mini|Zwei Paintballspieler auf einem Waldspielfeld mini|Ein SupAir-Spielfeld mini|Grüne Paint

Paintball ist ein taktischer Gesellschaftssport (meist Mehrpersonen-Mannschaften), bei dem sich Spielerinnen und Spieler mittels Markierern mit Farbkugeln per Schussausübung markieren. Die Getroffenen und damit markierten Spielerinnen oder Spieler müssen folglich das Spielfeld üblicherweise gemäß Regelwerk verlassen bzw. disqualifizieren sich für die weitere Ausübung, was aus dem Spielerischen heraus auch mit einem Treffer einer regulären Schusswaffe assoziiert werden kann.

Der Paintball – meist nur kurz „Paint“ genannt – bezeichnet die verwendeten Farbkugeln als Form der Munition für die spielerisch sowie sportlich genutzten Schusswaffen, die normalerweise aus einer Gelatinehülle bestehen und früher mit einer Mischung aus Kartoffelstärke, Pflanzenöl und Lebensmittelfarbe gefüllt waren, heute jedoch meist mit gefärbtem Polyethylenglycol gefüllt werden. Sie gab dem Sport seinen Namen. Die Paint ist bestenfalls umweltfreundlich und wird im Freien innerhalb von zwei Wochen biologisch rückstandsfrei abgebaut.

Der Markierer ist eine Druckluftwaffe, die in der Regel den Gasdruck einer CO2- oder Druckluftflasche nutzt, um die Paint zu verschießen.

Geschichte Die Wurzeln des Paintball liegen im Jahr 1940 in den USA, als die Nelson Paint Company von Charles und Evan Nelson gegründet wurde. Die Firma hatte einige Patente, um Bäume aus der Ferne mit Sprühpistolen zu kennzeichnen. Auf Anforderung des United States Forest Service, Bäume sicher aus größerer Entfernung zu markieren, wurde 1960 von Charles Nelson der Paintball in seiner Urform entwickelt. Nelson benutzte dafür Gelatinekapseln für Pferde, die er mit Farbe füllte. Auch für das Markieren von Rindern wurden diese Farbkugeln verwendet.

Nelson Paint beauftragte die Firma Crosman mit der Entwicklung einer geeigneten Pistole für das Verschießen der Farbkapseln. So kam nach vier Jahren Entwicklungszeit 1965 die Crosman 707 auf den Markt, die auf der Crosman 150 basierte. Sie verkaufte sich allerdings so schlecht und belastete den Hersteller finanziell so stark, dass sich Crosman nach rund drei Jahren wieder aus dem Geschäft zurückzog.

Nach dem Ausstieg von Crosman unterschrieb die Nelson Paint Company 1972 mit Druckluftwaffenhersteller Daisy Manufacturing Company (heute Daisy Outdoor Products) einen Vertrag über die Entwicklung eines gänzlich neuen Markierers für die Farbkapseln. So entstand unter Federführung von James Hale die Daisy Splotchmarker, die von Nelson unter dem Namen Nel-Spot 707 vermarktet wurde. Mit der Nel-Spot 707 wurde im Jahr 1981 das erste Paintballspiel ausgetragen.

Der Wallstreet-Händler Hayes Noel und der Autor Charles Gaines diskutierten in einer Bierlaune Mitte der 1970er-Jahre über ein Verfolgungsspiel in der Wildnis, welches sie mit Freunden spielen wollten. Es ging darum, herauszufinden, wer in der Wildnis besser überleben könnte und ob Instinkt oder erlerntes Wissen entscheidend wäre. Ein Freund der beiden, George Butler, sah dann die Nel-Spot 707 in einem Farmerkatalog. Bob Gurnsey und Hayes Noel schrieben die Regeln für das Spiel fest. Es dauerte weitere vier Jahre, bis sie ihre Spielidee in die Tat umsetzten. Im Mai 1981 kauften sie einen Markierer und testeten ihn an Charles Gaines’ Sohn Shelby. Das erste Paintballspiel fand am 27. Juni 1981 in Henniker (New Hampshire) statt. Es handelte sich dabei um eine Capture-the-Flag-Variante, bei der zwölf Teilnehmer gegeneinander antraten. Das zweite – und das erste kommerzielle – Paintballspiel wurde im Oktober 1981 in Alabama abgehalten.

