mini|Schaaken (Caspar Henneberger, 1576) Das Kirchspiel Schaaken war das Kirchspiel der um 1280 entstandenen Lischke Schaaken im Samland. Bis 1880 war Schaaken der Amtssitz des Kreises Königsberg in der Provinz Ostpreußen.Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002. ISBN 3-88189-441-1. Seit 1945 liegt sie im Rajon Gurjewsk der Oblast Kaliningrad. Der Ort Schaaken bestand aus drei Teilen: Liska-Schaaken mit der darin aufgegangenen Domäne Schaaken sowie dem Ort Schemtschuschnoje mit der Schaakener Kirche. Die heutige Ruine befindet sich in der östlichen Ortsmitte von Schemtschuschnoje an der Straße nach Kaliningrad.
Lage Das Kirchspiel Schaaken im Samland reichte im Norden von der Küste des Kurischen Haffs bei Schaaksvitte (russisch: Kaschirskoje) bis nach Konradshorst (Georgijewskoje) im Süden, von Sprittlauken (Gorochowo) im Westen bis nach Neuendorf (Uslowoje) im Osten. Es umfasste nahezu 50 Kirchspielorte bei einer Fläche von mehr als 100 Quadratkilometern.
Eine Nebenstraße führte von Schaaksvitte über Kirche Schaaken in südliche Richtung bis vor die Tore der Stadt Neuhausen (Gurjewsk) an der Chaussee Neuhausen – Labiau (Polessk), der heutigen russischen Fernstraße A 190. Die Königsberger Kleinbahn verband bis 1945 mit ihrer Bahnstrecke Prawten–Schaaksvitte ab Powarben (Stepnoje) das Kirchspiel mit sechs Bahnstationen.
Kirchengebäude mini|hochkant|Kirchenruine im Sommer 2016 Mit dem Bau der Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts begonnen. Sie ist ein für das Samland typischer verputzter Feldstein- und BacksteinbauKirche Schaaken bei Gen-wiki mit dreiseitig geschlossenem Chor.
Der Turm stammt vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Nach einer Beschädigung erhielt er 1862 einen neuen Helm. Das Kircheninnere mit der gewölbten Decke wurde 1877 erneuert. Der Chor und das Langhaus waren durch einen Triumphbogen getrennt. Erst im 15. Jahrhundert zog man Sterngewölbe ein, während der Chor seine flache Decke behielt. An den Wänden sind Reste alter Malereien erkennbar.
Die Bemalung der Emporen erfolgte im 17. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammte auch der Altaraufsatz, der sich auf einer gotischen Mensa befindet. Zwischen korinthischen Säulen zeigte das Hauptbild die Kreuzigung Jesu in einfacher Schnitzerei. Gleichen Alters war die Kanzel.
Die Orgel stammte aus der Werkstatt des Adam Gottlob Casparini in Königsberg (Preußen) (Kaliningrad) und wurde im 20. Jahrhundert von Orgelbaumeister Terletzki in Elbing (Elbląg) grundlegend erneuert. Die drei Glocken waren aus den Jahren 1736, 1815 und 1869.
Die im Krieg unzerstörte Kirche verfiel in den nachfolgenden Jahren. 1966 wurde die Turmspitze abgenommen, und das mit Asbestplatten neu gedeckte Dach hielt bis in die 1980er Jahre. Heute sind nur noch die Außenmauern, der Turm und der Bogen zwischen Kirchenschiff und Chor erhalten.
Kirchengemeinde Bereits in vorreformatorischer Zeit war Schaaken ein Kirchdorf. Die lutherische Reformation hielt hier schon früh Einzug. Bis zum Jahre 1894 war Schaaken eine eigene Inspektion, gehörte dann aber bis 1945 zum Kirchenkreis Königsberg-Land II (nördlich des Pregel) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung infolge des Zweiten Weltkrieges und bedingt durch die restriktive Religionspolitik der Sowjetunion kam kirchliches Leben bis in die 1990er Jahre zum Erliegen. Dann jedoch bildeten sich neue evangelisch-lutherische Gemeinden in der Oblast Kaliningrad, unter denen die in Marschalskoje (Gallgarben) dem ehemaligen Kirchspiel Schaaken am nächsten liegt. Sie ist eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).
