben wird, lässt sich wohl dem mutmaßlichen wüst gewordenen hochmittelalterliche Kloster, das im Kastellbereich verortet wird, zuschreiben, doch vermischen sich in den Überlieferungen sicherlich römische Funde mit denen des Mittelalters.
1880 erwähnte der bayerische Altertumsforscher Friedrich Ohlenschlager (1840–1916), dass an diesem Platz bisher noch nie von „kundiger Hand“ gegraben wurde und plädierte für eine umfassende, großflächige Untersuchung. Er konnte aufgrund des niedrigeren Fruchtstandes, der sich in den Feldern über altem Mauerwerk deutlich abzeichnet, südwestlich der Hammerschmiede Gebäudestrukturen erkennen. Diese gehörten, wie später nachgewiesen werden konnte, zu der mutmaßlichen klösterlichen Wüstung. Zudem erwähnte er viele interessante Funde, die heute für die Wissenschaft verloren sind.Friedrich Ohlenschlager: Die Römischen Grenzmarken in Bayern. In: Abhandlungen der philosophisch-historischen Classe. 18. Band, Verlag der königlichen Akademie, München 1890, S. 130–132. Die abschnittsweise noch erstaunlich gut erhaltenen Reste der Befestigung, des kleinen Amphitheaters und die nahen Limesanlagen wurden in der Folge zwischen 1892 und 1896 durch den Apotheker Wilhelm Kohl (1848–1898), einen Streckenkommissar der Reichs-Limeskommission (RLK), teiluntersucht. 1930 befasste sich Ernst Fabricius (1857–1942) erneut mit der Arena, die zuletzt im 3D-Laser-Vermessungsverfahren aufgenommen wurde.Hermann Kerscher: Zur Neuvermessung des römischen Amphitheaters im Hammerschiedschlag bei Dambach, Lkr. Ansbach. In: Jahrbuch der Bayerischen Denkmalpflege. Band 58/59: 2004/2005. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-422-06713-4, S. 177–178. Moderne umfassende wissenschaftliche Grabungen hat es seit dem RLK-Engagement an diesem Platz nicht mehr gegeben.
mini|Blick auf den Moosweiher (2020) Im Jahr 1966 wurden aus dem Kastell und dem Lagerdorf etliche Lesefunde gemeldet, darunter eine Gemme, Bronzegerätschaften und -anhänger, vier Lanzenspitzen und eine Pfeilspitze sowie eiserne Werkzeuge und Schlüssel.H. Balzer, Heinz Kornemann: Dambach (Ldkr. Dinkelsbühl) (Kurzmeldung). In: Bayerische Vorgeschichtsblätter. 37, 1972, S. 182. Die Anlage und Erweiterung von drei Karpfenteichen zwischen 1958 und 1986 machte jedoch Notgrabungen und Beobachtungen im östlichen Teil des einstigen Lagerdorfs notwendig. Die unkontrollierten Zerstörungen durch die Fischzucht haben neben den älteren Eingriffen allein zwischen 2002 und 2006 teilweise zu einem vollkommenen Substanzverlust der bekannten Flächen geführt und jegliche weitere Forschungsbemühungen zunichtegemacht. 2006 bis 2008 wurden die verbliebenen Befunde in den Weihern intensiv nachuntersucht und ebenfalls laservermessen. Hinzu kamen 34 Erdbohrungen im Moosweiher, die den Untergrund bis auf eine Tiefe von 2,5 Metern hin erschließen sollten. Außerdem wurden unter der Leitung des Archäologen Wolfgang Czysz (1949–2022) fünf Grabungsschnitte an dessen nordöstlichem Ufer getätigt.Wolfgang Czysz: Archäologie im Karpfenteich. Neues aus dem römischen Vicus von Dambach. In: A. Thiel: Neue Forschungen am Limes. (= Beiträge zum Welterbe Limes. Band 3). Theiss, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8062-2251-7, S. 173ff.Wolfgang Czysz: Ein römisches Quellheiligtum beim Kastell Dambach. In: Der Limes. 1, 2009, S. 4.
2009 fanden die ersten geomagnetischen Untersuchungen durch das Bayerische Landesdenkmalamt statt. Diese konzentrierten sich auf die noch zugänglichen Flächen des Kastellareals und schnitten westlich und südöstlich auch Strukturen des Vicus an, die sich in unmittelbarer Randlage der Garnison befanden. Im Frühjahr 2013 erfolgten weitläufige geomagnetische Prospektionen der in diesen Bereichen liegenden Zivilsiedlung. Für diese Forschungen war insbesondere das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Kiel eingebunden worden.Carsten Mischka, Doris Mischka, Richard Wetzel: Wohnen an der feuchten Grenze – Neues zum „vicus“ von Dambach. In: Der Limes. 7, 2013, S. 6–9; hier: S. 6.
Im Herbst 2005 wurden die konservierten Fundamente eines kleinen Steinbaus des Lagerdorfes (Vicus) südöstlich des Amphitheaters leicht aufgemauert und besuchergerecht präsentiert.
Baugeschichte