Nach der Veröffentlichung in Magazinen wie Sports Illustrated und Time stand der Weg der weiteren Vermarktung offen. Mit Unterstützung durch Gaines und Hayes begann Bob Gurnsey ein Starter-Kit zu verkaufen, welches eine Nel-Spot-Pistole, Paintballs, Kompass, Schutzbrille und ein Regelbuch enthielt. Von da an wurde Paintball als National Survival Game (NSG) oder The Survival Game vermarktet. Bob Guernsey eröffnete im März 1982 das erste kommerzielle Paintballfeld. Im April 1982 eröffnete das erste Franchise-Feld in Oklahoma, und PMI (Pursuit Marketing Inc.) wurde von Jeff Perlmutter und David Freeman gegründet. Mit der Gründung von PMI – Perlmutter und Freeman konnten sich nicht mit der NSG auf eine Lizenzierung einigen – folgte ein weiterer Schritt zur Vermarktung und Kommerzialisierung: PMI als Dachorganisation baute Paintballfelder auf und versorgte die Betreiber mit der notwendigen Ausrüstung. Der erste Markierer wurde als PMI-1 von der Benjamin Sheridan Air Rifle Company gebaut.

Im Juni 1983 wurde von Lionel Atwill, einem der zwölf Spieler des ersten Spiels, The Official Survival Game Manual, die erste Publikation zum Sport, veröffentlicht.

Mit der Patentierung der ölfreien Paint (U.S. Patent 4.634.606) am 6. Januar 1987 wurde es nicht mehr notwendig, die Farbflecken mit Terpentinöl auszuwaschen. Die Farbe wurde von George A. Skogg von Nelson Paint erfunden.

Begrifflichkeit und Entwicklung zum Sport International ist der gebräuchliche Überbegriff für sämtliche Formen des 1981 in den USA entstandenen Spiels „Paintball“. In Deutschland wird teilweise – meist von Nichtspielern – der Begriff „Gotcha“ verwendet. Gotcha ist ein amerikanischer Slangausdruck und steht für „I got you!“ (Ich hab dich!) und wurde durch den Film „Gotcha! – Ein irrer Trip“ Ende der 1980er-Jahre bekannt.

Während Turniere schon kurz nach der Entstehung von Paintball abgehalten wurden,NSG National Championship 1983 gab es erst 1992–93 mit der Gründung der National Professional Paintball League (NPPL) deutlichen Fortschritt dahingehend, dass sich Paintball als Sport etabliert. Mit den ersten Fernsehübertragungen von Paintballturnieren durch ESPN 1993 und den ersten Paintball-Weltmeisterschaften 1996 etablierte sich der Sport und war einem breiteren Publikum zugänglich.

Heute teilen sich die Paintballspieler landläufig in „Fun-Spieler“ („Rec-Playern“, von „Rec“ wie Recreational) und „Turnier-Spieler“ („Tournament-Playern“). Während Turnier-Spieler fast ausschließlich auf SupAir-Feldern spielen, sind die Fun-Spieler oft auf Waldspielfeldern zu finden.

Abhängig vom Veranstalter der Liga oder vom Betreiber des Spielfeldes wird bezüglich des Erwerbs der Paint zwischen BYO und FPO unterschieden. BYO (, etwa „Bring deine eigene [Paint mit]“) lässt dem Spieler die Freiheit zu entscheiden, wo und welche Paint er kauft, während bei FPO () die Paint vom Veranstalter oder Betreiber des Feldes gekauft werden muss. Gerade bei FPO wird eine zusätzliche Einnahmequelle generiert, da kostengünstige Paint – mit teilweise schlechterer Qualität – zu einem relativ hohen Preis verkauft wird. Teilweise wird von Spielfeldbetreibern auch angeboten, gegen einen Aufpreis auf die Spielgebühr eigene Paint zu verwenden.

Spielarten mini|Fünf SupAir-Spieler beim Breakout (Startsignal) Es gibt zahlreiche Spielvarianten im Paintball, die aber alle mit den gleichen Grundregeln gespielt werden. Üblicherweise unterscheidet man Recreational-Paintball mit der Hauptvariante Woodland und das eigentliche Turnierpaintball als Speedball.

Speedball Speedball ist ein Überbegriff für Paintballspiele, die sich auf relativ kleinen, übersichtlichen und ebenen Feldern abspielen. Speedball ist eine Spielart mit meistens künstlichen Deckungen. Das Spiel wird durch die kurzen Entfernungen und die für beide Parteien meist symmetrisch angeordneten Deckungen sehr schnell gespielt. Bestehen die Deckungen aus aufblasbaren geometrischen Figuren wie Zylindern, Kegeln und Kästen, spricht man von SupAir. Die überwiegende Zahl der Turniere wird auf solchen Feldern gespielt. Im Gegensatz zu Woodlandspielfeldern ist es auch für Zuschauer möglich, einen guten Blick über Feld und Spielgeschehen zu erhalten.