Kirchspielorte Das Kirchspiel Schaaken umfasste die folgenden Orte: Name RussischerName Name RussischerName Name RussischerName Adlig Gallgarben Opuschki Konradshorst Georgijewskoje Sand b. Schaaken Damerau Sokolowka Konradsvitte Domäne Schaaken Damerauhof Kröken-Krug Kirche Schaaken Schemtschuschnoje Daniels Tretjakowka Krumteich Selenopolje Liska-Schaaken Nekrassowo Dogehnen Chlebnikowo Marienhof Sewerny Schaaksvitte Kaschirskoje Eythienen Starorusskoje Mickenburg Sperlings Petrowka, jetzt:Krasnopolje Gallgarben Marschalskoje Morgenkrug Sprittlauken Gorochowo Germehnen Naumowka Neuendorf Uslowoje Steinort Primorskoje Ginthieden Pawlowo Neuendorfshöfchen Sudau Oktjabrskoje Görken Iljitschjowo Nickelsdorf Owraschnoje Sudnicken Pirogowo Hannchenthal Palwerhaus Tarpienen Lipowka Hülfe Powarben Stepnoje Thiemsdorf Prawdino Hütterie Preußisch Höfchen Trömpau Lasowskoje Karlshof Sowchosnoje Regitten Krasnopolje Waldhaus Kirschappen Pridoroschnoje Reyken Wesselshöfen Wassiljewskoje Kommau Kistenjowka Sallecken Lessossekowo
Pfarrer Im Kirchspiel Schaaken amtierten von der Reformation bis 1945 jeweils zwei Geistliche (Pfarrer und Diakonus)Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 18–21.Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformatione bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 132: Heinrich NN. Thomas NN., 1535–1537 Kilian Torner, 1537–1544 Hermann Schultetus, 1544–1548 Johann Marius, 1548–1556 Johann Meyer, 1566 Georg Cellinus, 1567–1593 Christoph Walter, ab 1569 Joachim Wedeck, bis 1602 Anton Neander, 1593–1602 Johann Lindingius, 1602–1645 Adam Prätorius, 1603–1616 Urban Schäfer, 1616–1628 Andreas Witzel, 1628–1641 Christoph Fröhlich, 1641–1654 Johann Christian Ising, 1646–1652 Laurentius David Ranger, 1653–1660 Levin Holtzeigen, 1654–1659 Michael Burkhard, 1659–1664 Christoph Weiß, 1660–1701 Heinrich Ranisch, 1664–1675 Christoph Röse, 1675–1715 Johann Sigismund Weiß, 1701–1733 Erdmann Heinrich Wernecke, 1713–1715 Johann Christian Clau, 1715–1733 Johann Christian Busolt, 1731–1747 Martin Christian Feege, 1734–1742 Philipp Theodor Mitzel, 1743–1758 Georg Christoph Rasch, 1747–1770 Michael Rosenbaum, 1758–1761 Johann Friedrich Rosenhagen, 1761–1780 Ludwig Ernst von Borowski, 1770–1782 Christian Albert Färber, 1782–1815 Johann Friedrich Goldbeck, 1782–1812 Johann Wilhelm Volkmann, ab 1812 Friedrich Kowalewski, 1815–1826 Johann Carl Friedrich Borck, 1826–1832 August Friedrich Wilhelm Wegnern, >1832–1838 Johann F.G.F. Schlakowski, 1837–1868 Rudolf C.F. Gregorovius, 1838–1845 Adolf Gotthilf Mertens, ab 1845 Carl Ernst Eduard Reinert. 1852–1868 Adolf Ferdinand Georg Gropp, 1868–1870 Johann Gottfried E. Schaefer, 1868–1870 Eduard H.A. von Schäwen, 1870–1885 (Ludwig Friedrich) Adolf Hoffmann, 1885–1901Hoffmann (1839–1902) war Angehöriger des Corps Masovia. Julius Paul Küßner, 1891–1899 Leopold Kroeske, 1899–1924 Carl Friedrich J. Dallwig, 1902–1922 Ernst Johannes Sattler, 1923–1929 Ernst Glaubitt, 1925–1947 Karl Woronowicz, 1931–1935 Walter Dignath, 1943–1945
Literatur Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 18–21. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Göttingen 1968.
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