X-Ball X-Ball stellt eine jüngere Form des Paintballsports dar, für die das klassische SupAir-Format mediengerecht aufbereitet wurde. Die Mannschaften spielen im beispielsweise Fünf-Mann-Format rundenbasierend gegeneinander um Punkte – immer zwei Mannschaften gegeneinander auf Zeit. Je einen Punkt gibt es für das „Reißen“ und „Hängen“ der Flagge oder das Betätigen eines Buzzers. Das Spiel wird hier nach dem Hängen der Flagge nicht beendet, sondern für zwei Minuten unterbrochen, in denen die Spieler Anweisungen des Trainers bekommen, ausgewechselt werden und sich auf die nächste Spielrunde vorbereiten können. Danach startet die nächste Spielrunde von vorne.

Das Spiel ist dadurch wesentlich schneller geworden und die Mannschaften spielen risikofreudiger, da der Verlust einer Fahne nicht die Niederlage für das Spiel bedeutet. Ebenso ist die Größe der Mannschaften gewachsen. Durch die Verlängerung der Spielzeit und Erhöhung der Spielgeschwindigkeit gibt es meist mehrere „Lines“, die ähnlich wie beim Eishockey auf das Feld gehen. Die Mannschaft in der Pitbox ist zwischen 5 und 12 Mann stark.

Recreational Paintball Recreational Paintball (Abk. RecBall, ) ist der Überbegriff für jedes Paintball-Spiel, bei dem nicht im regulären Liga- oder Turnierbetrieb gespielt wird. RecBall umfasst viele verschiedene Spielarten. So gehören zum Beispiel auch Big Games und Scenario Games zur Kategorie RecBall. Es gibt viele Varianten von RecBall-Spielfeldern. So wird sowohl im Wald als auch auf speziell angelegten Feldern oder in Hallen gespielt. Der Spielspaß, und weniger die Wettbewerbssituation, steht im Vordergrund.

Woodland und Szenario Das klassische Woodlandspielfeld befindet sich im Wald und enthält keine oder nur sehr wenige künstliche Deckungen. Die Bezeichnung Woodland wird auch als Überbegriff für alle Spielarten verwendet, die auf unebenem oder unübersichtlichem Terrain beziehungsweise außerhalb von Turnierfeldern gespielt werden. Spielfelder dieser Art sind die ursprünglichen Spielfelder, die im Paintball Verwendung fanden. In Deutschland sind solche Felder schwierig zu finden, da die rechtlichen Bestimmungen eine legale Eröffnung erschweren. Woodland ist nicht zu verwechseln mit illegalem Spielen im Wald.

Diese Spiele können „szenische“ oder Themenhintergründe haben, wobei die Themen von Film- und Buchvorlagen bis zu geschichtlichen Vorlagen reichen. Hier dienen die Themen allerdings nur als „Umgebung“, auf der das Szenario aufgebaut wird. Des Weiteren kommen taktische Aspekte zum Tragen, wobei hier die Vorbilder teilweise bei Polizei oder Armee zu suchen sind. Erstes Ziel ist das Erfüllen der Aufgabe, dabei kann es passieren, dass am Ende nicht ein Schuss abgegeben wurde. Zusätzlich kann dazu auch die Ausrüstung dieser Spielart angepasst und die Menge der Munition begrenzt werden.

Big Games Eine Besonderheit der Szenariospiele sind Big Games, bei denen außergewöhnlich viele Spieler aufeinander treffen. Der Weltrekord liegt bei mehr als 4320 Spielern bei einer einzigen Veranstaltung.

Im europäischen Raum ist das North vs. South mit über 1800 Teilnehmern und einer bespielbaren Fläche von mehr als 200 Hektar die größte Veranstaltung. Es findet jährlich auf einem aktiven Trainingsgelände der British Army in England statt.

Bekannt in Europa ist auch das Veckring Big Game, welches zweimal jährlich in Frankreich ausgerichtet wird.

Das „Scenario Big Game“, was auf dem Battleground in Polen stattfindet, ist aktuell die größte Veranstaltung im deutschsprachigen Raum. Das Festival besuchen 2 Mal im Jahr ca. 1500 Spieler.

Durch die große Teilnehmerzahl und die damit einhergehenden Einnahmen ist es derartigen Veranstaltungen möglich, besondere Erlebnisse zu bieten, die im normalen Paintballspiel nicht zu finden sind. Hierzu zählen beispielsweise speziell umgerüstete Fahrzeuge oder auch alte Panzer, um das Spiel zu unterstützen, oder der massive Einsatz von Pyrotechnik. Auch werden teilweise exotische Orte, zum Beispiel ein aktiver Freizeitpark oder eine mittelalterliche Fort-Anlage für einige Tage als Paintballspielfelder zur Verfügung gestellt.

Spielvarianten